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Eigentümerstandortgemeinschaften im Stadtumbau

Veranstaltungen

Auftaktveranstaltung in Magdeburg am 13. Mai 2009

Zum Auftakt des ExWoSt-Forschungsfeldes nahmen rund 90 Teilnehmer an der eintägigen Veranstaltung im Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten in Magdeburg teil. Geladen waren insbesondere Vertreter der Modellvorhaben (Eigentümer, Kommunen, Moderatoren), des Bundes und der Länder, aber auch wohnungswirtschaftliche Verbände und die Fachöffentlichkeit.

Sichtweisen von Bund, Ländern und Kommunen zum Forschungsfeld

Die Einführungsvorträge reflektierten die Sicht von Bund, Ländern und Kommunen zum Forschungsfeld. Herr Dr. Runkel (BMVBS) erläuterte zunächst die Vorgeschichte des ExWoSt-Forschungsfeldes und die Entwicklung von der Einzelorientierung auf ein Grundstück hin zur Quartiersorientierung. Da sich Investitionen in ein Objekt häufig nicht rentieren, solange das Umfeld vernachlässigt ist, käme es darauf an, gemeinsam das Quartier durch abgestimmte oder gemeinschaftliche Maßnahmen zu stabilisieren bzw. zu stärken. Herr Schneider (Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen-Anhalt) betonte, dass Bund und Länder grundsätzlich die gleiche Sichtweise hätten. Der Ansatz von Eigentümerstandortgemeinschaften (ESG) mit ihrem Fokus auf Innenstädte und der stärkeren Einbeziehung von Privateigentümern stelle eine Weiterentwicklung des Programms Stadtumbau Ost dar. Herr Dr. Scheidemann (Beigeordneter Stadt Magdeburg) charakterisierte den Stadtteil Buckau als ESG-Standort und skizzierte die kommunale Sichtweise zu Eigentümerstandortgemeinschaften und sagte die Bereitstellung eines Ansprechpartners für die ESG und regelmäßige Sitzungen des Stadtplanungsamtes und Sanierungsträgers mit der ESG zu. Herr Prof. Dr. Brenner (BMVBS) und Herr Baba (empirica) gaben im Anschluss gemeinsam einen Überblick über das Forschungsfeld und die 15 Modellvorhaben.

Das Foto zeigt die Teilnehmer der Veranstaltung wärend eines Vortrags.Teilnehmer der Veranstaltung

Präsentation von drei Modellvorhaben

Der nächste Teil der Veranstaltung widmete sich der näheren Vorstellung und Diskussion der drei Modellvorhaben Magdeburg, Bremerhaven und Dresden.

Herr Dr. Scheidemann (Beigeordneter Stadt Magdeburg) und Herr Dr. Neumann (Haus&Grund Magdeburg e.V.) präsentierten in ihren Vorträgen das Quartier und Modellvorhaben Magdeburg-Buckau. Das Besondere an diesem Modellvorhaben ist, dass zwei parallele Eigentümerstandortgemeinschaften im selben Stadtteil im Wettbewerb miteinander gefördert werden. Dieser Wettbewerbsansatz solle das Engagement der Eigentümer insofern erhöhen, als dass Aktivität unterstützt wird und Passivität verringerten Mitteleinsatz des Quartiersmanagements zur Folge haben soll.

Herr Umbreit (Eigentümer in der ESG Dresden) präsentierte das Modellvorhaben Dresden-Friedrichstadt und erläuterte die Vorgehensweise und geplanten Handlungsfelder. Als eines von nur zwei Modellvorhaben im Forschungsfeld hatten sich die Eigentümer in Dresden auf eigene Initiative - ausgehend von einer Bauherrengemeinschaft - beworben. Eine besondere Herausforderung läge im Umgang mit großen Brachflächen im Quartier und dem die Entwicklung einschränkenden Hochwasserschutz.

Herr Friedrich (Stadt Bremerhaven) und Herr Janssen (Eigentümer in der ESG-Bremerhaven) berichteten aus dem Modellvorhaben Bremerhaven. Hierbei handelt es sich mit dem Stadtteil Lehe um ein vergleichsweise großes Quartier, das von den bestehenden Kooperationsstrukturen der Eigentümer im Rahmen des bisherigen ExWoSt-Forschungsfeldes "Stadtumbau West" profitiert. Insbesondere für den Umgang mit so genannten "Schrottimmobilien" sollen in Bremerhaven Lösungsansätze entwickelt werden.

