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Gewalt- und Kriminalprävention in der sozialen Stadt

Ergebnisse

Internetgestützte Befragung der Soziale-Stadt-Programmgebiete

Im Zeitraum Juli bis September 2011 wurde eine internetgestützte Befragung aller Programmgebiete der Sozialen Stadt durchgeführt. Mit der Befragung wurde u.a. geprüft, inwieweit die jeweiligen Programmgebiete von Gewalt und Kriminalität betroffen sind. Die verantwortlichen Programmansprechpartner wurden zudem befragt, welchen Stellenwert die Gewalt- und Kriminalprävention in den betroffenen Quartieren hat und mit welchen Ansätzen und Instrumenten der Problematik bisher begegnet wird.

Insgesamt ist die Rücklaufquote mit 31,8% hoch. Es gibt große Schwankungen zwischen den einzelnen Bundesländern. Am höchsten ist die Rücklaufquote in den Stadtstaaten Bremen (61,5%) und Berlin (56,1%). Auch in Sachsen (54,2%), Mecklenburg-Vorpommern (53,8%), Niedersachsen (42,9%), Hessen (34,9%) und Rheinland-Pfalz (34,1%) ist die Rücklaufquote höher als im Durchschnitt. In Hamburg wurde kein Fragebogen beantwortet. Die übrigen Rücklaufquoten liegen zwischen 14,3% (Saarland) und 29,6% (Baden-Württemberg).

Rund 41% der Programmgebiete, die sich an der Befragung beteiligt haben, sind zehn Jahre und länger im Programm Soziale Stadt (vgl. Tabelle 1). Es haben sich sowohl kleinere als auch größere Programmgebiete an der Befragung beteiligt (vgl. Tabelle 2).

Tabelle 1: Dauer der Programmbegleitung
Dauer der ProgrammbegleitungAnzahlAnteil an allen Gebieten (%)
Quelle: Eigene Erhebungen empirica
1 bis 5 Jahre5126,6
6 bis 9 Jahre5327,6
10 Jahre und länger7941,1
Keine Angabe94,7
Summe192100

Tabelle 2: Einwohner im Programmgebiet
Einwohner im GebietAnzahlAnteil an allen Gebieten (%)
Quelle: Eigene Erhebungen empirica
bis unter 2.5003317,2
2.500 bis unter 5.0004624,0
5.000 bis unter 10.0005026,0
10.000 bis unter 20.0004322,4
20.000 und mehr147,3
Keine Angabe63,1
Summe192100

Die Maßnahmen im Rahmen des Programms Soziale Stadt sind vielfältig (vgl. Abbildung 1). Gemäß Ausrichtung des Programms liegen sie schwerpunktmäßig in der Verbesserung der sozialen Infrastruktur, des Freiflächen- und Spielflächenangebots (93,8%), der Verbesserung der Wohnverhältnisse, des Wohnumfeldes und des öffentlichen Raumes (92,7%) sowie im Stadtteilmanagement und der Unterstützung bewohnergetragener Projekte (91,7%). Die Maßnahmen zur Beseitigung von städtebaulichen Angsträumen und für eine sichere Stadt werden in 39,1% bzw. 32,8% der Programmgebiete durchgeführt.

Abbildung 1: Maßnahmen im Rahmen des Programms Soziale Stadt

Balkendiagramm mit Maßnahmen im Rahmen des Programms Soziale Stadt nach Themenbereichen (zum Vergrößern klicken)Frage: Welche der folgenden Maßnahmen werden im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms Soziale Stadt bzw. im Kontext mit diesem durchgeführt? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Relevanz der Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität

Sind Stadtteile mit einem hohen Anteil benachteiligter Bevölkerungsgruppen, insbesondere Programmgebiete der Sozialen Stadt, stärker von Kriminalität betroffen als andere städtische Teilräume?

