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Feststellung des Handlungsbedarfs im Städtebaulichen Denkmalschutz in den alten und neuen Ländern

Ergebnisse

Der Handlungsbedarf ist hoch.

Das Profil des statistisch ermittelten "Durchschnittsgebiets" der Befragung spiegelt den daraus ableitbaren, insgesamt hohen Investitionsbedarf wieder:

Das "Durchschnittsgebiet"

  • ist 54 ha groß und hat 3600 Einwohner.
  • in ihm befinden sich 150 Baudenkmäler;
  •  es liegt im historischen Stadtkern;
  • die Gebäude stammen insbesondere aus der Zeit von 1700-1870;
  • 100 private Altbauten sind sanierungsbedürftig, davon über ein Drittel mit hohem Sanierungsbedarf;
  • 5 öffentliche Gebäude sind sanierungsbedürftig;
  • es sind 10 Maßnahmen zur Aufwertung des öffentlichen Raums erforderlich;
  • die wesentlichen räumlichen Bereiche werden durch Wohn- und Mischgebietsnutzungen geprägt;
  • der Finanzbedarf zur Sanierung der Gebäude und zur Aufwertung des öffentlichen Raums wird auf etwa 33 Mio. € geschätzt.

Ein sehr hoher Handlungsbedarf besteht in den Gebieten der neuen Länder.

In den Gebieten der neuen Länder, insbesondere aber in denen, die keine Fördergebiete des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz sind, bestehen noch erhebliche städtebauliche und strukturelle Probleme: Dort gibt es noch viele für den Erhalt der historischen Stadtstruktur und des Stadtbildes wichtige Gebäude -  oft mit hoher Denkmalbedeutung und extrem hohem Sanierungsbedarf -  von denen viele ohne Förderung kaum zu retten sein dürften. Für diese Gebiete ist der Handlungsbedarf beträchtlich. Es sind im Regelfall umfassende struktursichernde Sanierungsmaßnahmen erforderlich, um das überlieferte wertvolle bauhistorische Erbe zu retten und zu bewahren.


Ein sehr differenzierter Handlungsbedarf besteht in den Gebieten der alten Länder.

In den Gebieten der alten Länder stehen vielfach nur einfache Maßnahmen an, denen keine Handlungspriorität im Sinne des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz einzuräumen ist. Es gibt Gebiete mit mittlerem Finanzierungsbedarf, für deren Gebäude offensichtlich mehr als nur ein neuer Anstrich erforderlich ist. Und es gibt Gebiete mit einem von den Städten extrem hoch eingeschätzten Finanzierungsbedarf.

Ein auffallend hoher Handlungsbedarf ist in den Städten des ehemaligen sogenannten "Zonenrandgebiets" festzustellen. Die Strukturschwäche dieser Räume, wie sie auf die neuen Länder überwiegend zutrifft, wird als wesentliche Ursache für diese Situation vermutet.


Der Handlungsbedarf zur Aufwertung des öffentlichen Raums ist das Abbild des bisherigen Gestaltungsaufwands dieser Räume.

Der öffentliche Raum in den alten Ländern ist überwiegend durch die Sanierungen der 1980er Jahre bestimmt, den wenig historischen Sanierungen mit den bunten Betonsteinpflasterungen und einheitlichen Querschnitten. Bei der Sanierung von Teilbereichen des öffentlichen Raums werden wieder historische Pflastermaterialien benutzt, die aber sehr zurückhaltend eingebaut werden. Es scheint, dass in den alten Ländern der Umgang mit dem öffentlichen Raum sehr zurückhaltend erfolgt. Das kommt in einem relativ niedrig geschätzten Finanzbedarf zum Ausdruck.

Der öffentliche Raum in den neuen Ländern ist in der Regel aufwändig und nur selten mit wiederverwendeten historischen Materialien saniert worden. Auch kleinere Nebenstraßen und abseits gelegene Anliegerstraßen wurden in dieser Weise erneuert. Die Sanierung des öffentlichen Raums erscheint weiter fortgeschritten als die Sanierung der Gebäude. Der von den Städten ausgewiesene Finanzierungsbedarf orientiert sich hier an den bisher aufwändig gestalteten Sanierungen.

Für die Gebiete in den neuen Ländern wird durchschnittlich ein höherer Finanzierungsbedarf zur Aufwertung des öffentlichen Raums angenommen als für die Gebiete in den alten Ländern.

Von den Städten wird der für 16 Aufgabenfelder vergleichend zu bewertende Handlungsbedarf in den Gebieten insgesamt zwischen "gering" und "mittel" eingeschätzt, zwischen "mittel" und "hoch" aber für die Aufgaben des Städtebaulichen Denkmalschutzes.

Die Städte wurden gebeten, den Handlungsbedarf für insgesamt 16 Aufgabenfelder in den Gebieten einzuschätzen. Dabei ist insgesamt eine hohe Übereinstimmung im Handlungsprofil zwischen den Städten der alten und neuen Länder zu konstatieren.

Abweichend davon ist in den Gebieten der neuen Länder der Handlungsbedarf gegenüber den alten Ländern überdurchschnittlich hoch - insbesondere für die Aufgabenfelder, die in einem direkten Zusammenhang mit dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz stehen. Dazu gehören erforderliche städtebauliche Maßnahmen, nichtsanierte Altbauten, Leerstand in nichtsanierten Gebäuden, Aufwertung des öffentlichen Raums.


Das bürgerschaftliche Engagement ist besonders in den bisherigen Fördergebieten des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz hoch.

Die künftigen Aufgaben im Städtebaulichen Denkmalschutz lassen sich besser bewältigen, je höher das bürgerschaftliche Engagement in den Fördergebieten ist. Von den befragten Städten wird das bürgerschaftliche Engagement in den Gebieten insgesamt auf einem Niveau zwischen "mittel" und "hoch" bewertet. In den Gebieten der alten Länder ist es deutlich höher als in denen der neuen Länder. In den neuen Ländern wird es aber in den Fördergebieten des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz als weit überdurchschnittlich hoch bewertet. Das ist für die künftigen Fördergebiete in den alten und neuen Ländern ein optimistischer Ausblick. 

Zusatzinformationen

Kontakt

Ricarda Ruland
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz

Tel.: +49 228 99401-2301
ricarda.ruland@bbr.bund.de

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