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Fachveranstaltung "Wohnungsgenossenschaften als Partner der Kommunen"

Eine Fachveranstaltung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) am 23. Juni im BMUB in Berlin

Wohnungsgenossenschaften sind ein wichtiger wohnungspolitischer Marktakteur: Sie schaffen durch Neubau und Bestandserhalt auch in Regionen mit angespannten Märkten dringend benötigten hochwertigen, aber bezahlbaren Wohnraum. Im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen haben das BMUB sowie das BBSR das Forschungsprojekt "Wohnungsgenossenschaften als Partner der Kommunen" angestoßen. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stand die Analyse von zehn Fallstudien insbesondere in dynamischen und wachsenden Wohnungsmärkten. Das Projekt untersuchte unterschiedliche Kooperationsthemen und -formen zwischen Wohnungsgenossenschaften und Kommunen und zeigte beispielgebende Ansätze auf. Analysiert wurden die Themen Neubau, Ansprache von Zielgruppen und soziale Fragen des Wohnens, wobei insbesondere der Beitrag für ein bezahlbares Wohnen und Bauen berücksichtigt wurde.

Referanten ReferentenQuelle: BMUB/ Thomas Imo

150 Akteure aus der wohnungswirtschaftlichen Praxis, Politik, Verwaltung und Wissenschaft erörterten auf der Fachveranstaltung am 23. Juni im Bundesbauministerium in Berlin Möglichkeiten für eine erfolgreiche Kooperation zwischen Wohnungsgenossenschaften und Kommunen. Hierzu berichteten u.a. ein Vertreter der Kommune und einer Wohnungsgenossenschaft aus drei der untersuchten Fallbeispiele (Hamburg, Dortmund und München) in "Tandemvorträgen" über ihre Erfahrungen in der projektorientierten Zusammenarbeit und Kooperation.

Nach der Eröffnung durch Anke Brummer-Kohler, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, Wohnen, öffentliches Baurecht im BMUB, führte Moderatorin Prof. Dr. habil. Sigrid Schaefer, Geschäftsführerin der InWIS GmbH, durch den Tag.

Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. betonte in seiner Rede die Stärken des genossenschaftlichen Wohnens. Insgesamt halten Wohnungsgenossenschaften in Deutschland einen Marktanteil von 11 Prozent und sind wichtige Ansprechpartner beim Erhalt und der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Herr Gedaschko ging in seinem Vortrag darüber hinaus auf förderliche Rahmenbedingungen für den Wohnungsneubau ein, die insbesondere von einer Kostenreduktion, z.B. durch eine Senkung der Baulandpreise und eine Bauausführung im Sinne des rationellen bzw. seriellen Bauens, positiv beeinflusst werden können. Herr Gedaschko stellte heraus, dass Wohnungsgenossenschaften wichtige Partner beim Wohnungsbau sind, der durch Kooperationen zwischen Kommunen und Wohnungsgenossenschaften befördert werden kann.

Den fachlichen Einstieg in das Thema gaben Mathias Metzmacher (BBSR) und Carolin Krüger (InWIS, Auftragnehmer des Forschungsprojekts), um das Projekt in das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen einzuordnen und um Hintergrund und Ziele des Forschungsprojektes sowie zentrale Ergebnisse vorzustellen. Wesentliche Fragen bezogen sich darauf, was Wohnungsgenossenschaften in den aktuell bedeutsamen Handlungsfeldern leisten, welche Möglichkeiten Kommunen haben, um Wohnungsgenossenschaften zu unterstützen und wie konkrete Kooperationen in der Praxis aussehen. Darüber hinaus wurde analysiert, welche liegenschaftspolitischen Instrumente relevant sind und welche Bedeutung die Wohnraumförderung der Länder für den Erhalt und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums hat. 