Die Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität spielen in 86% der befragten Programmgebiete eine Rolle (vgl. Abbildung 2). Allerdings kann nur in etwa jedem zehnten der befragten Gebiete Kriminalität anhand statistischer Daten belegt werden (vgl. Abbildung 3). Die Relevanz der Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität sind in den befragten Soziale-Stadt-Gebieten einem subjektiven Unsicherheitsgefühlt geschuldet (rd. ein Drittel - vgl. Abbildung 2). Zudem haben etwa zwei Drittel der Programmgebiete ein negatives Außenimage im Zusammenhang mit den Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität. Bei etwa einem Drittel der Gebiete sind konkrete Ereignisse im Stadtteil vorgefallen, in deren Folge die Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität relevant wurde. Laut Einschätzung von Expertinnen/Experten und Bewohnerinnen/Bewohnern spielt das Thema Kriminalität im Vergleich zu anderen Stadtteilen bei rd. 18% der Programmgebiete eine stärkere Rolle (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 2: Rolle der Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität

Balkendiagramm zur Rolle der Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität (zum Vergrößern klicken)Frage: Spielen die Themen Sicherheit, Gewalt und Kriminalität im Programmgebiet eine Rolle? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica


Abbildung 3: Betroffenheit der Programmgebiete im städtischen Vergleich

Balkendiagramm zur Betroffenheit der Programmgebiete im städtischen Vergleich (zum Vergrößern klicken)Frage: Ist das Programmgebiet stärker von Kriminalität betroffen als andere städtische Teilräume? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Insbesondere öffentliche Plätze und Grünanlagen werden als problematische Sozialräume eingeschätzt (vgl. Abbildung 4). In etwa jedem fünften Gebiet werden einzelne Wohnblocks als problematische Sozialräume gesehen.

Abbildung 4: Problematische Sozialräume in Programmgebieten

Balkendiagramm zu problematischen Sozialräumen in Programmgebieten (zum Vergrößern klicken)Frage: Gibt es im Zusammenhang mit Gewalt und Kriminalität besonders problematische Sozialräume im Programmgebiet? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Formen von Gewalt und Kriminalität im Gebiet

Sind Stadtteile mit einem hohen Anteil benachteiligter Bevölkerungsgruppen, insbesondere Programmgebiete der Sozialen Stadt, stärker von Kriminalität betroffen als andere städtische Teilräume?
Wenn ja: Um welche Formen der Kriminalität handelt es sich dabei?

In der Befragung sollten die Befragten angeben, welche Formen von Gewalt und Kriminalität aus Expertensicht im Vergleich zur Gesamtstadt im Programmgebiet häufig, manchmal, einmalig oder nie stattfanden. Die häufigsten Formen von Gewalt und Kriminalität im Gebiet sind Sachbeschädigung (85,2%) , Diebstahl (78,6%), Alkoholmissbrauch (77,1%), Einbruch (76,5%) und Drogenkonsum/Drogenhandel (73,5%) (vgl. Abbildung 5). Vielfach ist den befragten Quartiersmanagern bzw. Soziale-Stadt-Beauftragten nicht bekannt, ob eine bestimmte Form von Gewalt und Kriminalität im Programmgebiet zum Tragen kommt. Dies betrifft insbesondere Delikte, die sehr stark in den privaten Lebensbereich eingreifen (z.B. sexuelle Gewalt, Erpressung).

Abbildung 5: Formen von Gewalt und Kriminalität im Quartier

Balkendiagramm zu Formen von Gewalt und Kriminalität im Gebiet (zum Vergrößern klicken)Frage: Welche Formen von Gewalt und Kriminalität sind im Gebiet aufgetreten? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle Gebiete, die geantwortet haben (ohne keine Angabe).
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Betroffene Bewohnergruppen

Welche Bevölkerungsgruppen gehören eher zu den "Tätern", welche zu den "Opfern"?

Die Gruppe der Jugendlichen dominiert sowohl die Gruppe der Täter (46,4%) als auch die Gruppe der Opfer (23,5%). Junge Erwachsene treten ebenfalls vielfach als Täter in Erscheinung (43,9%). Neben den Jugendlichen sind Ältere Menschen (16,8%), Junge Erwachsene (16,8%), Kinder (15,3%) und Erwachsene (13,8%) Opfer von Gewalt in den Programmgebieten. In etwa einem Drittel der Gebiete gibt es laut Experteneinschätzung keine besonderen Gruppen als Opfer oder Täter.

