Lübbenau / Spreewald - Neustadt: Vielfältiges Wohnen im Quartier Neustadt
Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben
- Das Projekt
- Breites Wohnungsangebot für unterschiedliche Zielgruppen
- Wechselbeziehungen Wohnen – Gemeinschaftseinrichtungen – Freiflächen
- Vielfältige Kooperationen im Quartier
- Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements durch Einbindung der Bewohner
- Erfahrungen und Übertragbarkeit
- Kontakt
| Stadt | 12.371 EW (ohne Ortsteile) |
| Stadtquartier | 9.155 EW |
| Quartierstyp | Zeilenbau |
| Kreistyp | ländlicher Kreis |
| Lage | innerstädtisch |
| präg. Baualter | 1960er/70er Jahre |
| Sozialdaten | >65-Jährige: 32,1% <20-Jährige: 13,9% Zuwanderer: 1,7% Arbeitslose: 14,8% |
| Träger/Eigentümer | kommunal/privatwirtschaftlich |
| Förderung | Soziale Stadt, Bund-/Landesprogramme |
Das Projekt
Kontext
Das Lübbenauer Wohngebiet Neustadt liegt südlich der Altstadt und war bis 1990 ein eigenständiger Stadtteil (Doppelstadt). Bauten der 1950er/60er Jahre sowie Verdichtungsmaßnahmen der 1970er Jahre prägten den Standort mit ca. 7.000 Wohneinheiten.
Die Schließung des Tagebaus und der Kraftwerke in den 1990er Jahren führte zum Rückgang von Arbeitsplätzen und damit Bevölkerungsverlust durch Abwanderungen. Dieser wurde durch den natürlichen Bevölkerungsrückgang verstärkt und schlug sich in einem hohen Wohnungsleerstand nieder. Der Rückbau der Infrastruktur und Verlust der Standortidentität waren die Folge.
Ab 1996 wurden insbesondere für den Stadtteil Neustadt verschiedene Konzepte erarbeitet und fortgeschrieben. Grundlage für das heutige, gesamtstadtübergreifende Handeln ist das integrierte Stadtumbaukonzept (STUK) von 2002. Diese städtebauliche Handlungsgrundlage wurde im gleichen Jahr von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und vom Bauministerium des Landes Brandenburg genehmigt. Sie dient als Planungsgrundlage für die Neustadt.
Konzept
Übergeordnete Ziele für den Stadtteil sind die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität des Standortes sowie dauerhafte Stabilisierung und Aufwertung des Kerns der Lübbenauer Neustadt. Es sollen attraktive Wohn- und Freizeitangebote für alle Altersgruppen und soziale Schichten in kleinteiligen Quartieren entstehen, u.a. durch ein differenzierteres Wohnungsangebot, die Aufwertung von Außenanlagen und Schaffung vielfältiger sozialer Dienstleistungen. Dazu befinden sich im Rahmen des Modellvorhabens fünf unterschiedliche Module im Quartier in der Umsetzung. Neben einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt "Du-Ich-Wir Nachbarschaften unter einem Dach" und behindertengerechtem Wohnen im sozialen Verbund werden Gemeinschaftsflächen im Haus der Harmonie und Haus für Kinder und Senioren realisiert sowie der Zeitlos-Spiele-Park für alle Generationen geplant.
Breites Wohnungsangebot für unterschiedliche Zielgruppen
Kernziel des Stadtumbaukonzeptes ist die Reduzierung des Wohnungsbestandes um ca. 2.500 Wohneinheiten bei gleichzeitiger Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität des Standortes. Dazu gehörten bereits der Umbau von viergeschossigen Plattenbauten zu zweigeschossigen familiengerechten Reihenhäusern sowie der Umbau eines dreizehngeschossigen Hochhauses zu seniorenfreundlichem Wohnen mit Concierge. Im Rahmen des Modellvorhabens wird dieses Ziel weiterverfolgt: Das zentrale Projekt im Quartier ist das gemeinschaftliche Wohnprojekt "Du-Ich Wir Nachbarschaften unter einem Dach". Durch die räumliche Lage zwischen dem Zeitlos-Spiele-Park, dem Haus der Harmonie, dem behindertengerechten Wohnen im sozialen Verbund und weiteren Angeboten im Quartier ist das "Mehrgenerationenwohnhaus" gleichzeitig Kristallisations- und Kommunikationspunkt. Das leer gezogene Gebäude vom Bautyp Lübbenauer Platte P 1 mit 48 Wohneinheiten wird entsprechend der unterschiedlichen Nachfragegruppen umgebaut. Einer von drei Aufgängen des Wohngebäudes wird mit überwiegend großen Wohneinheiten für Familien mit Kindern geplant, ein weiterer Aufgang spricht mit dem Angebot von Zwei- und Dreizimmerwohnungen überwiegend ältere Paare an.
