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Baukultur für das Quartier
Prozesskultur durch Konzeptvergabe

Im Zuge des Drucks auf die Wohnungsmärkte haben sich bei der Vergabe kommunaler Grundstücke in den letzten Jahren Alternativen zum Bieterverfahren entwickelt. Dabei wird die Liegenschaft nicht nach dem Höchstpreis vergeben, sondern nach dem Konzept, das die nachhaltigsten Ansätze zur Weiterentwicklung des Quartiers anbietet. Ziel des Forschungsprojekts ist die qualitative Untersuchung von Konzeptvergaben in Bezug auf baukulturelle Aspekte und anhand von Best-Practice-Beispielen sowie die Erarbeitung von Empfehlungen.

Projektstart: Dezember 2017

Ausgangslage

Die Bauleitplanung reicht nicht aus, um städtebauliche, architektonische, nutzungsbezogene und soziale Qualitäten von Bauprojekten zu sichern. Ebenso wenig wird es regelmäßig möglich sein, diese dadurch zu erreichen, dass Kommunen selbst zu Projektentwicklerinnen werden. Bei der Konzeptvergabe handelt es sich um eine Vorgangsweise, die zwischen diesen beiden Zugängen angesiedelt ist und die Lücke in der Qualitätssicherung stadtplanerischer Prozesse zu schließen hilft. Konzeptvergaben von Grundstücken werden deshalb deutschlandweit zunehmend häufiger eingesetzt und gewinnen an Aufmerksamkeit. Immer öfter werden Grundstücke nicht zum höchsten Preis vergeben, sondern an herausragende Projekte. Diese werden danach beurteilt, ob sie zur Qualität des zu entwickelnden Stadtteils beitragen – und in welcher Form, mit welchen Mitteln sie das tun. Dadurch lässt sich für die Zwecke der Stadtteilentwicklung die Innovationskraft und Kreativität von Projektentwicklerinnen und Projektentwicklern in Anspruch nehmen und ein kooperativerer Planungsprozess erreichen. Vorläufer der heutigen Konzeptvergaben waren Verfahrenstypen, wie sie etwa in Tübingen seit den 1990er-Jahren eingesetzt wurden.

Gebäudezeile am Sandtorkai in der Hamburger Hafencity. Direkt davor liegen Schiffe im Sandtorhafen vor Anker. In der Hafencity wird generell die Konzeptvergabe angewandt.Konzeptvergabe in Hamburg: Bebauung am Sandtorkai in der Hafencity Quelle: Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Hamburg, HafenCity, Schiffe im Sandtorhafen-Traditionsschiffhafen -- 2016 -- 3028” / CC BY-SA 4.0

Ziel

Anhand von zehn Best-Practice-Beispielen wird das Spektrum der Konzeptvergabe untersucht: Welche Vorgangsweisen sind geeignet, baukulturelle Zielsetzungen zu erreichen? Welche Rahmenbedingungen waren erfolgreich? Wie können Städte verschiedener Größe mit dem Thema umgehen? Welche Varianten und Zugänge gibt es? Zusätzlich werden im Projekt handlungsleitende Empfehlungen für Kommunen abgeleitet. Im Mittelpunkt des Interesses steht immer die Frage der baukulturellen Qualität im breiten Sinn, die durch die Konzeptvergabe gesteigert werden soll. Dabei wird es um den Vergleich verschiedener erfolgreicher Vorgangsweisen und deren Besonderheiten, Einsatzmöglichkeiten und Nutzen gehen und um die längerfristige Anwendbarkeit der Konzeptvergabe. Besonderes Augenmerk liegt auf den Bedürfnissen kleiner und mittlerer Städte. Somit sind erfolgreiche Fallbeispiele aus diesem Bereich besonders wichtig.

Bebauung am Tübinger Lorettoplatz im Französischen Viertel, ein Areal, das mithilfe von Konzeptvergaben entwickelt wurde.Lorettoplatz im Französischen Viertel in Tübingen Quelle: Ramessos, Public Domain, vgl. commons.wikimedia.org/wiki/File:TuebingenFranzViertel2.jpg

Zusatzinformationen

Kontakt

Karin Hartmann
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-1219