Navigation und Service

Leitprojekte "Kooperation konkret"

Ergebnisse

Bei der Ergebnisdarstellung zu den Themen "Bündelung von Förderprogrammen in der Stadtentwicklung" und "Kooperation mit Privaten" wurden die Auswertungen zum Stand der Forschung und die Praxiserfahrungen der sechs Modellvorhaben verknüpft.


Bündelung von Förderprogrammen in der Stadtentwicklung


Im Grundsatz lassen sich folgende Erfahrungen der Bündelung von Förderprogrammen festhalten:

  • Bündelung von Förderprogrammen in Stadterneuerungsräumen funktioniert in Kommunen dann gut, wenn ein hoher Aufwand betrieben wird und ämterübergreifende Kooperation innerhalb der Stadtverwaltung eingeübt ist. Ein bedeutsames Hindernis der Bündelung liegt im fehlenden Raumbezug von Fachförderprogrammen.
  • Auch Kommunen mit großen Bündelungserfolgen hinterfragen allerdings, ob der Ertrag den Aufwand der Bündelungsanstrengungen rechtfertigt.
  • Bündelungshindernisse und Bündelungserfolge hängen besonders auch von den länderspezifischen Rahmenbedingungen ab.
  • Trotz einer vielfältigen Förderlandschaft werden vereinzelt Förderlücken identifiziert.

In der Folge der Erfahrungen formulierten die Vertreter/innen der Modellvorhaben eine Vision der Bündelung und davon getrennt Reformbedarfe:

  • Die Vision der Bündelung ist ein ressortübergreifendes Gebietsbudget: Auf der Basis eines Integrierten Entwicklungskonzeptes für ein Stadterneuerungsgebiet mit Strategien, Zielen und Maßnahmenvorschlägen wird von den Bundes- und Landesressorts, die über Fachförderprogramme mit Bezug zur Stadterneuerung verfügen, der Kommune ein Gebietsbudget zur Umsetzung bereit gestellt. Eine Fördermittelkonferenz am Ende der Erarbeitung des Integrierten Entwicklungskonzeptes bahnt den Weg zu diesem abgestimmten Gebietsbudget.
  • Kurz- und mittelfristig werden die größten Potenziale zur Verbesserung der Bündelungserfolge von Förderprogrammen in der Stadterneuerung in verstärkten Koordinierungsaktivitäten von Bund und Ländern gesehen. In den Flächenländern stellen starke Mittelbehörden eine Unterstützung der Kommunen dar. Weitergehend sind programmatische Ansätze, wie sie die Stadtstaaten Berlin mit dem Programmansatz Aktionsräumeplus und Hamburg mit seinem "Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung" (RISE) geschaffen haben. Diese programmatischen Neuerungen wurden im Zusammenhang mit dem Bund-Länder-Workshop Stadtumbau West am 6. November 2012 mit Ländervertretern/innen diskutiert. Diese Diskussion hat eine gewisse Distanz der Flächenländer gegenüber dem Einsatz derartiger programmatischer Hilfskonstruktionen zur Verbesserung der Bündelung offen gelegt. Diese Rückmeldung macht leider wenige Hoffnungen, dass konkretisierte Vorschläge zu Bündelungsaktivitäten auf Landes- und Bundesebene zur Umsetzung gelangen könnten.
  • Auf kommunaler Ebene werden folgende pragmatischen Optimierungspotenziale gesehen: Fördermittelkonferenzen mit Vertretern/innen relevanter Ressorts während der Erarbeitung der Integrierten Entwicklungskonzepte könnten frühzeitig Potenziale der Fördermittelbündelung erschließen. Eine verstärkte Berücksichtigung von Bündelungsaspekten bei der Konzepterarbeitung sollte allgemein angestrebt werden. Darüber hinaus wird es für unerlässlich eingestuft, schon bei der Konzepterarbeitung ämterübergreifende Abstimmungsstrukturen zu etablieren. Eine fachliche Unterstützung der Fördermittelakquisition durch das Quartiersmanagement kann die Bündelungserfolge steigern.

Kooperation mit Privaten


Bei allen sechs Modellvorhaben im Forschungsfeld spielten Partnerschaften mit privaten Akteuren eine wichtige Rolle. Dabei besaßen die Modellvorhaben - abhängig von ihrer Gebietskulisse und ihrem Aufgabenschwerpunkt - besondere Profile:

