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Nachhaltig geplante Außenanlagen auf Bundesliegenschaften

Fachveranstaltung des BBSR am 5. März 2013 in Bonn

Nachhaltiges Bauen berücksichtigt gleichermaßen ökologische und ökonomische Belange und greift dabei die Bedürfnisse von Gebäudenutzern auf. Längst ist Nachhaltigkeit nicht mehr nur Thema für den Hochbau: In einem Forschungsprojekt haben Wissenschaftler der Technischen Univeraität Berlin und der LA.BAR Landschaftsarchitekten im Auftrag des BBSR nun Kriterien entwickelt, mit denen sich die Nachhaltigkeitsqualität von Außenanlagen auf Bundesliegenschaften bewerten lässt. Das reicht von kleineren innerstädtischen Grundstücken bis zu umfangreichen Freiflächen und parkähnlichen Anlagen. Ergebnisse des Projekts wurden nun auf einer Veranstaltung des BBSR am 5. März 2013 im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Bonn vorgestellt. Vor etwa 70 Zuhörern im Großen Sitzungssaal des Schlosses Deichmanns Aue präsentierten Eike Richter (LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin) und Prof. Cordula Loidl-Reisch (Technische Universität Berlin) das neue Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Außenanlagen - Ziele, Ausgestaltung und Umsetzung in der Praxis.

Vortragende Eike Richter und Prof. Cordula Loidl-Reisch"Kommunikationsinstrument für alle Planungsphasen". Eike Richter und Prof. Cordula Loidl-Reisch stellten das Bewertungssystem für Außenanlagen vor

Die von den Wissenschaftlern entwickelten Planungsempfehlungen des Bewertungssystems wurden für Außenanlagen von Büro- und Verwaltungsgebäuden formuliert - typische Nutzungsformen im Bundesbau. Sie können jedoch auch für andere gebäudebezogene Außenanlagen angewandt werden. Das Bewertungssystem lehnt sich an das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für den Hochbau an. Insgesamt werden die Kriterien in sechs Gruppen eingeteilt, wovon drei ein besonders hohes Gewicht haben:

  • Die ökologische Qualität bildet die Umweltwirkungen der Außenanlage ab. Sie bemisst sich daran, wie Grünflächen gestaltet werden, ob die Vegetation dem Standort entspricht, die Biodiversität gestärkt wird, woher die Baumaterialien stammen oder ob der Boden ausreichend geschützt ist.
  • Die ökonomische Qualität konzentriert sich auf die Lebenszykluskosten, also die Kosten für Bau, Unterhalt und Pflege. Grundlage ist ein Betrachtungszeitraum von 50 Jahren.
  • Die soziokulturelle und funktionale Qualität nimmt die Bedürfnisse der Nutzer in den Blick: Dazu gehören Aspekte wie Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit der Anlage sowie die Qualität der Gestaltung.

Daneben fließen weitere Kriterien in die Nachhaltigkeitsbewertung ein: die technische Qualität der Anlage (u.a. Verwendung nachhaltiger Materialien sowie Bauweisen), die Prozessqualität (Projektplanung, -durchführung und Bewirtschaftung) und die Standortqualität. Im Ergebnis wurden 27 Kriteriensteckbriefe entwickelt, welche die Forscher an mehreren Projekten erprobten.

Fazit des Vortrags: "Der Leitfaden ist ein Kommunikationsinstrument für alle Planungsphasen", so Frau Prof. Cordula Loidl-Reisch. Wichtig sei es, die Nachhaltigkeitsbewertung schon früh in öffentliche Baumaßnahmen zu integrieren. Bereits im Zuge der Entscheidungsunterlage Bau (ES-Bau) sollten erste Ziele festgelegt werden. Darüber hinaus sollten im Sinne einer integrierten Planung frühzeitig Landschaftsarchitekten einbezogen werden.

"Freiraumplanung ist nicht nur Beiwerk"

Vortragender  Till RehwaldtBewertete das System aus Sicht eines Landschaftsarchitekten: Till Rehwaldt

Was bringt das Bewertungssystem für die Planungspraxis? Zu dieser Frage nahm der Dresdener Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt Stellung. Er würdigte das System als wichtigen Schritt, um zu einer ganzheitlichen Betrachtung der gesamten Liegenschaft zu kommen und dabei die Landschaftsarchitektur einzubeziehen. "Gerade in der Vergangenheit ist bei Bauprojekten die Freiraumplanung oft nur Beiwerk gewesen", sagte Rehwaldt. Nach Rehwaldts Worten sollten bei der Nachhaltigkeitsbewertung eines Projektes mit Gold, Silber und Bronze deutlicher die zu Grunde gelegten Qualitätsanforderungen kommuniziert werden. Auf der anderen Seite könne es für kleinere Projekte schwierig sein, einen so umfassenden Katalog anzubieten, wie ihn das Bewertungssystem darstelle. Ziel solle sein, mittel- und langfristig die Nachhaltigkeitsbetrachtung auf die gesamte Liegenschaft auszudehnen und eine Gesamtbetrachtung von Hochbaumaßnahmen und Freiraumplanung zu ermöglichen. "Auch für Kommunen ist die Nachhaltigkeitsbewertung von Freiräumen interessant. Hier kann der Bund als Modellgeber und Vorbild fungieren", sagte Rehwald.

An die Vorträge schloss sich eine rege Diskussion an, bei der neben den Vortragenden auch Merten Welsch, Projektleiter der zugrundeliegenden Forschungsvorhaben beim BBSR, und Hans-Werner Schulz, Referatsleiter Bundesbau beim saarländischen Finanzministerium, auf die Fragen der Teilnehmer antworteten.

Fazit der Veranstaltung: Wichtig ist es zunächst, die Nachhaltigkeitsansätze in die Praxis zu überführen. Dafür gibt es bereits ein Schulungskonzept, das sowohl die Bauverwaltung als auch freiberufllich tätige Landschaftsarchitekten nutzen können. Geprüft wird darüber hinaus, inwieweit die Nachhaltigkeitsanforderungen für Außenanlagen per Erlass schrittweise als neuer Qualitätsstandard im Bereich der Bundesbauverwaltung eingeführt werden können. Die Anwendung des Bewertungssystems für Außenanlagen in ausgewählten Bundesbaumaßnahmen hilft, weitere Erfahrungen mit Blick auf die Anwendungsfreundlichkeit und Umsetzungsfragen zu sammeln.

Ansprechpartner im BBSR:
Merten Welsch, Referat II 5 - Nachhaltiges Bauen
Telefon +49 30 18401-3406 merten.welsch@bbr.bund.de

Weitere Informationen:
Ergebnisse des Forschungsprojekts sind die Arbeitshilfe "Nachhaltig geplante Außenanlagen auf Bundesliegenschaften" und das "Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Außenanlagen".
>> Projekt "Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Außenanlagen"

PDF-Datei der Broschüre "Nachhaltig geplante Außenanlagen auf Bundesliegenschaften" unter: www.nachhaltigesbauen.de

Bestellungen an: buergerinfo@bmvbs.bund.de