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Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region

Ergebnisse

Antworten auf die Forschungsleitfragen

Wie kann die Kooperation von Baukultur und Tourismus in den Regionen gestärkt werden?
Es hat sich gezeigt, dass Bewusstseinsbildung, "Übersetzungsarbeit" und Vermittlung zwischen den beiden Disziplinen sowie Netzwerkbildung, Finanzierung und Förderung die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind. Grundlage für eine BKuT-Kooperation ist ein tragfähiges Netzwerk, in dem Baukultur- und Tourismusakteure auf einer breiten Basis in der Region zusammenwirken. Ein breit entwickeltes Bewusstsein für das Thema Baukultur, für baukulturelle Qualitäten und Potenziale und für die Wechselwirkungen mit dem Tourismus sind dabei die Basis jeder erfolgreichen BKuT-Kooperation. Die Kooperation beider Disziplinen funktioniert nur, wenn ein gemeinsames Verständnis von Baukultur und Tourismus vorhanden ist und konkrete gemeinsame Ziele und Projekte definiert werden, die (nur) im Zusammenspiel aus Baukultur- und Tourismusakteuren erreicht werden können und für beide Seiten einen Nutzen haben.

Welche ländlichen Regionen in Deutschland verfügen über ein touristisches Entwicklungspotenzial, das mit einer baukulturellen Qualitätsoffensive noch deutlich gesteigert werden kann?
Welche ländlichen deutschen Regionen "ausreichend" touristisches Entwicklungspotenzial haben, kann pauschal so konkret nicht beantwortet werden. Als generelle Rahmenbedingungen und wichtige Voraussetzungen für eine touristische Entwicklung durch eine baukulturelle Qualitätsoffensive sollten jedoch gegeben sein, dass sich die Region als touristische Destination versteht und die Notwendigkeit der Profilierung besteht sowie, dass baukulturelles Potential und ein Bewusstsein dafür vorhanden sind.

Welche Wechselwirkungen ergeben sich aus den Disziplinen "Baukultur" und "Tourismus(-wirtschaft)"?
Baukultur ist ein wichtiges Element zum Erhalt der Kulturlandschaft und kann im Tourismus neue Impulse setzen sowie die Wertschöpfung erhöhen. Umgekehrt hilft Tourismus dabei, baukulturelle Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine touristische Nutzung kann dazu führen, baukulturell bedeutsame Gebäude zu erhalten und damit die regionale Identität und Lebensqualität im ländlichen Raum zu steigern.

Welche Strategie ist geeignet, den beiderseitigen Gewinn einer Zusammenarbeit zu vermitteln?
DIE eine Strategie zur Nutzung des Benefits einer Zusammenarbeit zwischen Baukultur und Tourismus gibt es nicht. Angesichts der Vielschichtigkeit der Ausgangslagen und der Akteurskonstellationen bedarf es jeweils einer den lokalen und regionalen Gegebenheiten angepassten Strategie. Wichtig hierfür sind in jedem Fall Klarheit über die inhaltlichen Voraussetzungen, die angestrebten Ziele ("Vision") und die Festlegung einer Organisationsstruktur. Für die spätere Umsetzung und nachhaltige Tragfähigkeit ist eine Bottom-Up-Strategie in der Regel gewinnbringender als eine Top-Down-Strategie.

Wie lassen sich auf Bundes-, Länder- und regionaler Ebene Baukultur und Tourismus besser verschränken?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Einbindung verschiedener Akteurs- und Handlungsebenen (kommunale Ebene, Region, Land, Bund, Hochschule/Wissenschaft, Verbände, Presse, Privatwirtschaft, Handwerk, private Bauherren etc.) und die Anbindung an überregionale, landes- und bundesweite Strategien Erfolgsfaktoren sind. Hilfreich ist auch, wenn man an thematische Vorarbeiten anknüpfen und erfahrene Akteure einbinden kann. Zudem hilft es, wenn überregionale Verbände und Institutionen Fortbildungsveranstaltungen konzipieren, Arbeitskreise auf kommunaler oder regionaler Ebene Unterstützung erfahren und Baurechts-/ Bauordnungsabteilungen eine gezielte Qualifizierung in den Bereichen der Bau- und Gestaltungsberatung und Kommunikation erhalten.

