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ExWoSt-Forschungsfeld "Unternehmen und Stiftungen für die soziale Quartiersentwicklung"

Projektaufruf

Im Rahmen des Forschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) führt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) von Oktober 2012 bis September 2015 das ExWoSt-Forschungsfeld "Unternehmen und Stiftungen für die soziale Quartiersentwicklung" durch. Darin werden innovative Modellvorhaben gesucht, für die im Zeitraum von Januar 2013 bis Mai 2015 insgesamt 370 000 Euro zur Verfügung stehen.

Hintergrund und Ziel

Das freiwillige gesellschaftliche Engagement von Unternehmen und Stiftungen spielt in der sozialen Quartiersentwicklung eine immer größere Rolle, insbesondere auch wenn es um die Unterstützung wirtschaftlich und sozial benachteiligter Stadtquartiere geht. In diesen Quartieren gibt es oft vielschichtige Probleme, die einer gesamtgesellschaftlichen Lösung bedürfen. Mit dem Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt - Investitionen im Quartier" unterstützen Bund und Länder gemeinsam die Kommunen bei der Stabilisierung und Aufwertung benachteiligter Stadt- und Ortsteile durch städtebauliche Investitionen in das Wohnumfeld und das Wohnen sowie durch familien- und altengerechte Infrastrukturen. Das Ziel, die Lebensbedingungen der Bewohnerinnen und Bewohner umfassend zu verbessern und die Integration zu fördern, kann das Programm nicht alleine erreichen. Öffentliche Hand, Wirtschaft und Gesellschaft sollten hier noch stärker zusammenarbeiten und die Quartiere gemeinsam unterstützen. Daher werden mit dem Städtebauförderungsprogramm seit 2012 vorrangig solche Gebiete gefördert, die Ressourcen und Mittel im Quartier bündeln bzw. Kooperationen mit weiteren Partnern wie z.B. Unternehmen und Stiftungen eingehen.

Es gibt bereits viele gute Erfahrungen. Zahlreiche Wohnungsunternehmen engagieren sich für soziale Projekte, um Leerstand, sozialen Konflikten, Vandalismus und in der Folge erhöhter Fluktuation vorzubeugen. Auch andere Unternehmen und Gewerbetreibende bringen sich in die Stadtteilentwicklung ein, um u.a. ihr Standortumfeld aufzuwerten, zukünftige Auszubildende und Beschäftigte durch berufliche Qualifizierungsmaßnahmen an den Betrieb heranzuführen oder Bildungsprojekte in nahe gelegenen Kindergärten und Schulen zu unterstützen. Ebenso engagieren sich bereits viele Stiftungen in der Stadtteilentwicklung zu gesellschaftlichen Themen wie z.B. Bildung und Integration. Sie bringen ihr Know-how ein, sind an ihren Standorten meist gut vernetzt und können so wertvolle Beiträge für die Quartiersentwicklung leisten.

Dennoch sind solche Projekte oft zu wenig mit bereits vorhandenen Aktivitäten und Zielen der Quartiersentwicklung im Rahmen integrierter Handlungskonzepte verknüpft. Unternehmen, Gewerbetreibenden und Stiftungen fehlen vielfach die notwendigen Strukturen und Anknüpfungspunkte in der Kommune bzw. im Quartier, um ihr soziales Engagement erfolgreich einzusetzen.

Ziel des Forschungsfeldes ist es deshalb, die Chancen und Hindernisse für ein Engagement von Stiftungen und Unternehmen in benachteiligten Stadtteilen zu identifizieren, sie im Sinne einer integrierten Stadtteilentwicklung dort stärker zu verankern und einen Diskurs über die Potenziale von sozialem Engagement Privater für eine soziale Stadtentwicklung anzustoßen. Untersucht werden soll insbesondere auch die Frage, inwieweit überregional agierende Unternehmen und Stiftungen auf Quartiersebene Potenziale für ihr soziales Engagement sehen und welche Rahmenbedingungen dafür förderlich sind. Im Ergebnis sollen Unternehmen und Stiftungen als verlässliche Partner für soziale Projekte in benachteiligten Quartieren gewonnen werden. Die in letzter Zeit zunehmend kontrovers geführte Debatte über den Aufgabenumfang öffentlicher Daseinsvorsorge soll dabei nicht aus dem Blick geraten. Das Forschungsfeld soll helfen, ggf. vorhandene Vorbehalte abzubauen und Lösungsmöglichkeiten für ein gezieltes Zusammenwirken von Stadtentwicklung und sozialem Engagement von Unternehmen und Stiftungen aufzuzeigen.

