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Metropolregionen - Chancen der Raumentwicklung durch Polyzentralität und regionale Kooperation

Ergebnisse

SWOT-Analyse der ostdeutschen Metropolregionen

Die ostdeutschen Metropolregionen liegen im Bereich unternehmerischer und unternehmensnaher Entscheidungs- und Kontrollfunktionen hinter den westdeutschen Metropolregionen zurück. Jedoch sind die ostdeutschen Metropolregionen bei den politischen Entscheidungs- und Kontrollfunktionen stark. Insbesondere Berlin hat hier aufgrund der Hauptstadtfunktion Vorteile gegenüber anderen deutschen Metropolregionen. Beide ostdeutschen Metropolregionen zeigen darüber hinaus Stärken bezüglich der Innovations- und Wettbewerbsfunktion. Vor allem bei der Generierung von Wissen nehmen die ostdeutschen Metropolregionen eine herausragende Stellung im bundesweiten Vergleich ein. Aufgrund der bedeutenden Verkehrsinfrastruktur und der guten Ausstattung mit Tagungs- und Messemöglichkeiten sind die ostdeutschen Metropolregionen in Bezug auf die Gatewayfunktion gut aufgestellt.


Ostdeutsche Metropolregionen im Bild von Städte- und Bundesländerrankings

Rankings geben trotz mancher methodischer Mängel Hinweise auf die Außenwahrnehmung der zu einem Bundesland gehörigen Metropolregion oder in einer Metropolregion liegenden Städte.
In den untersuchten Rankings finden sich die Städte der ostdeutschen Metropolregionen bzw. die neuen Bundesländer überwiegend auf den hinteren Plätzen wieder. Ausnahmen sind Rankings zur Dynamik des Wirtschaftsstandortes. Hier positioniert sich Sachsen auf den vordersten Plätzen, Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen im Mittelfeld. Berlin und Brandenburg liegen in sämtlichen Wirtschaftsrankings im hinteren Drittel.
Bei themenübergreifenden Rankings vermitteln die Städte und Regionen der ostdeutschen Metropolregionen in der Öffentlichkeit überwiegend ein schwaches Bild, während sie bei themenbezogenen Untersuchungen oftmals besser dastehen. Gute Ergebnisse und damit ein entsprechend positives Bild in der Öffentlichkeit können einzelne Städte der ostdeutschen Metropolregionen und der Thüringer Städtereihe im wirtschaftlichen Bereich erzielen, z.B. bei der Unternehmerfreundlichkeit und der wirtschaftlichen Dynamik. Weitere Ausnahmen sind die Städte Dresden und Magdeburg in Punkto Lebensqualität und die Stadt Jena bezüglich der Zukunftsfähigkeit; in diesen Bereichen belegen die Städte obere Platzierungen.
Aus der Analyse der ausgewählten Rankings leitet sich u.a. Handlungsbedarf für die Marketingstrategie der ostdeutschen Metropolregionen ab.
Potenziale und Restriktionen polyzentrischer Metropolregionen
Polyzentrische Metropolregionen haben gegenüber monozentrischen Metropolregionen Vorteile in Bezug auf ihre Raumstruktur, u.a. weil sie geringere Ballungsnachteile aufweisen. Sie bieten günstige Voraussetzungen für einen innovativen Wettbewerb in der Region wie auch für die Stärkung der Wettbewerbskraft nach außen. Nachteile liegen insbesondere im Prozess der Metropolregionsbildung und sind durch komplexe Akteursverhältnisse und verstärkte interkommunale Konkurrenz begründet. Aufgrund der Heterogenität des Raumes ist die metropolregionale Identität kaum ausgebildet. Für die Wahrnehmung von außen sind verstärkt Marketingaktivitäten notwendig.
Um die Vorteile der polyzentrischen Raumstruktur nutzen zu können, müssen die Herausforderungen des Regionalisierungsprozesses bewältigt werden. Wenn die Partner die möglichen Potenziale einer Kooperation, wie gemeinsame Problembewältigung, Kostenvorteile durch effizientere Aufgabenteilung, zusätzliche Entwicklungsoptionen und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, als Vorteile erkennen, kann eine erfolgreiche Kooperation gelingen.

Aufgaben und Handlungsfelder der Metropolregion Sachsendreieck

Maßstab für die Zuordnung von Aufgaben für das Sachsendreieck ist das Subsidiaritätsprinzip: Es werden nur Aufgaben auf der Ebene der Metropolregion bearbeitet, die auf anderen Ebenen nicht oder nicht ausreichend erfüllt werden können. Darüber hinaus müssen die Aufgaben der Metropolregion einen Zusatznutzen für den Gesamtraum erkennen lassen, damit sich der Mehraufwand, der mit den Abstimmungs- und Organisationsprozessen auf der metropolitanen Ebene verbunden ist, rechtfertigen lässt:

