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Modellstadt Pulheim

Gender Mainstreaming im Städtebau - Modellvorhaben

Die Stadt Pulheim liegt im nordöstlichen Bereich des Erftkreises, 12 km nordwestlich vom Ballungszentrum Köln und 14 km nordöstlich der Kreisstadt Bergheim. Auf einer Fläche von rund 7.215 ha leben derzeit 53.208 EinwohnerInnen: 25.916 Männer und 27.292 Frauen. Von diesen gehören 3.578 einer anderen Staatsangehörigkeit an: 1.807 Männer und 1.771 Frauen.

Die Geschichte Pulheims in seiner jetzigen Form ist noch jung: Die heutige Ausdehnung der Stadt geht auf das Jahr 1975 zurück, als die früher selbstständigen Gemeinden Pulheim, Stommeln, Brauweiler und Sinnersdorf sowie ihre Ortsteile zur Großgemeinde Pulheim zusammengefasst wurden. 1981 erhielt Pulheim Stadtrecht. Die Stadtteile blicken auf lange historische Traditionen und wechselvolle Geschichten zurück, die gemeinsam mit den unterschiedlichen räumlichen Lagen die vorhandene Heterogenität und Vielfalt der Stadt begründen.

Aufgrund ihrer Lage in der Arbeitsmarktregion Köln gehört Pulheim zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen im gesamten Bundesgebiet. Neben einzelnen Großbetrieben in den beiden Gewerbegebieten Pulheim und Brauweiler sind überwiegend mittelständische Unternehmen im Bereich Handel und Gewerbe am Standort ansässig. Die Arbeitslosenquote betrug 7,9% im Dezember 2002. Neben der von Wachstum geprägten Wirtschaftsentwicklung wirbt die Stadt vor allem mit einer hohen Lebensqualität und den vielen Freizeitmöglichkeiten in einer Umgebung, die durch Freiflächen und Waldgebiete gekennzeichnet ist. Pulheim steht somit für eine junge, wachsende Stadt mittlerer Größe, die auch in Zukunft noch mit Wachstumsprozessen rechnen können wird.

Nach dem relativ hohen Bevölkerungszuwachs der letzten Jahre wird die zukünftige Bevölkerungsentwicklung stark von dem Wohnraum- bzw. Bauflächenangebot abhängen. So werden auch zukünftig neue Wohnbaugebiete ausgewiesen, aber auch Aufgaben zur Stadterneuerung sind von Bedeutung. Auf diesem Weg soll Pulheim als Mittelzentrum mit seinen Versorgungs- und Wohnfunktionen weiterhin gestärkt werden. Als städtebauliche Orientierung für die Entwicklung des Ortszentrums von Pulheim liegt ein Rahmen- und Masterplan vor.


Umsetzung von Gender Mainstreaming in Pulheim

Nachdem die Politik "grünes Licht" für die Implementierung von GM in das Verwaltungshandeln gegeben hatte, entschloss sich das Planungsamt der Stadt in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten, als erstes Amt seine Verfahren zu "gendern". Die am Projekt beteiligten MitarbeiterInnen und LeiterInnen verschiedener Ämter entwickelten in einem ersten Schritt aus vorliegenden Anträgen zur Stadtentwicklung Leitziele für die Stadtentwicklung Pulheims und bewerteten diese unter Gender-Aspekten.

Weitere Anregungen zur Implementierung von GM ergaben sich aus einem Workshop, zu dem VertreterInnen der Fraktionen, AntragstellerInnen, BürgerInnen, Interessensgruppen, Beiräte, Naturschutzverbände usw. eingeladen wurden.

Primäres Ziel bei der Umsetzung von GM in der Stadtentwicklung Pulheims war es, die MitarbeiterInnen mit der Strategie des GM vertraut zu machen, ihre Wahrnehmung von Gender-Belangen zu schärfen und eine Verbindung von Gender- und Fachwissen zu ermöglichen. Seither wurden mehrere Gender-Trainings für die VerwaltungsmitarbeiterInnen durchgeführt. Das Pilotvorhaben "Stadtgarten" baut auf diesen Erfahrungen auf.