Abbildung 6: Betroffene Bewohnergruppen

Balkendiagramm zu von Gewalt betroffenen bzw. als Täter agierenden Bewohnergruppen (zum Vergrößern klicken)Frage: Werden eine oder mehrere Bewohnergruppe(n) als besondere Problemgruppe(n) im Zusammenhang mit Gewalt und Kriminalität gesehen? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle Gebiete, die geantwortet haben (ohne keine Angabe).
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Probleme an Schulen

Nach Einschätzung der Experten spielt das Thema Gewalt und Kriminalität auch an den Schulen eine Rolle. Das Thema Schuleschwänzen hat für fast Dreiviertel der Befragten eine Relevanz. Aber auch soziales Mobbing und physische Gewalt stellt für über die Hälfte der Schulen im Alltag ein Problem dar.

Abbildung 7: Probleme an Schulen

Balkendiagramm zu Problemen an Schulen im Gebiet (zum Vergrößern klicken)Frage: Sind folgende Probleme in den Schulen im Einzugsgebiet aufgetreten? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Formen der Kriminalprävention

Welche institutionalisierten Formen der Kriminalitätsprävention gibt es in Programmgebieten der Sozialen Stadt (Präventionsbeiräte, Akteursbündnisse etc.)?
Welche Erfolge/Misserfolge können sie konstatieren?

Bei gut der Hälfte der Programmgebiete spielt eine institutionalisierte Form der Kriminalprävention eine Rolle (vgl. Tabelle 3).

Tabelle 3: Institutionalisierte Form der Kriminalprävention
Gibt es eine institutionalisierte Form der Kriminalprävention?AnzahlAnteil (%)
Frage: Gibt es institutionalisierte Formen der Kriminalprävention auf Stadtteilebene (z.B. Präventionsbeiräte, Akteursbündnisse)?
Quelle: Eigene Erhebungen empirica
Ja9750,5
Nein7438,5
Keine Angabe2110,9
Summe192100

In einer Vielzahl der Programmgebiete gibt es Arbeitskreise, Bündnisse oder Runde Tische, die sich mit der Thematik auseinandersetzen. Die beteiligten Akteure reichen von Verwaltung, sozialen Trägern, Wohnungsunternehmen, Polizei, Schule, Kirche bis hin zu Gewerbetreibenden und engagierten Bewohnern. Daneben spielt vornehmlich in den größeren Städten mit oftmals mehreren Soziale-Stadt-Gebieten die Einrichtung eines kommunalen Präventionsrates eine Rolle. Zudem gibt es viele unterschiedliche Ansätze, die individuell auf die Bedürfnisse im jeweiligen Gebiet abgestimmt sind, wie z.B. Hilfeinseln für Kinder, Stammtisch, Informationsveranstaltungen, mobile Jugendarbeit.

Kooperationspartner

Viele Akteure sind an der Gewalt- und Kriminalprävention beteiligt (Abbildung 8). Der Quartiersmanager wird dabei am häufigsten als wichtigster Kooperationspartner (37%) benannt. Weitere wichtige Kooperationspartner sind das Jugendamt bzw. die Sozialen Dienste (31,3%), die Gruppe der Bewohner und Eltern (27,6 %), die Polizei (23,4%) und die weiterführenden Schulen (ab Klasse 5) (12,9%).

Abbildung 8: Kooperationspartner

Balkendiagramm zu Kooperationspartnern im Rahmen der Gewalt- und Kriminalitätsprävention (zum Vergrößern klicken)Frage: Gibt es im Rahmen der Maßnahmen/Projekte Kooperationen/Zusammenarbeit mit folgenden Partnern? Welche drei Partner sind für eine erfolgreiche Projektumsetzung am wichtigsten? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Auswirkungen des Programms Soziale Stadt

Welche Projekte der Sozialen Stadt beschäftigen sich mit dem Thema Gewalt/Kriminalität/Prävention? (z.B. [Mitternachts-]Sport, Anti-Aggressivitäts- /Gewalt-Training, Bildungsmaßnahmen für Jugendliche) Welche sind besonders beispielgebend und übertragbar?
Welche Erfolge bisheriger Projekte und Maßnahmen der Gewalt-/ Kriminalitätsprävention können in Programmgebieten der Sozialen Stadt konstatiert werden?
In welchen Bereichen gibt es noch welche Nachholbedarfe?
Was sind dabei die größten Schwierigkeiten?

