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Lage und Zukunft der Kleinstädte in Deutschland – Bestandsaufnahme zur Situation der Kleinstädte in zentralen Lagen

Ergebnisse

Das Projekt ist in eine quantitative und eine qualitative Phase unterteilt. Die quantitative Untersuchung besteht in einer auf Aggregatstatistiken beruhenden Typisierung aller Kleinstädte in Deutschland. Diese liefert zugleich die Grundlage für die Auswahl der Kleinstädte in zentralen Lagen als Fallstudienstädte. Für diese quantitative Auswertung liegen erste Ergebnisse vor.

Die regionalstatistische Kleinstadttypisierung

Die regionalstatistische Kleinstadttypisierung stützt sich auf drei wesentliche Modellannahmen:

  1. Stadtentwicklungsmodell nach Schmitz-Veltin
  2. Wirtschaftsstrukturelle Klassifikation der Regionen
  3. Stadtfunktionale und strukturelle Klassifikation der Kleinstädte

Eine Definition der Kleinstädte selbst und ihre Verortung nach (großräumiger) zentraler und peripherer Lage sind bereits über den BBSR Stadt- und Gemeindetyp (>> mehr) und den Raumtypen 2010 – Bezug Lage (>> mehr) vorgegeben. Kleinstädte sind Gemeinden oder Gemeindeverbände mit einem Zentrum von entweder mindestens Grundzentrenfunktion mit mittelzentraler Teilfunktion oder 5.000 bis 20.000 Einwohnern. Gemeinden und Gemeindeverbände gelten dann als zentral, wenn ihre erreichbare Tagesbevölkerung über dem Bundesmittel liegt.

Die Einordnung der Kleinstädte in das Stadtentwicklungsmodell nach Schmitz-Veltin erfolgt über die Bevölkerungsentwicklung 2000 bis 2014 (Stichtage 31.12.1999 und 31.12.2014). Für die regionale Einbettung werden die Stadt-Land-Regionen (>> mehr) des BBSR herangezogen, einer an alltagsweltlichen Aktivitätsmustern von Pendlern orientierte Abgrenzung. Bevölkerungszunahme in diesem Zeitintervall bedeutet Wachstum, Bevölkerungsabnahme bedeutet Schrumpfung.

Die Grafik veranschaulicht das Stadtentwicklungsmodell von Schmitz-Veltin und zeigt die Entwicklungstrends von Zentrum und Peripherie während der vier Phasen „Urbanisierung“, „Suburbanisierung“, „Desurbanisierung“ und „Reurbanisierung“ von 2000 bis 2014.Quelle: BBSR

Die meisten Kleinstädte sind den Typen A1 "wachsende Stadt in wachsender Region" zuzuordnen, gefolgt von B3 "schrumpfende Stadt in schrumpfender Region".

Kleinstädte (Anzahl) im Stadtregionenmodell
KleinstadtStadt-Land-Regionzentrale Lageperiphere LageSumme
wachsendwachsend617191808
schrumpfendwachsend210126336
wachsendschrumpfend7959138
schrumpfendschrumpfend283549832
Summe1.1899252.114

Die Karte der Kleinstädte im Stadtentwicklungsmodell finden Sie hier

Für die Klassifikationen der Regionen gemäß Wirtschaftsstruktur (Punkt 2) und für die Kleinstädte gemäß Funktion (Punkt 3) wurden geeignete Indikatoren formuliert, die mit Daten der Laufenden Raumbeobachtung des BBSR (>>mehr) abgebildet werden können. Diese wurden dann jeweils über eine Hauptkomponentenanalyse strukturiert und zu Faktoren zusammengefasst. Diese Faktoren wurden in Clusteranalysen (K-Means-Verfahren) verwendet, um Regions- und Kleinstadttypen zu gewinnen.

