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Tourismusentwicklung in ausgewählten Städten des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz - unter besonderer Berücksichtigung der UNESCO -Welterbestätten

Ergebnisse

Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich zu insgesamt 12 Thesen verdichten:

  1. Der Trendmarkt „Städtereisen“ führt seit Jahren vielerorts, ob in Deutschland insgesamt, Ostdeutschland oder den Referenzstädten, zu mehr oder weniger starkem Wachstum, ausgedrückt in Ankünften und Übernachtungen.
  2. Infolge der Vielfalt individueller Strukturen und Einflüsse zeigt die Nachfrageentwicklung in den Referenzstädten jedoch - stellvertretend für alle Städte - nicht automatisch kontinuierliche Zuwächse. So können z. B. herausragende Groß-Events wie Bundesgartenschauen oder Ausstellungen (Potsdam) die allgemeine Entwicklung temporär überlagern, in anderen Orten spielen große Kurkliniken und ihre wechselvolle Abhängigkeit von Entwicklungen im Gesundheitswesen eine so große Rolle, dass Nachfrageveränderungen eines Hauses auf die Gesamtzahl der Übernachtungen im Ort durchschlagen.
  3. Die Stadtsanierung, aber auch der Bau nachfragegerechter Hotels sowie die weitere tourismusorientierte Entwicklung verliefen in Ostdeutschland seit 1990 parallel zueinander, so dass die Einzeleinflüsse kaum isoliert voneinander bestimmbar sind.
  4. Gleichwohl zeigen die Ergebnisse eindeutig: Eine „schöne“, sanierte Stadt ohne weitere touristisch relevante Schlüsselangebote (Quartiere, attraktiver Einzelhandel, gute Gastronomie, Kultur- und Unterhaltungsangebote, Events), aber auch ohne ein professionelles Marketing, bleibt ein Torso. Erst ein breites Angebotsspektrum macht in seiner Gesamtheit die Attraktivität eines Städtereisezieles aus.
  5. Die Stadtsanierung kann volle Wirkung folglich nur entfalten, wenn sie in eine touristische Gesamtstrategie eingebettet wird und darin auch einen wahrnehmbaren Platz erhält.
  6. Die positive Wirkung des Städtebaulichen Denkmalschutzes wird durchaus wahrgenommen, und zwar sowohl von den Gästen als auch der Wirtschaft und der Bevölkerung. Allerdings konzentrieren sich die auch in handfesten Umsätzen messbaren Wirkungen in erster Linie auf den historischen Stadtkern sowie einzelne herausragende Gebäude, also die Bereiche der Stadt, die im Rahmen des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz vorrangig gefördert werden.
  7. Die Touristen nehmen die Erfolge der Stadtsanierung sehr bewusst wahr und honorieren diese mit sehr positiven Bewertungen und einer hohen Bedeutung auch im Hinblick auf eine konkrete Reiseentscheidung. Dies schlägt sich zudem nieder in einem großen Interesse an Hotels und anderen Unterkünften in historischer Bausubstanz. Kritik und Unzufriedenheit mit dem Aufenthalt entzündet sich daher kaum an noch fehlender Sanierung, an Baulücken oder Leerständen, sondern weit überwiegend an grundlegenden touristischen Angebots- oder Servicemängeln (Unfreundlichkeit etc.).
  8. Wenn auch rein statistisch die positiven Effekte des Städtebaulichen Denkmalschutzes auf die Tourismusentwicklung kaum eindeutig nachweisbar sind, so lassen sie sich dennoch durch eine Reihe von Indikatoren klar belegen:

    1. Ein Großteil der Befragten berichten in den Befragungen, dass das historische Stadtbild zu den sehr wichtigen bzw. wichtigen Reiseanlässen zu zählen ist.
    2. Der Trend zur Übernachtung in historischer Bausubstanz ist eindeutig belegbar.
    3. Das UNESCO Prädikat besitzt mit 87% nicht nur einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, die Befragten wissen auch sehr genau, was dies bedeutet und bewerten es uneingeschränkt positiv.
    4. Teilweise, aber nicht überall, ist eine stärkere Internationalisierung in den Nachfrageströmen festzustellen.
  9. Die Marktchancen der UNESCO -Welterbestätten in Deutschland auf internationaler Ebene sind positiv einzuschätzen. Laut einer Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus findet sich in Ländern wie Dänemark, Italien, Frankreich, Österreich, der Schweiz, USA, Russland, Norwegen, Tschechien und Schweden ein hohes Interesse an den Welterbestätten in Deutschland. Bei richtiger Vermarktung und entsprechen¬den Angeboten in den Quellmärkten können neue Besucherpotenziale erschlossen werden.
  10. Knapp 1 Mrd. € touristischer Umsatz wurde durch Tagesbesucher und Übernachtungsgäste in gewerblichen Beherbergungsbetrieben im Jahr 2005 in den zehn Referenzstädten insgesamt generiert, rund 13% bzw. 130 Mio. € davon stehen in engem Zusammenhang mit dem Städtebaulichen Denkmalschutz.
  11. Das historische Stadtbild bzw. das UNESCO Prädikat werden in sehr unterschiedlichem Maße für das Tourismusmarketing genutzt, sei es im Corporate Design/Corporate Identity, in Printmedien oder im Internet. Spezielle thematische Stadtführungen oder andere Angebote sind vorhanden, jedoch in insgesamt noch deutlich ausbaubarer Intensität.
  12. Von einer konsequenten und durchgängig intensiven und problemlosen Kooperation zwischen Tourismus(-marketing) und Denkmalschutz/Städtebau kann nicht gesprochen werden. Auch hier reichen die Beispiele von konstruktiven Verankerungen in kommunalen Kommunikations- und Kooperationsstrukturen bis hin zu einem weitgehenden Neben- oder sogar eher Gegeneinander.

Gästebefragung dwif 2006-Städtebaulicher DenkmalschutzQuelle: dwif-consulting GmbH, Berlin

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Kontakt

Ricarda Ruland
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz

Tel.: +49 228 99401-2301
ricarda.ruland@bbr.bund.de

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