Fallbeispiele im Fokus

Einen wichtigen Schwerpunkt der Veranstaltung war die Vorstellung von drei der untersuchten Fallbeispielen. Für Hamburg verdeutlichten Thomas Kuper, Vorstand der Altonaer Spar- und Bauverein eG und Angela Hansen von der Stadt Hamburg, wie es gelingen kann, brachliegende Flächen in zentraler Lage zu aktivieren und unter Einbindung von Baugemeinschaften ein Wohnungsneubauprojekt für unterschiedlichste Zielgruppen zu entwickeln und umzusetzen. Es handelt sich um ein Bauprojekt, das im Rahmen des Wohnungsbauförderprogramms des Senats in Hamburg-Altona umgesetzt wurde und Menschen unterschiedlicher Generationen anspricht. Entstanden ist bezahlbarer und gleichzeitig hochwertiger Wohnraum in Form von Wohnungen für die Genossenschaftsmitglieder der Altonaer Spar- und Bauverein eG, für zwei Gemeinschaftswohnprojekte sowie eine Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen. Die Vortragenden betonten, dass insbesondere der regelmäßige, konstruktive und projektbezogene Austausch zwischen der Baugenehmigungsbehörde, der Agentur für Baugemeinschaften und der Wohnungsgenossenschaft die Realisierung des Projektes erleichterte.

Franz-Bernd Große-Wilde, Vorstand der Spar- und Bauverein eG und Anja Laubrock, stellvertretende Leiterin des Amtes für Wohnen und Stadterneuerung der Stadt Dortmund, stellten die aktuellen Rahmenbedingungen und Herausforderungen des Dortmunder Wohnungsmarkts vor und unterstrichen die Bedeutung einer Zusammenarbeit mit den relevanten Partnern für die Umsetzung wohnungspolitischer Ziele – dazu zählen auch Wohnungsgenossenschaften. Die Kooperation zwischen Verwaltung und Wohnungswirtschaft ist in Dortmund bereits lange Tradition, da die Zusammenarbeit sowohl auf der konzeptionellen Ebene (z.B. Masterplan Wohnen, Kommunales Wohnkonzept) als auch in der Praxis (z.B. über konkrete Kooperationsverträge, Quartiersanalysen, Stadterneuerungsprozesse, neue Wohnformen) erfolgt.

Gelebte Kooperation

Anhand des Fallbeispiels "Servicewohnen Bauerstraße" wurde die gelebte Kooperationspraxis veranschaulicht: Innerhalb des Forschungsprojekts steht dieses Beispiel für ein zielgruppenorientiertes Vorgehen einer Wohnungsgenossenschaft im Rahmen eines Neubauprojekts, das mit öffentlichen Fördermitteln bezahlbaren Wohnraum bereitstellt. Gleichzeitig zeichnet es sich durch seinen Kooperationsgedanken zwischen Wohnungsgenossenschaft, Kommune und sozialem Dienstleister zur Schaffung eines betreuten Wohnangebots aus. In der Diskussion wurde betont, dass das Thema Wohnen in Dortmund zur "Chefsache" gemacht wurde und es insgesamt einen großen Rückhalt in der gesamten Politik gibt. Darüber hinaus findet eine enge Verzahnung von zuständigen Dezernaten und Referaten der Kommune mit der Wohnungsgenossenschaft statt. Die Stadt sieht sich als neutraler Mittelpunkt der Kooperationsgemeinschaft. Dies mündet in einem positiven Neubauklima und guten Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen Kommune und Wohnungswirtschaft.

Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, ging auf Impulse des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen für das genossenschaftliche Wohnen ein. Er betonte die Notwendigkeit bezahlbaren, generationengerechten Wohnraums aus Sicht des Bundes. Darüber hinaus thematisierte er die im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen formulierten Empfehlungen, die sich bereits in vielen der innerhalb des Forschungsprojektes untersuchten Fallbeispiele widerspiegeln: Hierzu zählen u.a. Konzeptvergaben, das Instrument der mittelbaren Belegung und die Thematik der Dachgenossenschaften. Abschließend stellte er das Potenzial in der Zusammenarbeit und dem Dialog von Wohnungsgenossenschaften und Kommunen heraus, die einen bedeutenden Beitrag zu den aktuellen wohnungspolitischen Themen leisten können.