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftskraft, Arbeitsmarktlage und Freizeitwert werden auf der Regionenebene gemessen. Hier sind die Akteure weniger an den Wohnort gebunden als an andere Gegebenheiten wie zum Beispiel bei der Nahversorgung. Regionale Bedingungen spiegeln auch das Klima wider, in denen die Kleinstädte sich entfalten können. Dennoch unterscheiden sich Kleinstädte dahingehend, ob sie selbst ein entsprechendes Zentrum als Arbeitsstandort darstellen. Ausprägungen bestimmter (Versorgungs-)Funktionen, der Verflechtung mit anderen Kommunen, der Siedlungs- und Baustruktur und der (sozio-)demografischen Differenzierung werden auf der Kleinstadtebene erhoben. Aus den vordefinierten Bereichen wurden per Hauptkomponentenanalyse folgende Faktoren extrahiert:

Auf Ebene der Stadt-Land-Regionen

  • Wirtschaftliche Leistung
  • Tourismuspotenzial
  • Sektorale Struktur

Auf Ebene der Kleinstädte

  • Baualter und Gebäudestruktur
  • Arbeitszentralität- und Wirtschaftsattraktivität
  • Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen
  • Grundversorgungsfunktionen
  • Besiedelung / Siedlungsstruktur
  • Wohnzentralität

Die Indikatorenliste finden Sie hier

Die anschließende Clusteranalyse unterschied jeweils vier Cluster (Typen) auf stadt-regionaler sowie auf Gemeindeverbandsebene.

Die Stadt-Land-Regionen (n=266) lassen sich sehr gut anhand ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft und Wirtschaftsstruktur sowie ihrer Potenziale im Tourismus charakterisieren:

  1. Wirtschaftlich solide Regionen mit überdurchschnittlichem Industrieanteil (112)
  2. Wirtschaftlich solide Regionen mit hohem Tourismuspotenzial (30)
  3. Wirtschaftlich starke Regionen mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen (44)
  4. Wirtschaftlich schwächere Regionen mit durchschnittlicher Branchenstruktur (80).

Die Karte der stadtregionalen Typen finden Sie hier

Trotz einer gewissen Schwankungsbreite und Überlappungen der Gruppen lassen sich die Typen der Kleinstädte (n=2114) in vier Gruppen einteilen.

Die Karte der Kleinstadttypen finden Sie hier

Typen der Kleinstädte (Anzahl)
Typzentrale Lageperiphere LageSumme
A256205506
B69480549
C15722179
D706174880
Summe1.1889262.114

In einem weiteren Schritt können die Kleinstadttypen nach ihrer Position im Stadtentwicklungsmodell sowie in den Regionstypen zugeordnet werden. Es ergeben sich theoretisch 64 Merkmalskombinationen.

Die zusammenfassende Karte der Kleinstadttypen mit allen Differenzierungen finden Sie hier

Von diesen sind 55 in zentraler Lage und 52 in peripherer Lage besetzt, teilweise jedoch nur einfach oder mit nur wenigen Städten.

Die Fallstudienstädte für die qualitative Untersuchung wurden aus den am stärksten besetzten Kleinstadttypen ausgewählt.

Auswahl und Kurzvorstellung der Fallstudienstädte:

Auf Grundlage der regionalstatistischen Analysen und der Kleinstadttypisierung wurden insgesamt acht Fallstudien – sechs im Kleinstadttyp D und zwei im Kleinstadttyp A – ausgewählt.

Typ der Stadt-Land-RegionQuelle: BBSR

Karte FallstudienQuelle: BBSR

Damme

Damme ist eine größere, wachsende Kleinstadt im Landkreis Vechta in Niedersachsen. Damme gehört zum Kleinstadttypus D, der im Mittel dem Durchschnitt aller Kleinstädte entspricht und nur teilweise eine leicht niedrigere Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität aufweist. Sie liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich solide Region mit überdurchschnittlichem Industrieanteil".