Das Pilotvorhaben "Stadtgarten"

Im Ortskern von Pulheim besteht ein deutliches Defizit an öffentlichen Grün- und Erholungsflächen ein Mangel, der auch in der Rahmenplanung für die Stadtmitte Pulheims dokumentiert wurde. Eine der wenigen Ausnahmen stellt der Ende der 80er Jahre angelegte Stadtgarten dar. Dieser "bescheiden dimensionierte" Park fristet seither jedoch ein "kümmerliches Dasein" (vgl. Tochtrop, Martin: Neu- und Umgestaltung des Pulheimer Stadtgartens, September 2003). Teilweise unattraktive Gebäuderückseiten der Randbebauung und eine nicht ideal zugeschnittene Fläche - der Parks wird durch einen Parkplatz sowie durch private, umzäunte Gärten und durch Wohngebäude zerschnitten - charakterisieren gemeinsam mit nicht eindeutig zu definierenden Grünflächen und uneindeutigen Wegeverbindungen den Stadtgarten in seiner gegenwärtigen Gestalt.

Durch die Möglichkeit, weitere Flächen zum Park hinzu erwerben zu können, lässt sich der Stadtgarten zu einem angemessenen, repräsentativen und nutzungsfreundlichen Stadtpark weiterentwickeln. Dieser Schritt sollte in einem Planungsverfahren erfolgen, dessen Anlass die Integration der neuen Flächen in die vorhandene Stadtgartenfläche darstellte. 2003 wurden drei Freiraumplanungsbüros aufgefordert, Ideen und Vorstellungen für den Stadtgarten zu entwickeln, eines der Büros wurde anschließend mit der weiteren Detailplanung beauftragt. Der favorisierte Entwurf zeichnete sich u.a. dadurch aus, dass er versucht, die verfügbare Fläche kleinteilig und vielfältiger als bislang zu gestalten.

Im Rahmen dieser Planung sollte das Konzept der Gestaltung und Nutzung der gesamten Stadtgartenfläche überdacht und unter Berücksichtigung von GM-Aspekten neu entwickelt werden, um dem Stadtgarten einen höheren Gebrauchswert für alle NutzerInnengruppen zu geben. Vor diesem Hintergrund wurde auch eine intensive BürgerInnenbeteiligung angestrebt. Die Berücksichtigung von Gender-Aspekten sollte dazu führen, dass diese öffentliche Grünfläche als Aufenthaltsraum für Frauen wie Männer in verschiedenen Lebensphasen und Rollengestaltungen gleichermaßen attraktiv wird.

Zur Umsetzung des GM-Pilotvorhabens wurde ein zweistufiges Organisationsmodell gewählt, das sich aus einer Steuerungsebene und einer Arbeitsebene zusammensetzt. Die Steuerung der Umsetzung erfolgte in einer Lenkungsgruppe, die sich aus dem Beigeordneten, der Leiterin des Planungsamtes, der Leiterin der Koordinierungsstelle für Umweltschutz und der Gleichstellungsbeauftragten zusammensetzte. In der Arbeitsgruppe "Gender Mainstreaming" arbeiteten VertreterInnen des Planungsamtes, der Jugendhilfeplanung, die Seniorenbeauftragte, die Leiterin der Koordinierungsstelle Umweltschutz sowie die Gleichstellungsbeauftragte mit. Bei Bedarf wurde der beauftragte Landschaftsarchitekt hinzugezogen sowie das Projektteam "Gender Mainstreaming im Städtebau".

Das Projekt war in seiner räumlichen, zeitlichen (Laufzeit 2004/2005) und thematischen (Einbindung von zwei Fachämtern, der Koordinierungsstelle Umweltschutz und des Stadtplanungsamtes) Dimension überschaubar. Da auch die erforderlichen Finanzmittel für die Planung und Realisierung zur Verfügung standen, konnte ein durchgängiger Planungsprozess von der Konzeption bis zur Umsetzung begleitet werden. Die im Pilotvorhaben exemplarisch erarbeiteten Handlungsabläufe sollten über das Pilotvorhaben hinausgehend in Routineverfahren überführt werden.


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Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau
Dr. Brigitte Adam
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2325