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Handlungsziele für Stadtgrün und deren empirische Evidenz

Stadtgrün ist essentieller Bestandteil einer lebenswerten, gesunden und (biologisch) vielfältigen Stadt und Teil kommunaler Grundvorsorge. Es wird angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltbelastungen, zunehmender Verstädterungstendenzen und Migration wichtiger. Vor diesem Hintergrund gewinnen Indikatoren und Kennwerte für Stadtgrün vor allem auf der politischen Ebene zunehmend an Bedeutung. Zwar besteht bereits eine Vielzahl an qualitativen Zielen und quantitativen Kennwerten für das Stadtgrün. Empirische Untersuchungen, ob und wie diese Ziele und Vorgaben in die Städtebaupraxis und Stadtentwicklungspolitik eingehen oder ob diese auch zielführend sind, fehlen bis dato weitgehend. Als Teil des Forschungsclusters "Grün in der Stadt" schloss die Studie diese Forschungslücken, erhob empirisch notwendige Grundlagen und leitete Empfehlungen für die Entwicklung und den Umgang mit Stadtgrün ab.

Projektlaufzeit: September 2015 – April 2017

Ausgangslage

Grünraum in der Stadt ist ein zentrales Thema der Stadtentwicklung: Stadtgrün bietet Lebensqualität für Bewohner der Stadt. Es hilft, Umweltbelastungen zu senken und fördert die physische und psychische Gesundheit. Die Möglichkeit zur Aneignung von Stadtgrün – wie zum Beispiel durch Urban Gardening – erhöht die Identifikation mit der Stadt. Gerade in dicht bebauten Städten verbessert Stadtgrün das lokale Klima.

In Städten mit unterschiedlichen Entwicklungsdynamiken stehen die Grünämter vor unterschiedlichen Herausforderungen: In wachsenden Städten liegt hoher Nutzungsdruck auf Grünflächen. Sie zu sichern und zu erhalten ist eine zentrale Herausforderung. In schrumpfenden Städten, in denen Grünflächen meist ausreichend vorhanden sind, ist der qualitätsvolle Umbau von Grün und dessen Erreichbarkeit von besonderer Bedeutung. Generell stehen die Kommunen aufgrund schrumpfender Budgets vor der Herausforderung, die Grünflächen weiterhin angemessen zu pflegen und instand zu halten.

Städte handhaben die Aufgabe Grün in der Stadt sehr unterschiedlich. Große Städte haben meist Ziele und konkrete Kennwerte, um Qualität und Quantität von Stadtgrün zu sichern. Diese Vorgaben geben meist verschiedene Dienststellen oder Institutionen innerhalb einer Stadt vor, sofern es sich nicht um übergeordnete Ziele auf Bundesebene handelt. Eine umfangreiche Erhebung und Analyse dieser Angaben und deren Anwendung fehlt bisher.

Verbundpflaster mit GraspflanzeGraspflanze zwischen Betonpflastersteinen Quelle: gemeinfrei

Zur Stärkung der urbanen grünen Infrastruktur hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Juni 2015 das Grünbuch Stadtgrün "Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft" vorgestellt. Dieses bietet unter anderem eine Bestandsaufnahme zu den Funktionen von Stadtgrün und einen Ausblick auf die grüne Stadt von morgen. Das umfangreiche Grünbuch bildete zugleich die Grundlage für das Weißbuch, das im Mai 2017 auf dem 2. Bundeskongress "Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft" präsentiert wurde. Es enthält politische Handlungsempfehlungen zur Sicherung und Entwicklung von Stadtgrün.

Die Studie lieferte empirische Grundlagen zu Handlungszielen für Stadtgrün, die in den parallel laufenden Weißbuchprozess eingebunden wurden.

Ziel

Das Forschungsprojekt sollte Handlungsziele und -anregungen zu Stadtgrün für die städtebauliche Praxis und Politik zusammenstellen und diese – soweit möglich – empirisch mit Indikatoren und Kennwerten untermauern. Mithilfe verschiedener Methoden sollte das Projektteam empirische Grundlagen zur Verfolgung von Handlungszielen zu Stadtgrün recherchieren und in Fachgesprächen sowie Fachwerkstätten in Bezug auf ihre Praxistauglichkeit hinterfragen und durchleuchten.

Aus den Untersuchungen galt es zentrale Indikatoren zu identifizieren, mit denen wesentliche Ziele zu Stadtgrün verfolgt werden können. Für eine bundesweite Implementierung dieser "Kernindikatoren" mit einheitlichen Orientierungs- und Kennwerten für alle Städte sollte das Projektteam aufbauend auf den Erkenntnissen der Studie zentrale Empfehlungen für Bund und Kommunen ableiten. Wesentliche Erkenntnisse der Studie sollte das Weißbuch "Stadtgrün" berücksichtigen.

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war die RaumUmwelt Planungs-GmbH, Wien (Ulrike Neubauer, Gabriele Bürger, Marielis Fischer, Katharina Stebegg, Katharina Wallner).

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Fabian Dosch
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2160