Im Anschluss wurde das Fallbeispiel aus München vorgestellt. Dieses zeigt die Rolle kleiner und neu gegründeter Wohnungsgenossenschaften auf einem angespannten Wohnungsmarkt und wirft einen Blick auf ihre Möglichkeiten und Herausforderungen zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Zentrales Merkmal der Wohnungspolitik in München ist dabei die besondere Politik zur Förderung und Unterstützung der Wohnungsgenossenschaften. Gabriele Götzl, Mitarbeiterin im Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Stadt München stellte die Eckpunkte des Wohnungspolitischen Handlungsprogramms "Wohnen in München V" mit seinen Zielen und den Instrumenten zur Förderung der Baugemeinschaften und Wohnungsgenossenschaften vor. Um genossenschaftliches Wohnen zu fördern, werden in den städtischen Siedlungsgebieten etwa 20 bis 40 Prozent der Grundstücke an Baugemeinschaften und Wohnungsgenossenschaften vergeben.

Von den etwa 40 Wohnungsgenossenschaften wurden drei in den vergangenen 25 Jahren gegründet und zählen daher eher zu den "jungen" Genossenschaften. Hierunter befindet sich auch die in diesem Fallbeispiel untersuchte Wohnungsgenossenschaft wagnis eG, die mit inzwischen fünf umgesetzten Projekten und weiteren in der Umsetzung und Planung befindlichen Wohnprojekten einen wichtigen Beitrag zum Neubau von bezahlbaren Wohnungen in zentraler Lage in München leistet. Während die neu gegründeten Wohnungsgenossenschaften in München im Neubau aktiv sind, haben sich die Münchener Bestandsgenossenschaften über viele Jahre hinweg insbesondere auf die energetische und altersgerechte Modernisierung und Sanierung ihres Bestands  konzentriert. Bisher lag ein Hemmnis zudem vor allem in den hohen Grundstückspreisen. Seit diesem Jahr sind die Bestandsgenossenschaften aktiver im Neubau, eine weitere Aktivierung ist ein wichtiges Thema der Wohnungspolitik in München. Bei kleineren Wohnungsgenossenschaften kommen fehlende personelle Kapazitäten hinzu, die weitergehende Maßnahmen im Wohnungsneubau bislang häufig verhindert haben.

Die Bedeutung und Potenziale von Wohnungsgenossenschaften waren das Vortragsthema von Dr. Iris Beuerle (Genossenschaftsreferentin des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.). Hierbei ging sie insbesondere auf die Besonderheiten der Rechtsform der Wohnungsgenossenschaft im Unterschied zu anderen Wohnungsmarktakteuren und den Beitrag zum bezahlbaren Wohnen ein. Sie stellte heraus, dass das Wesen der Genossenschaft im Wesentlichen auf der Mitgliederförderung beruht und vom Identitätsprinzip, der Selbstverwaltung und dem Dauernutzungsrecht geprägt wird. Auf Ebene der ökonomischen Förderung der Mitglieder ist insbesondere der Beitrag der Genossenschaften zum bezahlbaren Wohnen zu nennen.

Podiumsdiskussion

Abgerundet wurde die Fachveranstaltung mit einer Podiumsdiskussion zwischen Prof. Rolf G. Heinze, Lehrstuhlinhaber für allgemeine Soziologie, Arbeit und Wirtschaft der Ruhr-Universität Bochum, Gregor Jekel, Leiter Bereich Wohnen der Stadt Potsdam und Vertreter des Deutschen Städtetags sowie stellv. Vorsitzender der Fachkommission Wohnungswesen, Sigrid Koeppinghoff, Abteilungsleiterin Wohnungsbau im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW, Klaus Mindrup, Mitglied des Bundestages, Alexander Rychter, Verbandspräsident des VdW Rheinland-Westfalen sowie Axel Vogt, Leiter des Bereichs Immobilienkunden der Investitionsbank Schleswig-Holstein. In der Diskussion zeigte sich deutlich, dass die Investitionsbereitschaft der Wohnungsgenossenschaften von der jeweiligen Situation auf dem Wohnungsmarkt und den kommunalen Unterstützungsmaßnahmen abhängig ist. Neben den Förderbedingungen, sowohl auf landes- als auch auf kommunaler Ebene, ist auch die Motivation der Wohnungsgenossenschaften von besonderer Bedeutung. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich darüber einig, dass im Rahmen von Kooperationen zwischen Kommunen und Wohnungsgenossenschaften die gegenseitigen Möglichkeiten und Grenzen erkannt werden müssen. Gefordert wurde, gemeinsame Ziele klar zu definieren. Darüber hinaus wurde die Bedeutung lokaler Bündnisse für Wohnen betont und herausgestellt, dass die Behandlung des Themas Wohnen auf oberster Ebene der Kommunen zu einer verbesserten Verbindlichkeit und Verlässlichkeit für die Wohnungsmarktakteure führen kann.