  • Bundesland: Niedersachsen,
    Landkreis Vechta, Metropol-Region: Bremen/Oldenburg
  • Grundzentrum mit mittelzentralen Teilfunktionen, 16.940 Einwohner (31.12.2016),
    162,3 Einwohner/km², 104,38 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: +4,14%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 31,7 Minuten, Entfernung zum nächsten Mittelzentrum: 20,2 Minuten PKW-Fahrzeit
  • Wohnzentralität: 2,2 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 1,2 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 35

Damme prägte und prägt eine starke Landwirtschaft. Infolgedessen entwickelte sich in Damme eine entsprechende Wertstoffkette mit rund 50 Prozent der Arbeitsplätze in qualifizierten Betrieben des II Sektors. Einige Unternehmen sind familiengeführt, was zu einer hohen Standortbindung und gesellschaftlichem Engagement führt. Aushängeschild der Stadt ist der bekannte Dammer Karneval. Das städtische Motto „Vernarrt in Damme“ und die hohe Beteiligung mit 200 Wagen und 8.000 Karnevalisten zeugt von seiner identitäts- und image-bildenden Bedeutung.

Die relativ junge Stadt liegt in einem landschaftlich attraktiven Gebiet zwischen den Dammer Bergen und dem Dümmer-See. Sie besitzt eine noch recht gute Versorgungsstruktur im Kernort. Herausforderungen der Stadt Damme sind es, das Stadtzentrum zu beleben und attraktiver zu gestalten und die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Es gilt Entwicklungsflächen für Wohnen, Gewerbe und Handel zu schaffen. Zudem muss Damme die Integration von Übersiedlern und Geflüchteten bewältigen  Um diese Aufgaben zu lösen, arbeitet die Stadt interkommunal zusammen, zum Beispiel im interkommunalen Gewerbegebiet Niedersachsenpark oder auch im Tourismus.

Hiddenhausen

Hiddenhausen ist eine schrumpfende bzw. stagnierende, größere Gemeinde im Kleinstadttypus D, der im Mittel dem Durchschnitt aller Kleinstädte entspricht und nur teilweise eine leicht niedrigere Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität aufweist. Hiddenhausen liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich starke Region mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen".

  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen, Landkreis Herford, Stadt-Land-Region: Bielefeld
  • Grundzentrum, 19.570 Einwohner (31.12.2016), 820 Einwohner/km², 23,87 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: -4,37%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 27,2 Minuten, Entfernung zum nächsten Mittelzentrum: 9,0 Minuten PKW-Fahrzeit
  • Wohnzentralität: 4,1 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 0,6 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 6

Hiddenhausen ist keine historisch gewachsene Stadt, sondern wurde durch die Kommunalreform politisch gebildet. Die Gemeinde besteht aus sechs einzelnen Dörfern. Hiddenhausen ist Auspendlergemeinde. Vor Ort sind Möbelindustrie und Maschinenbaubetriebe angesiedelt. Hiddenhausen zeichnet sich durch eine gute Nahversorgung in allen sechs Ortsteilen entlang der Verkehrstrassen und eine hohe Familienfreundlichkeit aus. Die Gemeinde ist aktiv in der interkommunalen Zusammenarbeit, in einem interkommunalen Gewerbegebiet, im Ausbau der Radinfrastruktur etc.

Der demografische Wandel stellt Hiddenhausen vor Herausforderungen. Dazu gehören die Aufrechterhaltung der familienorientierten Infrastruktur und die Entwicklung der Ortskerne. Auf Basis des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) sind zwei Ortskerne im Städtebauförderprogramm Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke. Hiddenhausen leidet unter einer starken strukturellen Verkehrsbelastung durch Transitverkehre. Diese soll der Umbau der Straßen zumindest reduzieren.

Innovative Ansätze in Hiddenhausen sind die überregional bekannten Programme "Jung kauft Alt" und "Alt bleibt im Dorf". Geplant ist die Beteiligung an der REGIONALEN 2022 „Neues Urbanes Land“ in Ostwestfalen-Lippe.

