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Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen

Veranstaltungen

Auftaktworkshop mit Modellregionen

Der Auftaktworkshop des Modellvorhabens der Raumordnung (MORO) "Raumbeobachtung in Deutschland und angrenzenden Regionen" fand am 3. und 4. März 2016 im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn statt. Zu den Teilnehmern zählten Vertreter der zum Zeitpunkt des Workshops geförderten vier Modellregionen sowie des BBSR und von S&W. Darüber hinaus nahm jeweils ein Vertreter aus dem Bundesland Schleswig-Holstein und der EUREGIO teil. Das Bundesland Schleswig-Holstein mit der Grenzregion Schleswig/Jütland und ein aus den deutsch-niederländischen Euregios gebildeter Zusammenschluss (mit der EUREGIO als Trägerin) zeigen Interesse, in den Kreis der Modellregionen aufgenommen zu werden. Somit umfasste der Teilnehmerkreis neben dem BBSR und der Begleitforschung vier bereits bestehende und zwei potenzielle Modellregionen.

In der Eröffnungssitzung wurden die Teilnehmer von Dr. Karl Peter Schön, Leiter des Referats Europäische Raum- und Stadtentwicklung im BBSR, und vom Moderator, Dr. Klaus Spiekermann (S&W), begrüßt. Im Anschluss referierten Volker Schmidt-Seiwert (BBSR) und Dr. Björn Schwarze (S&W) über die besonderen Herausforderungen, die an eine grenzübergreifende Raumbeobachtung gestellt werden, und über die Herangehensweise dieses MORO-Projektes.

Der Workshop strukturierte sich danach in vier Themenblöcke unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung. Im ersten Themenblock stellten sich die vier plus zwei Modellregionen im Überblick mit ihren bisherigen Aktivitäten im Bereich der grenzüberschreitenden Raumbeobachtung vor. Im zweiten Themenblock berichtete jede Modellregion über ein besonderes Highlight der Raumbeobachtung aus der betreffenden Modellregion. Der dritte und vierte Themenblock widmete sich zwei Arten von Indikatoren, die für eine grenzübergreifende Raumbeobachtung ähnlich relevant sind: Die allgemeinen Grundlagenindikatoren informieren vor allem über die demografischen, sozioökonomischen, wirtschaftlichen und baulich-räumlichen Entwicklungen, während die Verflechtungsindikatoren grenzüberschreitende Interaktionen abbilden. Im dritten Themenblock lag der Fokus auf den Raumstrukturen in den Modellregionen, im vierten wurden Beispiele für grenzübergreifende Verflechtungen erörtert.

Der MORO-Auftaktworkshop zeichnete sich durch einen sehr intensiven und fruchtbaren Austausch zwischen dem BBSR, der Begleitforschung und den Modellregionen sowie zwischen den Modellregionen untereinander aus.

Auftaktworkshop im März 2016Auftaktworkshop im März 2016 Quelle: S&W

Workshop mit Modell- und Nachbarregionen

Der zweite Workshop mit den Modellregionen fand am 22. und 23. September 2016 im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn mit 30 Teilnehmenden statt, darunter neun Teilnehmenden aus dem benachbarten Ausland. Der nichtöffentliche Workshop diente dem gemeinsamen fachlichen Austausch der sieben Modellregionen mit ihren ausländischen Nachbarn und Partnern, dem Bund und der Begleitforschung. Die im Frühsommer 2016 zum MORO neu dazugekommenen Modellregionen Deutsch-Niederländische Euregios, Euroregion Pro Europa Viadrina und das Bundesland Schleswig-Holstein mit den Grenzregionen Syddanmark und Sjaelland nahmen als Modellregion erstmals offiziell an einer Veranstaltung dieses Modellvorhabens teil.

Der Workshop war in vier Themenblöcke unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung strukturiert. Im ersten Themenblock stellten sich die neuen Modellregionen vor und gaben einen Überblick über ihre bisherigen Aktivitäten im Bereich grenzübergreifender Raumbeobachtung sowie über die geplanten Arbeiten im MORO-Projekt. Die übrigen Modellregionen berichteten über ihre Ansätze und bereits durchgeführten Projektaktivitäten. Anschließend wurden im zweiten Themenblock ausgewählte regionale Inhalte grenzübergreifender Raumbeobachtung vertieft. Datenfragen, Datenaustauschmodelle, Raumbeobachtungssysteme und Optionen einer Verstetigung waren die Inhalte des dritten Themenblocks. Im vierten Themenblock wurden Erfahrungen grenzüberschreitender Raumbeobachtung aus anderen Ländern Europas sowie die von der Begleitforschung vorgestellten Entwürfe eines Daten- und Indikatorenmodells und des prototypischen Berichts "Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen" diskutiert.

