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Neue Stadtquartiere – Konzepte und gebaute Realität

Viele Kommunen verzeichnen aufgrund von Wanderungsgewinnen ein fortgesetztes oder wiedereinsetzendes Bevölkerungswachstum. Daher entstehen in vielen Kommunen neue Stadtquartiere – ein Prozess, der angesichts einer verstärkten Konzentration auf die Bestands- sowie Brachflächenentwicklung ein Stück weit aus dem Fokus der Fachöffentlichkeit gerückt war. Diese Stadtquartiere sind jedoch vielfach aufgrund ihrer Größenordnung von hoher Relevanz für die Gesamtentwicklung der Städte und deren Umlandgemeinden. Das Forschungsprojekt zielt auf die Gewinnung eines aktuellen und umfassenden Überblicks über die Entwicklung neuer Stadtquartiere.

Projektstart: November 2017

Ausgangslage

Die dynamische Bevölkerungsentwicklung und die damit verbundene zunehmende Wohnungsknappheit sind in den vergangenen Jahren in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Vor allem die steigenden Mieten und Kaufpreise haben in vielen prosperierenden Verdichtungsräumen der großen Großstädte und Universitätsstädte zur Folge, dass Haushalte vermehrt keinen bezahlbaren Wohnraum finden.

Angesichts der Zielsetzung einer reduzierten Flächeninanspruchnahme konzentrieren sich viele Kommunen im Wohnungsneubau auf die Innenentwicklung. Die Reaktivierung von Brachflächen, das Schließen von Baulücken sowie die Nachverdichtung etwa im Blockinnenbereich waren und sind Ansätze, die hier verfolgt wurden bzw. werden.

Auf besonders angespannten Wohnungsmärkten, etwa in den Metropolen München, Hamburg, Rhein-Neckar, Rhein-Main und entlang der Rheinschiene, genügen diese punktuellen, eher kleinräumigen Entwicklungen jedoch oftmals nicht, die bestehenden Defizite auszugleichen. Zudem weist ein großer Teil der Flächen erhebliche Aktivierungshemmnisse auf, die vielerorts zu enormen Preissteigerungen führen. Dies erschwert die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

In diesem Zusammenhang gewinnt die Erschließung neuer Wohnbauflächen in der Größenordnung neuer Wohn- und Stadtquartiere sowohl in der Innenentwicklung als auch in der Außenentwicklung wieder vermehrt an Bedeutung.

Bereits heute sind neue Stadtquartiere – trotz schrumpfender Bevölkerungszahlen in vielen deutschen Regionen – jedoch keinesfalls selten. Seit Ende 2004 erfasst das BBSR neue Stadtquartiere in einer Datenbank, die Ende 2006 bereits mehr als 180 Quartiere enthielt. Ende 2011 waren es über 300, heute umfasst die Datenbank etwa 560 neue Stadtquartiere, wobei davon auszugehen ist, dass die tatsächliche Zahl neuer Stadtquartiere nochmals höher liegen dürfte. Der Erhebung liegt folgende Definition "Neuer Stadtquartiere" zugrunde:

  • nach 1990 gebaut
  • ≥ 500 Wohnungen oder ≥ 1.000 Einwohner oder ≥ 10 ha
  • mit Wohnfunktion
  • einheitliche Städtebaukonzeption

Ziel

Gegenstand dieses Forschungsvorhabens ist die Analyse der Verbreitung, der Planungs- und Prozessphasen, der qualitativen Merkmale dieser Quartiere sowie der Ergebnisqualität. Die neuen Quartiere haben aufgrund ihrer Dimensionierung das Potenzial, als "Leuchttürme" mit Modellcharakter zu wirken. Ihre Innovationsfähigkeit auf lokaler, regionaler oder überregionaler Ebene ist deshalb von besonderem Interesse. Sie wird mitunter bereits in der strategischen Prozessplanung begründet und kann sich ferner auf städtebauliche oder andere Aspekte beziehen.

Daher wird untersucht, inwieweit die neuen Quartiere aktuelle Entwicklungen hinsichtlich Planung und Realisierung aufnehmen und umsetzen. Einige der Quartiere könnten Referenzfälle für bezahlbares Wohnen und Bauen sein oder beispielhaft in der Umsetzung von Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen, Grün in der Stadt sowie im Hinblick auf eine Mobilität der Zukunft oder eine inklusive Quartiersentwicklung. Dabei sind auch die formellen Instrumente und Prozesse bedeutend, die eine Implementierung entsprechender Konzepte ermöglichen.

Die Rolle strategischer und sektorenübergreifender Gestaltung sowie politischer Steuerung von Stadtentwicklungsprozessen soll ebenso herausgearbeitet werden wie etwaige Veränderungen im Hinblick auf wesentliche Merkmale neuer Stadtquartiere. Schließlich verbindet sich mit dem Forschungsprojekt auch das Ziel, Entwicklungen zu identifizieren, die einer verstärkten Beobachtung und/oder stadtentwicklungspolitischer Steuerung bedürfen.

Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Mathias Metzmacher
Referat II 12 - Wohnen und Gesellschaft
Tel.: +49 228 99401-2620
Fax: +49 228 9910 401-2620
Franziska Bensch
Referat II 12 - Wohnen und Gesellschaft
Tel.: +49 228 99401-1289

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