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Innenentwicklung in kleineren Städten und Gemeinden – Strategien zur Sicherung lebendiger und nutzungsgemischter Wohn- und Versorgungsstandorte

Dem Grundsatz, der Innenentwicklung Vorrang vor Außenentwicklung einzuräumen, mag im planerischen Fachdiskurs wohl kaum jemand widersprechen. Schließlich kommt der Innenentwicklung eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu. Auch die Erkenntnis, dass Innenentwicklung als gemeinsame Aufgabe öffentlicher wie privater Akteure gestaltet und als Teil der integrierten Stadtentwicklung betrachtet werden muss, findet meist Zustimmung. Aber die Praxis sieht vielerorts immer noch anders aus – nicht nur, aber auch in kleineren Städten und Gemeinden. Das Projektteam untersucht, mit welchen Strategien sich die Innenentwicklung in schrumpfenden und sich stabilisierenden Kleinstädten vornehmlich in ländlichen Räumen gezielt stärken lässt, um diese als lebendige und nutzungsgemischte Wohn- und Versorgungsstandorte zu erhalten.

Projektstart: Februar 2018

Ausgangslage

Blick von der Burg auf den unterhalb, südwestlichen gelegenen Teil der Stadt. KastellaunKastellaun Quelle: Lars Porsche


Sanierte Altbauten Glückstadt GlückstadtGlückstadt Quelle: Plan und Praxis

Innenentwicklung kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, nutzungsgemischte Wohn- und Versorgungstandorte im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu gestalten. Der Vorrang der Innenentwicklung vor Außenentwicklung ist in den fachlich-planerischen Diskursen zum Konsens geworden. Seit der Novellierung 2013 steht auch im Baugesetzbuch, dass die städtebauliche Entwicklung vorrangig durch Maßnahmen der Innenentwicklung erfolgen soll (§1, Abs. 5 BauGB).

Die Praxis sieht in vielen Kommunen aber anders aus. Gerade Kleinstädte in schrumpfenden oder sich stabilisierenden Räumen sind mit einem Funktionsverlust (u.a. Wohnen und Handel) konfrontiert. Dieser macht sich unter anderem in Leerstand und Brachflächen in Ortskernen bemerkbar, während am Ortsrand oder in Ortsteilen nicht selten weiter Flächen für Wohnen und Gewerbe ausgewiesen werden. Dies ist zum einen exogenen sowie strukturellen und gesamtgesellschaftlichen Faktoren wie dem demografischen Wandel, veränderten Wohnbedürfnissen oder der Digitalisierung im Einzelhandel geschuldet. Zum anderen sind Hindernisse und Blockaden für eine gezielte Innenentwicklung auf eine Kluft zwischen Wissen und Umsetzung zurückzuführen. Oftmals haben Kleinstädte nach jahrelangen Prozessen der Verwaltungsrestrukturierung kaum noch personelle und finanzielle Ressourcen, um Innenentwicklung engagiert und mit Nachdruck voranzubringen.

Gleichzeitig zeigt sich die Notwendigkeit zur intensiven Beteiligung der lokalen Bevölkerung und Akteure: Dort, wo sich kommunale Akteure im Zusammenspiel mit Eigentümern, lokaler Zivilgesellschaft, lokaler Wirtschaft und Bewohnern aktiv für Innenentwicklung einsetzen, lassen sich erfolgreich Impulse für lebendige Wohn- und Versorgungsstandorte setzen. Dies umfasst die gemeinsame Verständigung über die ortspezifischen strategischen Ziele zur Innenentwicklung, die Anwendung passfähiger planerischer Instrumente, die zielgruppengerechte Kommunikation der Innenentwicklungsstrategie sowie die Aktivierung der notwendigen Ressourcen für die Umsetzung. Für Stadtentwicklung allgemein und für Innenentwicklung insbesondere gilt: Sie bedürfen integrierter Herangehensweisen sowie des Aufbaus von Kooperationsstrukturen, die die Einbindung der unterschiedlichen lokalen Akteure, die Mobilisierung ihrer Ressourcen und das Aushandeln verschiedener Interessen ermöglichen.

Blick in die Fachwerkaltstadt Ummerstadt und die Geschäftsstelle der Initiative Rodachtal e.V.. UmmerstadtFachwerkaltstadt Ummerstadt Quelle: Plan & Praxis

Umbau eines Bestandshauses in der Altstadt von Perlesreut Perlesreut Bestandshauses in der Perlesreut Altstadt Quelle: Plan & Praxis


Ziel

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage, mit welchen Strategien sich die Innenentwicklung in schrumpfenden und sich stabilisierenden Kleinstädten gezielt stärken lässt, um diese als lebendige und nutzungsgemischte Wohn- und Versorgungsstandorte zu erhalten. Konzeptionelle und planungsrechtliche Instrumente stehen dabei ebenso im Fokus wie Werkzeuge, die Kommunikation, Abstimmung und Zusammenarbeit der Akteure anregen. Das Projektteam betrachtet vorrangig Kommunen, die Mittel aus der Städtebauförderung einsetzen – in erster Linie aus dem Programm "Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke". Es bereitet die Ergebnisse des Forschungsprojekts so auf, dass sie Praktikern helfen, Strategien zur Innenentwicklung zu formulieren und umzusetzen. Darüber hinaus soll das Projekt Empfehlungen dazu liefern, wie sich die Städtebauförderung weiter ausgestalten lässt.

Zusatzinformationen

Kontakt

Christoph Vennemann
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-1246