Der Workshop zeichnete sich durch offene Diskussionen über die Zielrichtung einer grenzübergreifenden Raumbeobachtung und einen regen Austausch der Modellregionen untereinander aus.

Foto von Workshop mit Modell- und ausländischen Nachbarregionen im September 2016Workshop mit Modell- und ausländischen Nachbarregionen im September 2016 Quelle: S&W

Workshops in den Modellregionen

Zwischen November 2016 und Januar 2017 fanden in den sieben Modellregionen regionale Workshops statt. Diese Workshops richteten die Modellregionen mit Unterstützung der Begleitforschung aus. Sie dienten dazu, weitere Akteure, insbesondere aus den jeweiligen ausländischen Nachbarregionen in den MORO-Prozess einzubeziehen, die Kenntnisse zur Lage und Entwicklung der jeweiligen Regionen zu erweitern und grenzraumspezifische Fragestellungen im jeweiligen regionalen Kontext zu vertiefen. Insgesamt nahmen an den sieben regionalen Workshops etwa 270 Menschenteil, davon etwa 80 Teilnehmende aus dem benachbarten Ausland.

In einigen Modellregionen steht eine systematische und dauerhafte grenzübergreifende Raumbeobachtung noch am Anfang. Hier ermöglichten die regionalen Workshops den Auftakt für eine künftige dauerhafte Zusammenarbeit der Akteure, die beidseits der Grenzen die grenzübergreifenden Prozesse beobachten. In den Modellregionen mit etablierter grenzübergreifender Raumbeobachtung wurden die regionalen Workshops dazu genutzt, bestehende Kooperationen zu vertiefen sowie neue Anforderungen, Themen und Indikatorenmodelle zu erörtern.

Fachkonferenz "Deutschland und benachbarte Regionen - Wege zur Raumbeobachtung"

Am 9. und 10. Februar 2017 fand im Ernst-Reuter-Haus in Berlin die Fachkonferenz "Deutschland und benachbarte Regionen - Wege zur Raumbeobachtung" statt. An der Fachkonferenz nahmen 65 Personen aus dem In- und Ausland teil.

Teilnehmer während der Fachkonferenz „Deutschland und benachbarte Regionen – Wege zur Raumbeobachtung" im Februar 2017Publikum bei Fachkonferenz „Deutschland und benachbarte Regionen – Wege zur Raumbeobachtung" im Februar 2017 Quelle: S&W

Die Teilnehmenden diskutieren auf der Fachkonferenz Status quo, Empfehlungen und Zukunftsoptionen einer grenzübergreifenden Raumbeobachtung in Deutschland und seinen angrenzenden Regionen. In seiner Einführungsrede begrüßte Professor Harald Herrmann, Direktor und Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die teilnehmenden Experten/-innen und verdeutlichte die Bedeutung des MORO-Projektes für die Entwicklung der Grenzregionen und ihrer Nachbarregionen, das Zusammenwachsen der Räume entlang der Landesgrenzen und die Bildung einer gemeinsamen Identität. Im Anschluss führte Dr. Klaus Spiekermann (S&W) in das MORO-Projekt und in die Veranstaltung ein.

Inspirationen aus anderen europäischen Regionen lieferten die Beiträge von Olivier Denert (MOT - Transfrontier Operational Mission, Paris) und Dr. Julien Grunfelder (Nordregio, Stockholm). Sie stellten die Ansätze und Vorgehensweisen einer grenzübergreifenden Raumbeobachtung in Frankreich und den nordischen Ländern vor. Während im französischen Modell die Grenzkorridore und insbesondere grenzübergreifende Kooperationen im Fokus der grenzübergreifenden Raumbeobachtung liegen, eine harmonisierte, transnationale Raumbeobachtung für die nordischen Länder seit vielen Jahren als Selbstverständlichkeit.