Nidda

Die schrumpfende bis stagnierende, größere Kleinstadt Nidda gehört zum Stadttypus A, der im Mittel durch einen vergleichsweise hohen Anteil an Gebäuden der Baujahre vor 1949 und eine überdurchschnittliche Wohnzentralität auffällt. Die Stadt liegt im stadtregionalen Typ "wirtschaftlich starke Region mit hohem Anteil höherwertigen Dienstleistungen".

  • Bundesland: Hessen, Landkreis: Wetteraukreis, Stadt-Land-Region: Frankfurt/Main
  • Mittelzentrum, 17.293 Einwohner (31.12.2016), 146,1 Einwohner/km², 118,35 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: -1,35%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 34,3 Minuten PKW-Fahrzeit,
  • Wohnzentralität: 3,1 Einwohner je Beschäftigte, Arbeitsplatzzentralität: 0,8 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 18

Nidda weist einen eher ländlichen Charakter auf; die 18 Ortsteile verteilen sich auf große dünn besiedelte Flächen. Wegen der dezentralen Siedlungsstruktur und Bevölkerungsrückgängen ist die Infrastrukturversorgung stark ausgedünnt und konzentriert sich vornehmlich auf den Hauptort. Ein Kino als kulturelles Angebot konnte dagegen auf einer Brachfläche neuangesiedelt werden. In den letzten Jahren hat sich die Einwohnerzahl allerdings stabilisiert. Herausfordernd ist vor allem die strategische Orientierung als Auspendlerort im „2. Ring“ des Rhein-Main-Raumes. Dabei ist ein zentrales Thema, die ÖPNV-Schienenanbindung zu verbessern.

Nidda nimmt am Programm „Kommunen Innovativ“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema Ortsinnenentwicklung teil und wurde 2018 in das Bund-Länder-Städtebauförderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" aufgenommen. Außerdem verfolgt die Gemeinde weiterhin die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbeparks mit acht Kommunen.

Neu-Anspach

Neu-Anspach ist eine schrumpfende bis stagnierende, größere Kleinstadt im Kleinstadttypus D, der im Mittel dem Durchschnitt aller Kleinstädte entspricht und nur teilweise eine leicht niedrigere Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität aufweist. Die Stadt liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich starke Region mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen".

  • Bundesland: Hessen, Landkreis: Wetteraukreis, Stadt-Land-Region Frankfurt/Main
  • Grundzentrum, 14.698 Einwohner (31.12.2016), 406,7 Einwohner/km², 36,14 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: -2,87%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 31,9 Minuten, Entfernung zum nächsten Mittelzentrum: 7,3 Minuten PKW-Fahrzeit
  • Wohnortzentralität: 6,3 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 0,3 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 4

Die Stadt ist ein klassischer Entlastungswohnstandort im „1. Ring“ des Verdichtungsraums Rhein-Main. Neu-Anspach entstand 1970/71 im Rahmen der Hessischen Gebietsreformen und wurde als Entlastungsort bis 2015 entwickelt, was zu einer Verdreifachung der Einwohnerzahlen führte. Der enorm gestiegene Siedlungsdruck und eine zu geringe Wohnbautätigkeit in der Vergangenheit – insbesondere beim bezahlbaren Wohnraum – belasten den Wohnungsmarkt. Aktuell sind keine Bauflächen mehr vorhanden. In Zukunft wird die verbesserte S-Bahn-Anbindung ab 2022 diesen Siedlungsdruck sogar noch verstärken. Außerdem steht die Stadt vor der Herausforderung, die Infrastruktur wie kostenlose Betreuungsplätze für Kinder bei einem verschlechterten Finanzierungsrahmen bereitzustellen.

Die Stadt hat mit der Aufstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts mit intensivier Bürgerbeteiligung begonnen. Die Ortsmitte soll städtebaulich neu gestaltet werden. Der Siedlungsdruck soll über eine Verdichtung durch höhere Geschossbauten abgefangen und der Wohnungsmarkt  über die Erschließung neuer Flächen entlastet werden.

