Stadtumbau - die Fortsetzung
IzR 7.2009, Hrsg.: BBSR im BBR
Hans-Peter Gatzweiler, Antonia Milbert
Schrumpfende Städte wachsen und wachsende Städte schrumpfen
Im Wesentlichen beschreibt der Beitrag - ausgehend von einer 2003 erstmals für den Zeitraum 1997 bis 2001 durchgeführten Analyse - die aktuellen Verlaufsformen von Stadtentwicklung in Deutschland, d.h. die Entwicklung von wachsenden und schrumpfenden Städten in der jüngeren Vergangenheit (2002-2007). Er fragt, was sich gegenüber dem früheren Analysezeitraum verändert hat und ob sich der Typus schrumpfende Stadt weiter von Ost nach West ausgebreitet hat. Fragen darüber hinaus richten sich an die aktuellen stadtpolitischen Antworten, die Städtebauförderungsprogramme Stadtumbau Ost und West: Reichen sie aus oder gibt es alternative stadtpolitische Antworten?
Es zeigt sich, dass Schrumpfung und Wachstum in Deutschland nach wie vor ungleich verteilt sind: Im Osten konzentrieren sich die schrumpfenden, im Westen die wachsenden Städte und Gemeinden. Während im Westen nicht einmal 1% aller Städte und Gemeinden (betroffene Bevölkerung lediglich 0,2%) von starker Schrumpfung (4 bis 6 Indikatoren im untersten Quintil) betroffen sind, ist es im Osten mehr als jede zweite (betroffene Bevölkerung rd. 31%). Dagegen gelten fast 10% aller Städte und Gemeinden im Westen als stark wachsend mit einem Bevölkerungsanteil von 12,5%. Dennoch: Schrumpfung breitet sich auch im Westen aus; immerhin knapp 30% aller westdeutschen Kommunen sind davon mittlerweile betroffen.
Die Städtebauförderungsprogramme Stadtumbau Ost und West kommen zwar in erster Linie dem Typus "Schrumpfende Städte" zugute, können selbstverständlich aber allein keine Trendumkehr bewirken. Bei allen Indikatoren zur Analyse der Verlaufsformen von Stadtentwicklung in Deutschland hinken die Programmstädte den anderen Städten hinterher.
Als Schlussfolgerung ergibt sich aus den Ergebnissen, dass Stadt mehr ist als Wohnen. Stadtumbau muss mehr als nur Marktanpassung örtlicher Wohnungsbestände sein. Städtebauförderung bedeutet Förderung der städtebaulichen Entwicklung, letztlich der Stadtentwicklung. Über die bewährte, flexible, problemorientierte Weiterentwicklung der Städtebauförderung hinaus ist es wichtig, auch die EU-Strukturfonds für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu nutzen. Denn die Europäische Union hat erkannt, dass die Ziele von Lissabon und Göteborg auch einer urbanen Dimension bedürfen.
Die Vision ist eine aktive, gestaltende, integrative Stadtentwicklungspolitik, die die aktuellen und zukünftigen Chancen in städtischen Transformationsprozessen zur Stärkung urbaner Lebensräume gezielter nutzt.