Dr. Katharina Erdmenger (BMVI) referierte über die Notwendigkeit grenzübergreifender Raumbeobachtung am Beispiel des gemeinsamen Zukunftskonzepts 2030 für den deutsch-polnischen Verflechtungsraum. Das Zukunftskonzept ist als beiderseits abgestimmte, raumordnerische Handlungsempfehlung für die zuständigen Behörden, Einrichtungen und Entscheidungsträger zu verstehen. Eine von der Moderatorin Dorothea Palenberg (blue! advancing european projects) geführte Diskussionsrunde erweiterte darauf aufbauend die Perspektiven und Ansätze grenzübergreifender Raumbeobachtung in Deutschland mit Impulsen von Vertreter/-innen aus Verwaltung, Modellregionen und Wissenschaft. Die Sichtweisen von Land und Bund erörterten Klaus Einig (Landesplanung Schleswig Holstein), Detlef Herz (Gemeinsame Landesplanung Berlin- Brandenburg) und Jens-Uwe Staats (BMVI). Regionale Perspektiven vertraten Luise Clemens (Charlemagne Grenzregion), Wolfgang Rump (Regionale Planungsgemeinschaft Oderland-Spree) und Harald Winkelhausen (Regionalverband Bodensee-Oberschwaben). Erkenntnisse aus wissenschaftlicher Sicht steuerten Prof. Dr. Tobias Chilla (Universität Erlangen) und Dr. Peter Schön (BBSR) bei. Es zeigte sich, dass sich je nach Fragestellung unterschiedliche "Flughöhen" in den grenzübergreifenden Raumanalysen ergeben. Dass grenzübergreifende Raumbeobachtung komplex ist und auf Dauer auch nicht einfacher wird, war dabei gemeinsamer Tenor. Um bessere Synergien zu erzielen, so waren sich die Diskutanten einig, sollte der Dialog und Austausch zwischen den an der grenzübergreifenden Raumbeobachtung beteiligten Ebenen und Institutionen intensiviert werden.

Foto von Vortrag bei Fachkonferenz "Deutschland und benachbarte Regionen – Wege zur Raumbeobachtung" im Februar VortragVortrag bei Fachkonferenz "Deutschland und benachbarte Regionen – Wege zur Raumbeobachtung" im Februar 2017 Quelle: S&W

Am Vormittag des zweiten Veranstaltungstags hörten und diskutierten die Teilnehmenden Vorträge zu aktuellen Themen der grenzübergreifenden Raumbeobachtung aus den sieben Modellregionen, untergliedert in drei Blöcke.

  • Petra Schelkmann und Sonja Rüenaufer (beide Landesplanung Rheinland-Pfalz) berichteten aus der Großregion über die Anforderungen und Erwartungen der Akteure an die grenzübergreifende Raumbeobachtung, über die noch zu überwindenden Hemmnisse und über das dort gebildete, funktionierende Akteurssystem. Anja Schmid (Landesplanung Schleswig-Holstein) stellte die Idee eines deutsch-dänischen Raumbeobachtungssystems mit arbeitsteiliger Verantwortung der statistischen Einrichtungen und Geodatenanbietern auf deutscher und dänischer Seite vor. Luise Clemens (Charlemagne Grenzregion) hob das Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit detaillierter grenzübergreifender Planungsgrundlagen und die Schaffung von politischer Aufmerksamkeit durch vereinfachte, plakative Aussagen hervor.

  • Stefan Michel (EUREGIO) und Reimund Steinhäußer (Regionale Planungsgemeinschaft Oderland-Spree) referierten über die Nutzbarmachung grenzübergreifender Arbeitsmarkt- und Pendlerdaten aus deutsch-niederländischer und aus deutsch-polnischer Perspektive. Als unzureichend bewerteten sie die aktuelle Verfügbarkeit von Daten der amtlichen Statistik zur Abbildung grenzübergreifender, kleinräumiger Pendlerverflechtungen.

  • Felix Reichert (Regionalverband Hochrhein-Bodensee) stellte in seinem Vortrag das Raumbeobachtungssystem DACH+ der internationalen Bodenseeregion vor. Die Konzentration in der grenzübergreifenden Raumbeobachtung liegt bewusst auf einem nur wenige Kernindikatoren umfassenden, realisierbaren Indikatorensystem. Dr. Sebastian Wilske (Regionalverband Mittlerer Oberrhein) stellte die in der trinationalen Metropolregion Oberrhein praktizierte Raumbeobachtung vor, die vor allem durch das Kompetenzzentrum GeoRhena getragen wird. In seinem Vortrag hob er die Bedeutung einer qualifizierten Validierung der Daten und Karten durch Fachstellen hervor, die insbesondere dann wichtig ist, wenn Raumbeobachtung Entscheidungsrelevanz hat oder beansprucht. Thierry Hengen (Ministère du Développement durable et des Infrastructures, Luxemburg) präsentierte den aktuellen Ansatz grenzübergreifender Raumbeobachtung in der Großregion. Mit dem Geoportal GIS-GR wurde ein transversales Arbeitsinstrument geschaffen, das zur Hilfestellung der politischen Entscheidungsfindung für die Raumplanung des Gipfels der Großregion dient. Der gemeinsame Arbeitsfokus liegt auf den drei Schwerpunktthemen Arbeitsmarkt, Mobilität und Raumentwicklung.