Insgesamt wird das Programm Soziale Stadt sehr positiv bewertet. So hat sich in über 90% der Programmgebiete das Image des Stadtteils verbessert (vgl. Abbildung 9). In gut 90% der Projektgebiete werden positive Veränderungen an Schulen und in Jugendeinrichtungen als Folge der Projektarbeit gesehen. Auch die Aussage "Mit den angewandten institutionalisierten Formen der Kriminalprävention wurden gute Erfahrungen gemacht" findet hohe Zustimmung (85,3%). In fast zwei Dritteln der Programmgebiete hat sich seit Aufnahme in das Programm Soziale Stadt das Sicherheitsgefühl deutlich verbessert. Mit Aufnahme in das Programm Soziale Stadt konnten auch Konflikte vermieden werden (57,5%).

Abbildung 9: Verbesserung der Lebenssituation der Bewohnerrinnen und Bewohner

Balkendiagramm zur Verbesserung der Lebenssituation der Bewohner/innen (zum Vergrößern klicken)Frage: Im Folgenden sind Aussagen zum Thema Gewalt- und Kriminalprävention im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ formuliert. Bitte geben Sie an, ob Sie den Aussagen zustimmen oder nicht zustimmen würden: Anmerkung: ohne keine Angabe, 100 % sind jeweils diejenigen, die auf die Frage geantwortet haben.
Quelle: Quelle: Eigene Erhebungen empirica

In gut zwei Dritteln der Programmgebiete hat sich die Lebenssituation für die Bewohnerinnen und Bewohner verbessert. Ähnlich wird die Verbesserung der Lebenssituation der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer eingeschätzt.

Abbildung 10: Verbesserung der Lebenssituation in den Programmgebieten

Balkendiagramm zur Verbesserung der Lebenssituation in den Programmgebieten (zum Vergrößern klicken)Fragen: Hat sich die Lebenssituation der Bewohner/innen im Quartier durch die Maßnahmen und Projekte verändert? / Hat sich die Lebenssituation der Projektteilnehmer/innen verändert? Anmerkung: ohne keine Angabe, 100 % sind jeweils diejenigen, die auf die Frage geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

Finanzierung der Maßnahmen

Die Maßnahmen zur Gewalt- und Kriminalprävention in den Soziale Stadt-Gebieten werden überwiegend mit Mitteln aus dem Programm finanziert (70,8%) (vgl. Abbildung 11). Daneben werden kommunale Mittel (42,7%) LOS/Kooperationen (37,0%), Gelder aus dem Verfügungsfonds (33,9%) oder dem Programm "Stärken vor Ort" (33,3%) eingesetzt.
Sonstige Finanzierungsquellen kommen je nach inhaltlicher Ausrichtung der Maßnahmen zum Einsatz (z.B. "BIWAQ – Bildung und Arbeit im Quartier" für Bildungs- und Arbeitsförderungsprojekte oder "Lernen vor Ort" für Bildungsmanagementprojekte). Hervorzuheben ist, dass sich auch die Wohnungsunternehmen in 17,7% der Gebiete an der Finanzierung der Maßnahmen beteiligen.

Abbildung 11: Finanzierung der Maßnahmen

Balkendiagramm zur Finanzierung der Maßnahmen (zum Vergrößern klicken)Frage: Wie wurden die Maßnahmen/Projekte finanziert? Anmerkung: Mehrfachnennungen möglich, Prozentangaben beziehen sich auf alle 192 Gebiete, die geantwortet haben.
Quelle: Eigene Erhebungen empirica

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Kontakt

Dr. Rupert Kawka
Referat I 4 - Regionale Strukturpolitik und Städtebauförderung

Tel.: +49 228 99401-1314
Fax: +49 228 99401-2356
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