Velten

Velten ist eine schrumpfende bis stagnierende, größere Kleinstadt. Sie gehört zum Kleinstadttypus D, der im Mittel dem Durchschnitt aller Kleinstädte entspricht und nur teilweise eine leicht niedrigere Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität aufweist. Die Stadt liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich starke Region mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen".

  • Bundesland: Brandenburg, Landkreis: Oberhavel, Stadt-Land-Region: Berlin
  • Keine zentralörtliche Funktion, 11.815 Einwohner (31.12.2016), 505,8 Einwohner/km², 23,36 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: 6,53%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 38,4 Minuten
  • Wohnortzentralität: 2,6 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 0,9 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 5

Velten hat zwar eine lange Industrietradition, konnte in jüngerer Zeit allerdings kaum daran anknüpfen. Trotz der Nähe zu Berlin hatte Velten lange Zeit mit Schrumpfungstendenzen zu kämpfen. Seit 2010 ist jedoch ein Aufholprozess erkennbar und die Einwohnerzahl steigt seitdem insbesondere durch den Zuzug aus Berlin. In der Folge wurde die Infrastruktur qualitativ und quantitativ sukzessive verbessert. Die zu bewältigenden Herausforderungen liegen in den Bereichen Stadtkern- und Innenstadtentwicklung, Flächenbereitstellung für Wohnen und Gewerbe sowie der Stärkung der Identität und des sozialen Zusammenhalts der „neuen“ Stadtgesellschaft“.

Ein zentrales Thema der Stadt ist die bisher fehlende S-Bahn-Anbindung nach Berlin. Der Anschluss würde sowohl für die Veltener Bewohnerinnen und Bewohner als auch für die ansässigen Unternehmen positive Effekte bedeuten. In den Handlungsfeldern Standortmarketing, Gewerbeflächenentwicklung und Anwerbung/Halten von Fachkräften kooperiert Velten interkommunal mit den Nachbarkommunen, nicht jedoch mit Berlin.

Wildau 

Wildau ist eine wachsende, kleine Kleinstadt und gehört zum Kleinstadttypus D, der im Mittel dem Durchschnitt aller Kleinstädte entspricht und nur teilweise eine leicht niedrigere Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität aufweist. Die Stadt liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich starke Region mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen".

  • Bundesland: Brandenburg, Landkreis: Dahme-Spreewald, Stadt-Land-Region: Berlin
  • Mittelzentrum in Funktionsteilung mit der Gem. Schönefeld, 10.057 Einwohner (31.12.2016), 1.105,2 Einwohner/km², 9,1 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: +5,3%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 38,3 Minuten PKW-Fahrzeit
  • Wohnortzentralität: 1,8 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 1,5 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 5

Wildau ist eine Stadt mit langer Industrietradition. Wildau verfügt über sehr gute äußere Standortfaktoren: Im Umfeld der Hochschule gibt es eine gewisse Konzentration von Wissenschaft und Forschung in der Stadt. Der S-Bahn-Anschluss verbindet Wildau mit Berlin und dem Flughafen Schönefeld. In den letzten 15 Jahren entwickelten sich die Einwohner- und Studierendenzahlen und die Infrastrukturausstattung konstant positiv. Erhebliche Impulse und Wachstumsschübe werden durch die Inbetriebnahme des neuen Flughafens BER erwartet.

Die Herausforderungen für die Stadt bestehen darin, ein Stadtzentrum zu entwickeln. Die Bahntrasse bildet eine städtebauliche/stadtstrukturelle Zäsur, die  überwunden werden soll. Außerdem besteht Handlungsbedarf bezüglich der Bereitstellung und Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Hochschule soll verbessert werden. Neue Ansätze der Partizipation zur Nutzung endogener Potenziale sollen entwickelt werden.

Die Stadt hat begonnen, bei einzelnen Themen mit Nachbarkommunen zu kooperieren, beispielsweise beim Thema Stadtmarketing „Regionaler Wachstumskern Schönefelder Kreuz“.  

