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Engagement im Quartier

Ergebnisse

Freiwilliges Engagement, insbesondere in Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen, leistet einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben im Quartier und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Es fördert die Partizipation von Zugewanderten, ermöglicht Begegnungen und Lernerfahrungen, bildet Brücken zwischen unterschiedlichen Milieus und trägt zur Weiterentwicklung und interkulturellen Öffnung der Gesellschaft bei.
Sowohl in der Online-Befragung von Freiwilligenorganisationen als auch in den qualitativen Interviews mit Expertinnen und Experten wird dem freiwilligen Engagement in sozial benachteiligten Quartieren eine große Bedeutung für die Entwicklung dieser Gebiete zugeschrieben. In der quantitativen Befragung werden dabei die Förderung des nachbarschaftlichen Miteinanders, die Verbesserung der Bildungschancen vor Ort sowie die Verbesserung der Integration und der Teilhabechancen von Migranten mit Abstand als am Wichtigsten bewertet. Mehr als achtzig Prozent der Befragten bezeichnen das Engagement in diesen Bereichen als außerordentlich oder sehr wichtig.

Angebote, Zielgruppen und Kooperationspartner von Freiwilligenorganisationen


Die Förderung des freiwilligen Engagements in sozial benachteiligten Gebieten ist 70 Prozent der befragten Freiwilligenorganisationen sehr oder außerordentlich wichtig. Dabei werden die Förderung des nachbarschaftlichen Miteinanders, die Verbesserung der Bildungschancen vor Ort sowie die Verbesserung der Integration und der Teilhabechancen von Migranten mit Abstand als am Wichtigsten bewertet. Mehr als 80 Prozent der Befragten bezeichnen das Engagement in diesen Bereichen als außerordentlich oder sehr wichtig.
Die Ergebnisse der Online-Befragung zeigen, dass die Freiwilligenorganisationen in sozial benachteiligten Quartieren auf ein eng geknüpftes Netzwerk von Kooperationsbeziehungen zurückgreifen können und Bildungseinrichtungen dabei eine zentrale Bedeutung zukommt. Mehr als drei Viertel der Befragten nennen Schulen und Kindertageseinrichtungen als Kooperationspartner, jeweils mehr als die Hälfte Jugendfreizeiteinrichtungen, Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden, Bürger- und Stadtteilinitiativen, Quartiersmanagement, Nachbarschaftsheime/Stadtteilzentren sowie Migrantenselbstorganisationen. Mehr als zwei Drittel der befragten Freiwilligenorganisationen unterstützen Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen in sozial benachteiligten Stadtteilen. Am häufigsten genannt werden dabei Lesepaten in Schulen und Kindertageseinrichtungen, ehrenamtliche Lotsen beim Übergang Schule-Beruf sowie andere Lotsen-, Mentoren- und Patenprogramme.
Zu den Faktoren für eine gelingende Kooperation zwischen Freiwilligenorganisationen sowie Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen in sozial benachteiligten Gebieten werden erstens "weiche Faktoren" wie persönliche Kontakte, Verlässlichkeit und Kontinuität, gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung, zweitens "strukturelle Bedingungen" wie professionelle Strukturen in Freiwilligenorganisationen und Bildungseinrichtungen, personelle und finanzielle Mittel, Räume und Zeitressourcen, Begleitung und Qualifizierung der Ehrenamtlichen sowie drittens die Ausrichtung der Engagementförderung auf einzelne Zielgruppen (bedarfsorientierte Angebote, Partizipation der Zielgruppen, Beteiligung der Engagierten an Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen) gerechnet.

Gelingensbedingungen des freiwilligen Engagements in sozial benachteiligten Quartieren

Für das Engagement der Freiwilligen sind drei Motivstränge wesentlich: (1) Das Engagement soll Spaß machen und anerkannt und wertgeschätzt werden; (2) die Freiwilligen möchten anderen Menschen helfen und etwas für das Gemeinwohl tun können und (3) die Freiwilligen möchten etwas gestalten und bewirken können. Deutlich seltener verbinden Freiwillige mit ihrem Engagement den Wunsch, mit Menschen anderer Generationen, Herkunftsländer und Milieus zusammen zu kommen. Die Freiwilligenorganisationen stehen daher vor einer dreifachen Herausforderung: Sie müssen erstens den übergeordneten Erwartungen von Freiwilligen gerecht werden, zweitens Freiwillige aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gewinnen, ihnen eigene Erfahrungs- und Engagementräume bieten und drittens immer wieder Brücken zwischen den verschiedenen Gruppen und Milieus zu bauen.
Es sind vor allem vier Faktoren, die nach Angaben der befragten Freiwilligenorganisationen das Engagement im Stadtteil begünstigen: (1) Hohe Identifikation der Bewohner mit dem Quartier, (2) sozialräumliche/stadtteilbezogene Angebote und Dienstleistungen, (3) Strukturen und Netzwerke der Engagementförderung sowie (4) Merkmale des Quartiers. Eine lokale Engagementkultur im Quartier kann vor allem dann entstehen, wenn es Freiwilligenorganisationen, Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen gelingt, Erfahrungen und Perspektiven der Wohnbevölkerung aufzugreifen, konkrete und vielfältige Anknüpfungspunkte für das Engagement vor Ort zu schaffen sowie lebensweltnahe Angebote der Engagementförderung miteinander zu vernetzen. Die Ergebnisse unserer Befragungen zeigen, wie sehr sich diese vier Faktoren gegenseitig beeinflussen: Die Stärkung sozialräumlicher Angebote und Einrichtungen, die Anerkennung und Wertschätzung von Engagement und Beteiligung, die Anregung von Vernetzung und Kooperation im Quartier sowie die Verzahnung mit der gesamtstädtischen Politik bilden die Grundlage für eine engagementfördernde Identifikation der lokalen Bevölkerung mit dem Stadtteil.

Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund von Freiwilligenorganisationen, die in sozial benachteiligten Quartieren aktiv sind, weniger erreicht werden als Menschen ohne Migrationshintergrund. Zu den Barrieren für das Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund gehören Besonderheiten der Lebenssituation sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Von den befragten Freiwilligenorganisationen werden dabei vor allem migrationsspezifische Faktoren wie mangelnde Sprachkenntnisse, unsicherer Aufenthaltsstatus und hohen Belastungen durch die private Situation als Hürden für ein Engagement von Zugewanderten genannt. Eine hohe Bedeutung wird zudem der interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements beigemessen.
Die Erschließung von Engagementpotenzialen erfordert vor allem eine Anerkennung und Wertschätzung des Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund, bedarfsbezogene Beratungs- und Unterstützungsangebote, die interkulturelle Öffnung von Freiwilligenorganisationen, die Einbeziehung von Multiplikatoren und die Kooperation mit Migrantenorganisationen sowie die Stärkung von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten. Bildung und Erziehung sind in diesem Zusammenhang Schlüsselthemen für die Aktivierung und Teilhabe von Zugewanderten. Zu den zentralen Erfolgsfaktoren gehören dabei niedrigschwellige und zielgruppengerechte Angebote und Engagementmöglichkeiten sowie die Mitgestaltung und Qualifizierung der freiwillig Engagierten. Bildungseinrichtungen müssen zudem durch die Bereitstellung von Personalressourcen und die interkulturelle Sensibilisierung der pädagogischen Fachkräfte in die Lage versetzt werden, dieses Engagement angemessen zu fördern und zu begleiten.

Handlungsempfehlungen

Deutschland zeichnet sich durch ein beachtliches Niveau sowie eine wachsende gesellschaftliche und politische Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements aus. Engagementpolitik als Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen ist auf dem Wege, als eigenes Politikfeld anerkannt und ausgestaltet zu werden. In sozial benachteiligten Quartieren leistet freiwilliges Engagement einen wesentlichen Beitrag zur Förderung des nachbarschaftlichen Miteinanders, zur Verbesserung von Bildungschancen vor Ort sowie zur Unterstützung von Integration und Teilhabechancen der Zugewanderten. Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, basiert die Herausbildung einer lokalen Engagementkultur auf sich wechselseitig verstärkenden Faktoren wie Identifikation der Wohnbevölkerung mit dem Quartier, konkreten und vielfältigen Angeboten für ein Engagement vor Ort sowie der Vernetzung und Kooperation von Einrichtungen der Engagementförderung.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen aber auch, dass es noch vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und Unterstützungsbedarfe gibt. Die Handlungsempfehlungen beziehen sich dabei insbesondere auf Gestaltungsmöglichkeiten von Bund, Länder und Kommunen:

  • Kommunen können Bildungs- und Integrationspotenziale der lokalen Bevölkerung durch eine Verankerung der kommunalen Engagementförderung, die Sicherung der finanziellen und personellen Ausstattung von Freiwilligenorganisationen, die Entwicklung neuer Formen und Orte des Engagements, eine stärkere Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie die Anerkennung und Wertschätzung des Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund und eine interkulturelle Öffnung von Organisationen erschließen.
  • Die Länder können Engagement durch eine Bündelung von Programmen und Projekten in einer Gesamtstrategie, die Unterstützung und Verzahnung von Strukturen des bürgerschaftlichen Engagements auf verschiedenen Ebenen und der konsequenten interkulturellen Öffnung der Strukturen des Engagements fördern. Der Absicherung von Freiwilligenagenturen, der Stärkung von Gemeinschaftseinrichtungen und der Öffnung von Bildungseinrichtungen für freiwilliges Engagement dürften dabei eine Schlüsselrolle für Bildung und Integration im Quartier zukommen.
  • Der Bund kann die Stärkung von Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement zu einer ganzheitlichen, ressortübergreifenden und langfristig angelegten Reformaufgabe der bundesdeutschen Gesellschaft, ihres Institutionensystems und Politikverständnisses weiterentwickeln. Es kommt vor allem darauf an, die Einfluss- und Handlungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen Raum zu erweitern, eine beteiligungsorientierte Kultur des Engagements zu etablieren sowie allen gesellschaftlichen Gruppen einen gleichberechtigten Zugang zum Engagement zu eröffnen.

Dem strategischen Ansatz des Städtebauförderungsprogramms "Soziale Stadt", baulich-investive und soziale Maßnahmen zu bündeln und dadurch die Lebensqualität, das Zusammenleben im Quartier und die Integration von Zuwanderern zu fördern, kommt bei der Förderung von Engagement und Partizipation vor Ort eine Schlüsselrolle zu. Notwendig ist allerdings, dass sich Freiwilligenorganisationen und Bildungseinrichtungen stärker interkulturell öffnen, Netzwerke und Kooperationen mit Akteuren im Quartier bilden sowie Engagement und Beteiligung in ihren Einrichtungen fördern. Mit seinen Quartiersräten und Quartiersbudgets (Verfügungsfonds) bietet das Programm zudem entwicklungsfähige Ansatzpunkte für eine beteiligungsorientierte demokratische Gestaltung der Stadtteile durch das bürgerschaftliche Engagement aller Bevölkerungsgruppen.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Juliane Wagner
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2335

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