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30 ha Ziel realisiert – Konsequenzen des Szenarios Flächenverbrauchsreduktion auf 30 ha im Jahr 2020 für die Siedlungsentwicklung

Die Formulierung des 30-ha-Ziels in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2002 hat eine verstärkte wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung zu Fragen eines nachhaltigen Umgangs mit Flächen initiiert. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden Szenarien zur Flächeninanspruchnahme 2020 entwickelt, um zu ermitteln, welche raum- und siedlungspolitischen Konsequenzen sich aus der Realisierung des 30-ha-Ziels im Jahr 2020 ergeben könnten.
Projektlaufzeit: Oktober 2009 - Dezember 2010

Ausgangslage

Das 30-ha-Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sieht vor, die tägliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke von 129 ha im Jahr 2000 auf 30 ha im Jahr 2020 zu reduzieren. Im politischen Raum löst diese Strategie sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Befragungen zeigen außerdem, dass nur eine Minderheit von Experten die Erreichung des Ziels für realistisch erachtet.

Während es auf umweltpolitischer Seite gleichwohl breite Zustimmung gibt, mangelt es andererseits nicht an kritischen Stimmen: Im Fall einer tatsächlichen Verknappung von Bauland warnen Kritiker vor Boden- und Mietpreissteigerungen sowie vor negativen wachstums- und beschäftigungspolitischen Implikationen. Das 30-ha-Ziel bedinge eine breite Verknappung von Bauland; neben der lokal empfundenen Knappheit und den räumlich unterschiedlich ausgeprägten Verzichtskosten. Befürchtet werden auch eine übermäßige Einschränkung der kommunalen Entwicklungsspielräume und eine strukturpolitische Benachteiligung des ländlichen Raumes.

Aktuelle Beobachtungen belegen, dass die Bautätigkeit schon jetzt auf historisch niedrigem Niveau liegt und die Flächenneuinanspruchnahme durch Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) bereits stark rückläufig ist. Im alten Bundesgebiet wurde 2008 mit "nur" 61 ha täglich die niedrigste Neuinanspruchnahme seit fünfzig Jahren verzeichnet. Folgende Fragen standen im Zentrum des Forschungsprojektes:

  • Welche räumlichen Veränderungen in Folge des 30-ha Ziels werden in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur diskutiert?
  • Welche Anpassungserfordernisse ergeben sich in den Regionen Deutschlands auf Grundlage verschiedener Konkretisierungen des 30 ha Ziels im Hinblick auf die zeitliche und räumliche Verteilung des Flächenausweisungsvolumens?
  • Wie hoch ist die zu erwartende Flächeninanspruchnahme im Jahr 2020 unter Status quo-Bedingungen? (Szenario Status quo)
  • Unter welchen Umständen oder Bedingungen kann das 30-ha-Ziel erreicht werden, und welche Konsequenzen hätten insbesondere Preisveränderungen (Szenario Zielerreichung)?
  • Welchen Einfluss nimmt die Baulandverfügbarkeit auf Preise, Bautätigkeit und Siedlungsdichte?
  • Welche raumordnungs- und siedlungspolitischen Konsequenzen sowie Handlungsempfehlungen lassen sich ableiten?

Zielsetzung

Ziel des Forschungsprojekts war es, die möglichen Auswirkungen bei Realisierung des 30-ha-Ziels systematisch zu untersuchen.

Das Projekt wurde durchgeführt von der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) unter der Projektleitung von Herrn Distelkamp und dem Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) der Universität Stuttgart unter der Projektleitung von Prof. Dr. Siedentop.

Zusatzinformationen

Kontakt

Dr. Fabian Dosch
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2160

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