Zur Förderung des Miteinanders werden in jedem Aufgang Gemeinschaftsflächen angeboten. Diese sind entweder als Kommunikationsbereiche neben den Aufzügen auf jeder Etage angelegt oder als separate Aufenthaltsräume z.B. im Dachgeschoss. Die Größen der Aufenthaltsräume liegen bei rund 20 qm. Durch die direkte Lage am Zeitlos-Spiele-Park besteht zudem eine direkte Verbindung zu Außenräumen für verschiedene Nutzeransprüche.
Durch bauliche Veränderungen wird in der Nachbarschaft des Weiteren die Integration von behinderten Menschen gefördert. In einem Bestandsgebäude wurden von 24 Wohneinheiten vier Wohnungen behindertengerecht und 20 Wohnungen barrierefrei umgebaut. Beide Eingänge werden über einen Aufzug (Durchlader) und Laubengang erschlossen. Die großzügigen Windfänge dienen gleichzeitig als Entrée und Ort der Kommunikation. Das Projekt ist bereits bezogen und der Bevölkerungsmix mit einer Altersstruktur von Jugendlichen bis 80-Jährigen zeigt den Erfolg des Konzeptes. Neben zwei Rollstuhlfahrern und drei gehbehinderten Bewohnern haben sich ebenfalls kleine Gruppen von Älteren gemeldet, die sich bereits aus früheren Hausgemeinschaften kannten und nun gemeinsam "unter einem Dach" leben möchten.
In einem weiteren Gebäude, dem "Haus für Kinder und Senioren", wurden im Erdgeschoss fünf Wohnungen für (pflegebedürftige) ältere Menschen umgebaut. Ein integriertes Büro für häusliche Krankenpflege von der Diakonie übernimmt die Betreuung der Seniorenwohnungen. Im Obergeschoss sind Einzel- und Gruppenräume mit Tagesheimcharakter für sozial auffällige Kinder sowie Beratungsräume entstanden. Zu dem Objekt gehört ebenfalls ein Garten mit Terrasse und Spielangeboten für Kinder, der allen Altersgruppen zur Nutzung zur Verfügung steht. In einem zweiten Gebäude ist ein Internat geplant, welches Schülern aus dem Umland Wohnraum in unmittelbarer Nachbarschaft zu weiterführenden Schulen im Quartier bieten soll.
Wechselbeziehungen Wohnen – Gemeinschaftseinrichtungen – Freiflächen
In der Lübbenauer Neustadt fehlen öffentliche und private Einrichtungen wie Stadtteilcafés oder "Eckkneipen". Das "Haus der Harmonie" soll sich zu einem besonderen Ort der Kommunikation für alle Generationen entwickeln. Auch wenn die Angebote sich zunächst stärker an ältere Bewohner richten, um der fortschreitenden Vereinsamung von Senioren entgegenzuwirken, so sollen durch Spin-Off-Effekte nach und nach Angebote für alle Altersgruppen entstehen. Ähnlich des Charakters eines Clubhauses, in dem nach Spreewälder Tradition gemeinsam entwickelt, vorbereitet, gekocht und gegessen wird, soll sich das Angebot auf gemeinsames Lesen, Klönen, Bilden, Tanzen etc. ausweiten. Dieser "Treffort" von rund 200 qm im ersten Obergeschoss wird durch Dienstleistungsangebote im Erdgeschoss ergänzt.
Der "Zeitlos-Spiele-Park" bietet eingebettet in das Wohnumfeld Angebote für alle Altersgruppen im Freien. Durch spezielle Fitnessgeräte sollen vorzugsweise ältere Bewohner des Stadtteils angesprochen werden. In einem ersten Experten-Workshop (Projektträger, Planer, Mietervertreter) wurden Zielsetzungen festgeschrieben, die in einer Bürgerwerkstatt ausdifferenziert wurden. Ziel ist es, einen wohnortnahen Außenraum zu schaffen, der durch generationenübergreifende Angebote zur Vernetzung der Generationen untereinander beiträgt.
Vielfältige Kooperationen im Quartier
Mit dem städtebaulichen Kooperationsprojekt LÜBBENAUBRÜCKE, welches bereits 1999 initiiert wurde, sind die Stadt und die Wohnungsunternehmen im Quartier die Hauptakteure. Entsprechend der jeweiligen Projekte werden weitere Akteure in die Entwicklung, Planung und Umsetzung mit einbezogen und Kooperationspartner für den Betrieb gesucht.