Wie lässt sich die Zukunftsvision "Baukulturschaffende machen Touristik und Touristikexperten machen Baukultur" realisieren?
Zum einen bedarf es tragfähiger Netzwerkstrukturen, die interdisziplinär sind und auf mehreren Schultern ruhen. Zudem muss erreicht werden, dass Baukultur in der gesamten touristischen Informationskette selbstverständlicher Bestandteil wird und umgekehrt Baukulturakteure ein Grundverständnis für die Intention und Handlungsweise des Wirtschaftszweiges Tourismus vermittelt bekommen. Eine gute Möglichkeit ist es, Leuchtturm-Projekte zu nutzen, um die dort ggf. vorhandenen (Förder-)Mittel auch für das Vorantreiben der Befruchtung von Baukultur und Tourismus zu verwenden und von der medialen Aufmerksamkeit bzw. Kommunikation zu profitieren.

Empfehlungen

Auf Basis der Auswertung der in den Modellvorhaben gemachten Erfahrungen und der Beantwortung der Forschungsleitfragen konnten übertragbare Empfehlungen für die Ausgestaltung des Weges zur Baukultur- und Tourismusregion herausgearbeitet werden. Diese dienen als Leitfaden für die verantwortlichen Akteure. Die thematische Gliederung der Empfehlungen orientiert sich an den vier Arbeitsschritten, die sich im Forschungsfeld bewährt haben, wobei jeder Arbeitsschritt mit konkreten Handlungsempfehlungen ergänzt wurde.

In der Initialisierungsphase finden die ersten internen Abstimmungen statt, werden aktive und motivierte Akteure zusammengebracht und anfängliche Strukturen geschaffen. Hier gilt es, mit Enthusiasmus und Visionen ein Klima der Begeisterung und des kreativen Schaffens zu erzeugen. Die darauffolgende Aufbauphase ist vor allem geprägt durch die Konstituierung eines Netzwerkes und dauerhaft bestehender Strukturen, aber auch durch die Analyse von baukulturellem Erbe und Bautraditionen und der bestehenden touristischen Strategie (Positionierung, Zielgruppen, Angebote, Trends, Rahmenbedingungen). Zu diesem Zeitpunkt ist es hilfreich, wenn sich die Akteure auf eine Leitidee bzw. eine Vision für eine "Baukultur- und Tourismusregion" verständigen. In der Planungsphase werden dann Maßnahmen zur Zielerreichung und entsprechende Umsetzungsplanungen erarbeitet. Neben fachlicher Kompetenz sind dabei vor allem strukturiertes Vorgehen, größtmögliche Transparenz und intensive Partizipation der Akteure gefragt. In der Umsetzungsphase geht es schließlich darum, die Ergebnisse der vorherigen Arbeitsschritte in Bauten, Angebote und andere langfristige Aktivitäten zu überführen. Nach einer ausführlichen Analyse, mit klar formulierten Zielen und einer konkreten Maßnahmenplanung sollte die Umsetzung auch dauerhaft erfolgreich gelingen.

Fazit

Die Arbeit in und mit den Modellvorhaben hat wieder einmal mehr gezeigt, dass die Ziele von Touristikern und Baufachleuten vielfach die Gleichen sind: Unverwechselbarkeit, Authentizität, Anknüpfen an regionaltypische Bauformen, Wertschätzung traditioneller Handwerkstechniken und Nutzung regionaler Rohstoffe – all dies ist im Qualitätstourismus inzwischen genauso unverzichtbar, wie im Städtebau oder der Architektur.

Für die Zusammenarbeit zwischen Baukultur und Tourismus gab und gibt es allerdings keine einfachen Antworten oder Patentrezepte. Die im Rahmen des Forschungsfeldes erarbeiteten Strategien und Erkenntnisse erheben weder den Anspruch der Vollständigkeit, noch haben sie Allgemeingültigkeit. Sie sollen vor allem als Motivation und Inspiration dienen und bedürfen der jeweils individuellen Ausgestaltung.

Dabei hat die Kooperation von Baukultur und Tourismus eine Doppelfunktion: gerade im ländlichen Raum dient regionale Baukultur auf der einen Seite im Tourismus als Qualitätslabel, um neue Zielgruppen zu erschließen und die Saison zu verlängern. Auf der anderen Seite können der touristische Nachfragedruck und die Investitionsbereitschaft genutzt werden, um notwendige qualitätvolle Entwicklungen anzuschieben. Tatsache ist nämlich, dass größere Investitionen im ländlichen Raum überwiegend in der Energiewirtschaft, der Landwirtschaft oder eben im Tourismus stattfinden.

Der Städtetourismus macht es zu Teilen vor: für ländliche Regionen bestehen in einer Verbindung von Baukultur und Tourismus faszinierende Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Entwicklung, so dass am Ende die Vision: „Baukulturschaffende machen Tourismus und Touristiker machen Baukultur“ Wirklichkeit werden kann.

Endbericht "Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region"

Zusatzinformationen

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Kontakt

Christoph Vennemann
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-1246