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Integrierte Stadtquartiersentwicklung am Wasser

Ergebnisse

Ergebnisse der Online-Befragung

Die Projektrecherche erfolgte über eine Online-Befragung aller Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern, einen Projektaufruf an kleinere Städte mit unter 20.000 Einwohnern auf einschlägigen Internetplattformen und in Veröffentlichungen (Verbände, Fachvereinigungen und -foren), per Internetrecherche und über die gezielte Befragung von Schlüsselpersonen aus Planung, Wissenschaft und Praxis. Insgesamt wurden so bundesweit 141 Projekte erfasst und ausgewertet.

Die Ergebnisse der Online-Befragung wiesen darauf hin, dass mit Hilfe der Quartiersentwicklungen am Wasser vor allem die Aufwertung exponierter Flächen des Stadtgebietes verfolgt wurde (70% der Befragten). Diese Aufwertung sollte zu einer Imageverbesserung der Gesamtstadt beitragen (60%). Mehr als 80% der Befragten schätzten die Bedeutung der Quartiersentwicklungen in Bezug auf die Stadtentwicklung insgesamt als hoch bzw. sehr hoch ein. Vor allem Wohnbebauung (79%), Grünbereiche (68%), Dienstleistungsflächen (52%) und Flächen für Freizeit- und kulturelle Nutzungen (50%) wurden auf den Projektarealen am Wasser realisiert. Mehr als 60% hielten die Quartiersentwicklungen für erfolgreich oder sehr erfolgreich.

Von den 141 recherchierten Projekten wurden in einem Auswahlverfahren mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) 30 Projekte ausgewählt, die in Fallstudien näher untersucht wurden. Die Auswahl der Fallstudien erfolgte anhand von Kriterien wie städtische/städtebauliche Relevanz, Nachhaltigkeit, Innovation und Übertragbarkeit sowie Erfassung des Spektrums unterschiedlicher Wasserlagentypen.

Ergebnisse der Fallstudienuntersuchung

Im Rahmen eines ersten Expertengesprächs am 23.06.2010 wurden mit Vertretern aus den Fallstudien und weiteren Experten aus den Bereichen der Stadtentwicklung und Wasserwirtschaft zentrale Strategien, Hemmnisse und Erfolgsfaktoren zur Entwicklung von Wasserlagen erörtert und die Fragestellungen für die weitere Untersuchung der Fallstudien verfeinert.

Alle 30 Fallstudienprojekte wurden bereist, und dabei wurden Interviews mit den wesentlichen Akteuren der integrierten Stadtentwicklung geführt. Die Fallstudien wurden in Form von Projektsteckbriefen zusammen mit abgeleiteten übergreifenden Themen und Handlungsempfehlungen für eine integrierte Entwicklung von Standorten am Wasser in Form eines Zwischenberichtes dokumentiert.

Zu vertiefenden Themenkomplexen wurden drei Expertisen angefertigt und für die Forschungsstudie ausgewertet:

  • Stadtwirtschaftliche Spezifika einer integrierten Entwicklung von Stadtquartieren am Wasser – Spezifische Mehrkosten im Neubau und in der Unterhaltung von Quartieren in Wasserlage
  • Hochwasserangepasstes Bauen als Strategie der integrierten Stadtquartiersentwicklung am Wasser – Möglichkeiten und Grenzen von hochwasserangepasstem Bauen am Wasser in spezifischen städtebaulichen Situationen
  • Konfliktfelder der Mehrfachnutzung und Gestaltung von Gewässern als integraler Bestandteil urbaner Stadtquartiere – Rechtliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten für die Öffnung der Gewässer für Mehrfachnutzung und Gestaltung

Am 30.06.2011 fand in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg, unmittelbar an der Spree, ein zweites Expertengespräch mit rund 35 Teilnehmern (Fallstudienvertretern, Experten aus der Wissenschaft und Forschung, von Verbänden, der Wasserwirtschaft und Schifffahrt) statt.

