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Raumordnungsprognose

Bevölkerungsprognose

Methodik und Annahmen der BBSR-Bevölkerungsprognose

Methodik

Als Methode der BBSR-Bevölkerungsprognose wird das auch in der Amtlichen Statistik gebräuchliche Periodenmodell mit der jährlichen kohortenweisen Fortschreibung des Bevölkerungsbestands benutzt. Ergänzend dazu fließen die natürlichen und räumlichen Bewegungen in die Fortschreibung ein. Dieser Ansatz wird auch als Kohorten-Komponenten-Methode bezeichnet. Die Geburten, Sterbefälle und Wanderungen werden mit Raten aus der Bevölkerung abgeleitet. Eine eigenständige und besondere Komponente des BBSR-Modells betrifft die Binnenwanderung, bei der simultan die Fortzüge aller Teilräume auf die Zielräume verteilt werden. Empirische Basis dafür ist die tatsächliche Wanderungsverflechtung zwischen den Teilräumen der jüngeren Vergangenheit.

Die formale Bevölkerungsprognose wird durchgeführt mit einem mathematischen Gleichungssystem, bestehend aus einer Definitionsgleichung und mehreren Verhaltensgleichungen. Die Gleichungen besitzen

  • einen theoretischen Gehalt, weil sie einen postulierten Zusammenhang zwischen den Modellgrößen abbilden;
  • einen empirischen Gehalt, weil die in den Gleichungen verwendeten Parameter auf tatsächlich gemessenen Größen und deren Fortschreibung in die Zukunft basieren.

Als Definitionsgleichung fungiert die Bilanzgleichung des Bevölkerungsprozesses. Sie beschreibt den formalen Zusammenhang zwischen dem Bevölkerungsbestand und den Bevölkerungsbewegungen:

Bt = Bt-1 + G[t-1,t] - S[t-1,t] + Z[t-1,t] - F[t-1,t]

mit:

Bt = Bevölkerungsbestand zum Zeitpunkt t

Bt-1 = Bevölkerungsbestand zum Zeitpunkt t-1

G[t-1,t] = Geburten im Zeitraum t-1 bis t

S[t-1,t] = Sterbefälle im Zeitraum t-1 bis t

Z[t-1,t] = Zuzüge im Zeitraum t-1 bis t

F[t-1,t] = Fortzüge im Zeitraum t-1 bis t

Flussdiagramm des BBSR-Bevölkerungsmodells der Raumordnungsprognose mit den Komponenten und deren VerknüpfungDas BBSR-Bevölkerungsmodell der Raumordnungsprognose - Komponenten und deren Verknüpfung

Die Bevölkerungsbewegungen werden durch Verhaltensgleichungen beschrieben, in denen jeweils eine Komponente aus dem Bevölkerungsbestand oder Teilen davon (der so genannten "Risikobevölkerung") abgeleitet wird. Die Berücksichtigung des inneren Aufbaus der Bevölkerung nach Geschlecht und Alter ist tragendes Element dieses Konzeptes. Dadurch wird der wechselseitige Einfluss von Struktur und Dynamik einer Bevölkerung systematisch erfasst: Die Altersstruktur einer Bevölkerung beeinflusst deren Dynamik, die Dynamik wiederum formt die künftige Altersstruktur.

Aus dem Modell ergeben sich die strategischen Variablen, die das Prognoseergebnis maßgeblich mitbestimmen: die altersspezifischen Fertilitätsraten, die geschlechts- und altersspezifischen Mortalitätsraten, die altersspezifischen Mobilitätsraten, die internationalen Wanderungsströme über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland. Daneben gibt es Annahmen einer "zweiten Stufe", die die innere Zusammensetzung oder die räumliche Verteilung der Bevölkerung betreffen. Das Prognosemodell ist formal eher sparsam. Es erhält seine hohe Komplexität durch die weit getriebene Ausdifferenzierung in der sachlichen und räumlichen Dimension.

Annahmen

Die Annahmen zur Bevölkerungsprognose betreffen die demographischen Verhaltensparameter der Fertilität, der Mortalität und des Wanderungsverhaltens.