1. Welche Modellvorhaben sind von Interesse?

Mit dem ExWoSt-Forschungsfeld sollen Kommunen darin unterstützt werden, mit Unternehmen und Stiftungen Kooperationen aufzubauen, die beiden Seiten zugutekommen. Es sind daher Vorhaben von Interesse, die zeigen, wie sich lokal bzw. regional, national und international agierende Unternehmen und Stiftungen für die soziale Entwicklung benachteiligter Quartiere einsetzen. Konzepte und praktische Beispiele sollen aufzeigen, wie sich Unternehmen und Stiftungen als verlässliche Partner in die soziale Quartiersentwicklung einbringen können und welche Strukturen und Anknüpfungspunkte erforderlich sind, um das Zusammenwirken sozialen unternehmerischen Engagements und integrierter Stadtentwicklung gezielt zu unterstützen.

Die Modellvorhaben sollen folgende Leitfragen thematisieren und bearbeiten:

  1. Inwiefern engagieren sich Unternehmen und Stiftungen auf Stadtteilebene?
  2. Wie kann die Kommune Unternehmen bzw. Stiftungen als Sponsoren insbesondere für soziale Projekte auf Stadtteilebene gewinnen?
    - Welche Kommunikationsformen sind dazu geeignet?
    - Welche Rolle spielt räumliche Nähe?
    - Welche Bedeutung haben persönliche Kontakte?
    - Welche Personen oder kommunalen Einrichtungen sind dabei besonders wichtig?
  3. Welche Anforderungen müssen sozial-integrative Projekte sowohl aus Sicht der Kommune als auch aus Sicht der Unternehmen und Stiftungen erfüllen?
  4. Welchen Informations- und Kommunikationsbedarf haben Unternehmen und Stiftungen, wenn sie sich in einem Quartier engagieren?
  5. Wie können soziale Projekte mit weiteren Maßnahmen und Aktivitäten der Quartiersentwicklung koordiniert und abgestimmt werden? Wie können Unternehmen und Stiftungen bei der Gestaltung eines integrierten Stadt(teil)entwicklungskonzeptes eingebunden und ihr Engagement darin verortet werden?
  6. Welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen in der Kommune und in den betroffenen Quartieren sind erforderlich, um das Engagement von Unternehmen und Stiftungen stärker als bisher quartiersbezogen umzusetzen? Welches Potenzial liegt für das unternehmerische Engagement im Quartiersbezug? Wie kann das Engagement unterstützt werden?
  7. Welche Hindernisse gibt es beim Engagement von Unternehmen und Stiftungen in der Quartiersentwicklung (z.B. finanziell, strukturell, rechtlich)? Wie können diese abgebaut werden und welchen Beitrag kann dazu eine Kommunikationsplattform leisten?

2. Voraussetzungen zur Teilnahme

Gesucht werden innovative Modellvorhaben, insbesondere aus Gebieten des Städtebauförderungsprogramms "Soziale Stadt - Investitionen im Quartier", die in Kooperation mit Unternehmen und/oder Stiftungen durchgeführt werden. Es soll gezeigt werden, wie in Verbindung mit den dort stattfindenden Sanierungsmaßnahmen durch das Engagement von Unternehmen und Stiftungen die Lebensqualität in den Quartieren verbessert werden kann. Von Interesse sind sozial-integrative Maßnahmen aus den Bereichen Soziales, Bildung, Integration, Kultur, Wohnumfeldverbesserung etc.

