Anpassung von verkehrlichen Infrastrukturen aufgrund des Stadtumbaus
Ergebnisse
Auf Basis von Daten aus dem Stadtumbau, der Auswertung von stadtspezifischen Verkehrsverhaltensdaten aus "Mobilität in Städten – SrV" sowie von Fallbeispielanalysen in den Städten Bremen, Chemnitz, Cottbus, Frankfurt/ Oder, Bochum und Halle/ Saale wurden Erkenntnisse zu Fragen der Infrastruktur und der Erschließung der Stadtumbaugebiete mit der Straßenbahn sowie den Wechselwirkungen von Stadtumbau und Verkehr gezogen. Wichtige Erkenntnisse sind:
- Ein Zusammenhang zwischen Rückbauentscheidungen im Stadtumbau und bestehenden Infrastrukturangeboten im ÖPNV, insbesondere von Straßenbahnsystemen, besteht bisher nicht.
- Der Rückbau von Straßenbahninfrastruktur in Stadtumbaugebieten wurde bisher aus verschiedenen Gründen in den betrachteten Städten nicht praktiziert.
- Obwohl Straßenbahnanbindungen nachweislich einen positiven Effekt auf Erreichbarkeit und umweltfreundliche Mobilität haben, sind für Rückbau- oder Aufwertungsentscheidungen der Wohnungseigentümer fast ausschließlich immobilienbezogene Kriterien maßgebend.
- Der Einfluss von Wohnungsrückbau auf die ÖPNV-Nachfrage ist besonders in kleineren Straßenbahnnetzen erheblich und kann u. U. sogar das Gesamtnetz in Frage stellen.
- Da Probleme und Lösungsansätze lokalspezifisch sind, ist die Übertragbarkeit von Erkenntnissen vor allem auf Basis von Fallbeispielen und mit flexiblen, qualitativen Ansätzen möglich.
- Das im Projekt entwickelte flexible, dreistufige strategische Bewertungsverfahren kann für grundlegende Bewertungsschritte im Rückbau genutzt werden und berücksichtigt dabei nicht nur finanzielle Wirkungen, sondern auch stadtweite Entwicklungseffekte und Umweltfragen.


Auf Basis der Erkenntnisse wurden verschiedenen Handlungsempfehlungen erarbeitet:
- Im Zuge des Stadtumbaus sollten auch ÖPNV-Qualitätskriterien festgelegt werden und verstärkt planerische Rückkopplungen zwischen Stadtumbau und Verkehrsplanung erfolgen.
- Wohnungsrückbau im Bereich tragfähiger Straßenbahnanbindungen sollte vermieden werden und nicht mehr förderfähig sein, um bestehende Achsen der Straßenbahn zu stabilisieren.
- Langfristig kritische Straßenbahninfrastrukturen müssen zeitnah, integriert und ergebnisoffen in ihrer Tragfähigkeit unter Nutzung des hier entwickelten Instrumentes bewertet werden.
- Auch Aus- und Neubaumaßnahmen von Straßenbahninfrastruktur sind im Stadtumbau sinnvoll. Sie sollten aber belastbar durch Prognosen begründet werden und sich verstärkt auf bestandsnahe Lösungen mit geringen Folgekosten konzentrieren.
- Die Förderung von Investitionen in die Straßenbahninfrastruktur vor dem Stadtumbauhintergrund sollte sich hinsichtlich der Förderbedingungen an Entwicklungszielen statt an Bauformen orientieren, um die nötige Flexibilität und geringe Folgekosten zu erreichen.
