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Heidenheim: Dorf in der Stadt

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Eckdaten
Stadt50.000 EW
Stadtquartier1.300 EW
QuartierstypMischquartier
Kreistypverdichteter Kreis
Lagerandstädtisch
präg. BaualterNeubau
Sozialdaten>65-Jährige: 24%
<18-Jährige: 20%
Zuwanderer: 17%
Arbeitslose: k. A.
Träger/EigentümerStiftung/WEG
Förderungkeine


1. Kontext

Das "Dorf in der Stadt" liegt am südwestlichen Rand der Stadt Heidenheim. Initiiert wurde das Projekt von einer Gruppe mit dem Ziel "Gemeinschaftsbildung zwischen Jung und Alt als Ergänzung zu sozialstaatlichen Leistungen" anzuregen. Von Beginn an stand fest, dass ein konkretes Projekt realisiert werden soll: Mehrgenerationenwohnen im Quartier. Angedacht wurde von vornherein ein Neubauprojekt für "Jung und Alt", das wie ein Dorf konzipiert wird und bei dem die Nachbarschaftshilfe als Kernelement in das Bauprojekt integriert ist.


2. Konzept (Generationen, Quartier)

Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Integration jüngerer Menschen (Familien mit Kindern) und älterer Menschen in einem "Dorf". Es sollen Unterstützungsmodelle und soziale Netze für Familien realisiert werden, bei denen die älteren Generationen den jüngeren helfen und die jüngeren den älteren. Das Konzept sieht gleichzeitig vor, dass jeder bis zum Lebensende im Quartier wohnen bleiben kann. Hierzu sind Ehrenamt, semi-professionelle Dienstleistungen bis hin zu professionellen Dienstleistungen notwendig.

Den Initiatoren des Dorfes ist es wichtig, dass die Bewohner hinter der Idee des gemeinsamen Dorfes mit den nachbarschaftlichen Unterstützungsleistungen stehen und zueinander passen. Vor diesem Hintergrund wird Interessenten bei der Bewerbung ein Fragebogen geschickt. Das eindeutige Profil des Projektes wirkt selektierend auf die Bewohnerstruktur.

Zu dem Konzept zählt das Miteinander der Stiftung, die die Finanzierung ermöglicht und des Vereins, der die gegenseitige Hilfe der Bewohner organisiert. Des Weiteren wird eine ambulante Pflege im Dorfzentrum integriert und bereits ein Case- und Care-Management, dass sich im Fall der Pflege einsetzt aufgebaut. Das Case- und Care-Management ist gleichzeitig Anlaufstelle für das gesamte Quartier Heidenheim-West. Darüber hinaus gibt es ehrenamtliche Tätigkeiten und semiprofessionelle Dienstleistungen.

Die Stiftung "Dorf in der Stadt" ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit den Tätigkeitsfeldern Betreuung von Älteren, Betreuung von Menschen mit Behinderungen, Jugend- und Altenhilfebereich, Bildung und Wissenschaft, Gesundheitswesen, Umwelt- und Naturschutz, Kunst und Kultur.


3. Innovationen

Das Dorf (angedacht etwa 200 Bewohner im Neubauprojekt) ist als ein Mehrgenerationenwohnen im Quartier organisiert und gleichzeitig als sozialer und kultureller Mittelpunkt für den Stadtteil (Heidenheim-West) konzipiert.

Innovativ ist die private Finanzierung. Hierzu wurden neue Rechtswege gewählt, z.B. die Stiftung als Bauherr, der Bewohnerverein, um Nachbarschaftshilfe zu organisieren, ein Case- und Care-Management, um im Fall der Pflegebedürftigkeit eine individuelle und humane Regelung zu finden (inklusive Finanzierung über die Pflegekasse).

Es wurde frühzeitig Kontakt zur Heimaufsicht aufgenommen, um zu prüfen, inwieweit die Wohngemeinschaften für die Älteren als ambulante Pflege abgerechnet werden können. Die Heimaufsicht ist sehr interessiert an dem Projekt, da hier innovative Ansätze erprobt werden, die im Sinne der Zukunftsentwicklung (ambulant vor stationär) modellhaft sind.

Die Stiftung als Träger hat nicht nur die Funktion, die Finanzierung zu ermöglichen. Die Stiftung hat eine Satzung, die im Sinne des oben genannten Ziels (Gemeinschaftsbindung zwischen Jung und Alt) das Projekt langfristig sichert. In den Kaufverträgen bzw. Teilungserklärungen ist diese Zielsetzung ebenfalls mit verankert.