Collage zur Expertenrunde in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg zum Thema Integrierte Stadtquartiersentwicklung am WasserExpertengespräch in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg
Quelle: Machleidt + Partner - Büro für Städtebau, Berlin

Bei diesem Expertengespräch wurden die Ergebnisse der Fallstudienuntersuchung vorgestellt. Folgende Themen und Handlungsempfehlungen der integrierten Stadtquartiersentwicklung am Wasser wurden anhand von Expertenstatements und Beiträgen in verschiedenen Diskussionsrunden vertiefend erörtert:

Handlungsempfehlungen der integrierten Stadtquartiersentwicklung am Wasser

  1. Attraktive Lagen in der Stadt durch integrierte Quartiersentwicklung am Wasser gewinnen
    - Wasserlage als besonderes Merkmal nutzen
  2. Quartiersentwicklung am Wasser mit der Stadt vernetzen
    - Barrieren überwinden und räumliche Anknüpfungspunkte schaffen
    - Mit dem Umfeld funktional verknüpfen
  3. Gewässer mehrfach nutzen
    - Wasserlagen auf Grundlage integrierter Leitbilder entwickeln
    - Bei Umsetzung und Betrieb ressortübergreifend kooperieren
  4. Langen Atem und verlässliche Fürsprache sichern
    - Verlässlichen kommunalpolitischen Konsens bilden
    - Erfolgschancen und -risiken prüfen, Anpassungstoleranzen vorsehen
  5. Neucodierung durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Zeichensetzung unterstützen
    - Positive Ereignisse und besondere Orte inszenieren
    - Mit neuen Nutzungsangeboten Zeichen setzen
  6. Öffentliche Interessen sichern
    - Mit öffentlichen Investitionen hochwertige Nutzungen befördern
    - Kommunales Grundeigentum einsetzen
    - Die Sozialverträglichkeit der Entwicklung sichern
  7. Unterhaltungs- und Pflegekosten im Vorfeld berücksichtigen und minimieren
    - Langfristige Folgekostenabschätzung durchführen
    - Hochwasserschutzmaßnahmen dezentral konzipieren
  8. Maritimes Flair bewahren und mit Nutzungskonflikten umgehen
    - Widerstreitende Interessen in Einklang bringen
    - Nutzungsmischung für alle Beteiligten rechtlich absichern
  9. Wasserlagen für die Stadt im Klimawandel nutzen
    - Wasserlagen für die Klimaanpassung nutzen
    - In Wasserlagen einen Beitrag zur Energieeinsparung leisten
  10. Bauen mit den Fluten ermöglichen
    - Stadtumbau in Überschwemmungsgebieten zulassen, wenn der Hochwasserschutz gesichert ist
    - Technische und gestalterische Möglichkeiten nutzen
  11. Bauen am Wasser als eine übergreifende baukulturelle Aufgabe behandeln
    - Durch städtebauliche Qualitäten Adressen bilden und Image stärken
    - Gewässer und wasserwirtschaftliche Anlagen im urbanen Kontext entwickeln
  12. Planungsinstrumente gemäß den besonderen Entwicklungsbedingungen richtig einsetzen
    - Städtebauliche Ziele auf der regionalen, Landes- und Bundesebene verankern
    - Mit Masterplänen Flächenentwicklung sukzessive und flexibel gestalten
    - Im Bebauungsplan Nutzungsmischung und Zugänglichkeit regeln
    - In städtebaulichen Verträgen Gestaltungsqualitäten sichern

Der kontextuelle Bezug der Themen und Handlungsempfehlungen zu den unterschiedlichen Entwicklungstypen von Stadtquartieren – von der Konversion über die Umstrukturierung bis zum Siedlungsneubau im städtischen Kontinuum – und zu den unterschiedlichen Gewässertypen – vom regenwassergespeisten Teich, über Flusslagen bis zum Meeresufer – wurden durch beispielhafte Verweise auf die untersuchten Fallstudienprojekte hergestellt.

