Navigation und Service

Regionalwirtschaftliche Effekte erneuerbarer Energien II

Wie kann es gelingen, die mit den erneuerbaren Energien verbundene zusätzliche Wertschöpfung möglichst vor Ort zu halten? Diese Frage stand im Mittelpunkt der MORO-Studie. Zudem wurden Methoden entwickelt, um die regionalen Wertschöpfungspotentiale zu ermitteln.
Projektlaufzeit: Juni 2012 - November 2013

Die Energiewende stellt auch die Raumplanung auf den verschiedenen Ebenen vor große Herausforderungen. Die Erzeugung, Verteilung und Speicherung von Energie hat deutliche Auswirkungen auf die Raumnutzung. Demnach spielen die Landkreise und Kommunen, aber auch die Regionalplanung eine große Rolle in der Energiewende. Zudem eröffnen sich durch die Dezentralisierung der Energieerzeugung auch in den ländlichen Räumen zusätzliche wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Ziel ist es, die mit den erneuerbaren Energien verbundene zusätzliche Wertschöpfung möglichst vor Ort zu halten. Hinweise darauf, wie dies gelingen kann, wurden in dieser MORO-Studie erarbeitet. Außerdem wurde die Methode für eine ausreichend genaue Ermittlung der regionalen Wertschöpfungseffekte, die in einer Vorgängerstudie entwickelt wurde, weiter verfeinert.

Als Ergebnis liegen regionalisierte Wertschöpfungsberechnungen für fünf Modellregionen und konkrete Handlungsempfehlungen für die Bundespolitik und relevante Akteure von Landes- bis kommunaler Ebene vor.

Anlass und Ausgangslage

Bild-Dreierkombination aus Fachwerkhaus mit Wärmeverlust-Detektor, Photovoltaik-Anlage und GeldQuelle: Fotolia.de

Der Beitrag der erneuerbaren Energien zur Energieversorgung in Deutschland ist in den letzten Jahren beständig gewachsen. Im Jahr 2012 konnte bereits 22,9 % der gesamten Stromerzeugung über erneuerbare Energien abgedeckt werden. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 35 % ansteigen.

Der zunehmende Anteil an Erneuerbaren Energien verringert schädliche Emissionen und trägt wesentlich zur Erreichung entsprechender Minderungsziele bei. Insgesamt resultierte daraus im Jahr 2011 eine Vermeidung von rund 86,3 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Stromsektor, womit fraglos ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele geleistet wurde.

Für die Akzeptanz erneuerbarer Energien in der Bevölkerung und damit als Entscheidungsdimension der Kommunalpolitik sind aber nicht nur die ökologischen Effekte der Erzeugung von Strom und Wärme aus regenerativen Energien von Bedeutung, sondern auch der ökonomische Nutzen, der auf regionaler Ebene zu erwarten ist. Damit rücken insbesondere potentielle regionale Wertschöpfungseffekte in den Blickpunkt des Interesses.

Zielsetzung und Gegenstand

Die Studie verfolgte im Kern zwei Ziele.

  1. Verfeinerung und Erweiterung der Methodik zur Berechnung der regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien.
  2. Erarbeitung von Handlungsempfehlungen und instrumentellen Ansätzen zur Verbesserung der Steuerungsmöglichkeiten der Regionalplanung im Handlungsfeld "Energiewende und regionale Wertschöpfung".

Was ist Wertschöpfung durch EE?
Der Begriff der Wertschöpfung wird in der Literatur sehr vielschichtig definiert und interpretiert. Die hier verwendete Konzeption knüpft an die aus den volkswirtschaftlichen Theorien abgeleitete Wertschöpfungsauffassung an: In der Volkswirtschaftslehre bezeichnet man den in einer Unternehmung oder einem Gebiet während eines bestimmten Zeitabschnitts geschaffenen Wertzuwachs an Produktionsmitteln, Waren und Dienstleistungen als Wertschöpfung.

Konkret werden hier drei Arten der Wertschöpfung betrachtet, deren Summe dann die gesamte Wertschöpfung darstellt:

  • Die direkte Wertschöpfung setzt sich dabei aus den gezahlten Gehältern, den durch den Betrieb der Anlage entstandenen Gewinnen, die Fremdkapitalzinsen und den auf Gehälter und Gewinne gezahlten Steuern zusammen.
  • Zusätzlich wird durch die Nachfrage der Zulieferbetriebe (z.B. Steuerberater, Handwerker) indirekte Wertschöpfung ausgelöst.
  • Außerdem entsteht durch die Verausgabung der zusätzlichen Einkommen induzierte Wertschöpfung (Gehälter und Gewinne werden z.T. in der Region ausgegeben).

In verschiedenen Studien wurden bereits Ansätze entwickelt, um die Wertschöpfung zu bestimmen und ihre räumliche Verteilung zu ermitteln. Allerdings ist die Quantifizierung der regionalen Wertschöpfung so komplex, dass bisher keine Standardmethode vorliegt.

In dieser Studie wird auf die Methode der Vorgängerstudie "Regionalökonomische Effekte erneuerbarer Energien I" aufgebaut und entsprechende Anpassungen vorgenommen, wo dies notwendig erschien.

Das Projekt wurde durchgeführt vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Kassel (Prof. Dr. Reinhold Kosfeld) in Kooperation mit MUT Energiesysteme (Armin Raatz).

Zusatzinformationen

Kontakt

Dr. Peter Jakubowski
Referat I 5 - Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr
Tel.: +49 228 99401-2150