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Lage und Zukunft der Kleinstädte in Deutschland – Bestandsaufnahme zur Situation der Kleinstädte in zentralen Lagen

Ergebnisse

Die regionalstatistische Kleinstadttypisierung

Die quantitative Untersuchung bestand in einer auf Aggregatstatistiken beruhenden Typisierung aller Kleinstädte in Deutschland. Diese lieferte zugleich die Grundlage für die Auswahl von Kleinstädten in zentralen Lagen als Fallstudienstädte.

Die regionalstatistische Kleinstadttypisierung stützt sich auf drei wesentliche Modellannahmen:

  1. Stadtentwicklungsmodell nach Schmitz-Veltin
  2. Wirtschaftsstrukturelle Klassifikation der Regionen
  3. Stadtfunktionale und strukturelle Klassifikation der Kleinstädte

Eine Definition der Kleinstädte selbst und ihre Verortung nach (großräumiger) zentraler und peripherer Lage sind bereits über den BBSR Stadt- und Gemeindetyp (>> mehr) und den Raumtypen 2010 – Bezug Lage (>> mehr) vorgegeben. Kleinstädte sind Gemeinden oder Gemeindeverbände mit einem Zentrum von entweder mindestens grundzentraler Funktion mit mittelzentraler Teilfunktion oder 5.000 bis 20.000 Einwohnern. Gemeinden und Gemeindeverbände gelten dann als zentral, wenn ihre erreichbare Tagesbevölkerung über dem Bundesmittel liegt.

Die Einordnung der Kleinstädte in das Stadtentwicklungsmodell nach Schmitz-Veltin erfolgt über die Bevölkerungsentwicklung 2000 bis 2014 (Stichtage 31.12.1999 und 31.12.2014). Für die regionale Einbettung werden die Stadt-Land-Regionen (>> mehr) des BBSR herangezogen, einer an alltagsweltlichen Aktivitätsmustern von Pendlern orientierte Abgrenzung. Bevölkerungszunahme in diesem Zeitintervall bedeutet Wachstum, Bevölkerungsabnahme bedeutet Schrumpfung.

Die Grafik veranschaulicht das Stadtentwicklungsmodell von Schmitz-Veltin und zeigt die Entwicklungstrends von Zentrum und Peripherie während der vier Phasen "Urbanisierung", "Suburbanisierung", "Desurbanisierung" und "Reurbanisierung" von 2000 bis 2014.Quelle: BBSR

Die meisten Kleinstädte sind den Typen A1 "wachsende Stadt in wachsender Region" zuzuordnen, gefolgt von B3 "schrumpfende Stadt in schrumpfender Region".

Kleinstädte (Anzahl) im Stadtregionenmodell

Kleinstadt

Stadt-Land-Region

zentrale Lage

periphere Lage

Summe

wachsendwachsend618191809
schrumpfendwachsend209126335
wachsendschrumpfend8058138
schrumpfendschrumpfend281551832
Summe1.1889262.114

Die Karte der Kleinstädte im Stadtentwicklungsmodell finden Sie hier:

Für die Klassifikationen der Regionen gemäß Wirtschaftsstruktur (Punkt 2) und für die Kleinstädte gemäß Funktion (Punkt 3) wurden geeignete Indikatoren formuliert, die mit Daten der Laufenden Raumbeobachtung des BBSR (>> mehr) abgebildet werden können. Diese wurden dann jeweils über eine Hauptkomponentenanalyse strukturiert und zu Faktoren zusammengefasst. Diese Faktoren wurden in Clusteranalysen (K-Means-Verfahren) verwendet, um Regions- und Kleinstadttypen zu gewinnen.

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftskraft, Arbeitsmarktlage und Freizeitwert werden auf der Regionenebene gemessen. Hier sind die Akteure weniger an den Wohnort gebunden als an andere Gegebenheiten wie zum Beispiel bei der Nahversorgung. Regionale Bedingungen spiegeln auch das Klima wider, in denen die Kleinstädte sich entfalten können. Dennoch unterscheiden sich Kleinstädte dahingehend, ob sie selbst ein entsprechendes Zentrum als Arbeitsstandort darstellen. Ausprägungen bestimmter (Versorgungs-)Funktionen, der Verflechtung mit anderen Kommunen, der Siedlungs- und Baustruktur und der (sozio-)demografischen Differenzierung werden auf der Kleinstadtebene erhoben.

