Innovationen für Innenstädte
Konzept
Hintergrund
Im "Weißbuch Innenstadt" werden in den verschiedenen Kapiteln potenzielle Maßnahmen aufgezählt, die mit der Um- oder Nachnutzung, der stadtstrukturellen Einbindung sowie der Revitalisierung innerstädtischer städtebaulicher Großstrukturen in Zusammenhang stehen. Dies können Brachflächen, aber vor allem große, leer stehende oder durch Leerstand bedrohte Gebäude oder Gebäudeensembles sein, die aufgrund ihrer prominenten Lage und ursprünglichen Nutzung eine hervorgehobene Bedeutung für die Innenstadt hatten oder die aufgrund ihrer Größe und ihres Erscheinungsbildes identitätsstiftend sind.
Der Wegfall solcher städtebaulicher Großstrukturen kann einen Funktionsverlust für die Innenstadt bedeuten und die lokale Nutzungsvielfalt in den Innenstädten und Ortszentren sowie deren Attraktivität empfindlich mindern. Um ihre Innenstädte und Ortszentren funktionsfähig, gemischt und lebendig zu halten oder weiter zu entwickeln, müssen die Kommunen für solche Großstrukturen flexible Anpassungsstrategien entwickeln und im Rahmen eines integrierten Konzeptes umsetzen.
Forschungsansatz
Vor diesem Hintergrund soll untersucht werden, mit welchen Herangehensweisen Städte und Gemeinden eine Nachnutzung städtebaulicher Großstrukturen initiieren und befördern können. Hierfür wurden acht Modellvorhaben ausgewählt, die auf Grundlage eines lokalen "Weißbuch Innenstadt" innovative Strategien, Konzepte und Maßnahmen entwickeln, anstoßen und umsetzen.
Wesentliche Komponenten des Projektansatzes sind:
- Anwendung und Übertragung des "Weißbuch Innenstadt" auf die lokale Ebene (Konzeptebene)
- Entwicklung von Strategien und Maßnahmen für die Nachnutzung brach gefallener städtebaulicher Großstrukturen (Einzelgebäude, Gebäudekomplexe, Brachflächen) (Pilotprojektebene)
- Umsetzung von Einzelbausteinen der entwickelten Strategie (Impulsprojektebene)
Der Schwerpunkt der Modellvorhaben soll dabei auf den Pilotprojekten liegen.
Der Forschungsansatz verfolgt zwei Betrachtungsebenen – die "nach innen" zur Entwicklung der Modellvorhaben mit ihren Konzepten, Pilot- und Impulsprojekten und die "nach außen" mit Blick auf allgemeine Rückschlüsse für die städtebauliche Praxis zur Umnutzung von leer stehenden städtebaulichen Großstrukturen.
Die Beratung und Begleitung der Modellvorhaben "nach innen" erfolgt im Wesentlichen über kontinuierliche Reflexionstermine vor Ort. Für die Auswertung der Modellvorhaben mit Blick "nach außen" wird eine querschnittsorientierte Betrachtungsweise angewandt. Hierfür werden Cluster gebildet, die vergleichbare Projektbestandteile der Konzept-, Pilotprojekt-, und Impulsprojektebene thematisch bündeln. Anhand der Cluster werden inhaltliche Parallelen der Modellvorhaben herausgearbeitet, analysiert und diskutiert.
Für den Ergebnis- und Wissenstransfer finden bis 2014 fünf interne Werkstätten und zwei öffentliche Veranstaltungen statt. In den Werkstätten tauschen sich die Modellvorhaben, das BBSR und die Forschungsassistenz aus. Die Werkstätten dienen dem internen Wissenstransfer, der Kommunikation von konkreten Projekterfahrungen, der Thematisierung aktueller Aufgaben und der Untersuchung der Übertragbarkeit erfolgreicher Strategien und Ideen.
In einer Zwischenveranstaltung Mitte 2013 und in einer Abschlussveranstaltung Ende 2014 wird das Forschungsvorhaben im Sinne des Wissenstransfers "nach außen" einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zusätzlich zum Dialog der direkt beteiligten Akteure steht hier die Information und Einbindung der Planungspraxis im Mittelpunkt.
Im Ergebnis soll das neue Forschungsfeld vielfältige Bezüge zu aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung, insbesondere zu Stadtumbauprozessen, zum Leerstandsmanagement, zu Zwischennutzungen, zur Initiierung öffentlich-privater Partnerschaften und zur Beteiligungskultur eröffnen. Die Forschungsergebnisse werden bezugnehmend auf die o. g. Themen über Berichte kontinuierlich festgehalten und kommuniziert.
Forschungsfragen
Die Modellvorhaben werden nach einem dreistufigen System von Forschungsfragen fachlich begleitet und analysiert. Die grundsätzlichen Forschungsleitfragen spielen bei der Anwendung und Umsetzung des "Weißbuch Innenstadt" auf lokaler Ebene eine Rolle. Die konkreten Forschungsfragen beziehen sich auf die Potenziale und Hemmnisse bei der Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Nachnutzungsstrategien. Die projektbezogenen Forschungsfragen untersuchen die spezifischen Ansätze des jeweiligen Modellvorhabens.
Die Forschungsleitfragen:
- Welche neuen oder verstärkten Herausforderungen ergeben sich für eine nachhaltige Entwicklung der Innenstadt?
- Welche Probleme und Hindernisse sind zu lösen und zu überwinden?
- Was sind die Erfolgsfaktoren integrierter Prozesse zur Innenstadtentwicklung?
- Welche kreativen Lösungsstrategien lassen sich übertragen?
- Wie lässt sich bürgerschaftliches Engagement gewinnbringend einbringen?
- Welche Schlüsselprojekte fördern eine nachhaltige Prozesssteuerung?
Die konkreten Forschungsfragen:
- Inwieweit kann die Um- oder Nachnutzung einer städtebaulichen Großstruktur Initialzündung für eine weiter gehende Entwicklung, Stabilisierung und / oder Stärkung der Innenstadt sein?
- Welche Hemmnisse treten bei der Umsetzung von Um- und Nachnutzungsstrategien auf?
- Welche Akteurskonstellationen sind besonders förderlich für eine erfolgreiche Umsetzung der Um- oder Nachnutzungsstrategie?
- Wer eignet sich als "Kümmerer", als Ansprechpartner und Koordinator zwischen Eigentümern, der Verwaltung und Nachnutzern?
- Welche Stellen in Stadtverwaltungen sollten an einem solchen Prozess der Umnutzung / Neunutzung großer städtebaulicher Strukturen mitwirken?
- Wie können Bürgerinnen und Bürger frühzeitig sinnvoll und gewinnbringend in einen solchen Prozess eingebunden werden?
- Welche Rolle können Zwischennutzungen für eine zukunftsfähige und nachhaltige Um- und Nachnutzung solcher Großstrukturen spielen?
- Wie lassen sich bestehende städtebauliche Großstrukturen durch (bauliche und sonstige) Eingriffe und Interventionen besser in die vorhandene städtebauliche Struktur integrieren?
- Welche rechtlichen und strategischen Instrumente sind zu nutzen bzw. weiter zu entwickeln, um solche Um- und Nachnutzungsprozesse zu erleichtern und zu befördern?
- Welche generalisierbaren Schlüsse sind für das Instrumentarium (Stadtentwicklungspolitik, Städtebaurecht, Städtebauförderung) des Bundes zu ziehen?
Die projektbezogenen Forschungsfragen sind den Steckbriefen der Modellvorhaben zu entnehmen.