Dokumentation der Ergebnisse

Die Forschungsstudie wurde Ende Oktober 2011 mit dem Endbericht der Auftragnehmer zum Abschluss gebracht. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse in der Schriftenreihe Werkstatt: Praxis im Heft 77/2011 veröffentlicht. (siehe auch "Veröffentlichungen")
>> weitere Informationen

Übersicht der Fallstudien

Tabelle: Übersicht der Fallstudien mit thematischer Zuordnung.
Stadt, LandEinwohnerzahlProjekttitel, Kurzbeschreibung
Stand: 28.02.2012Quellen: Machleidt + Partner - Büro für Städtebau, Berlin
A Öffnung zum Wasser
Balingen,
Baden-Württemberg
33.714"Klein Venedig"
Umwandlung eines ehemaligen Gerberviertels zum Wohnquartier und Erholungsraum; Hochwasserschutz durch Renaturierung
Bremerhaven,
Bremen
114.031Havenwelten
Schaffung eines maritim geprägten Stadtteils mit Freizeit-, Kultur- und Tourismusangeboten auf ehemaligen Hafenflächen; Imageaufwertung durch Neucodierung und Star-Architektur
Dresden,
Sachsen
511.138Stadtteilprojekt Weißeritz
Kopplung städtebaulicher, soziokultureller und arbeitsmarktwirksamer Maßnahmen zur Aufwertung von Wohnquartieren unter Einbeziehung eines neuen Hochwasserschutzkonzeptes
Frankfurt (Oder),
Brandenburg
59.889Oderpromenade
Umgestaltung ehemaliger Hafenareale und Brachflächen an der Oder zu einer zusammenhängenden Promenade, die den Fluss in der Innenstadt wieder erlebbar macht
Geisa,
Thüringen
4.752Ulsteraue
Renaturierung einer Industriebrache am Ulsterufer und Herstellung von Bezügen zur Altstadt
Hamm,
Nordrhein-Westfalen
178.140Masterplan "Hamm ans Wasser"
Bündelung unterschiedlicher Projekte aus den Bereichen Arbeiten, Wohnen und Freizeit zur Herstellung von Bezügen zum Wasser
Konstanz,
Baden-Württemberg
78.414Stadt am Seerhein
Entwicklung eines urbanen Wohn- und Dienstleistungsquartiers und öffentlicher Erholungsräume auf einem ehemaligen Industriestandort am Rheinufer
Malchow,
Mecklenburg-Vorpommern
6.886Stadthafen Malchow
Neubau eines Stadthafens als neues Ortszentrum
Oranienburg,
Brandenburg
41.590Havelufer
Entwicklung städtischer Bezüge zum Wasser durch Wiederherstellung des barocken Stadtgrundrisses und Anlage einer durchgängigen Uferpromenade
Stralsund,
Mecklenburg-Vorpommern
57.778Nördliche Hafeninsel
Öffnung und Aufwertung der Hafeninsel durch die Schaffung eines touristischen Anziehungspunktes
B Flächenrecycling in Wasserlage
Bamberg,
Bayern
69.827Regnitzinsel
Integrierte Entwicklung eines Wohngebietes, Universitätsstandortes und Parkgeländes auf einem ehemaligen Industriegelände
Berlin3.442.675Rummelsburger Bucht
Entwicklung eines innerstädtischen Wohnquartiers auf ehemaligen Industriebrachen entlang der Ufer des Rummelsburger Sees
Frankfurt am Main,
Hessen
671.927Westhafen
Umnutzung und Neubebauung des ehemaligen Hafen¬areals am Mainufer zu einem gemischten Stadtquartier, Erhalt des Hafenbeckens als Yachthafen
Münster,
Nordrhein-Westfalen
275.543Stadthäfen
Sukzessive Umwandlung der Hafenareale als City-Ergänzungsgebiet unter Erhalt des Bestandsgewerbes
Neustrelitz,
Mecklenburg-Vorpommern
21.537Stadthafen
Ausbau des Gewerbehafens zum Freizeithafen mit maritimer Hafenmeile, Marina, Caravanplatz, Wohnen im Speicher als neues Quartier im Zentrum
Nordhorn,
Niedersachsen
53.401Wasserstadt Povel und Blaue Stadt Oorde
