Strategien zum Demographischen Wandel: Standort und Standortalternativen
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Ländlich geprägte Räume in Deutschland verlieren weiterhin Bevölkerungsanteile. Zurück bleiben häufig ältere und hochbetagte Menschen sowie Haushalte mit geringen finanziellen Ressourcen. Diese Situation zwingt private und öffentliche Anbieter zum Rückzug aus der Fläche und erhöht die Kosten für Netzinfrastrukturen, Verkehrsangebote und öffentlicher Dienstleistungen. Versorgungsdefizite können nur von einem Teil der privaten Haushalte durch erhöhten Verkehrsaufwand kompensiert werden. Haushalte ohne Pkw sind auf Angebote vor Ort oder flexible Bedienungsformen des Öffentlichen Personennahverkehrs und mobile Angebote angewiesen. Doch auch diese Angebote benötigen eine gewisse Mindestnachfrage, die nicht überall gegeben ist. Es stellt sich die Frage, wie der Grundversorgung und gesellschaftlichen Teilhabe der Einwohner Rechnung getragen werden kann.
Ländlich geprägte Räume in Deutschland stehen heute angesichts des demografischen Wandels und der damit verbundenen Folgen in der Sicherung der Daseinsvorsorge vor erheblichen Herausforderungen. Für eine nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume sind drei Aspekte von zentraler Bedeutung, die bisher im Wesentlichen getrennt diskutiert wurden:
- die Sicherung der Daseinsvorsorge,
- das Wanderungs- und Wohnstandortwahlverhalten der Bevölkerung,
- Erreichbarkeitsverhältnisse und Verkehrsaufwand der Bevölkerung.
Gefragt sind praktikable und finanzierbare Handlungsstrategien, die die Grundversorgung und gesellschaftliche Teilhabe der Bevölkerung in dünn besiedelten ländlichen Räumen sicherstellen können. Das Projekt fragt aber auch nach den jeweiligen Kompetenzen und Ressourcen der örtlichen Bevölkerung und der Mobilitäts- und Umzugsbereitschaft der Bevölkerung, die nötig wird, wenn staatliche Angebote sich auf die existentielle Daseinsvorsorge beschränken müssen.
Folgende Forschungsleitfragen sollen beantwortet werden:
- Wie sehen die verkehrlichen Folgen der von Kommunen und Regionen praktizierten Strategien im Umgang mit dem demografischen Wandel aus?
- Welche Fähigkeiten und Ressourcen benötigt die Bevölkerung dünnbesiedelter ländlicher Räume zur Sicherstellung ihrer Versorgung und gesellschaftlichen Teilhabe?
- Was sind die Einflussfaktoren auf die Wohnstandortwahl bzw. auf einen möglichen Wohnstandortwechsel der Bevölkerung in ländlichen Räumen?
- Welche Bevölkerungsgruppen verfügen über keinen ausreichenden Zugang zu Gütern und Dienstleistungen bzw. nicht über eine angemessene gesellschaftliche Teilhabe?
- Welche Handlungsstrategien sind geeignet, eine Zukunftssicherung in den ländlichen Räumen zu stärken?
In drei Fallregionen sowie einer Kontrollregion sollen die Auswirkungen der Handlungsstrategien auf Verkehrsaufwand, Erreichbarkeit und Teilhabe untersucht werden. Anhand von Sekundäranalysen mehrerer standardisierter Erhebungen werden Anforderung der Bevölkerung an den Wohnstandort und die für eine angemessene Teilhabe und Versorgung notwendigen Fähigkeiten und Ressourcen der Bevölkerung ermittelt sowie Einflussfaktoren auf Beibehaltung oder Wechsel eines strukturschwachen Wohnstandorts untersucht. Die Ergebnisse der quantitativen Auswertungen werden mit Hilfe von Bürgerwerkstätten überprüft und validiert. Aus den Analysen wird das Ausmaß der Betroffenheit von sozialer Exklusion aufgrund von Erreichbarkeitsproblemen quantifiziert und räumlich sowie sozial differenziert dargestellt.
Die Ergebnisse der standardisierten Datenanalysen sowie der qualitativen Erhebungen in den Fallregionen dienen als Grundlage zur Weiterentwicklung von Strategien, um Teilhabe und Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen zu sichern.
Projektbeginn: August 2011
