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Bauen, Energie und Klima - auf die Gebäude kommt es an

Symposium am 13. Januar 2009 auf der BAU 2009 in München

Rund 400 interessierte Teilnehmer verfolgten das Symposium "Bauen, Energie und Klima - auf die Gebäude kommt es an" im Internationalen Congress Center (ICM) auf der BAU 2009 in München. Unter der Moderation von Herrn MR Ornth vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) wurden die politischen Instrumente und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich vorgestellt, die auf europäischer und nationaler Ebene angewendet werden. Dem vorwiegenden Fachpublikum wurden Vortragsreihen aus den Themenstellungen politische Rahmenbedingungen, nationale Umsetzungen und Zielsetzungen im internationalen Kontext sowie Praxisbeispiele präsentiert.

Nach den einleitenden Worten von Herrn MDir Halstenberg vom BMVBS, der die Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP) auch vor dem Hintergrund des zweiten Konjunkturpaketes beleuchtete, wurde von Herrn Dr. Elsberger von der Europäischen Kommission der Anlass und die Fortschreibung der europäischen Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden präsentiert. Die nationale Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele können ohne eine erhöhte Energieeffizienz unserer Gebäude und ohne den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien nicht nachhaltig erreicht werden. Mit dem IEKP hat die Bundesregierung ein Aktionspaket verabschiedet, das auch für den Gebäudebereich eine Vielzahl von Maßnahmen beinhaltet. Die Bundesregierung hat bereits einen Vorschlag zur Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) vorgelegt, die von Herrn Dr. Renner vom BMVBS in seinem Vortrag vorgestellt wurde. Dabei sollen die energetischen Anforderungen an Gebäude im Rahmen der wirtschaftlichen Vertretbarkeit um durchschnittlich 30% verschärft werden. Mit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes wird auch der Einsatz erneuerbarer Energien bei Neubauten zukünftig zur Pflicht. Neben den Vorgaben durch die Politik sollen auch weiterhin Anreiz- und Förderprogramme die energetische Sanierung von Gebäuden vorantreiben. Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz werden auch zukünftig durch Förderungen im Rahmen der KfW-Programme flankiert. Herr Dr. Heidrich vom BMVBS erläuterte die neu geplante Ausrichtung der Förderprogramme, die finanziell deutlich aufgestockt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angeboten werden.

Um den schnelllebigen Prozess zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden zeitnah beurteilen und eventuell Anpassungen vornehmen zu können, ist es dringend notwendig, die Umsetzung zu begleiten und zu monitoren. Herr Schettler-Köhler vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) stellte hierzu die Forschungsinitiative Zukunft Bau vor, die im Jahr 2006 vom BMVBS aufgelegt wurde, um Innovationen im Bausektor zu fördern. Als ein Schwerpunkt hat sich hierbei das Forschungscluster Energie herausgebildet.

Frau Felicitas Kraus von der Deutschen Energieagentur (dena) hob den Anspruch an eine Vorreiterrolle Deutschlands im internationalen Kontext in der Thematik Energieeffizienz von Gebäuden hervor, um international Maßstäbe zu setzen und die deutsche Industriesparte Umwelttechnik als Marktführer zu etablieren. In ihrem Vortrag wurden die internationalen Aktivitäten der dena unter anderem in China, Indien und Russland und weitere potentielle Märkte im Ausland aufgezeigt.

Herr Prof. Maas von der Universität Kassel stellte in seinem Vortrag die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten aber auch Grenzen für die Zusatzanforderungen von Wohn- und Nichtwohngebäuden dar. Ein Schwerpunkt war hierbei die Fortschreibung der EnEV im Jahr 2012.

Als Berechnungsgrundlage für den Nachweis des Anforderungswertes der EnEV soll auch zukünftig die DIN V18599 dienen. Herr Erhorn vom Fraunhofer Institut für Bauphysik Stuttgart präsentierte in seinem Vortrag die geplanten Weiterentwicklungen und möglichen Vereinfachungen dieser Norm.

Eine gute Abstimmung zwischen Theorie und Praxis ist bei der Umsetzung unabdingbar. Herr Prof. Hausladen von der Technischen Universität München zeigte in seinem Vortrag "Neue Konzepte zur Steigerung der Energieeffizienz bei Nichtwohngebäuden" prinzipielle Überlegungen und Werkzeuge, um ein Nullenergie-Bürogebäude zu planen. Anhand eines Beispielgebäudes führte er anschaulich die angewendeten Maßnahmenpakete mit verbesserter Dämmung und Anlagentechnik zur Minimierung des Energieverbrauchs vor und verwies auf bestehende Möglichkeiten, zum Beispiel über Simulationen, um Unsicherheiten hinsichtlich der Planung bereits im Vorfeld auszuräumen.

Im Vortrag von Herrn Prof. Hegger wurde ein konzipiertes und real gebautes und betriebenes Plusenergiehaus der Technischen Universität Darmstadt vorgestellt, das den Solar-Decathlon Wettbewerb 2007 in Washington gewann. Bei diesem Wettbewerb des amerikanischen Energieministeriums konkurrieren weltweit ausgewählte Universitäten in zehn Disziplinen, wie zum Beispiel Architektur und Energieeffizienz, um das innovativste Gesamtkonzept. Neben den allgemeinen Wettbewerbsbedingungen wurden auch das Konzept und die technische Umsetzung des deutschen Beitrags vorgestellt. Für die Teilnahme am kommenden Wettbewerb im Jahr 2009 wurde der aktuelle Planungsstand der Technischen Universität Darmstadt erläutert.

Tobias Loga vom Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt stellte die Ergebnisse aus einem Zukunft Bau Forschungsvorhaben vor, indem die energetischen Anforderungen an Neubauten im mitteleuropäischen Vergleich gegenübergestellt wurden. Danach sind die energetischen Vorgaben in Deutschland nach der derzeit gültigen EnEV gegenüber den europäischen Nachbarländern eher im Mittelfeld zu finden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Deutschland also kein Vorreiter hinsichtlich seiner Anforderungen an eine energieeffiziente Bauweise.

Als finalen Vortrag stellte Herr Winkler vom Institut für angewandte Informatik im Bauwesen (IAIB) in Wismar erstmalig die Ergebnisse aus dem Zukunft-Bau-Forschungsvorhaben "Qualitätsprüfung von Energieausweis-Software" vor. In diesem Projekt wurden die marktgängigen Softwarelösungen für die Erstellung eines Energieausweises auf der Grundlage der DIN V 18599 auf Normkonformität und korrekter Berechnung überprüft und miteinander verglichen. In dem Vortrag wurde das Vorgehen des Forschungsnehmers beschrieben und erste Ergebnisse präsentiert.

Die rege Teilnahme der Zuschauer an der Diskussion zeigte die Aktualität und das breite Interesse hinsichtlich dieser Thematik auf. Die positive Resonanz des Auditoriums auf diese Veranstaltung zeigte die grundsätzliche Zustimmung für die ergriffenen energiepolitischen Maßnahmen und das breite Interesse an der Entwicklung und Fortschreibung der weiteren Ziele.

Die Vorträge des Symposiums sind über den folgenden Link abrufbar:
www.zukunft-haus.info/bau2009


Ansprechpartner im BBSR:
Guido Hagel
Telefon +49 228 99401-1482
guido.hagel@bbr.bund.de