Der eigentliche Akt der Prognoserechnung findet dabei auf der niedrigsten räumlichen Ebene statt, den Landkreisen und kreisfreien Städten. Bei der Bevölkerungsprognose 2030 wurde ein Teil der Landkreise zusätzlich in so genannte Prognoseräume aufgeteilt, sodass knapp 700 Raumeinheiten vorlagen. Bei der Prognose 2035 wurden aufgrund des Zensus 2011 nunmehr die 402 Kreise bzw. kreisfreien Städte gewählt. Für jede dieser Raumeinheiten musste ein kompletter Satz der Prognoseparameter bereitgestellt werden. Die Prognose verläuft räumlich von unten nach oben ("Bottom Up"). Das heißt, Ergebnisse größerer räumlicher Einheiten ergeben sich als Aggregat aus Kreisprognosen. Die Annahmensetzung dagegen verläuft von oben nach unten ("Top Down"). Dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe.

Zum einen würde dem Prognostiker die Übersicht und die Kontrolle über den Gesamtprozess verloren gehen, er würde sich in der Vielzahl der Regionen und Modellelemente verlieren. Zum anderen treten bei einer Prognose auch erklärende Größen auf, die gar keine regionale Dimension oder höchstens sehr großräumige Unterschiede aufweisen. Mit der Annahmensetzung von oben nach unten können solche Größen in mathematischer Diktion "vor die Klammer gezogen" werden. Auch überregionale Ähnlichkeiten regionaler Prozesse können - zumal bei trendanalytischen Prognoseverfahren - im Aggregat besser berücksichtigt werden. Prognosen hängen in ihrer Qualität auch von der Größe/Masse des Prognosemerkmals ab. Gröbere räumliche Einheiten mit größeren Bevölkerungen weisen im Zeitablauf stabilere Trends und damit eine höhere Prognosefähigkeit auf.

Dies wohl wissend, wurde für die Annahmensetzung in den Regionen ein zweistufiges Konzept entwickelt, das einen Kompromiss zwischen der regionalen Vielfalt und der Stabilität großer räumlicher Einheiten eingeht. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts ist die Schaffung regionaler Zwischenebenen speziell für die Annahmensetzung. Auf diesen Zwischenebenen können erste Annahmen getroffen werden, die sich in einem zweiten Schritt räumlich so weit ausdifferenzieren lassen, wie es das Prognosemodell erfordert.

Die regionalen Zwischenebenen lassen vor allem eine gesonderte Betrachtung der Dynamik in den neuen Ländern zu. Sie berücksichtigen zusätzlich auch siedlungsstrukturelle Besonderheiten, etwa eine Unterscheidung von Kernstädten sowie ländlichen und suburbanen Räumen. Inhaltlich lassen sich die Annahmen zu den demographischen Verhaltensparametern folgendermaßen zusammenfassen:

Bei der Fertilität werden bestehende Trends fortgeschrieben. Diese betreffen in erster Linie die weitere Verschiebung von Geburten in höhere Altersgruppen. Gleichzeitig findet eine Angleichung der Fertilität in den neuen Ländern an den Westen statt. Dabei kommt es im Osten zu einer siedlungsstrukturellen Ausdifferenzierung, das heißt, die bisher nur gering ausgeprägten Gegensätze zwischen Stadt und Land werden deutlicher.

Bei der Mortalität erfolgt eine Orientierung an den Annahmen der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts, wobei die Variante mit dem geringeren Anstieg der Lebenserwartung in der BBSR-Prognose übernommen wurde. Im Zeitverlauf erfolgt zusätzlich ein leichter Abbau der regionalen Unterschiede.

Die Annahmen im Wanderungsverhalten innerhalb Deutschlands stützen sich auf die konsolidierte Phase der Jahre ab der Jahrtausendwende und schreiben deren Muster in die Zukunft fort. Dazu zählt ein - geringer werdender, aber nicht verschwindender - Wanderungsverlust der neuen gegenüber den alten Ländern. Hinsichtlich der künftigen Bedeutung von Stadt-Umland-Wanderungen wird in den neuen Ländern eine Konsolidierung auf mittlerem Niveau und damit langfristig eine Angleichung an die alten Länder erwartet.

Die Außenwanderungen hatten gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts ein sehr niedriges Niveau. Aufgrund internationaler Push-Faktoren ist es inzwischen zu einem deutlichen Wiederanstieg der Netto-Wanderungen gekommen.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Bevölkerung, Haushalte, Erwerbspersonen:
Dr. Claus Schlömer
Referat I 1 - Raumentwicklung
Tel.: +49(0)22899.401-2331
Dr. Jana Hoymann
Referat I 1 - Raumentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2133
Wohnungsmarktprognose:
Matthias Waltersbacher
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmarkt
Tel.: +49(0)22899.401-2610