Die Indikatorenliste und Hauptkomponenten finden Sie hier:

Die anschließende Clusteranalyse unterschied jeweils vier Cluster (Typen) auf stadt-regionaler sowie auf Gemeindeverbandsebene.

Die Stadt-Land-Regionen (n=266) lassen sich sehr gut anhand ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft und Wirtschaftsstruktur sowie ihrer Potenziale im Tourismus charakterisieren:

  1. Wirtschaftlich solide Regionen mit überdurchschnittlichem Industrieanteil (112)
  2. Wirtschaftlich solide Regionen mit hohem Tourismuspotenzial (30)
  3. Wirtschaftlich starke Regionen mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen (44)
  4. Wirtschaftlich schwächere Regionen mit durchschnittlicher Branchenstruktur (80).

Die Karte der stadtregionalen Typen finden Sie hier:

Trotz einer gewissen Schwankungsbreite und Überlappungen der Gruppen lassen sich die Typen der Kleinstädte (n=2114) in vier Gruppen einteilen:

A:  im Mittel überdurchschnittlicher Anteil an Gebäuden Baujahr vor 1949, etwas höhere Wohnzentralität und durchschnittliche Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität, teilweise unterdurchschnittliche Ausstattung mit Grundversorgungsfunktionen                                   

B:  im Mittel überdurchschnittliche Anbindung an höherwertige Infrastrukturen, überdurchschnittliche Ausstattung mit Grundversorgungsfunktionen und durchschnittlich in Baualter und Gebäudestruktur sowie Wohnzentralität                                             

C:  im Mittel überdurchschnittliche Arbeitszentralität und Wirtschaftsattraktivität, leicht unterdurchschnittliche Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und durchschnittlich in Baualter und Gebäudestruktur sowie der Ausstattung mit Grundversorgungsfunktionen und Wohnzentralität                                             

D: im Mittel durchschnittlich in fast allen Faktoren aller Kleinstädte, teilweise leicht unterdurchschnittliche Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität

Die Karte der Kleinstadttypen finden Sie hier:

In einem weiteren Schritt ließen sich die Kleinstadttypen nach ihrer Position im Stadtentwicklungsmodell sowie in den Regionstypen zuordnen. Es ergaben sich theoretisch 64 Merkmalskombinationen.

Die zusammenfassende Karte der Kleinstadttypen mit allen Differenzierungen finden Sie hier:

Von diesen sind 55 in zentraler Lage und 52 in peripherer Lage besetzt, teilweise jedoch nur einfach oder mit nur wenigen Städten. Die Fallstudienstädte für die qualitative Untersuchung wurden aus den am stärksten besetzten Kleinstadttypen ausgewählt.

Auswahl und Kurzvorstellung der Fallstudienstädte:

Auf Grundlage der regionalstatistischen Analysen und der Kleinstadttypisierung wählte das Projektteam insgesamt acht Fallstudien aus – sechs im Kleinstadttyp D und zwei im Kleinstadttyp A:

Auswahl und Charakteristik der FallstudienstädteQuelle:

Karte FallstudienQuelle: BBSR

Kurzinfo zu den Fallstudienstädten

Aue*

Die Große Kreisstadt Aue im Süden Sachsens ist eine industriell ausgerichtete Stadt mit einer kompakten Siedlungsstruktur. Überregional ist sie als "Sportstadt im Erzgebirge" bekannt. Aue prägen Aufstieg und Rückgang des Bergbaus. Die Wendezeit und der Verlust des Kreisstadtstatus führten zu einem massiven Bevölkerungsrückgang (38 Prozent seit 1990), wirtschaftlichen Rückgang und Leerständen. Die negativen Entwicklungstrends haben sich in den letzten Jahren aber abgeschwächt.

Sanierungsbedarf und Leerstände des überwiegend kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbestands stehen einem ungedeckten Einfamilienhaus-Bedarf gegenüber. Der Erhalt der Innenstadt mit der Vielzahl an denkmalgeschützten Gebäuden ist herausfordernd. Zunehmende Gewerbeleerstände erschweren die Sicherung und Erschließung von Gewerbestandorten. Durch die Stadt fließt ein starker Durchgangsverkehr.

Ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) und die Städtebauförderungsprogramme sind für die Stadt die wichtigsten Instrumente. Aue erhält bewusst die gute, dezentrale Versorgungsinfrastruktur, um eine wohnortnahe Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Die historische Durchmischung von Wohnen und produzierendem Gewerbe in der Innenstadt wird gezielt erhalten, zum Beispiel durch Umnutzungen.

* Aue wurde zum 1.1.2019 mit Bad-Schlema zur großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema fusioniert. Alle Auswertungen in diesem Projekt beziehen sich jedoch noch auf die frühere Stadt Aue.

Damme

Die wirtschaftlich starke Kleinstadt prägen noch immer eine intensive Landwirtschaft und ein Agribusiness mit verzweigten Wertschöpfungsketten. Industrie und Gewerbe stellen 50 Prozent der qualifizierten Arbeitsplätze. Damme ist ein überregional bedeutender Gesundheitsstandort und verfügt über eine recht gute Versorgungsstruktur im Kernort. Aushängeschild der Stadt ist der regional bekannte und identitätsbildende Karneval.

Herausforderungen der Stadt Damme sind es, das Stadtzentrum zu beleben und seine Attraktivität zu steigern, die Verkehrsbelastung im Stadtkern zu reduzieren und Entwicklungsflächen für Wohnen, Gewerbe und Handel zu schaffen. Zudem muss die Integration von Übersiedlern und Geflüchteten bewältigt werden.

Damme betreibt eine aktive Stadtentwicklung über ein integriertes Stadtentwicklungskonzept inklusive eines Verkehrsentwicklungsplans und eines Einzelhandelskonzepts. Engagierte Unternehmen unterstützen Aktivitäten in der Stadt. Insgesamt ist es gelungen, die guten Standortbedingungen für den Ausbau des agrarindustriellen Clusters zu nutzen. Die Stadt praktiziert interkommunale Kooperation, zum Beispiel im Tourismus und beim interkommunalen Gewerbegebiet Niedersachsenpark.

Hiddenhausen

Die Gemeinde Hiddenhausen ist industriell geprägt; vor Ort sind Möbelindustrie und Maschinenbaubetriebe angesiedelt. Dennoch ist Hiddenhausen eine Auspendlergemeinde. Sie zeichnet sich durch eine hohe Familienfreundlichkeit und eine gute Nahversorgung in ihren sechs Ortsteilen aus, hauptsächlich entlang der Verkehrstrassen.

Aufgrund des demografischen Wandels ist die Aufrechterhaltung der familienorientierten Infrastruktur sowie die Entwicklung und Stärkung funktionsfähiger Ortskerne eine Herausforderung. Hiddenhausen leidet zudem unter einer starken Verkehrsbelastung durch Transitverkehre der umliegenden Autobahnen und Straßen, die ein Straßenumbau reduzieren soll.

Innovative Ansätze in Hiddenhausen sind das überregional bekannte Förderprogramm "Jung kauft Alt", mit dem die Gemeinde junge Familien beim Erwerb einer Immobilie unterstützt, sowie die Initiative "Alt bleibt im Dorf". Hiddenhausen will sich zudem an der REGIONALE 2022 in Ostwestfalen-Lippe beteiligen. Die Stadt bildet mit zwei Gemeinden eine interkommunale Entwicklungsachse. Die Zusammenarbeit umfasst zum Beispiel ein interkommunales Gewerbegebiet und die Radinfrastruktur.

Neu-Anspach

Die Stadt ist ein klassischer Entlastungswohnstandort im "1. Ring" des Verdichtungsraums Rhein-Main. Sie wurde 1970/71 aus vier Gemeinden gebildet und über eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme bis 2015 als attraktiver Wohnstandort gezielt ausgebaut. Das führte zur Verdreifachung der Bevölkerung seit 1970. Die Stadt weist ein gutes, gewachsenes Versorgungsangebot auf. Die Stadt ist Auspendlerort, auch wenn sich zunehmend Gewerbe und Dienstleistungen ansiedeln.