Im letzten Veranstaltungsblock wurde der von Dr. Björn Schwarze (S&W) vorgestellte Ansatz der MORO-Begleitforschung einer grenzübergreifenden Raumbeobachtung in multiplen räumlichen Perspektiven mit einer Bundesperspektive und regionalen Vertiefungen diskutiert. Zugleich wurden erste Empfehlungen zur Umsetzung einer dauerhaften grenzübergreifenden Raumbeobachtung in Deutschland und seinen angrenzenden Regionen genannt. Die Teilnehmenden der Fachtagung betonten, wie wichtig es ist, übergeordnete Kernindikatoren zu definieren, und wie notwendig regionale Vertiefungen sind. Sie begrüßten mögliche Initiativen zur Gründung von administrationsübergreifenden sowie internationalen Arbeitskreisen zur gemeinsamen Abstimmung grenzübergreifender Raumbeobachtung.

Die Schlussworte zur Fachkonferenz sprach der für das MORO "Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen" zuständige Projektleiter Volker Schmidt-Seiwert (BBSR). Er unterstützte den begonnenen Weg zu einer grenzübergreifenden Raumbeobachtung als kooperativen Mehrebenenansatz. Die Grenzregionen ermunterte er, eigene Bedarfe zu artikulieren und die Zukunft der grenzüberschreitenden Raumbeobachtung mitzugestalten.

Networking bei der Fachkonferenz „Deutschland und benachbarte Regionen – Wege zur Raumbeobachtung" im FebruarNetworking bei Fachkonferenz „Deutschland und benachbarte Regionen – Wege zur Raumbeobachtung" im Februar 2017 Quelle: S&W

Die einzelnen Präsentationen finden Sie hier:

Dr. Klaus Spiekermann
Einführung in das MORO "Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen"


Olivier Denert
Transborder spatial monitoring - French concepts and approaches


Dr. Julien Grunfelder
Transnational spatial monitoring in the Nordic Region


Dr. Katharina Erdmenger
Notwendigkeit grenzübergreifender Raumbeobachtung - Das Beispiel des Gemeinsamen Zukunftskonzepts 2030


Petra Schelkmann, Sonja Rüenaufer
Akteurskonzepte in der Großregion


Anja Schmid
Schleswig-Holstein. Der echte Norden


Luise Clemens
Grenzenlos…Grenzeloos


Stefan Michel
D-NL Grenzregion: Arbeitsmarktdaten


Reimund Steinhäußer
Euroregion PRO EUROPA VIADRINA: Arbeitsmarkt- und Pendleranalyse


Felix Reichert, Harald Winkelhausen
Regionale Beispiele laufender Systeme der Raumbeobachtung - Raumbeobachtung im DACH+ Grenzraum


Dr. Sebastian Wilske
Grenzüberschreitende Raumbeobachtung. Das Beispiel Oberrhein


Thierry Hengen
Regionale Beispiele laufender Systeme der Raumbeobachtung: Großregion


Dr.-Ing. Björn Schwarze, Dr.-Ing. Klaus Spiekermann, Lina Kluge
Raumbeobachtung Deutschland in grenzübergreifenden Regionen - Konzeption und erste Empfehlungen zu konkreten Fragestellungen


Zu beachten ist, dass die hier abrufbaren Präsentationen der Modellregionen lediglich kurze Statements zu in der Veranstaltung vorgegebenen Fragestellungen sind und keine umfassende Präsentation der Modellregionen und ihrer Arbeiten im MORO darstellen.

Abschlussveranstaltung

Die internationale Fachkonferenz "Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen" war zugleich die Abschlussveranstaltung des MORO. Sie fand mit etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem In- und Ausland am 9. und 10. November 2017 im Ernst-Reuter-Haus in Berlin statt.

Die Veranstaltung war in zwei Blöcke unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtung untergliedert. Der erste Block am ersten Veranstaltungstag diente der Vorstellung grenzübergreifender Raumbeobachtungstätigkeiten der Europäischen Kommission und insbesondere der im MORO erzielten Ergebnisse. Der zweite Block am zweiten Tag war der zukünftigen Fortsetzung der grenzübergreifenden Raumbeobachtung gewidmet.