Tagungsort war der Sitz des Bundesbauministeriums in Berlin PublikumQuelle: BMUB/ Thomas Imo

Die Diskussion mit dem Plenum verdeutlichte das große Interesse am Thema der Kooperation zwischen Wohnungsgenossenschaften und Kommunen – insbesondere an gangbaren und praxisnahen Lösungen in Bezug auf die Umsetzung konkreter Projekte und Maßnahmen. Insgesamt ist die Bandbreite an Themen für die Zusammenarbeit mit den Kommunen vielfältig. Sie reicht von der Ausweitung des Angebots an bezahlbarem Wohnraum durch Neubauaktivitäten über die Beteiligung an der Entwicklung neuer, integrierter Quartiere im Rahmen der Innenentwicklung und von Stadterweiterungsvorhaben bis hin zur Sicherung der Wohnungsversorgung im Bestand durch Modernisierung, Sanierung und Ersatzwohnungsneubau sowie die Beteiligung an integrationsfördernden Angeboten und Aktivitäten.

Joachim Seeger, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, fasste in seinem Schlusswort die Diskussion zusammen. Er betonte, dass die vorgestellten Projekte sehr gute Beispiele für die Notwendigkeit einer aktiven Kooperation zwischen Kommunen und Wohnungsgenossenschaften im Rahmen des Wohnungsneubaus darstellen. Sie belegen, dass eine Kooperation für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, für den besonders Wohnungsgenossenschaften stehen, sehr zielführend ist. Auch die Kooperation mit jungen Genossenschaften und Baugemeinschaften, ggf. unter dem Dach von Traditionsgenossenschaften, trage zur Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums bei. Dies entspreche den Zielen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen. Die Bundesregierung unterstütze die Wohnungsgenossenschaften verstärkt durch die Aufstockung der Kompensationsmittel für den sozialen Wohnungsbau der Länder, aber auch durch die wohnungswirtschaftlichen KfW-Programme.

Der Abschlussbericht zum Forschungsprojekt erscheint voraussichtlich im Spätsommer 2017. Wenn Sie Interesse an dem Bericht haben, schicken Sie bitte eine E-Mail mit Angabe Ihrer Anschrift an: forschung.wohnen@bbr.bund.de, Stichwort: Wohnungsgenossenschaften als Partner der Kommunen.

Die Unterlagen zu den Vorträgen der Veranstaltung finden Sie hier:

Referent/inTitelDownload
Mathias Metzmacher
Carolin Krüger
Vorstellung des Forschungsprojektes "Wohnungsgenossenschaften als Partner der Kommunen"
Thomas Kuper
Angela Hansen
Hamburg: Neue Vielfalt unter einem Dach mitten in der Stadt – das Fallbeispiel "Kleine Bergstraße"
Franz-Bernd Große-Wilde
Anja Laubrock
Dortmund: Modernes Wohnen für SeniorenInnen im "Servicewohnen Bauerstraße" – Impulse zur Erneuerung in alternden Quartieren
Gabriele GötzlMünchen: Mehr wohnen wagen – kleine Genossenschaften beleben den angespannten Münchener Wohnungsmarkt
Dr. Iris BeuerlePotenziale von Wohnungsgenossenschaften

Eine Kurzdarstellung des Forschungsprojekts war Bestandteil der Tagungsunterlagen:



Weitere Informationen zum Forschungsvorhaben finden Sie hier: www.bbsr.bund.de

Kontakt

Nina Oettgen
Referat II 12 - Wohnen und Gesellschaft, Soziale Absicherung
Tel.: +49 228 99401-1220
nina.oettgen@bbr.bund.de