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Modellvorhaben: Tante Gerda, Esslingen

Freiraum für die Jugend!

Die Projektgruppe "Tante Gerda" möchte der Verdrängung junger Menschen aus dem öffentlichen Raum in Esslingen entgegenwirken, die Innenstadt attraktiver machen und Konfliktpotenziale zwischen den Generationen lösen.

PROJEKTDATEN
StadtEsslingen am Neckar (90.000 Einwohner), Baden-Württemberg
ProjektnameTante Gerda
AkteureProjektgruppe: Tante Gerda
TrägerStadtjugendring Esslingen
Informationtantegerdaesslingen.wordpress.com
KooperationspartnerJugendgemeinderat Esslingen
Kernthemen
  • Orte für junge Menschen im Stadtraum
  • Mobilität
  • Generationenübergreifendes Zusammenleben und Bildung

Westend-Gelände in EsslingenWestend-Gelände in Esslingen Quelle: Maren Alsch

Projektbeschreibung

Junge Menschen nutzen zentrale Räume für ihre Ideen

Esslingen ist ein schönes Städtchen in der Nähe von Stuttgart. Doch trotz der pittoresken Innenstadt mit hochwertigen Parks und Plätzen gab es für junge Menschen bislang kaum Orte zum Aufhalten im Stadtzentrum. Das Jugend.Stadt.Labor "Tante Gerda" wirkt der Verdrängung junger Menschen aus dem öffentlichen Raum entgegen, interpretiert Freiraum um und nutzt ihn kreativ für neue Zwecke.

Stadtplanung zum Umdenken bewegen

"Tante Gerda" hat es sich zum Ziel gemacht, zentrale Räume für die Ideen junger Menschen zu erobern, um ihnen eine stärkere Präsenz im Stadtzentrum zu geben und bestehende Nutzungskonflikte zwischen den Generationen zu lösen. Mit der Bespielung des Stadtstrandes auf einer Baubrache wurde ein erster zentraler Ort durch die Jugend etabliert und über die Stadtgrenzen hinaus als beliebter Veranstaltungsort bekannt. Nach einer öffentlichkeitswirksamen Besetzung und temporären Aktivierung des ehemaligen Busbahnhofs erfuhr die Gruppe starken Rückhalt aus der Bürgerschaft und konnte das Nutzungspotenzial temporär brachliegender Flächen aufzeigen. Aktuell ist "Tante Gerda" damit beschäftigt, zusammen mit der Stadt auf einer weiteren Brachfläche ein selbstorganisiertes Kulturcafé zu entwickeln. "Tante Gerda" beteiligt sich auch als Expertin im Bürgerdialog des Stadtplanungsamtes und wird zunehmend in Planungsprozesse mit einbezogen.

Wirkung und Werte

Durch die temporäre Aktivierung des ehemaligen ZOB direkt am Hauptbahnhof hat sich "Tante Gerda" von der städtischen Randlange des Stadtstrandes auf einer Brachfläche in den Fokus der Einwohner und in das Stadtzentrum Esslingens vorgearbeitet. Das Bedürfnis nach jugendorientierten Räumen wurde sichtbar gemacht und es besteht Konsens darüber, dass offene Räume für die Jugend im Stadtzentrum vorgehalten werden sollten. Mit allen Aktionen und Projekten von "Tante Gerda" werden Gemeinschaft und Bildung als Werte vermittelt und es wird zu mehr Akzeptanz von Jugendlichen in der Öffentlichkeit aufgerufen.

Impulsprojekte

Stadtstrand

Ein eingezäuntes Brachgelände mit Sand und Infrastruktur für Veranstaltungen wurde zum neuen, selbstbestimmten Raum der Esslinger Jugend. Bei entspannter Atmosphäre bietet der "Stadtstrand" Film- und Konzertabende, Beachvolleyballturniere und Grillfeste sowie einen Bühnencontainer. An lauen Sommerabenden wird der Stadtstrand zu einem beliebten Veranstaltungsort für ein generationenübergreifendes Publikum.