Am ersten Tag umschrieb Nathalie Verschelde (Europäische Kommission) Grenzen innerhalb der EU als Barrieren und Chancen. Sie referierte darüber, dass eine grenzübergreifende Raumbeobachtung für Grenzgebiete essenziell ist und dass das ökonomische und soziale Potenzial jenseits der Grenze in Grenzregionen noch zu selten genutzt wird. Die Europäische Kommission widmet sich daher gezielt der Förderung zur Zusammenarbeit der Verwaltungen und der Abschaffung bestehender Bürokratiehemmnisse in Grenzregionen.

Die Modellregionen berichteten in kurzen Vorträgen und mittels einer Posterausstellung und Vorführungen von GIS-Systemen im Foyer über ihre im MORO erzielten Ergebnisse. In der Modellregion Schleswig-Holstein/Syddanmark/Sjælland wurde nach einer im MORO durchgeführten Machbarkeitsstudie von den deutschen und dänischen Partnern die Implementierung eines grenzübergreifenden Raumbeobachtungssystems auf den Weg gebracht. Die Euroregion Pro Europa Viadrina widmete sich angesichts der besonderen wirtschaftlichen und verkehrlichen Bedeutung für die Region einer grenzüberschreitenden Pendleranalyse. In der Internationen Bodenseeregion wurde für die bereits bestehende fortlaufende grenzübergreifende Raumbeobachtung der Satz an Kernindikatoren konkretisiert und eine Machbarkeitsstudie zur Harmonisierung von Datengrundlagen und regionalstatistischer Kennzahlen durchgeführt. Die Trinationale Metropolregion Oberrhein führte zur Weiterentwicklung ihrer grenzübergreifenden Raumbeobachtung und für die Bereitstellung von Informationen über das parallel weiterentwickelte Geoportal GeoRhena eine umfassende grenzübergreifende Bedarfs- und Datenanalyse in der Region durch. Die Großregion konnte das bereits bestehende Geoportal GIS-GR, das den Akteuren und Entscheidungsträgern der Großregion als Grundlage ihrer Entscheidungsfindung zur Verfügung gestellt wird, weiterentwickeln und einen neuen Satz an Kernindikatoren ausarbeiten. Die Charlemagne Grenzregion initiierte einen trinationalen Wohnmonitor, mit dem eine grenzübergreifende regionale Wohnungsmarktbeobachtung verfolgt wird. Die Modellregion Deutsch-Niederländische Euregios arbeitete an der grenzübergreifenden Arbeitsmarktstatistik und stellte das Konzept des "Grenz-o-meter" dar, das quantitative und qualitative Veränderungen von Grenzbarrieren jährlich aufzeigen soll.

Die Begleitforschung stellte den prototypischen Bericht "Raumbeobachtung Deutschland und angrenzenden Regionen" (siehe "Veröffentlichungen") vor und präsentierte zentrale Erkenntnisse daraus. Sie präsentierte kartographisch in nationaler und regionaler Differenzierung aufbereitete, grenzübergreifende Datenanalysen zur Wahrnehmung von Grenzen als Barrieren und Gelegenheiten, zum Vertrauen in die Nachbarn und zu Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Verflechtungen der Nachbarländer. Schwerpunktmäßig ging sie auf die Themenbereiche Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Demografie, Migration, Raumstrukturen, Verkehr und Erreichbarkeit und Wohnungsmarkt ein.

Am zweiten Tag diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Möglichkeiten zukünftiger Kooperationen in der grenzübergreifenden Raumbeobachtung. Zuerst wurden zwei internationale Ansätze vorgestellt. Johann van der Valk vom Zentralen Amt für Statistik der Niederlande (CBS) erläuterte die Komplexität bezüglich der angestrebten harmonisierten Erfassung kleinräumiger, regionaler Daten durch die statistischen Stellen. Danach stellte er kooperative Ansätze statistischer Ämter in Europa wie das Interreg-Projekt "Developing x-border statistics" vor, die als Ziel den Aufbau einer strukturierten grenzübergreifenden Statistikdatenbank verfolgen und dabei auch alternative Big-Data-Quellen wie Mobilfunkdaten einbeziehen. Tālis Linkaits, Leiter des VASAB-Sekretariats in Riga, stellte das transnationale Raumbeobachtungssystem für den Ostseeraum vor, das die zuständigen Minister für Raumentwicklung Anfang der 1990er-Jahre gegründet hatten. Den Ostsee-Anrainerstaaten dient es dem Wissenstransfer und unterstützt die gemeinsame, faktenbasierte Entwicklung von kooperativen Leitbildern und Strategien der Raumentwicklung. Das Raumbeobachtungssystem ist eng mit ESPON verknüpft und bildet eine vornehmlich (makro-)regionale Perspektive ab.