Die Wohnangebote, auch die Wohnungen für behindertengerechtes Wohnen und pflegebedürftige Menschen im Haus für Kinder und Senioren, bleiben im Bestand der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH, die als Vermieter auftritt. Die Diakonie ist als Mieter mit einem Büro für die Organisation von Dienstleistungen (ambulanter Dienst), einem Angebot für Lebens- und Familienberatungen sowie einer Kindertagesgruppe vor Ort. Eine Kooperation mit der Diakonie ist auch für die Betreuung der Jugendlichen im Internat geplant. Der Bau und die Finanzierung des Zeitlos-Spiele-Parks wird durch die Zusammenarbeit der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH, der GWG Gemeinschaftliche Wohnungsbaugenossenschaft der Spreewaldstadt Lübbenau e.G. und der Stadt Lübbenau ermöglicht. Nach Fertigstellung des Parks wird die Pflege und Unterhaltung durch die Stadt Lübbenau übernommen.
Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements durch Einbindung der Bewohner
In Lübbenau spielen die Förderung von Bürgerengagement und die Potenzialentwicklung eine wichtige Rolle. Die Bewohner werden durch unterschiedliche Angebote an die Thematik Stadtumbau und an quartiersbezogene Themen herangeführt. Dies geschieht sowohl informativ als auch aktiv, wie zum Beispiel über die Mitarbeit in Arbeitsgemeinschaften und Übernahme von Patenschaften. Die Maßnahmen der Partizipation tragen zur Entwicklung einer gut funktionierenden Nachbarschaft bei. Generationenübergreifende, individuell nutzbare und wenig fremd organisierte Angebote werden als wesentlich für die soziale Stabilisierung des Quartiers gesehen.
Im Bezug auf das gemeinschaftliche Wohnprojekt hat sich die frühzeitige Einbindung der Mieter in die Planungen bewährt. Kontinuierlich wurden die Nachfrager über das Projekt oder Veränderungen in den Planungen hinsichtlich baulicher Aspekte informiert. Nicht nur in Bürgerinformationsveranstaltungen, Planungswerkstätten und Workshops sondern auch in einer Vielzahl von persönlichen Beratungsgesprächen durch das Wohnungsunternehmen konnte auf die Bedarfe der einzelnen Mieter eingegangen und Planungen verfeinert werden. Es wurde deutlich, dass nicht nur Planer und Vermieter eng zusammenarbeiten müssen, sondern dass der Dialog mit den potenziellen Mietern unabdingbar ist. Im Laufe des Beteiligungsprozesses stellte sich heraus, dass die meisten Mieter ähnliche Vorstellungen vom attraktiven Wohnen in Nachbarschaften haben, dazu zählten u.a. ein Wohnhaus mit Aufzug, mehr Abstellflächen, ruhiges Wohnen, teilweise sichtgeschützte Frei- und Grünflächen und eine gute Nachbarschaft.
Erfahrungen und Übertragbarkeit
Die Stadt Lübbenau/Spreewald hat durch das gemeinsame Handeln von Wohnungsunternehmen und Stadt unter dem Dach LÜBBENAUBRÜCKE bereits seit dem Jahr 2000 einen beispielhaften Stadtumbau in der Lübbenauer Neustadt begonnen. Die Ausdifferenzierung des Wohnangebotes von Reihenhäusern für Familien über seniorengerechte Wohnungen bis hin zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten und behindertengerechten Angeboten spricht unterschiedliche Generationen und Nachfragegruppen an. Durch das Angebot an vielfältigen Dienstleistungen und umfangreichen Freizeitangeboten wird die Wohnattraktivität zusätzlich gesteigert. Die Einbindung der Bewohner in den gesamten Prozess, aber auch in jedes einzelne Umsetzungsmodul bringen eine hohe Akzeptanz und Identifizierung der Nachfrager mit den geplanten Angeboten. Dabei spielt das vor Ort verankerte Projektbüro der LÜBBENAUBRÜCKE als Anlaufpunkt für alle Bürger eine wichtige Rolle. Neben den Beteiligungsverfahren führen auch die Organisation von Stadtteilfesten und kulturellen Veranstaltungen zu einem stadtübergreifenden Bekanntheitsgrad und entsprechenden Imageaufwertung des Quartiers.
Kontakt
Projektbüro
LÜBBENAUBRÜCKE
Dr. Jürgen Othmer
Güterbahnhofstraße 57
03222 Lübbenau/Spreewald
Tel.: +49 3542 4036-92
Fax: +49 3542 4036-99
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www.luebbenaubruecke.de

