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Risikoabschätzung der zukünftigen Klimafolgen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft (ImmoRisk)

Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft konstatiert zwar grundsätzlich eine Betroffenheit gegenüber den Folgen des Klimawandels, jedoch fehlte es bisher an fundierten Informationen zur Risikoeinschätzung der Klimafolgen. Um die Akteure der Immobilien- und Wohnungswirtschaft bei ihrer Einschätzung zukünftiger Risiken aus Extremwetterereignissen zu unterstützen, wurde im Forschungsfeld ImmoRisk ein zielgruppengerechtes "Werkzeug" zur Quantifizierung ausgewählter Klimarisiken auf der Ebene einzelner Immobilien entwickelt, mit dem Bewertungen an 15 Standorten vorgenommen werden können. In einem weiteren Schritt wurde eine Konzeption für ein bundesweites Geoinformationssystems zu Klimarisiken für Immobilieneigentümer erarbeitet.

Projektlaufzeit: Oktober 2011 - November 2013

Ausgangslage

Sturmböen, Hagel oder Starkniederschläge und die damit verbundenen Überschwemmungen führen in Deutschland jedes Jahr zu Sachschäden an Gebäuden und Gebäudeinhalten in Höhe mehrerer Millionen oder sogar Milliarden Euro. Infolge der bereits stattfindenden und noch zu erwartenden Veränderung des Klimas in Deutschland ist mit einer Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen und somit auch mit steigenden Schäden zu rechnen. Die Münchener Rückversicherungsgesellschaft konstatiert eine wachsende Anzahl wetterbedingter Schadensereignisse innerhalb der letzten 40 Jahre in Deutschland als Folge des fortschreitenden Klimawandels. Während sich dieser Wandel in der Vergangenheit noch relativ langsam vollzogen hat, besteht unter Klimatologen Konsens darüber, dass sich die Geschwindigkeit der Klimaveränderung im Laufe des 21. Jahrhunderts stark beschleunigen wird. Dies stellt die Akteure der Immobilien- und Wohnungswirtschaft vor eine völlig veränderte Risikosituation.

Im ExWoSt-Forschungsfeld "Immobilien- und wohnungswirtschaftliche Strategien und Potenziale zum Klimawandel" (ImmoKlima >> weitere Informationen) zeigte die Diskussion in der ersten Projektwerkstatt am 23./24. November 2010, dass in der Wohnungswirtschaft viele Maßnahmen, die unter Klimaanpassungsmaßnahmen eingeordnet werden könnten, derzeit noch vor allem aus anderen Motivlagen heraus vorgenommen wurden (z.B. Synergien mit Klimaschutzmaßnahmen und Nutzeranforderungen). Eine Einschätzung von Klimafolgen erfolgte, in Ermangelung von weiteren Indikatoren, insbesondere aufgrund bereits vorhandener und messbarer Betroffenheiten, die als gefährdend für das Unternehmen (Ökonomie, Image), den Ertrag von Beständen, Portfolios und/oder für die zu entwickelnden Standorte gesehen werden. Bei Schadensfällen, bei denen die Kosten von Versicherungen getragen werden und aufgrund der Marktmacht des Unternehmens eine Prämienerhöhung nicht zu erwarten ist, wird seitens des Unternehmens auch kein Risiko gesehen.

Die Definition von (Klima-)Risiko in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft wird demnach insbesondere im Hinblick auf die jeweils unternehmensspezifischen Einschätzungen erfolgen und steht daher auch in Abhängigkeit zu spezifischen unternehmensbedingten Faktoren und Rahmenbedingungen. Insbesondere bei überregional tätigen Unternehmen konzentrieren sich die Bestände in der Regel nicht auf einen einzigen Standort, weshalb sich derzeit Risiken aus Extremwetterereignissen für das jeweilige Unternehmen durch Diversifizierung der Portfolios vermutlich in Grenzen halten bzw. für das Unternehmen kein wirtschaftliches Risiko darstellen und somit auch nicht als Risiko im Risikobericht des jeweiligen Unternehmens identifiziert werden. Kleinere Unternehmen oder private (Klein-)Eigentümer stoßen hier sehr viel früher an ihre ökonomischen Grenzen und sind stärker auf die frühzeitige Bereitstellung von Entscheidungsgrundlagen angewiesen.

Extremwetterereignisse stellen sowohl eine Gefahr für Standorte, Bauwerke insgesamt, als auch für einzelne Bauteile dar, was einerseits zu Einschränkungen der Nutzbarkeit führen kann, andererseits aber auch infolge gestiegener Versicherungskosten mit einer Investitionsverteuerung verbunden ist (respektive mit einer Verschlechterung der Rendite auf das eingesetzt Kapital). Diesen Gefahren ist gemeinsam, dass der Standort eine entscheidende Rolle bei der Adaptation in Bezug auf eine bestimmte Klimafolge spielt. Selbstverständlich können bauliche Veränderungen/Anpassungen im Zuge des Risikomanagements das Ausmaß der Schädigung reduzieren, was jedoch wiederum mit zusätzlichen Kosten für den Eigentümer der Immobilie verbunden ist. Im Kern fehlt es den Akteuren der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft an fundierten Informationen zur Risikoidentifizierung, -analyse und -bewertung von Klimafolgen, die sie in ihren Entscheidungen wie der Objektauswahl oder der Projektentwicklung sowie dem Investitionsverhalten insgesamt unterstützen könnten.

Ziel

Ziel des Forschungsprojekts ImmoRisk war die Entwicklung eines Werkzeugs zur Quantifizierung gegenwärtiger und zukünftiger Klimarisiken auf der Ebene einzelner Immobilien, dessen Output die Immobilieneigentümer der zehn Pilotstandorte von ImmoKlima sowie fünf weiteren relevanten von Klimarisiken stark betroffen Standorten zu ihrer eigenen Risikoabschätzung verwenden können. Die Anwender können ihr Risikomanagement damit zusammenfassend für mehrere Naturrisiken kalkulieren und dabei auch mögliche zukünftige Veränderungen der Gefährdungssituation in die Betrachtung einbeziehen. Darüber hinaus wurde eine Konzeption zur Entwicklung eines Geoinformationssystems (GIS-ImmoRisk) entwickelt. Dieses GIS-ImmoRisk soll Immobilieneigentümer dabei unterstützen, in der Praxis zukünftige Klimarisiken für ihre Standorte und Immobilienbestände bewerten und managen zu können.

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war die Universität Regensburg IRE|BS Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Ute Birk
Referat II 13 - Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
Tel.: +49 228 99401-1242