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Quartiers-Impulse: Neue Wege zur Stärkung der lokalen Wirtschaft

Ergebnisse

Modellvorhaben "Lokale Netzwerke/Cluster" und "privates Engagement"

In Bezug auf die für diesen Maßnahmenschwerpunkt relevanten Kernfragen können folgende Ergebnisse festgehalten werden:

Welche Erwartungen sind an neue Ansätze der lokalen Wirtschaftsförderung zu stellen?

Die Positionierung eines Quartiers innerhalb des gesamtstädtischen bzw. regionalen Wirtschaftsgefüges ist eine zentrale Voraussetzung für die Art der wirtschaftlichen Aktivitäten, die sich dort entfalten können. Erwartungen an die durch eine lokal-ökonomische Förderstrategie zu erzielenden Wirkungen sollten sich daher auf den Spielraum beschränken, der an einem bestimmten Standort im Wesentlichen durch seine gesamtstädtische bzw. regionale Einbettung vorgegeben ist.

Die lokal eingebettete Ökonomie stellt ein wichtiges Segment des Unternehmensspektrums der Modellgebiete dar. Im Rahmen der begleitenden wissenschaftlichen Analyse durchgeführte Unternehmensbefragungen belegen, dass die in lokalen Stadtteilzentren ansässigen Kleinbetriebe z.T. stark von der Kaufkraft der Kundschaft in ihrem näheren Standortumfeld abhängig sind. Eine auf einen sehr lokalen Kundenkreis zugeschnittene Marktorientierung erweist sich jedoch, auch dies belegen die begleitenden Analysen, als wirtschaftlicher Nachteil. Ein Kernziel der lokalen Wirtschaftsentwicklung sollte es daher sein, Kleinbetriebe durch eine stärkere Standortprofilierung dabei zu unterstützen, für sich neue Kundenkreise zu erschließen. Damit soll kein ruinöser Wettbewerb zwischen den Kleinbetrieben verschiedener Stadtteile entfacht werden. Vielmehr geht es darum, zur Wahrung des Gewerbebestands an Standorten mit zu geringem Kaufkraftpotenzial die dort ansässigen Unternehmen bei der Gewinnung zusätzlicher Kunden zu unterstützen. Dies kann durch eine gewisse "Arbeitsteilung" zwischen den Quartieren gelingen.

Auf starke Arbeitsmarkteffekte ist allerdings angesichts der geringen Zahl der verwirklichten Gründungen und Neuansiedlungen und der begrenzten Wachstumsperspektiven von Kleinbetrieben aus Einzelhandel, Gastronomie und haushaltsorientierten Dienstleistungen, die an den beispielhaft ausgewählten Standorten vorherrschen, nicht zu hoffen.

Welche Maßnahmen sollten konkret ergriffen werden?

Anknüpfungspunkte für die Stadtentwicklungspolitik des Bundes und die Kommunalpolitik bestehen vor allem darin, den Aufbau netzwerkartiger lokaler Selbstorganisationen zu unterstützen, in denen Akteure aus öffentlichem Sektor und Privatwirtschat zielgerichtet an der Verwirklichung von stadtteilbezogenen Förderprojekten zusammenarbeiten. Die in der Regionalpolitik etablierte Clusterförderung ist gewissermaßen ein "Spezialfall" der Netzwerkpolitik, da sie auf die Anregung sehr enger Kooperationen in bestimmten Branchen abzielt. Angesichts der fehlenden "kritischen Masse" an Unternehmen aus einzelnen Branchen eignet sich das Stadtteilumfeld eher zum Aufbau von Kontakten zwischen Unternehmen aus verschiedenen Branchen sowie zwischen Unternehmen und Akteuren aus Politik, Kultur und Verwaltung. Kleinere Branchenschwerpunkte, z.B. aus Kultur- oder Migrantenwirtschaft, können zur Profilbildung bzw. zum "Branding" einzelner Quartiere beitragen.

Unter welchen Rahmenbedingungen engagiert sich die Privatwirtschaft?

Wird ein zur Unterstützung geeignetes Projekt durch erste Fortschritte erkennbar, besteht prinzipiell eine recht hohe Bereitschaft größerer und kleinerer Unternehmen, dieses zu unterstützen, sei es durch Bereitstellung von Know-how bzw. Personal oder durch Geldleistungen. Viele Unternehmen haben erkannt, dass es sich, etwa zur Pflege des politischen Umfelds, zur Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen oder zur Motivation der eigenen Beschäftigten lohnen kann, sich für Standortgemeinschaften zu engagieren. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass diese Unternehmen die benachbarten Kleinbetriebe quasi "an die Hand" nehmen und für sie das Management lokaler Netzwerke übernehmen oder allein durch ihr Sponsoring die Verwirklichung von Gemeinschaftsaktionen garantieren. Alle Erfahrungen zeigen, dass es zunächst darauf ankommt, in Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Sektor und Gewerbetreibenden geeignete Fördermaßnahmen zu finden und auch mit ihrer Umsetzung zu beginnen. Zeigen sich erste Erfolge, werden sich genügend Interessenten finden, die an positiven Entwicklungen teilhaben wollen und bereit sind, dafür auch eine eigene Leistung zu erbringen. Dies erfordert von lokalen Netzwerkakteuren einerseits einiges Durchhaltevermögen, andererseits aber auch die Bereitschaft dazu, Projektfortschritte kritisch zu hinterfragen. Gegebenenfalls wird es erforderlich sein, Zielvorgaben zu ändern oder bestimmte Strategien, die keine ausreichende Unterstützung erfahren, ganz aufzugeben.