Aue    

Aue ist eine schrumpfende, größere Kleinstadt. Sie gehört zum Stadttypus A, der im Mittel durch einen vergleichsweise hohen Anteil an Gebäuden der Baujahre vor 1949 und eine überdurchschnittliche Wohnzentralität auffällt. Die Stadt liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich schwächere Region mit durchschnittlicher Branchenstruktur".

  • Bundesland: Sachsen, Landkreis: Erzgebirgskreis, Stadt-Land-Region: Aue
  • Mitglied des mittelzentralen Städteverbunds Silberberg im Verdichtungsraum Chemnitz-Zwickau, 16.235 Einwohner (31.12.2016), 776,1 Einwohner/km², 20,92 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: -9,33%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 29,8 Minuten PKW-Fahrzeit
  • Wohnortzentralität: 2,1 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 1,6 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 8

Aue blickt auf eine lange Bergbau- und Industriegeschichte zurück. Vor 1990 waren die Bergbau-, Metall-, Maschinenbauindustrie sowie die Textilverarbeitung (Textima, ABS) die dominierenden Branchen. Schon vor der Wendezeit setzte ein tiefgreifender Wirtschaftsstrukturwandel ein, der zu vielen Arbeitsplatzverlusten und zu einem großen Bevölkerungsrückgang führte. Die Leerstandsbeseitigung und der Abbau des Sanierungsstaus wurden durch Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der Städtebauförderung angegangen. Inzwischen präsentiert sich die Stadt als wichtiger regionaler Wirtschaftsstandort. Darauf weisen ein Einpendler-Überschuss, vergleichsweise geringere Arbeitslosenzahlen sowie einige größere Industriebetriebe in der Stadt hin. Zudem ist Aue als „Sportstadt im Erzgebirge“ bekannt.

Herausforderungen für die Stadtentwicklung sind zunehmender Leerstand in Handel und Gewerbe in der Innenstadt und eine hohe innerstädtische Verkehrsbelastung. Aufgrund der Mittelgebirgslage ist es schwierig und kostenintensiv, neue Flächen für Wohn- und Gewerbenutzung zu erschließen. Vor allem in den Außenbezirken kämpft die Stadt dagegen mit Leerstand in den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbeständen, die nicht mehr nachgefragt werden. Aue kooperiert mit fünf weiteren Städten des Städteverbunds. Nach eigenen Angaben entwickelt die Stadt sich weitestgehend unabhängig vom Oberzentrum Chemnitz/Zwickau.

Püttlingen                 

Püttlingen ist eine schrumpfende, größere Kleinstadt und zählt zum Kleinstadttypus D, der im Mittel dem Durchschnitt aller Kleinstädte entspricht und nur teilweise eine leicht niedrigere Erreichbarkeit höherwertiger Infrastrukturen und Arbeitszentralität aufweist. Die Stadt liegt in einer Region des Typs "wirtschaftlich starke Region mit hohem Anteil höherwertiger Dienstleistungen".

  • Bundesland: Saarland, Regionalverband Saarbrücken, Stadt-Land-Region: Saarbrücken
  • Unterzentrum, 18.700 Einwohner (31.12.2016), 781,4 Einwohner/km², 23,93 km² Katasterfläche
  • Einwohnerentwicklung zwischen 2006-2016: -6,82%
  • Entfernung zum nächsten Oberzentrum: 17,1 Minuten, Entfernung zum nächsten Mittelzentrum: 6,3 Minuten PKW-Fahrzeit
  • Wohnortzentralität: 4,9 Einwohner je Beschäftigten, Arbeitsplatzzentralität: 0,5 Einpendler je Auspendler, Zahl der Ortsteile: 9

Püttlingen ist verkehrlich sehr gut angebunden an die Landeshauptstadt Saarbrücken. Bis in die 1960er-Jahre war Püttlingen eine Bergbau- und Industriestadt. Der folgende Strukturwandel bedingte auch einen Funktionswandel. Die Stadt veränderte sich  von einem Wirtschaftszentrum zu einem attraktiven Wohn- und Freizeitstandort. In der Daseinsvorsorge, besonders in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kultur und Freizeit, ist die Stadt überdurchschnittlich gut ausgestattet. Prägend ist ein großes ehrenamtliches und vereinsbezogenes Engagement. Seit Anfang der 2000er-Jahre fordert der demografische Wandel durch abnehmende Bevölkerungszahlen und Alterung der Bevölkerung die Kreativität der Stadt heraus.

