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Eigentümerstandortgemeinschaften im Stadtumbau

Veranstaltungen

Abschlussveranstaltung in Berlin am 15. November 2011

Zum Abschluss des ExWoSt-Forschungfeldes nahmen rd. 150 Teilnehmer an der eintägigen Veranstaltung im Erich-Klausener-Saal im BMVBS in Berlin zur Präsentation der Ergebnisse des dreijährigen Forschungsfeldes teil. In insgesamt 15 Modellvorhaben wurden verschiedene Formen und Arbeitsweisen von Eigentümerstandortgemeinschaften (ESG) erprobt. ESG sind Zusammenschlüsse von Eigentümern benachbarter Immobilien mit dem Ziel, durch gemeinsame Aktivitäten oder Maßnahmen die Verwertungschancen ihrer Objekte zu verbessern. In Form von ESG können Immobilieneigentümer mit kooperativen Lösungsansätzen die Probleme im Quartier gemeinsam angehen.

Die Veranstaltung leistete einen weiteren Beitrag, den ESG-Ansatz in die Fachöffentlichkeit zu tragen und Eigentümer, Kommunen und Eigentümerverbände anzuregen, ESG in der Praxis anzuwenden. Vor diesem Hintergrund nahmen Teilnehmer aus einem breiten Spektrum von Akteuren teil: Vertreter der Modellvorhaben (Eigentümer, Kommunen, Moderatoren), Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen, Eigentümerverbände, aber auch Wohnungswirtschaft und Fachöffentlichkeit. Die Gesamtmoderation übernahm Iris Fryczewski vom Beratungsunternehmen empirica, das die Begleitung des gesamten Forschungsfeldes übernommen hatte (Forschungsassistenz).

Die Begrüßung der Gäste erfolgte durch den Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) Rainer Bomba. Er machte in seinen Ausführungen deutlich, dass die Einbeziehung der privaten Einzeleigentümer ein wichtiges Handlungsfeld in der Stadtentwicklung und auch ein wesentliches Ziel in dieser Legislaturperiode darstellt. Er beschreibt Eigentümerstandortgemeinschaften als einen geradezu klassischen Fall des wohl verstandenen Eigeninteresses, der zur Wertsicherung der Einzelimmobilien beiträgt und zugleich auch einen Beitrag zur Stabilisierung der Quartiere leistet.

Teilnehmer der Veranstaltung Plenum im Erich-Klausner Saal Quelle: empirica

Bürgerschaftliches Engagement in der Stadtentwicklung

In einem Zwiegespräch tauschten sich Dr. Rupert Graf Strachwitz (Maecenata Institut) und Ulrich Pfeiffer (empirica) über die zunehmende Bedeutung von Bürgerschaftlichem Engagement in der Stadtentwicklung aus. Beide sind sich einig, dass ein Engagement von Privaten nur dort stattfindet, wo Einzelpersonen oder Gruppen subjektiv ein Problem oder einen Handlungsbedarf wahrnehmen und einen kreativen Spielraum für Lösungen haben. Menschen wollen heute wieder mitgestalten und mit partizipieren an Entscheidungen für ihr unmittelbares Lebensumfeld. Allerdings gerät Bürgerschaftliches Engagement schnell an Kapazitätsprobleme. Durch die Nutzung der ganzen Bandbreite an Bürgerschaftlichem Engagement wie z.B. durch den Einsatz von Zeit, Kreativität, Empathie, Vermögenswerten oder des persönlichen Ansehens kann dieses Kapazitätsproblem entkräftet werden.

Das Forschungsfeld

Manfred Hilgen (BMVBS) und Mathias Metzmacher (BBSR) und Mathias Metzmacher (BBSR) stellten anschließend die Ziele des Forschungsfeldes aus Sicht des Bundes vor und erläuterten den Begriff "ESG" und dessen zentrale Merkmale. Das Forschungsfeld griff zum einen die Fachdiskussion um verschiedene Formen eines stärkeren Engagements von privaten Akteuren in der Stadtentwicklung auf. Zum anderen wurde anhand der Modellvorhaben erprobt, wie das bislang kaum bekannte Instrument der ESG einen konkreten Beitrag für die Lösung von Stadtumbauaufgaben leisten kann.