Welche organisatorischen Vorkehrungen sind zu treffen und wie können kommunale und quartiersbezogene Wirtschaftsförderung verknüpft werden?

Aufgabe der Städte wird es in Zukunft sein, sich ein Stück weit von der Strategie zu verabschieden, zur Aufwertung ausgewählter Stadtteile neue Organisationsstrukturen mit eigenen Programmbudgets einzurichten. Vielmehr zeigt das Forschungsfeld "Quartiers-Impulse", dass es erforderlich und möglich ist, die Stadtteilförderung generell stärker im "Mainstream" der Stadtpolitik zu verankern.

Auch wenn die Ziele der lokalen Wirtschaftsförderung nur durch eine Kooperation öffentlicher und privater Akteure erreicht werden können, war es eine Erfolgsvoraussetzung der Modellvorhaben, dass konkrete Maßnahmen zunächst durch die Städte bzw. durch die von ihnen beauftragten Projektpartner in Gang gebracht wurden.

Modellvorhaben "Mikrofinanzierung"

Die Ergebnisse der drei Modellvorhaben zum Thema "Mikrofinanzierung für das Quartier" lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Einbindung der Privatwirtschaft

In den Modellvorhaben ist die Einbindung der Privatwirtschaft in mehrerer Hinsicht gelungen:

Die in den Modellvorhaben aktiven Mikrofinanzierer waren der Privatwirtschaft zuzuordnen. Unternehmen wirkten zudem als lokale Partner mit und engagierten sich beispielsweise auch in einem lokalen Haftungsfonds für die Mikrofinanzierung. Diese Unternehmen waren halböffentlich oder zumindest einem öffentlichen Auftrag verpflichtet. Auf Seiten der Nutznießer der Förderung ist in Berlin die Integration lokaler Unternehmen im Rahmen eines "Unternehmerfrühstücks" gelungen. In Dortmund haben sich Unternehmen in der NORDHAND eG zusammen geschlossen.

Eine aktive Einbindung lokaler Unternehmen funktioniert also. Eher schwächere Unternehmen, die Zielgruppe der Quartiersförderung sind, schließen sich aktiv zusammen, wenn sie sich hieraus konkrete Vorteile versprechen. Dieser Zusammenschluss muss aber organisiert und gepflegt werden, und die angenommenen Vorteile aus dem Zusammenschluss müssen sich realisieren, sonst fällt der Zusammenschluss wieder auseinander.

Andere Unternehmen, die nicht zur Zielgruppe gehören, engagieren und beteiligen sich ebenfalls. Dabei fiel in den Modellvorhaben auf, dass es sich bei den engagierten Unternehmen um solche handelte, die einem öffentlichen Auftrag verpflichtet waren.

Die Aktivierung etablierter, starker, rein privatwirtschaftlicher Unternehmen ohne jeden öffentlichen Auftrag wurde in den Modellvorhaben nicht beobachtet.

Finanzdienstleistungen für das Quartier

Die Modellvorhaben erprobten Mikrofinanzansätze für kleine Unternehmen im Quartier. Es wurden Kredite von 5.000 bis 10.000 Euro zu einem Zins zwischen 5% und 10% p.a. vergeben. Bevor diese Vergabe aber möglich war, mussten erst die lokalen Mikrofinanzorganisationen aufgebaut werden. Es brauchte in allen Modellvorhaben anderthalb Jahre, bis die Modelle funktionsfähig waren.

Die im letzten Viertel des zweijährigen Förderzeitraums gesammelten Erfahrungen mit der jeweiligen Finanzdienstleistung genügen noch nicht, um auf dieser Basis die Eignung der jeweiligen Kreditprodukte für Kleinunternehmen im Quartier valide beurteilen zu können.

Elemente lokaler Mikrofinanz-Kooperationen

Alle drei Modellvorhaben haben jeweils unterschiedliche Mikrofinanzsysteme konzipiert und erprobt. Aus der Vielzahl der Erfahrungen und Erkenntnisse lassen sich folgende Kernelemente von Mikrofinanz im Quartier aggregieren:

  • Abstimmung mit lokalem Förderkanon

    Bevor mit dem Aufbau eines lokalen Mikrofinanzsystems begonnen wird, ist zunächst der lokal wirksame Förderkanon zu analysieren. Wenn es bereits ein lokal verfügbares Mikrofinanzangebot gibt, dessen Konditionen für die Kunden möglicherweise sehr attraktiv sind, ist es schwer, parallel eine quartiersbezogene Lösung aufzubauen. Es ist dann notwendig, das zu entwickelnde Modell auf diese Strukturen zu beziehen.