In der sich nach jedem Vortrag anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Modellvorhaben unterschiedliche Wege der Mobilisierung von Eigentümern für eine ESG wählten. Idealerweise nehmen die Eigentümer die vorhandenen Probleme in ihrem Quartier selbst wahr und initiieren die Standortgemeinschaft eigenständig. Dies stellt allerdings eher die Ausnahme im Forschungsfeld dar. Mehrheitlich erfolgte die Initiative zu einer ESG bislang durch professionelle Externe (z.B. Kommune, Wohnungsbaugesellschaft, Haus&Grund) oder im Rahmen bereits bestehender Programme (z.B. Internationale Bauausstellung IBA in Halle, ExWoSt-Forschungsfeld „Kommunale Konzepte: Wohnen“ in Hildesheim, ExWoSt-Forschungsfeld „Quartiersimpulse“ in Braunschweig). Ein hoher Problemdruck in den Quartieren erleichtert die Mobilisierung der Eigentümer.

Die Diskussion verdeutlichte erneut, dass das autonome Handeln der Eigentümer oberste Priorität in einer ESG haben sollte. Dennoch war den Diskussionsteilnehmern bewusst, dass eine fachliche Betreuung und Beratung der Eigentümer durch Externe, insbesondere in der Anfangsphase einer Eigentümerstandortgemeinschaften, sehr hilfreich ist. Das Engagement der Eigentümer sollte ferner kein Selbstzweck sein, d.h. falls sich marktnahe Anbieterstrukturen für typische Management-, Bewirtschaftungs- oder Projektsteuerungsleistungen entwickeln, können diese auch eine (ergänzende) sinnvolle Lösung sein.

Podiumsdiskussion zu immobilienwirtschaftlichen Handlungsfeldern

Am Nachmittag diskutierten unter Leitung von Herrn Baba (empirica) Peter Heberger (Haus&Grund Leipzig), Dr. Michael Willhardt (Immobilieneigentümer, ESG "Zukunftsstadtteil Ortskern" Duisburg-Hochfeld), Bernhard Faller (Quaestio Forschung und Beratung GmbH) und Mathias Metzmacher (BBSR) zum Thema: "Schwache Märkte - starke Gemeinschaften? Immobilienwirtschaftliche Handlungsfelder".

Das Foto zeigt die fünf Podiumsteilnhmer bei der Diskussion.Podiumsdiskussion zu immobilienwirtschaftlichen Handlungsfeldern

Die Podiumsdiskussion behandelte insbesondere die Themen Quartiersrentabilität, Kooperationspartner einer ESG und deren mögliche Handlungsfelder. Die wichtigsten Ergebnisse der Diskussion sind, dass der Begriff der "Quartiersrentabilität" nur ein Synonym für die Notwendigkeit eines gemeinsamen Handelns der Eigentümer darstellt, die in ganz unterschiedlicher Weise interpretiert und operationalisiert werden kann. Des Weiteren wurde die hohe Bedeutung der unterschiedlichen Kooperationspartner für eine ESG betont. Insbesondere die Dokumentation der unterschiedlichen Funktionsweisen, Erfolge und Misserfolge sind für das ExWoSt-Forschungsfeld von großer Bedeutung. Als mögliche und erwartete Handlungsfelder für eine Eigentümerstandortgemeinschaften wurden die Erarbeitung von immobilienwirtschaftlichen Quartiersperspektiven, der Umgang mit Schrottimmobilien, die Erprobung von neuen Finanzierungsinstrumenten (z.B. Fonds) oder die Mobilisierung von handlungsunfähigen Eigentümern genannt. Neben der Formulierung von diesbezüglichen Erwartungen an die Modellvorhaben wurde gleichzeitig seitens des Bundes betont, dass die Handlungsfelder und Maßnahmen weitgehend selbst bestimmt in den ESG erarbeitet werden sollen.

Abschließend würdigte Herr Hilgen (BMVBS) in seinem Vortrag Eigentümerstandortgemeinschaften als ein wichtiges Instrument zur Einbeziehung der privaten Einzeleigentümer in den Stadtumbauprozess und wies auf weitere Termine und Veröffentlichungen im Forschungsfeld hin.


Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung finden Sie hier:

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