  • Altena setzte in besonderem Maß auf bürgerschaftliches Engagement als Potenzial für den Stadtumbau der Innenstadt. Bürger/innen, Einzelhändler/innen, Gastronomiebetriebe und Gebäudeeigentümer/innen standen im Fokus der Partnerschaften.
  • Beim Modellvorhaben in der Gartenstadt Atlantic in Berlin erfolgte Zusammenarbeit unter umgekehrten Vorzeichen: Eine private Stiftung schafft durch öffentliche und private Förderung innovative Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Die Stiftung sucht die Partnerschaft mit der Kommune, um ihre Angebote öffentlichen Einrichtungen - z.B. Schulen und Kindergärten - zugänglich zu machen.
  • Das Modellvorhaben in Eberswalde betraf eine Hauptverkehrsstraße. Die Zusammenarbeit mit Wirtschaftstreibenden entlang der Straße stand im Mittelpunkt der Kooperationsbemühungen.
  • Im Zentrum des Modellvorhabens in Fürth stand die quartiersbezogene Gesundheitsförderung, weshalb Netzwerkarbeit mit einer Krankenkasse und mit lokalen Gesundheitseinrichtungen eingeübt wurde.
  • Ähnlich wie Eberwalde legt Leipzig an der Georg-Schumann-Straße als Magistrale besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit Wirtschaftstreibenden und Gebäudeeigentümer/innen.
  • Magdeburg-Buckau verfolgt eine Positionierung als Kreativstadtteil, weshalb der Fokus der Partnerschaften bei Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft lag.

Die Querauswertungen der sechs Modellvorhaben im ExWoSt-Forschungsfeld gewährte Einblick in die facettenreichen Kooperationspartnerschaften mit privaten Akteuren in der Stadterneuerung. Folgende Ergebnisse lassen sich Modellvorhaben übergreifend zusammen führen:

  • Partnerschaften beim Quartiersmanagement:
    In drei Modellvorhaben wurden Vereinen bzw. einem Fachbereich einer Universität die Aufgabe des Quartiersmanagements übertragen. Damit wurde u.a. das Ziel verfolgt, private Akteure verbindlich in das Management einzubeziehen. Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass sich derartige Management-Konstruktionen nur in Ausnahmefällen bewähren. In der Regel dürften private Partner mit der Komplexität des gesamten Quartiersmanagements überfordert sein. Nach diesen Auswertungen erscheint es sinnvoller, spezialisierte Unternehmen mit dem Quartiersmanagement zu beauftragen unter der Bedingung, dass sie für definierte Teilleistungen auch Vereine etc. als Management-Partner integrieren.
  • Partnerschaften bei der Projektentwicklung und -umsetzung:
    Bei der Projektentwicklung und -umsetzung im Rahmen von Stadterneuerungsvorhaben ist die Kommune vielfach auf die enge Zusammenarbeit mit privaten Partnern angewiesen. Partner können dabei Immobilien- und Flächeneigentümer/innen, Wirtschaftsunternehmen, aber auch Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder Vereine sein. Die Erfahrung in den Modellvorhaben legt nahe, dass eine erfolgreiche Kooperation im Kontext von Projekten kompetente Ansprechpartner/innen im Sinne von "Lotsen" in der Verwaltung voraussetzt. Um Missverständnissen und Irritationen im Prozess vorzubeugen, sollten verbindliche Zielvereinbarungen die Grundlage zumindest bei größeren Projekten sein. Temporär begrenzte Nutzungen - Zwischennutzungen - können geeignete Anlässe sein, um vertiefte Kooperationen mit privaten Partnern zu erproben. Wenn es gelingt, im Rahmen von Projektpartnerschaften Personen des öffentlichen Lebens als Botschafter oder Paten des Stadterneuerungsprozesses zu gewinnen, kann das erheblich zur verbesserten öffentlichen Wahrnehmung beitragen.
  • Netzwerkpartnerschaften:
    Stadterneuerungsprozesse benötigen ein Netzwerk von Unterstützern/innen. Dieses wird in der Regel durch formelle Gremien oder informelle Treffen eingebunden. Verfügungsfonds mit ihren kleinteiligen, niedrig schwelligen Förderprojekten oder auch Programme wie BIWAQ können helfen, derartige Unterstützungsnetzwerke zu gründen bzw. zu verstetigen. Auch Arbeitsförderungsmaßnahmen wie "Bürgerarbeit" stärken solche Netzwerke, indem sie gemeinnützigen Partnern geringfügige Unterstützungsleistungen anbieten.
  • Finanzierungspartnerschaften:
    Private Partner finanzieren nur dann mit, wenn für sie ein Mehrwert erkennbar ist. In der Regel heißt das, dass die privaten Partner mit einem konkreten Projekt identifiziert werden möchten. Hierin liegt der Grund, warum es sich - nicht nur in den Modellvorhaben des ExWoSt-Forschungsfeldes Leitprojekte "Kooperation konkret" - als unmöglich herausgestellt hat, eine 50%ige Kofinanzierung durch Private für einen Verfügungsfonds zu generieren. Auch beim Verfügungsfonds gilt: Kofinanzierung gelingt über die Projektförderung. Nichtsdestoweniger wird ein in der Stadterneuerung noch nicht vollständig erschlossenes Potenzial der Mitfinanzierung von "sinnstiftenden" Projekten erkennbar, für das u.a. Unternehmen und Stiftungen umworben werden sollten. Dabei sollte aber in jedem Stadterneuerungsvorhaben vorab geprüft werden, welche Projekte für die Mitfinanzierung durch Private geeignet sind. Soziale und kulturelle Projekte, insbesondere solche mit der Zielgruppe Kinder sind dabei ebenso bevorteilt wie baukulturell bedeutsame Vorhaben.

Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Dr. Rupert Kawka
Referat I 3 - Europäische Raum- und Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-1314