  • Räumliche Planung: Abstimmung und koordiniertes Handeln, vor allem in der Landes- und Regionalplanung sowie bei überregional raumbedeutsamen Aufgaben und Vorhaben
  • Verkehr: überregional bedeutsame Verkehrsinfrastruktur
  • Wirtschaft: Standortmarketing auf internationaler Ebene
  • Tourismus und Kultur: Tourismus und Naherholung sowie Kultur-, Sport- und Freizeitangebote mit überregionaler Bedeutung
  • Wissenschaft: vor allem Vernetzung der Akteure aus Wirtschaft und Forschung sowie Aufbau innovativer Cluster und Profilierung besonderer Kompetenzen
  • Europa- und Bundespolitik: Vertretung der Belange und Interessen der Metropolregion
  • Marketing: Metropolmarketing und Internationalisierungsstrategien

Mit der Zielvorstellung einer handlungsfähigen Metropolregion sind Anforderungen an die Fähigkeit und Bereitschaft der beteiligten Akteure zur Kooperation verknüpft. Dabei ist Kooperation als Oberbegriff für verschiedene Handlungsarten zu verstehen:

  • Wissens- und Erfahrungsaustausch
  • Koordiniertes Handeln
  • Gemeinsame (Kooperations-)Maßnahmen und Projekte
  • Abgestimmte Interessenvertretung

Vertiefende Informationen zu den Kooperationsthemen sind im Endbericht zu finden (siehe Veröffentlichungen).

Weiterentwicklung der Kooperation in der Metropolregion Sachsendreieck

Derzeit sind die fünf Städte Chemnitz, Dresden, Halle, Leipzig und Zwickau Träger der Metropolregion Sachsendreieck. Die Städte der Thüringer Städtereihe sowie die Oberzentren Sachsen-Anhalts und Sachsens bieten zusätzliche Potenziale – v.a. in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Verkehr, Tourismus und Kultur – welche die vorhandenen Stärken in der bestehenden Metropolregion Sachsendreieck ergänzen. Aufgrund der herausgearbeiteten Entwicklungschancen, die eine Kooperation als Metropolregion bietet, ist eine Erweiterung der Metropolregion Sachsendreieck zu empfehlen.
Mit zunehmender Größe der Region wachsen die Komplexität der Akteursbeziehungen und die räumlichen Distanzen zwischen den Akteuren. Demgegenüber steht das Ziel, die Metropolregion so zu organisieren, dass sie ihre Aufgaben optimal wahrnehmen kann und dass die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure gelingt.
Für die räumliche Weiterentwicklung des Sachsendreiecks sind verschiedene Varianten denkbar, die von flexiblen Formen über großräumige Lösungen bis hin zur Trennung in einzelne Schwerpunkträume reichen:

  • Szenario "MetroStatus quo – Metropolregion Sachsendreieck"
  • Szenario "MetroPlus – Erweiterte Metropolregion"
  • Szenario "MetroFlex – Variable Geometrien"
  • Szenario "MetroDuo – Mitteldeutschland und Dresden"
  • Szenario "MetroZero – Keine Metropolregion"

Zu empfehlen ist eine Stufenlösung von der heutigen Form der Zusammenarbeit zu verbindlicheren Strukturen in der Zukunft: Eine metropolitane Zusammenarbeit im Sinne von variablen Geometrien ist ein erster Schritt zur Weiterentwicklung des Status quo. Sie kann perspektivisch in eine verbindlichere, in zahlreichen Handlungsfeldern kooperierende Metropolregion münden, bei der Partner aus allen drei Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einbezogen sind.
Die Metropolregion muss zudem langfristig die Räume zwischen den Kernstädten bei ihrer Arbeit berücksichtigen, da hier ebenfalls metropolitane Potenziale vorhanden sind und in zahlreichen Handlungsfeldern die Verflechtung von Städten und Umland eine Rolle spielt. Damit in der anstehenden Konsolidierungsphase die Anzahl der Akteure nicht zu hoch ist, sollte die Metropolregion Sachsendreieck diese Akteure beteiligen, ohne die Handlungs- und Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen. Langfristig sollte im Rahmen einer regionalen Verantwortungsgemeinschaft eine strategische Arbeitsebene zwischen den Kernstädten, dem sie verbindenden Stadtumland und den ländlichen Räumen geschaffen werden.


Metropolregion Sachsendreieck im europäischen Kontext

Unterschiedliche Szenarien beschreiben die Varianten der Positionierung der Metropolregion Sachsendreieck im europäischen Standortwettbewerb. Die Möglichkeiten reichen von variablen thematischen Allianzen bis zu klaren räumlichen Kooperationsbeziehungen.
Die Varianten bringen jeweils spezifische Vorteile mit sich, bergen aber auch Risiken. Ohne aktives Engagement besteht die Gefahr, bei der Herausbildung neuer Kooperationsnetzwerke europäischer Metropolregionen und der Entwicklung neuer europäischer Integrationszonen außen vor zu bleiben.
Eine stärkere internationale Ausrichtung des Sachsendreiecks könnte die interne Kohäsion stärken, da die Städte im europäischen und im globalen Maßstab nur gemeinsam eine kritische Masse erzeugen und über europäische Projekte und Initiativen neue Handlungsoptionen entstehen.
Die europäische Orientierung des Sachsendreiecks sollte an den strategischen Zielen der Metropolregion ausgerichtet sein und auch die Kombination verschiedener Optionen im Blick haben. Besondere Chancen könnten in einer Kooperation mit anderen Metropolregionen in Mitteleuropa liegen.