Nutzungsbezogene Altlastensanierung; Entwicklung eines Freizeit- und Baugebiets am Vechte¬see, Kanalneubau im Zuge grenzüberschreitender Kooperation
Papenburg35.268Turmkanal
Entwicklung einer Industriebrache zum innerstädtischen Quartier mit vielseitigen Nutzungen am Wasser; Schaffung eines städtebaulichen Abschlusses
Stade,
Niedersachsen
46.831Salztorsvorstadt
Umwandlung einer ehemaligen Industriebrache in ein maritimes, gemischt genutztes Quartier als Ergänzung zur Innenstadt
C  Klima- und ressourcenangepasste Stadtentwicklung
Dortmund,
Nordrhein-Westfalen
581.308Phoenix See
Neuanlage eines Sees und Entwicklung angrenzender Wohn- und Arbeitsstandorte; Adressbildung; Renaturierung der Emscher
München,
Bayern
1.330.440Isar-Plan
Schaffung einer neuen Erholungslandschaft durch integrierte Hochwasserschutzmaßnahmen und Renaturierung an der Isar im urbanen Bereich
Pfarrkirchen,
Bayern
11.794Rottaue
Renaturierung der Auenlandschaft und Umwandlung als Erholungsgebiet, integriertes Gesamtkonzept zum Hochwasserschutz
D Kooperationen, Entwicklungs- und Akteursmodelle
Duisburg,
Nordrhein-Westfalen
490.266Innenhafen Duisburg
Konsequente Umwandlung des ehemaligen Hafen¬areals zum hochwertigen Wohn- und Dienstleistungsstandort
Hamburg1.775.333Sprung über die Elbe
Entwicklung der Elbinseln zu städtischen, vielfältig genutzten Quartieren unter Berücksichtigung vorhandener Nutzungs- und Baustrukturen, Gesamtstrategie mit verschiedenen Einzelprojekten
E Konflikte mit gewerblichen/logistischen Nutzungen
Bremen547.360Überseestadt
Sukzessive Umwandlung der Hafenreviere rechts der Weser in ein gemischt genutztes Quartier mit hohem Gewerbe- und Dienstleistungsanteil und Anbindung an die Innenstadt
Düsseldorf,
Nordrhein-Westfalen
581.122Medienhafen
Umwandlung von Teilen des Düsseldorfer Hafens in ein modernes Dienstleistungs- und Wohnquartier; Neucodierung und Einleitung eines Imagewandels
Hamburg1.775.333Harburger Binnenhafen
Umwandlung vom Industrierevier zum lebendigen Stadtquartier mit einer Mischung aus Arbeiten, Freizeit, Kultur und Wohnen
S Sonderthemen
Bitterfeld-Wolfen,
Sachsen-Anhalt
45.968Wasserfront
Gestaltung einer 2 km langen Wasserfront mit Marina, Promenade und Wohnquartier am Stadthafen
Dorsten,
Nordrhein-Westfalen
78.955Wall- und Grabenanlage
Wiederherstellung der Stadtidentität durch Reaktivierung der historischen Graben- und Wallanlage
Geierswalde-Elsterheide,
Sachsen
3.813Schwimmende Häuser
Entwicklung einer Freizeitanlage mit Marina und schwimmenden Ferienhäusern
Hamburg1.772.100Wohnpark Trabrennbahn Farmsen
Kombination einer integrierten dezentralen Regenwasserbewirtschaftung mit Erholungsnutzung

Übersichtskarte: Verteilung der Fallstudien im Bundesgebiet

Die Deutschlandkarte zeigt die Verteilung der Fallstudien im Bundesgebiet aus dem Forschungsprojekt integrierte Stadtquartiersentwicklung am WasserVerteilung der Fallstudien im Bundesgebiet
Quelle: Machleidt + Partner - Büro für Städtebau, Berlin

Zusatzinformationen

Kontakt

Bernd Breuer
Referat I 2 - Stadtentwicklung

Tel.: +49 228 99401-2268
bernd.breuer@bbr.bund.de

Evi Goderbauer
Referat I 2 - Stadtentwicklung

Tel.: +49 228 99401-2319
evi.goderbauer@bbr.bund.de

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