  • Zusammenwirken von Stadt und Mikrofinanzierer

    Mikrofinanzierung als Instrument der Stadtentwicklung muss von Mikrofinanzierern und Stadt gemeinsam betrieben werden. Die Stadt ist wichtig für die Anschubfinanzierung und die Organisation des Zusammenwirkens aller an der Entwicklung der lokalen Ökonomie Beteiligten. Der Mikrofinanzierer fungiert als Treiber, der über die Fachkompetenz verfügt, um ein entsprechendes Modell zu entwickeln und umzusetzen.

  • Lokal verankerter Risikofonds

    Die Regelung der Haftungsverhältnisse ist für ein lokales Mikrofinanzsystem essenziell. Im Rahmen des DMI-Kooperationsmodells ist es möglich, durch Einlage von 10.000 Euro in einen Lokalfonds ein Kreditvolumen von 50.000 Euro auszureichen. Legt die Kommune diesen Betrag ein, ist ihre Haftung auf denselben Betrag beschränkt, das Kreditvolumen beträgt aber das Fünffache. Diese attraktive Hebelwirkung wird durch Integration des Mikrofinanzfonds Deutschland in das Mikrofinanzmodell erreicht. Andere Haftungsformen sind möglich, aber für die Kommune mit höheren Kosten und Risken verbunden.

  • Effiziente Schnittstelle zum Bankensystem

    Die Einbindung einer Bank in das Mikrofinanzmodell ist zwingend erforderlich. Allerdings haben Banken und Sparkassen grundsätzlich kaum Interesse daran, sich in der lokalen Mikrofinanzierung zu engagieren, weil damit derzeit kein Geld zu verdienen ist. Demgegenüber hat die GLS Bank Bochum, eine Wegbereiterin der Mikrofinanzierung in Deutschland, inzwischen nahezu 300 Mikrokredite im ganzen Bundesgebiet abgewickelt und bietet auch der lokalen Mikrofinanzierung eine effiziente Schnittstelle im Rahmen des DMI-Kooperationsmodells.

  • Niederschwellige aufsuchende Beratung

    Mikrofinanz im Quartier wird nicht sofort nach Start eines Modells breit nachgefragt. Selbstständige im Quartier haben bei "normalen Banken" keine Chance, einen Kredit zu erhalten. Sie gehen oft nicht mehr davon aus, einen Kredit in Anspruch nehmen zu können. Auch denken sie nicht (mehr) in Kategorien wie "Investition", "Kredit" oder "Wachstum". Daher fragen sie zunächst auch keinen Kredit nach. Um genau diese schwächeren Unternehmen zu fördern, bedarf es einer aufsuchenden Beratung. Mikrofinanzierung muss "verkauft" werden. Diese Beratung, die von einem "Quartiers-Berater" übernommen wird, muss niederschwellig sein, damit sie die Zielgruppe erreicht.

    Aufgabe des "Quartiers-Beraters" ist es, die Menschen aktiv aufzusuchen, ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen aufzubauen, ihre ökonomische Situation zu erfassen, ins Gespräch zu kommen über ökonomische Perspektiven, über Mikrofinanzierung zu informieren, die Verbindung zum Mikrofinanzierer herzustellen sowie den Weg frei zu machen für weiterführende ökonomische Beratung. Die organisatorische Einbindung des Quartiers-Beraters kann erfolgen im Rahmen der Wirtschaftsförderung, im Rahmen des Quartiersmanagements oder in einem integrierten Ansatz. Welche Variante am günstigsten ist, hängt von den kommunalen Gegebenheiten ab.

  • Interkommunale Kooperation

    Gerade in der quartiersbezogenen Mikrofinanzierung ist es wichtig, die Struktur- und Prozesskosten niedrig zu halten. Eine entscheidende Stellgröße dafür sind höhere Stückzahlen der Kreditvergabe. Ein Mikrofinanzmodell lässt sich ab einer Stückzahl von 150 bis 200 pro Jahr eigenwirtschaftlich betreiben. Solche Stückzahlen sind aber in einzelnen Quartieren nur schwer zu erreichen. Es ist daher sinnvoll, eine Mikrofinanzstruktur zu etablieren, die von mehreren Kommunen gleichermaßen genutzt wird, denn dadurch hat das Mikrofinanzsystem einen größeren Aktionsradius. Zudem können Lernkurven- und Fixkostendegressionseffekte realisiert werden.

Im Print publizierte Ergebnisse aus dem Forschungsfeld finden Sie in der Marginalspalte (siehe Veröffentlichungen).

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Peter Jakubowski
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt

Tel.: +49 228 99401-2150
peter.jakubowski@bbr.bund.de

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