Im folgenden Vortrag gaben Luder Baba und Katrin Wilbert (empirica) einen querschnittsorientierten Überblick über die Modellvorhaben des Forschungsfeldes. Die Bandbreite an Ausgangssituationen, Akteurskonstellationen und Organisationsmodellen ist breit. Das Maßnahmenspektrum reicht von individuellen und gemeinsamen baulichen Maßnahmen über den Aufbau von Informations- und Beratungsangeboten oder Image- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu ESG als Lobby und Interessenvertretung für ihr Quartier.

Erfahrungen und Ergebnisse aus den Modellvorhaben

Nach der Mittagspause hatten - stellvertretend für die Gesamtheit der 15 Projekte -  die Modellvorhaben Halle (Saale), Braunschweig und Magdeburg die Gelegenheit ihre gesammelten Erfahrungen und spezifischen Erfolge vorzustellen.

Dr. Steffen Fliegner (Stadt Halle) stellte die beeindruckenden Erfolge der Standortgemeinschaft Glaucha e.V. vor. Unterstützt durch einen Eigentümermoderator als zentraler Kümmerer sowie die Stadtverwaltung agierte die ESG auf Quartiersebene vor allem im Bereich der Imageverbesserung (Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit) und in einzelnen Arbeitsgruppen zu speziellen Projekten (Aufwertung Blockinnenbereich). Durch die ESG Arbeit konnte ein Imagewandel herbeigeführt werden. Parallel zum Imagewandel und durch eine intensive Ansprache von verkaufswilligen Eigentümern und neuen Investoren hat sich Halle-Glaucha auch baulich erneuert: Zahlreiche Gebäude wurden gesichert oder saniert. Der ESG-Ansatz wird in Halle nun auf weitere Quartiere übertragen.

Hermann Klein (Stadt Braunschweig) zeigte den schwierigen Start der ESG in Braunschweig ohne die Möglichkeiten der Städtebauförderung auf und demonstrierte, mit welchen Methoden die ESG unterstützt und doch noch zum Erfolg geführt werden konnte. Hierzu zählen z.B. den Eigentümern die Situation und Perspektive bewusst machen, unterstützende Strukturen für die ESG aufbauen, gemeinsame Ziele formulieren, Impulse setzen und private und öffentliche Investitionen bündeln. Im Ergebnis wurden zahlreiche öffentlichkeitswirksame Maßnahmen durchgeführt und haben drei benachbarte Eigentümer ihre Fassaden nach einem abgestimmten Konzept saniert. Die ESG hat die Eigentümer dabei finanziell unterstützt.

In Magdeburg wurde die ESG vom örtlichen Haus & Grund - Verein unterstützt. Dr. Holger Neumann (Haus & Grund Sachsen-Anhalt) berichtete von seinen Erfahrungen als Moderator und Unterstützer der ESG. In einem ersten Schritt wurden organisatorische Grundlagen geschaffen und sich auf gemeinsame Ziele mit den Eigentümern verständigt. Folgende Ergebnisse wurden in Magdeburg-Buckau erzielt: kulturelle Wiederbelebung der Erdgeschosszonen, gemeinsamer Ankauf eines Grundstücks für Parkplätze und Sanierungen an acht Gebäuden.

In einem Interview mit vier Immobilieneigentümern befragte Katrin Wilbert (empirica) die Hauptakteure von ESG zu ihren persönlichen Erfahrungen und Motiven als ESG-Mitglied.

Teilnehmer der PodiumsdiskussionTeilnehmer der Podiumsdiskussion Quelle: empirica

Die Leipziger ESG hat es geschafft, die Marke "Bülowviertel" über die Grenzen des Quartiers hinaus zu platzieren. Als zentrales Erfolgsprojekt beschrieb die Vorsitzende der ESG Leipzig Asena Kahraman den Spielplatzneubau. Bei diesem Projekt errichteten die Eigentümer auf einem Grundstück der LWB einen Spielplatz aus eigenen finanziellen Mitteln und übernehmen auch die langfristigen Bewirtschaftungskosten. Zur Verstetigung der ESG-Arbeit ist ein Quartiersfonds in Planung, der eine Umlage von 3 Cent / vermietetem Wohnraum und Eigentümer vorsieht.