Herausforderungen der Stadtentwicklung sind es, die Innenstadt aufzuwerten, die gute Infrastrukturausstattung unter den Schrumpfungsbedingungen zu sichern und mit den sich abzeichnenden, altersstrukturell bedingten Wohnungsleerstände umzugehen. Die kommunale Finanzsituation engt die Handlungsspielräume hierbei ein. Mit dem Ziel von Einsparungen im Kommunalhaushalt geht die Stadt regionale Kooperationen nach landesplanerischen Vorgaben ein.

und Haushalte, ihrer Zufriedenheit mit der Stadt und deren Infrastrukturausstattung besser kennenzulernen und ihren ebenfalls abgefragten Bedürfnissen und Wünschen gegenüberzustellen. 

Ergebnisse der Haushaltsbefragung

In jeder der acht Fallstudienkommunen wurde eine Haushaltsbefragung durchgeführt. Ziel der Haushaltsbefragung war es, die Zusammensetzung der Bewohner

Mit Unterstützung von Verwaltung und Politik der Städte wurde eine Zufallsstichprobe von 1.000 Haushalten je Stadt gezogen, die im Anschluss schriftlich befragt wurden. Die recht gute Rücklaufquote betrug über alle Städte hinweg 22 Prozent. Ein Mindestrücklauf von 150 Antwortbögen, die für eine statistische und vergleichende Auswertung notwendig ist, wurde damit überall erreicht und in den meisten Städten weit übertroffen.

Die Haushaltsbefragung offenbarte eine recht große Zufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Lebenssituation. Überraschend ist, dass sehr ähnliche Wertungen in den einzelnen, doch recht unterschiedlich strukturierten und infrastrukturell ausgestatteten Fallstudienstädten abgegeben wurden. Deutlich abweichende Einschätzungen betreffen  nur den Fragenkomplex nach den spezifischen infrastrukturellen Ausstattungen.

Die vier Fragen nach der Zufriedenheit mit dem Leben in der Stadt, mit der Wohnsituation, mit der Verwaltung und der politischen Vertretung der Stadt sowie mit dem sozialen Zusammenhalt wurden in der Tendenz übereinstimmend bewertet.  Sie zeigen eine hohe Zufriedenheit und liegen in allen Städten bei einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (völlig unzufrieden) im positiven Wertungsbereich. Am positivsten wird in den Fallstudienstädten jeweils die Wohnsituation gesehen, gefolgt von dem Leben in der Stadt. Etwas weniger positiv fällt die Einschätzung zu den Verwaltungen und politischen Vertretungen der Städte aus, die zwischen "eher zufrieden" und "teils/teils" bewertet werden.

Abbildung 1: ZufriedenheitQuelle: BBSR

Die Frage nach den Entfernungen zu den einzelnen Infrastrukturen zielt auf die Ausstattungen der einzelnen Fallstudienstädte ab. Die Antworten deuten auf weitgehend ähnliche Defizite in den Fallstudienstädten hin. Zusammengefasst zeigt sich, dass die Grundversorgung in den acht Fallstudienstädten noch recht wohnortnah gesichert ist, während höherwertige Angebote tendenziell weiter entfernt liegen.

Entsprechend schätzen die Befragten auch den Handlungsbedarf ein. Besonders hoch sieht die Bevölkerung den Handlungsbedarf in den Bereichen Breitband-Internet, Fachärzteversorgung, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche sowie Sicherheit (Polizeistation) und ÖPNV.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Antonia Milbert
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2256