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Quartiers-Impulse: Neue Wege zur Stärkung der lokalen Wirtschaft

Eine dauerhaft tragfähige Stadtentwicklung kann nicht mehr allein durch bauliche Erneuerung und soziale Akzente gesichert werden. Moderne Stadtentwicklung sollte zunehmend auf drei Säulen basieren: Daher wurden im Forschungsfeld "Quartiers-Impulse" Ansätze zur Stärkung der lokalen Wirtschaft erprobt und auf ihre Tragfähigkeit hin untersucht.
Projektlaufzeit: September 2006 - Februar 2009

Ausgangslage

Der wirtschaftliche und demografische Strukturwandel hat in vielen Stadtquartieren tief greifende gesellschaftliche und soziale Umbrüche erzeugt. Einzelne Stadtquartiere drohen sich sozioökonomisch von der Gesamtentwicklung der Stadt abzukoppeln. Eine dauerhaft tragfähige Entwicklung von Stadtquartieren kann nicht mehr allein durch bauliche Erneuerung und soziale Akzente gesichert werden.

Moderne Stadtentwicklung sollte daher zunehmend auf drei Säulen basieren. Die beiden Handlungsstränge der bisherigen Stadtentwicklungspolitik - Städtebauförderung zur baulichen Modernisierung und das Programm "Soziale Stadt" zur Stabilisierung sozialer Netze im Quartier - ist durch eine Säule "Lokale Wirtschaft" ergänzt worden, um den Wirkungsgrad der Stadtentwicklungspolitik noch weiter zu erhöhen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) entwickelte diesbezüglich ein Konzept zur Stärkung der lokalen Wirtschaft, das Eigeninitiative mobilisieren möchte und neue Instrumente zur Förderung von lokalen (Kleinst)unternehmen im Blick hat.

Im Kern ging es im Forschungsfeld "Quartiers-Impulse" des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) um die Erprobung von Ideen für diese dritte Säule. Erprobt wurde insbesondere die Übertragbarkeit neuer regionalpolitischer Instrumente (Clusterpolitik, KMU-Vernetzung) auf die Stadtteilebene. Die private Wirtschaft sollte in diesem Zuge angeregt werden, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen, indem sie aus wohlverstandenem Eigeninteresse Ressourcen und Know-how zur Stärkung von Stadtquartieren einbringt - Wirtschaft klinkt sich verstärkt in die Angelegenheiten der Stadt ein. Zugleich war es erforderlich, dass sich die öffentliche Hand neu aufstellt, wenn sie in ihrer Organisations- und Planungspraxis privatwirtschaftliche Initiativen und Konzepte ernst- und aufnehmen will.

Zusätzlich wurden neue quartiersbezogene Finanzierungsinstrumente aus dem Bereich der Mikrofinanzierung eingesetzt, um Kleinunternehmen maßgeschneiderte Finanzierungen zu bieten, die wichtige Quartiers-Impulse auslösen können. Hier schloss sich eine weitere neue Rolle an: Quartiere entwickelten gemeinsam mit privaten Mikrofinanzierern und Banken Kreditinstrumente und Sicherungsverfahren, damit Kleinstunternehmen im Quartier Zugang zu Kleinkrediten erhalten.

Handlungsfelder zur Stärkung der lokalen Wirtschaftsentwicklung

Aus den vorliegenden Forschungs- und Praxiserfahrungen lassen sich folgende Handlungsfelder einer stadtteilbezogenen Wirtschaftsförderung ableiten:

  1. Die Förderung von Kooperationen (Netzwerken) auf lokaler Ebene, um Informationsflüsse zu verbessern und Motivation zur Durchführung gemeinsamer Maßnahmen mit Quartiersbezug herzustellen.
  2. Durchführung von Maßnahmen zum Stadtteil- und Geschäftsstraßenmarketing, um die Identifikation mit dem Standortumfeld zu steigern und zusätzliche Im- und Exporte über die Quartiersgrenzen hinaus zu generieren ("Branding" des lokalen Gewerbebestands).
  3. Durchführung eines Leerstandsmanagements, das z.T. die Zwischennutzung, zunächst verstärkt im Bereich sozialer, kultureller und künstlerischer Nutzung, in Kooperation mit den Haus- und Grundeigentümern im Quartier kann versucht werden, einer "Ausdünnung" entgegen zu wirken.
  4. Existenzgründungen können u.a. mit dem Ziel gefördert werden, vakante Gewerbeeinheiten aktiv mit gewerblichen Strukturen zu füllen, die einen hohen Stadtteilbezug haben und damit direkt zu einer Stärkung der lokalen Wirtschaft und des Stadtteils selbst beitragen. So erweist sich die Initiierung von Gründerzentren ("Gründer-Inkubatoren") für lokal orientierte Dienstleistungs- und Handelsbetriebe, insbesondere auch an der Schnittstelle zu kulturellen und sozialen Arbeitsfeldern als eine erfahrungsgemäß Erfolg versprechende Strategie. Die lokale Gründungsförderung verknüpft somit Elemente des Clusteransatzes (Aufbau lokaler Verflechtungsbeziehungen) und des Milieukonzepts (Vernetzung).
  5. So genannte "Business Improvement Districts (BIDs)" verbinden Cluster- und Netzwerkkonzepte zur Förderung der Standortentwicklung in Stadt- und Stadtteilzentren. Das Konzept der BIDs stammt aus Nordamerika, wo es seit den 1960er Jahren auf Initiative von Gewerbetreibenden entwickelt wurde. In den ausgewählten Distrikten bilden Grundeigentümer und Gewerbetreibende für einen festgelegten Zeitraum eine besonders enge Standortgemeinschaft, in der sie durch Abgaben Maßnahmen zur Standortentwicklung finanzieren.
  6. Oft fehlt es lokal orientierten Klein- und Kleinstunternehmen an Zugang zu passenden Unterstützungs- und Finanzdienstleistungen oder die Kenntnis hierüber. Unter Umständen führt dies dazu, dass Aufträge und Wachstumschancen - und damit Möglichkeiten für eine ausreichende Geschäfts- und Rentabilitätsentwicklung - nicht wahrgenommen werden. In drei Modellvorhaben wurde daher das Themenfeld "Mikrofinanzierung für die Quartiersentwicklung" näher untersucht. Dafür wurden in den Städten Berlin, Dortmund und Offenbach Kooperationsmodell konzipiert und erprobt. In der Aufbauarbeit und Kooperation mit den lokalen Institutionen wurden wichtige Erkenntnisse für die Umsetzung von Mikrofinanzierung im Quartier gewonnen.

Das Projekt wurde vom RWI Essen für den Bereich Evaluation und Begleitforschung, der STATTwerke Consult GmbH für den Bereich Projekt-Coaching und dem Deutschen Mikrofinanz Institut e.V. für den Bereich Mikrofinanzierung durchgeführt.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Peter Jakubowski
Referat I 5 - Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr
Tel.: +49 228 99401-2150