Bewerben können sich Städte und Gemeinden mit sozial-integrativen Projekten, insbesondere in Soziale-Stadt-Gebieten. Des Weiteren spielen folgende Kriterien für die Auswahl der Modellvorhaben eine wesentliche Rolle:

  • In den Modellvorhaben soll die Kommunalverwaltung mit Unternehmen und Stiftungen kooperieren. Auch innerhalb der Kommunalverwaltung ist eine, je nach thematischer Ausrichtung des Modellvorhabens, geeignete ämterübergreifende Zusammenarbeit wünschenswert. Es sollen die verschiedenen Zuständigkeiten erfolgreich vernetzt, Maßnahmen gebündelt und räumlich in benachteiligten Quartieren verankert werden.
  • Die Modellvorhaben sollen innovative, quartiersbezogene Ansätze beinhalten, die sich in der Konzipierung oder in der Umsetzung befinden. Kontakte für Kooperationen zwischen Kommune und Unternehmen bzw. Stiftungen müssen bereits bestehen.
  • Neben zeitlich befristeten Maßnahmen sollen vor allem langfristige und verlässliche Vereinbarungen zwischen Kommune und Unternehmen bzw. Stiftungen vorangebracht werden, um die Nachhaltigkeit des Konzeptes und der zu unterstützenden Maßnahmen zu fördern.

3. Finanzielle/fachliche Unterstützung und Aufgaben der Modellvorhaben

Der Bund fördert in einem Zeitraum von Januar 2013 bis Mai 2015 sieben Modellvorhaben in Form von Zuwendungen mit einer Gesamtsumme von 370 000 Euro. Für jedes ausgewählte Modellvorhaben stehen rund 53 000 Euro (brutto) zur Verfügung. Förderfähig sind grundsätzlich alle Kosten im Zusammenhang mit innovativen Handlungsansätzen:

  • Konzeptentwicklung
  • Aufbau von Kooperationen zwischen Kommune und Unternehmen bzw. Stiftungen
  • Moderations- und Beratungsangebote (z.B. zur Kontaktaufnahme mit weiteren Sponsoren)
  • Aktivierungsmaßnahmen (z.B. zur Etablierung einer Bürgerstiftung oder eines Interessenvereins, Einbindung weiterer Kooperationspartner)
  • operative Durchführung der Modellvorhaben

Das Modellvorhaben soll insgesamt mit maximal 50% durch das ExWoSt-Forschungsfeld, mindestens 20% durch die Kommune und mindestens 30% durch Unternehmen und/oder Stiftungen finanziert werden.

Eine finanzielle Beteiligung der Kommune wird erwartet, in begründeten Einzelfällen sind Ausnahmen möglich. Die Kommunen können ihren Eigenanteil auch über den Einsatz von Sachmitteln und Personal leisten. Dabei kann ein Personaleinsatz seitens der Kommune nur angerechnet werden, wenn dafür eine neue Stelle geschaffen wird. Die kommunale Eigenbeteiligung kann auch über andere Drittmittelgeber (Unternehmen, Stiftungen etc.) erfolgen.

Das BBSR setzt für das ExWoSt-Forschungsfeld eine Forschungsassistenz ein, die alle Modellvorhaben während der Laufzeit fachlich begleitet, den Erfahrungsaustausch organisiert sowie im Projektverlauf Auswertungen und Dokumentationen vornimmt. Von den Modellvorhaben wird erwartet, sich daran zu beteiligen, z.B. durch Öffentlichkeitsarbeit, Berichte und Teilnahme an Workshops und Fachveranstaltungen. Sie tragen damit aktiv zur wissenschaftlichen Analyse, dem Erfahrungsaustausch sowie zur Dokumentation des Modellvorhabens und zur Umsetzung des ExWoSt-Forschungsfeldes bei. Das konkrete Aufgaben- und Leistungsprofil wird nach Auswahl der Modellvorhaben auf die einzelnen Vorhaben ausgerichtet.

4. Bewerbung

Interessenten senden bitte den ausgefüllten Erhebungsbogen bis zum 05. Oktober 2012 per E-Mail an das BBSR an integration@bbr.bund.de. Die Bewerbung (Erhebungsbogen) sollte einen Umfang von insgesamt fünf DIN A 4 Seiten umfassen.

Nach erfolgter Auswahl der Modellvorhaben findet eine Bereisung im Oktober 2012 statt. Bis Ende November 2012 ist ein förmlicher Zuwendungsantrag zu stellen. Die Modellvorhaben sollen im Januar 2013 ihre Arbeit vor Ort aufnehmen.

Antragsformulare:

Ansprechpartnerinnen im BBSR:

Juliane Skowski, Tel.: +49 228 99401-2335, E-Mail: juliane.skowski@bbr.bund.de
Martina Kocks, Tel.: +49 228 99401-2321, E-Mail: martina.kocks@bbr.bund.de

Zusatzinformationen

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Kontakt

Juliane Wagner
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2335