4. Ziele

Geplant ist, folgende Lebensbereiche zu verwirklichen:

  • Wohnbereiche für Familien, Paare, Alleinstehende, Behinderte, Pflegebedürftige
  • Unterstützung durch gegenseitige Hilfe, z.B. Kinderbetreuung
  • Integration von Dienstleistungen: ambulanter Pflegedienst, Verpflegungsmöglichkeiten, Hausmeisterdienst, Tagespflege, Pflegegruppen, Hospiz
  • Einrichtung von Gemeinschaftsflächen: Gemeinschaftsräume, Dorfwirtshäusle, Dorflädchen auch für die angrenzenden Quartiere


5. Maßnahmen/Verfahren

  • 1994 Gründung des Vereins "Die Brücke"
  • 1995 Initiativkreis, der das Konzept für das Dorf erarbeitet
  • 2002 Gründung der Stiftung "Dorf in der Stadt"/Umsetzung des Projektes
  • 2003 Spatenstich
  • 2003 Baubeginn der ersten beiden Häuser (22 Wohneinheiten)
  • 2004 Baubeginn des dritten Hauses (14 Wohneinheiten)
  • 2004 Fertigstellung von Haus I und II
  • 2005 Baubeginn des vierten Hauses (22 Wohneinheiten, barrierefrei) Fertigstellung 11/2006
  • 2005 Fertigstellung von Haus III
  • 2006 Einweihung der Biomasse-Heizanlage
  • 2007 ist der Bau des fünften Hauses mit Pflegewohngruppen, Hospizwohnung, Arztpraxen, Dorf-Wirtshäusle, Läden und Dorfbüro geplant
  • 2007/2008 Baubeginn für den zweiten Bauabschnitt mit ca. 40 Wohneinheiten


6. Finanzierung/Förderung/Kosten

Die Wohnungen werden als Eigentum erworben und von den Käufern frei finanziert. Sie werden selbst genutzt oder zur Vermietung zur Verfügung gestellt. Für die Vorsorger bzw. Kapitalanleger gibt die Stiftung eine Mietgarantie für zehn Jahre. Die Mieten liegen zwischen 5,50 und max. 6,00 Euro/m². Die Wohnbereiche wie auch die Gemeinschaftseinrichtungen werden von den Bewohnern in Selbstverwaltung und Mitverantwortung gestaltet. Die Wohnungseigentümer bilden eine Wohnungseigentümergemeinschaft.

Die Stiftung übernimmt die Bauherrenrolle (ohne Gewinnabsicht) und hat über die Hannoversche Kasse eine Zwischenfinanzierung erreichen können, d.h. die Stiftung realisiert das Bauprojekt und verkauft die Wohnungen (ca. 2.000 Euro/m²). Bei den Verkaufspreisen ist die Finanzierung der später im Dorfzentrum vorgesehenen Gemeinschaftsflächen nicht enthalten. Träger der Gemeinschaftseinrichtungen wird die Stiftung sein.

Die Leistungen im Zusammenhang mit der Bauherrenaufgabe werden (seit Baubeginn 2003) mittlerweile bezahlt (kein Ehrenamt).


7. Projektstand

Derzeit leben im Dorf 62 Menschen: 16 Kinder (das Jüngste ist wenige Monate) und 46 Erwachsene (der älteste Bewohner ist 83 Jahre). Realisiert sind insgesamt 36 Wohneinheiten, 18 davon barrierefrei, weitere 22 barrierefreie Wohnungen werden im Herbst 2006 fertig gestellt. Insgesamt sind derzeit 6 Wohneinheiten noch verfügbar (Verkauf). Es gibt eine lange Warteliste von Mietern, die einziehen möchten. Geplant ist das Projekt für insgesamt 200 Bewohner.


8. Akteure/Beteiligte

Eine Gruppe aktiver Privatpersonen, die den Verein „Die Brücke“ und die Stiftung "Dorf in der Stadt" gegründet haben.

Geplant wurde das "Dorf in der Stadt" vom Planungsbüro PIA in Überlingen.

Die Hannoversche Kasse ist eine Versicherung zur Altervorsorge. Sie unterstützen das Projekt mit dem Ziel, zukunftsorientierten Formen des generationenübergreifenden Wohnens Entwicklungsraum zu geben.

Ansprechpartner:

Frau Erika Loew
Stiftung "Dorf in der Stadt"
Neuffenstraße 11, 89518 Heidenheim
Tel: +49 7321 987128
dorfinderstadt@t-online.de


9. Gender-Relevanz

Durch das Konzept des gegenseitigen Unterstützens wird auch Müttern der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert.


10. Wechselbeziehungen Wohnen: Freiflächen: Gemeinschaftseinrichtungen

Durch die autofreie Gestaltung der Siedlung und weitgehend schwellenfreie Anlage ist das Mehrgenerationenprojekt für alle Altersgruppen auch im Außenraum erlebbar. Die geplanten Gemeinschaftseinrichtungen im Dorfzentrum sollen nicht nur Treffort für die Bewohner des Dorfes sondern auch für den Stadtteil Heidenheim-West sein.


11. Besonderheiten/Anmerkungen

Unterstützung durch die Stadt und den Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim


12. Weiterführende Informationen

www.dorf-in-der-stadt.de



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