Im Anschluss wurden auf zwei Plenumsdiskussionen Wege der Weiterführung und Verstetigung der durch das MORO initiierten grenzübergreifenden Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen erörtert. In der ersten Plenumsdiskussion wurde eine internationale Perspektive eingeschlagen. Die Referenten Dr. Maciej Zathey (Institut für territoriale Zusammenarbeit, Warschau), Jean Peyrony (MOT, Paris) und Dr. Katharina Erdmenger (BMVI) sahen gute Ansätze, um innovative Zusammenarbeit und grenzübergreifende Raumbeobachtung anzustoßen, bei den Programmen Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ) und Interreg sowie eingeschränkt bei ESPON. Als notwendig und elementar für eine dauerhafte grenzübergreifende Raumbeobachtung gilt der Aufbau eines engagierten Netzwerks "Grenzübergreifende Raumbeobachtung" und die Verankerung nachhaltiger transnationaler Strukturen. In der Plenumsdiskussion wurde die Hambacher Erklärung zwischen Deutschland und Frankreich als ein notwendiger und beispielhafter Schritt hierzu positiv hervorgehoben. Einigkeit herrschte auch darüber, dass es grundsätzlich einer Zusammenarbeit der statistischen Ämter bedarf, um grenzübergreifende Statistiken zu generieren.

In der zweiten Plenumsdiskussion wurde mit Vertretern der Modellregionen, der Bundesländer, der Bundesebene und der statistischen Landesämter die nationale Perspektive grenzübergreifender Raumbeobachtung beleuchtet. Die Notwendigkeit und der Nutzen grenzübergreifender Raumbeobachtung stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht in Frage. Die mangelnde Verfügbarkeit geeigneter grenzübergreifender Daten stellt die Praxis allerdings vor große Schwierigkeiten. Da raumbezogene Statistik stets ihren Arbeitsauftrag von der Politik erhält, begrüßten die Diskutanten entsprechende politische Initiativen. Erwünscht wurde insbesondere eine stärkere Vernetzung zwischen den deutschen Planungs- und Statistikbehörden mit den Behörden aus den Nachbarstaaten als auch der deutschen Behörden untereinander, und zwar auf allen Verwaltungsebenen.

Dr. Katharina Erdmenger (BMVI) und Jens Kurnol (BBSR) griffen in ihren Schlussworten zur Fachkonferenz das von den Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern artikulierte Bestreben nach einer stärkeren Vertiefung und Vernetzung auf. Sie dankten dafür, dass sich grenzübergreifende Raumbeobachtung als Thema durch dieses MORO stärker ins politische Bewusstsein rücken ließ. Der Bund will das Thema weiterführen und ein grenzübergreifendes Berichtssystem implementieren.

Die Links zu den einzelnen Präsentationen finden Sie hier:

Referent/inTitel
Nathalie VerscheldeGrenzen in Europa als Barrieren und Chancen
Stefan MichelKurzvortrag: Ergebnisse aus dem Grenzraum D-NL
Luise ClemensKurzvortrag: Ergebnisse der Charlemagne Grenzregion
Thierry HengenKurzvortrag: Ergebnisse der Großregion
Sebastian WilskeKurzvortrag: Ergebnisse der Trinationalen Metropolregion Oberrhein
Felix ReichertKurzvortrag: Ergebnisse der Internationalen Bodenseeregion
Toralf SchiwietzKurzvortrag: Ergebnisse der Euroregion PRO EUROPA VIADRINA
Anja SchmidKurzvortrag: Ergebnisse der Modellregion Schleswig-Holstein/Syddanmark/Sjælland
Dr. Björn Schwarze,
Dr. Klaus Spiekermann
Zentrale Erkenntnisse aus dem Bericht
"Raumbeobachtung Deutschland und angrenzende Regionen"
Johan van der ValkOrganising the production of cross-border statistics
Tālis LinkaitsCooperation in transnational territorial monitoring - Baltic Sea Region

Zusatzinformationen

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Kontakt

Volker Schmidt-Seiwert
Referat I 3 - Europäische Raum- und Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2246