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Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen

Das ExWoSt-Forschungsfeld griff die besondere räumliche Bedeutung von Kleinstädten in peripheren Lagen mit ihren speziellen wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Rahmenbedingungen sowie spezifischen Handlungslogiken dieses Stadt- und Lagetyps auf. Modellhaft wurden in acht Kleinstädten in einem gemeinsamen Prozess von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft Entwicklungspotenziale identifiziert und Zukunftsstrategien entwickelt. Auf der Basis von Szenarien wurden innovative Lösungsansätze abseits tradierter Pfade entwickelt sowie Schlüsselprojekte, Netzwerke oder Handlungsansätze abgeleitet. Die Modellvorhaben standen stellvertretend für insgesamt 922 (Stand 2017, LRB BBSR) peripher gelegene Kleinstädte bundesweit.

Projektlaufzeit: Februar 2015 – Dezember 2018

Ausgangslage

„Die Großstadt ist ein Magnet. Es ist für kleinere Städte angesichts des zentralen städtischen Wachstums sehr schwer, lebendig und gesund zu bleiben. … Wenn nichts unternommen wird, um Leben in den Landstädten wieder aufzuwerten, werden die Städte die nächstgelegenen Kleinstädte aufsaugen und die weiter abliegenden ihrer tatkräftigsten Bewohner beraubt. Welche Möglichkeiten gibt es?“ (Alexander 1977: 35)

So viel scheint sich auf den ersten Blick seit Christopher Alexander nicht verändert zu haben. Tatsächlich hat sich die Stadtforschung und auch die Planungspraxis in Deutschland lange Zeit wenig mit dem Stadttypus Kleinstadt beschäftigt. Das änderte sich erst in den 2000er-Jahren, u.a. mit der BBSR-Analysen Bau.Stadt.Raum Nr. 10 "Klein- und Mittelstädte in Deutschland - eine Bestandsaufnahme". Aber glaubt man den Überschriften deutscher Tageszeitungen (z.B. "Der Run auf die Großstädte hält an" – "Immer mehr Menschen wollen in Metropolen leben"), hat sich an der schon in den 70er-Jahren festgestellten Entwicklung wenig geändert. Die prosperierenden Ballungsräume laufen über, während es in vielen kleineren und peripher gelegenen Städten immer leerer wird. Doch stimmt das so? Und falls ja, was können Kleinstädte gegen Attraktivitätsverluste, Abwanderung, Lücken in der Daseinsvorsorge, sinkende Steuereinnahmen sowie Wohnungs- und Ladenleerstände tun? Oder sind die gegenwärtigen – und in den Medien viel beachteten – demografischen Veränderungen mit all ihren Folgen unveränderbar, sodass man sie als peripher gelegene Kleinstadt einfach hinnehmen muss?

Kleinstädte bieten vielfältige Funktionen als Wohn-, und Versorgungs- sowie Arbeits- und Produktionsstandorte kleiner- und mittelständischer Unternehmen. Sie sind Kommunikations- und Stabilitätsanker für ihr Umfeld sowie für das deutsche Siedlungssystem. Zunehmend führen die demografische und wirtschaftliche Entwicklung vor allem in peripheren Lagen zu einem drohenden Verlust der Versorgungs- und Zentrenfunktionen. Gerade diese Funktionen prägen die wichtige Rolle dieser Städte. Dennoch lassen sich Stabilisierungsstrategien und Trendwenden bisher nur schwer ausmachen. Eines wurde jedoch in allen Untersuchungen sowie in einer Vielzahl von dokumentierten praktischen Fallbeispielen deutlich: Als zukünftiger Entwicklungspfad wird weitgehend auf die Stärkung der Eigenkräfte verwiesen. Dazu ist es nötig, dass Städte ihre Rolle im Raum angesichts der ökonomischen, demografischen und sozialen Veränderungen aktiv neu gestalten und entsprechende stadtspezifische Entwicklungsstrategien umsetzen. Die Herausbildung einer eigenen Identität, eines eigenen Stadtprofils und die Frage nach der eigenen kleinstädtischen Lebensqualität sind dabei zentral. Diese Neubestimmung ist ein Prozess, der nicht administrativ verordnet oder politisch vorgegeben werden kann. Es bedarf vielmehr eines gemeinschaftlichen Diskurses von Politik, Verwaltung, Bürgerschaft und Wirtschaft, damit die eigenen Potenziale erkannt und eine tragfähige Zukunftsvision erarbeitet werden können. Kleinstadtentwicklung wird so zur Gemeinschaftsaufgabe. Zentral ist die Identifizierung von lokal spezifischen Potenzialen und deren Inwertsetzung für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Den Forschungsarbeiten im Forschungsfeld wurde folgende Abgrenzung zugrunde gelegt (vgl. auch Karte):

  • Als Kleinstadt wird eine Gemeinde mit 5.000 bis unter 20.000 Einwohnern oder mindestens grundzentraler Bedeutung mit Teilfunktionen eines Mittelzentrums verstanden.
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  • Die periphere Lage leitet sich aus der potenziell erreichbaren Tagesbevölkerung ab.
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Dieser Abgrenzung entsprachen 922 Kleinstädte im Jahr 2017.

Kleinstädte in Deutschland Kleinstädte in DeutschlandKleinstädte in Deutschland Quelle: BBSR 2019


Ziel

Das ExWoSt-Forschungsfeld "Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen" des BBSR im Auftrag des BMUB stellte die besondere Situation von kleinen Städten in peripheren Lagen sowie die Akteure vor Ort und die Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt. Ziel war es, Kleinstädte in peripheren Lagen bei der Ausschöpfung ihrer Entwicklungspotenziale besser zu unterstützen. Dazu wurden die Zukunftspotenziale dieses Stadttypus herausgearbeitet und Empfehlungen an Bund, Länder und Kommunen für eine erfolgreiche Kleinstadtpolitik formuliert.

Mit innovativen partizipativen Methoden wie Szenariotechnik und Jugend-BarCamps ließen sich all diejenigen beteiligen, die sich in den Kommunen als Zukunftsgestalter engagieren.

Ziele des Forschungsfeldes waren

  1. die Identifizierung spezifischer Handlungsbedingungen und Potenziale von Kleinstädten, die zu eigenbestimmten, nachhaltigen Kleinstadtprofilen führen,
  2. die gemeinsame Entwicklung eines methodischen Rahmens für kooperative Kleinstadtplanung bzw. gemeinschaftliche Kleinstadtentwicklung im Sinne von Veränderungsmanagement und Local Governance / Bürgerkommune,
  3. die Weiterentwicklung der Kleinstadtforschung
  4. Empfehlungen an Bund, Länder und Kommunen für eine nachhaltige Kleinstadtpolitik sowie
  5. die Sensibilisierung der Fach- und allgemeinen Öffentlichkeit für das Kleinstadtthema.

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war die Hochschule Neubrandenburg - Institut für kooperative Regionalplanung Planungsrecht/Baurecht.

Zusatzinformationen

  • Logo zum ExWoSt-Forschungsfeld Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen

Kontakt

Lars Porsche
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-2351