Hans-Richard Wenzel berichtete aus seinen Erfahrungen als Vereinsvorsitzender der ESG in Bremerhaven-Lehe. Neben zahlreichen Maßnahmen im Handlungsfeld Image und Öffentlichkeitsarbeit (u.a. Flyer, Homepage, Altstadtrundweg und Auftaktfest) stellt der von der ESG initiierte Modernisierungsstammtisch zu Themen rund um die Immobilie ein wichtiges Beratungsinstrument für Eigentümer in Lehe dar. Die Leher Eigentümer managen ihre ESG schon lange selbständig, so dass die Aktivitäten auch nach dem Forschungsfeld in Lehe weitergehen. Die Stadt Bremerhaven wird die ESG weiterhin bei Bedarf unterstützen.

In Meiningen kam die Sanierung der Altbausubstanz in dem lange vernachlässigten und von Perforation geprägten Quartier durch die Arbeit der ESG erst so richtig in Gang. Rolf Baumann, Vorsitzender der ESG Meiningen, beschrieb den Einfluss der ESG auf die gesteigerte Sanierungstätigkeit in Meiningen. Zum einen sei die ESG mit gutem Beispiel vorangegangen und habe eine leerstehende Immobilie aufgekauft und mit Eigenleistung renoviert. Zum anderen haben die parallelen öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen wie z.B. das Anbringen von Theaterkulissen an leerstehenden Immobilien eine neue Aufmerksamkeit erzeugt. Unterstützt wurde die Arbeit der ESG von dem zuständigen Sanierungsträger. Die im ESG-Quartier aktiv eingesetzten Möglichkeiten der Förderung von investiven Maßnahmen der privaten Eigentümer aus der Städtebauförderung waren hier ein wichtiger Erfolgsfaktor.

In Duisburg Hochfeld haben sich Eigentümer auf Eigeninitiative zu einer ESG zusammengeschlossen. Eva Christine Albrecht (2. Vorsitzende der ESG Duisburg) beschrieb die alltägliche Arbeit der ESG in Hochfeld und ihre Motive sich in einer ESG zu engagieren. Man wolle engagierte Bürger im Stadtteil halten und neue, sozial stabile Bewohnergruppen gewinnen. In diesem Zusammenhang übernimmt die ESG eine Art Makler- und Bauberatungsfunktion, wodurch schon viele neue Käufer und Mieter gefunden werden konnten.

>>weitere Informationen zu allen 15 ESG-Modellvorhaben

Leitfaden Eigentümerstandortgemeinschaften

Ludger Baba (empirica) stellte anschließend die wesentlichen Erfolgsfaktoren und Empfehlungen zur Gründung und Begleitung von ESG vor. Die Ergebnisse sind auch in dem neu erschienen "Leitfaden Eigentümerstandortgemeinschaften" zusammengefasst (kostenfrei zu beziehen unter forschung.wohnen@bbr.bund.de, Stichwort: ESG).

Darüber hinaus wird im Frühjahr 2012 eine ausführliche Dokumentation aller Modellvorhaben und der Gesamtergebnisse des Forschungsfeldes in einer Sonderpublikation des BMVBS veröffentlicht, die kostenfrei über das BBSR bestellt werden kann.

Podiumsdiskussion und Ausblick

In der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Ulrich Pfeiffer (empirica), diskutierten Vertreter von Bund, Land, Kommune, Haus & Grund sowie Wissenschaft über die zukünftige Rolle von ESG in der Stadtentwicklung.

Eine Zusammenfassung der Veranstaltung und gleichzeitig einen Ausblick gab Manfred Hilgen (BMVBS). Auf Basis der Erfahrungen aus dem ExWoSt-Forschungsfeld "Eigentümerstandortgemeinschaften im Stadtumbau" wurde ein neues Forschungsfeld "Kooperation im Quartier" eingerichtet um unterschiedliche Formen der Kooperation von Eigentümervereinen und Kommunen zu erproben mit dem Ziel private Investitionen in einem Quartier anzustoßen.

Dokumentation der Abschlussveranstaltung zum Download

Eine ausführlichere Dokumentation der Abschlussveranstaltung erhalten Sie hier als pdf-Dokument:

Die einzelnen PowerPoint-Präsentationen werden auf Anfrage gerne zugeschickt. Bitte schreiben Sie unter dem Stichwort "ESG-Abschlusspräsentation" an: thamm@empirica-institut.de

Zusatzinformationen

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Mathias Metzmacher
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Eva Neubrand
Referat II 11 - Wohnungs- und Immobilienmärkte
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