Der enorm gestiegene Siedlungsdruck im Rhein-Main-Gebiet sowie die zu geringe Wohnbautätigkeit in der Vergangenheit belasten den kommunalen Wohnungsmarkt. Es fehlt vor allem bezahlbarer Wohnraum. Die verbesserte S-Bahn-Anbindung ab 2022 wird den Siedlungsdruck dann noch verstärken. Zudem steht die Stadt vor der Herausforderung, die gute Infrastruktur (z. B. kostenlose Kinderbetreuungsplätze) trotz einer verschlechterten Finanzsituation bereitzustellen.

Mittels eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts soll die städtebauliche Neugestaltung der Ortsmitte erreicht werden. Zudem soll durch höhere Geschossbauten weiter verdichtet werden. Auch die Erschließung neuer Flächen soll den Wohnungsmarkt entlasten. Gute Erfahrung hat die Stadt dabei mit einer intensiven Bürgerbeteiligung gemacht.

Nidda

Nidda weist einen eher ländlichen Charakter auf. Die Infrastrukturversorgung konzentriert sich im Hauptort; wegen der dezentralen Siedlungsstruktur und der früheren Bevölkerungsrückgänge sind die anderen Ortsteile schlechter versorgt.

Herausfordernd ist vor allem die strategische Orientierung als Auspendlerort im "2. Ring" des Rhein-Main-Raumes. Dabei ist die Verbesserung der ÖPNV-Schienenanbindung ein zentrales Thema. Zur Verbesserung der Wohnortattraktivität sind zudem die Innenstadt zu beleben und die Versorgungsinfrastruktur zu verbessern.

Nidda nimmt am Programm "Kommunen innovativ" des BMBF zum Thema Ortsinnen-entwicklung teil und wird seit 2018 im Städtebauförderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren ("Aktive Kernbereiche in Hessen") gefördert. Ein auf einer Brachfläche errichtetes Kino bereichert bereits das kulturelle Angebot. Die Lage im Rhein-Main-Raum bietet als Wohnstandort zwar Chancen, ist aber auch eine Herausforderung für die eigene Profilierung und regionale Zusammenarbeit.

Püttlingen

Püttlingen im Einzugsgebiet von Saarbrücken ist über zwei Hauptorte geprägt. Bis in die 1960er-Jahre war Püttlingen eine Bergbau- und Industriestadt. Der Strukturwandel bedingte einen Funktionswandel vom Wirtschaftszentrum hin zu einem attraktiven Dienstleistungs-, Wohn- und Freizeitstandort - auch für Nachbarkommunen. Die Stadt ist bei Gesundheits-, Bildungs-, Kultur- und Freizeitversorgung überdurchschnittlich gut ausgestattet.

Starke Rückgänge in der Bevölkerungszahl begleitet von einer Alterung der Bevölkerung erfordern hohe Anpassungen. So sind die Belebung der Innenstadt, die Sicherung der guten Infrastrukturausstattung trotz Schrumpfung sowie sich abzeichnende Leerstände der Arbeitersiedlungen im Einfamilienhausbau große Herausforderungen – nicht zuletzt aufgrund enger finanzieller kommunaler Handlungsspielräume.

Püttlingen betreibt eine aktive Stadtentwicklung, an der sich die Bevölkerung teilweise gut beteiligt. Innovativ ist ein örtliches Ringbussystem. Die Stadt profitiert von der Nähe zu Saarbrücken als Wohnstandort, wobei diese nahe Versorgungsvielfalt in Konkurrenz zur eigenen Versorgung steht.

Velten

Velten hat eine lange Industrietradition als Ofenbau-Stadt. In den letzten Jahren hat sich die Stadt zu einem modernen Wirtschaftsstandort entwickelt. Trotz der Nähe zu Berlin hatte Velten lange Zeit mit Schrumpfung zu kämpfen. Seit etwa 2010 ist eine Kehrtwende erkennbar. In der Folge wurde die Infrastruktur qualitativ und quantitativ sukzessive verbessert.

Die Herausforderungen liegen in der Entwicklung der Infrastruktur und der Bereitstellung von Flächen für Wohnen und Gewerbe, die mit dem Bevölkerungswachstum Schritt hält. Ein zentrales Thema ist die bisher fehlende S-Bahn-Anbindung nach Berlin. Eine weitere Aufgabe ist die Stärkung der sich wandelnden Stadtgesellschaft in Identität und sozialem Zusammenhalt.