Bürgeraktivierung: Ideensammlung "Wunder Punkt"

Der "wunde Punkt" war eine Aktion, um die Bedürfnisse junger Menschen in Esslingen festzuhalten und gleichzeitig im Stadtbild sichtbar zu machen. Dazu wurden beschreibbare Aufkleber mit "Tante Gerda"-Logo an junge Menschen verteilt und an wichtigen Treffpunkten der Zielgruppe ausgelegt. Mittels Beschriftung der Aufkleber konnte jeder seine Meinung anonym kundtun und diese an einem beliebigen Ort in der Stadt – dem wunden Punkt, anbringen. Durch die Aktion konnten viele Ideen für Impulsprojekte gesammelt und Orte in Esslingen definiert werden, an denen, aus Sicht junger Menschen, Verbesserungsbedarf besteht. Zum Abschluss wurde ein leer stehender Kiosk genutzt, um über das Gesamtkonzept zu informieren und weitere Meinungen im Rahmen einer wachsenden Ausstellung zu sammeln.

Expertenrunde

Gemeinsam mit den Jugendorganisationen der Parteien, dem Jugendgemeinderat und dem Stadtjugendring Esslingen e.V. veranstaltete "Tante Gerda" eine Expertenrunde für junge Menschen, um aktuelle Themen wie Mobilität, Bildung, Freizeit und Wohnen in Bezug auf die Gesamtstadt, einzelne Stadtteile sowie insbesondere die Innenstadt zu bearbeiten. Mit der Methode "Stadtspieler" schlüpften die Teilnehmer in verschiedene Rollen. Sie bauten als Investor ein Gebäude, besuchten als Bewohner einen Nachbarn und beschrieben als Stadtplaner die Gesamtsituation. Die Ergebnisse der Expertenrunde wurden Grundlage für die weitere Arbeit von "Tante Gerda".

ZOB

Direkt am Esslinger Bahnhof gelegen befindet sich der ehemalige Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB). Durch eine symbolische Besetzung des Platzes machten die Jugendlichen auf ihre Bedürfnisse aufmerksam und durften den ZOB schließlich temporär mit einem Festival bespielen. Eine bereits zugesagte Zwischennutzung bis 2017 wurde jedoch aufgrund plötzlichen Investitionsinteresses wieder aufgehoben, dafür entsteht nun auf einer nahe gelegenen Brachfläche ein selbstorganisiertes Kulturcafé.

Kulturcafé

Auf einer bahnhofsnahen Brachfläche entsteht ein mobiles Kulturcafé. Ein junges, innovatives und buntes Café, das offen für alle ist und ohne Konsumzwang operiert. Zielgruppe sind alle Menschen, die sich jung fühlen und kulturell interessiert sind. Neben günstigen Preisen zeichnet sich das Café durch vielfältige, kulturelle Veranstaltungen aus.

Forschung

Im Rahmen des Forschungsfeldes Jugend.Stadt.Labor steht "Tante Gerda" für eine intensive Auseinandersetzung mit der Qualität der Esslinger Innenstadt und deren Aktivierung für junge Menschen. Durch inspirierende Beteiligungsaktionen und Bürgerbefragungen hat die Jugend als gesellschaftliche Gruppe eine neue, öffentliche Wahrnehmung erfahren. Die temporäre Nutzung von innerstädtischen Brachflächen hat neue, attraktive Nutzungsformate aufgezeigt, die eine öffentliche Debatte um Zwischennutzungen nach Esslingen gebracht haben. Außerdem wurden die jungen Menschen intensiv in die Aufstellung des Stadtentwicklungskonzeptes und die Neuplanung des Neckar-Ufers durch die Stadtverwaltung mit einbezogen.

Das Modellvorhaben "Tante Gerda" ist in die übergeordneten Forschungsthemen: "Stadt der Teilhabe" (Tante Gerda als Plattform, bottom up Stadtentwicklung durch junge Menschen), "Aktivierung von Räumen" (Stadtstrand und ZOB), "Selbstbestimmte Raumentwickler/-innen" einzuordnen.

Internetseite zum Projekt

tantegerdaesslingen.wordpress.com

Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Stephanie Haury
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2308
Stephan Willinger
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-1275

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