Verstärkte kommunale Aktivitäten zielen auf die Verbesserung der Wohnqualität, Stärkung des Industrie- und Gewerbestandortes, Verkehrsanbindung und Imagebildung. Umfangreiche städtebauliche Aufwertungen und Investitionen in soziale, kulturelle und Freizeit-Infrastrukturen erfolgten, unter anderem auf Basis des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes und mit Städtebauförderung. Die Nähe zu Berlin gilt heute als positiv für die Entwicklung und die regionale Standortprofilierung.

Wildau

Wildau ist eine Stadt mit langer Industrietradition. Sie verfügt über sehr gute lokale und außenwirksame Standortfaktoren, so unter anderem eine Hochschule, Wissenschafts-, Forschungs- und auch Versorgungseinrichtungen (A10 Center), den S-Bahn-Anschluss nach Berlin, mehrere Autobahnanschlüsse, den Binnenhafen und die Nähe zum Flughafen Schönefeld/BER.

Grundsätzlich ist die Entwicklung der Stadt auf ihrem sehr kleinen Stadtgebiet eine Herausforderung. Aktuelle Handlungsbedarfe sind die Schaffung eines Stadtzentrums, die Überwindung der stadtstrukturellen Zäsur (Bahntrasse, Topographiesprung) sowie die weitere Bereitstellung und Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen. Weitere Ziele sind die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Hochschule. Erfolgreich erweist sich zudem die gemeinsame Mittelzentrumsfunktion mit Schönefeld.

Die Lage in der Hauptstadtregion ist für die Stadt von großem Vorteil. Als Teil des "Regionalen Wachstumskerns Schönefelder Kreuz" wird mit den Nachbarkommunen unter anderem bei der Profilierung des Standorts und des Stadt- und Standortmarketings kooperiert.

Ergebnisse der Haushaltsbefragung

In jeder der acht Fallstudienkommunen wurde eine Haushaltsbefragung durchgeführt. Ziel der Haushaltsbefragung war es, die Einschätzung der Bevölkerung über das Leben in und die Zukunftschancen der Kleinstädte kennenzulernen.

Mit Unterstützung der Stadtverwaltungen wurde jeweils eine Zufallsstichprobe von 1.000 Haushalten je Stadt gezogen, die im Anschluss schriftlich befragt wurden. Die Rücklaufquote betrug über alle Städte hinweg 22 Prozent.

Die Haushaltsbefragung offenbarte eine recht große Zufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Lebenssituation. Überraschend war, dass sehr ähnliche Wertungen in den einzelnen, recht unterschiedlich strukturierten Fallstudienstädten abgegeben wurden. Am positivsten wurde in den Fallstudienstädten jeweils die Wohnsituation gesehen, gefolgt von dem Leben in der Stadt. Etwas weniger positiv fiel die Einschätzung zu den Verwaltungen und politischen Vertretungen der Städte aus, die zwischen "eher zufrieden" und "teils/teils" bewertet werden. Deutlich abweichende Einschätzungen betrafen nur den Fragenkomplex nach den spezifischen infrastrukturellen Ausstattungen.

Die Antworten auf die Frage nach der Entfernung zu den einzelnen Infrastrukturen deuten auf weitgehend ähnliche Defizite in den Fallstudienstädten hin. Es zeigte sich, dass die Grundversorgung in den acht Fallstudienstädten noch recht wohnortnah gesichert ist, während höherwertige Angebote tendenziell weiter entfernt liegen.

Entsprechend schätzten die Befragten auch den Handlungsbedarf ein. Besonders hoch sah die Bevölkerung den Handlungsbedarf in den Bereichen Breitband-Internet, Fachärzteversorgung, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche sowie Sicherheit (Polizeistation) und ÖPNV.

Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen für die nationale Stadtentwicklungspolitik

Die großräumige zentrale Lage ist sowohl aus Sicht der Kleinstadtakteure als auch aus Sicht der Entwicklungspotenziale und Entwicklungsstrategien zu weiträumig. Kleinstädte im ersten "Ring" um die Metropole, Regiopole oder das Oberzentrum verspüren im aktuellen Großstadtwachstum einen anderen Wachstumsdruck als Kleinstädte im zweiten Ring oder in einer Lage zwischen zwei Zentren. Überdies lässt sich erkennen, ob die verkehrliche Anbindung in dieser zentralen Lage an die Großstadt vorhanden ist oder zukünftig erst ausgebaut werden soll und ob diese Anbindung entweder nur über den motorisierten Individualverkehr besteht oder auch über die – zukunftsfähigere – Schienenanbindung realisiert ist.

Kleinstädte in zentralen Lagen erfüllen auch Zentrenfunktionen. Sie erfüllen aktuell – auch zur Zufriedenheit der Bewohner – wichtige Versorgungsfunktionen. Die Versorgung deckt hierbei vornehmlich die wohnortnahe Nahversorgung und die Grunddaseinsfunktionen. In Kleinstädten mit einem großen Verwaltungsgebiet und vielen Stadt- sowie Ortsteilen gibt es allerdings partiell Probleme, die Grundversorgungsfunktionen überall wohnortnah bereit zu stellen und zu erhalten. Mit Blick auf die Sicherung von infrastrukturellen Einrichtungen und Angeboten können in den untersuchten Kleinstädten sowohl die Optionen Zentralisierung als auch Dezentralisierung beobachtet werden.

Die vielfältigen räumlichen Verflechtungen mit Nachbarkommunen, Landkreisen und Zentren ebenso wie in der Wirtschaft sollten weitergehende Stadt-Umland-Kooperationen in einem weiten Sinne begründen. Dies müsste zudem als Bestandteil formeller und informeller Regionalentwicklung seinen Niederschlag finden. Die Anforderungen an Wohnen und Arbeiten optimal umzusetzen, ist Ziel aller Kleinstädte. In Abhängigkeit der unterschiedlichen Entwicklungstrends spielen Neubau und Aktivierung neuer Flächenpotenziale oder Bestandsentwicklung und Umnutzung eine Rolle. Grenzen erwachsen aus den teilweise knappen Entwicklungspotenzialen, was interkommunale Gebiets- und Konzeptentwicklung befördert.

Vor allem in den entwicklungsstarken Ballungsräumen stellt sich zunehmend die Frage nach dem regionalplanerischen Umgang mit Kleinstädten im jeweiligen Zentrale-Orte-System. Grundsätzlich müssten sich die verschiedenen Akteure in den Zentren wie auch in den Kleinstädten in zentralen Lagen als gleichberechtigte Teile einer Großstadtregion verstehen und entsprechend handeln.

Wichtige Standortfaktoren sind nach wie vor eine gute verkehrliche Anbindung, wobei umweltfreundliche Schienenverbindungen gegenüber Straßenverkehr an Bedeutung gewinnen. Der Zugang zu schnellem Internet ist inzwischen mindestens ebenso entscheidend für Standortentscheidungen von Privaten und Wirtschaftsunternehmen. Relativ neu ist die zunehmende Bedeutung von gut ausgebildeten Fachkräften sowohl für Wirtschaftsunternehmen als auch für Verwaltungen zur Bewerkstelligung immer komplexerer Planungs- und Entwicklungsaufgaben.

Kleinstädte in zentralen Lagen stehen vor den Herausforderungen eines Anpassungs- und Entwicklungsdrucks. Um diese komplexen Herausforderungen zu lösen und dabei alle zur Verfügung stehenden Instrumente und Förderungen einzusetzen, bedarf es verstärkter Beratung und des Wissenstransfers in unterschiedlichen Formaten, zum Beispiel in Form kontinuierlichen Wissenstransfers über entsprechende Internetplattformen, eine Kleinstadtakademie oder Kleinstadtlotsen auf regionaler Ebene.

Die Kleinstadtentwicklung hängt wesentlich von Förderprogrammen des Bundes und der Länder ab. Die einzelnen Programme stärker auf die Kleinstädte auszurichten, die Kompatibilität zwischen einzelnen Programmen zu erhöhen sowie spezifische Aufrufe in innovationsfördernden Programmen zu etablieren, könnte Kleinstädte in zentralen Lagen weiter stärken.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Antonia Milbert
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2256