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Innenentwicklung in kleineren Städten und Gemeinden – Strategien zur Sicherung lebendiger und nutzungsgemischter Wohn- und Versorgungsstandorte

Konzept

Innenentwicklung ist sowohl eine planerische Leitidee als auch als eine umsetzungsorientierte Strategie. In Kleinstädten ist diese Strategie zentral, um Vitalität und Urbanität der Stadt zu erhalten. Sie ist eine gemeinsame Aufgabe zwischen Stadtverwaltung, Kommunalpolitik, Eigentümern, Investoren sowie der Zivilgesellschaft. Dabei geht es in den Kommunen um das eindeutige Primat der (Weiter-)Entwicklung bereits erschlossener Stadt- und Siedlungsräume gegenüber der Ausweisung neuer Siedlungsflächen. Damit können die vorhandenen Ressourcen und Potenziale im Sinne lebendiger und nutzungsgemischter Wohn- und Versorgungsstandorte besser ausgenutzt und die Neuinanspruchnahme von Flächen aktiv begrenzt werden. Die Innenentwicklung trägt so bedeutend zur nachhaltigen Stadtentwicklung, zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und zum Erhalt baukulturell wertvoller Orts- und Landschaftsbilder bei.

Eine bewusste Strategie der Innenentwicklung umfasst verschiedene formale wie informelle Instrumente. Dabei sind Eigenart und Eigenlogik der Kleinstädte zu berücksichtigen: Für eine erfolgreiche Innenentwicklung gibt es kein Patentrezept; vielmehr müssen lokal passfähige Lösungen in jeder Kommune im Dialog zwischen den benannten Akteursgruppen selbst entwickelt werden.

Blick durch die Altstadt von Colditz auf das Schloss ColditzAltstadt von Colditz Quelle: Plan & Praxis

Wohnneubau im historischen Zentrum von Weißenfels WeißenfelsWeißenfels Quelle: Lars Porsche

Interkommunalsn Bürgerzentrum am Marktplatz der Stadt Hofheim i. UFr. Hofheimer AllianzBürgerzentrum am Marktplatz der Stadt Hofheim i. UFr. Quelle: Plan & Praxis

Die Leitfragen des Forschungsprojekts lauten:

  • Mit welchen Herausforderungen in der Innen- und Ortskernentwicklung müssen Kleinstädte umgehen?
  • Welche Ansätze und Strategien gibt es, um die Entwicklung – sowohl baulich als auch funktional – verstärkt auf die Stadt- und Ortskerne und den Siedlungsbestand zu richten?
  • Welche Instrumente und Ansätze haben sich besonders bewährt und warum?
  • Welcher Stellenwert kommt neuen Wohnformen oder multifunktionalen Einrichtungen zu, um die Stadt- und Ortskerne langfristig als attraktive Lebensmittelpunkte zu erhalten?
  • Welche Akteure sind bei der Innenentwicklung und der Sicherung lebendiger, nutzungsgemischter Stadtzentren einzubeziehen?
  • Wie gelingt es, Eigentümer für die Strategie der Kommune zu gewinnen?
  • Wie lässt sich die Stadtgesellschaft einbeziehen?
  • Welche Handlungsoptionen und Synergien ergeben sich im interkommunalen Zusammenhang für die Innenentwicklung?
  • Auf welche Fördermöglichkeiten, weiteren Impulse und Unterstützung von außen können Kommunen zurückgreifen?
  • Welche Empfehlungen lassen sich für die Ausgestaltung und Umsetzung der Programme der Städtebauförderung – insbesondere das Städtebauförderprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“ ableiten?

Forschungsdesign und methodische Vorgehensweise sind darauf ausgerichtet, sowohl die inhaltlichen Ziele als auch Prozesselemente der Innenentwicklung zu analysieren und daraus Empfehlungen abzuleiten. Zudem berücksichtigt das Forschungsdesign die Eigenlogik der Kleinstädte in schrumpfenden und sich stabilisierenden vorwiegend ländlichen Räumen. Kleinstädte weisen besondere Qualitäten und eigene Formen von Urbanität auf. Und sie stehen vor besonderen Herausforderungen. Während Kleinstädte in zentralen Lagen mit Wachstumsdynamiken umgehen müssen, sind in Kleinstädten in peripheren Lagen Schrumpfungsprozesse zu managen und Investitionsanreize in den innerörtlichen Bestand zu lenken. In Kleinstädten, die aus vielen Ortsteilen bestehen, sowie in Abstimmungsprozessen unter Nachbarkommunen muss im Rahmen der Innenentwicklung das „Innen“ definiert sein. Zudem ist zu klären, welche Ortskerne durch welche Funktion gestärkt werden und in welche Innenbereiche die Nachfrage nach Flächen und Immobilien gelenkt wird.

Die Grafik zeigt die vier Analyseschritte des Forschungsprojekts Analysegrafik_InnenentwAnalyseschritte des Forschungsprojekts Quelle: Urbanizers

Bestandsaufnahme
Mittels Literatur- und Desktoprecherche, die Vorhaben über die Städtebauförderung hinaus betrachtet, sowie zehn leitfadengestützter Experteninterviews erhebt das Projektteam den Status quo der Diskussion zur Innenentwicklung. Gleichzeitig untersucht es Stärken und Schwächen der Strategien und Instrumente zur Sicherung lebendiger Wohn- und Versorgungsstandorte in Kleinstädten.

Fallstudien
Anhand von Fallbeispielen aus Programmkommunen „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“ sowie gegebenenfalls weiteren Programmen der Städtebauförderung untersucht das Projektteam gezielt erfolgreiche kommunale sowie interkommunale Strategien und Instrumente. In Innenstadtspaziergängen, Gruppen- und Einzelinterviews erhalten lokale Akteure die Gelegenheit, ihre Herangehensweise an Innenentwicklung zu schildern sowie funktionierende Instrumente und Verfahren oder Herausforderungen zu benennen. Auf lokalen Veranstaltungen mit Bezug zum Thema Innenentwicklung (z. B. Gremiensitzungen, Treffen von Standortgemeinschaften, öffentliche Events, temporäre Aktionen im öffentlichen Raum) führt das Projektteam teilnehmende Beobachtungen durch.

Expertenworkshop, Auswertung der Ergebnisse
Auf einem Workshop reflektieren und diskutieren Experten die Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts. Zugleich erörtern sie, welche Formen des Ergebnistransfers für eine möglichst hohe Praxistauglichkeit und Anwenderfreundlichkeit zielführend sind.

Ergebnistransfer
Dem Wissenstransfer kommt innerhalb des Forschungsprojekts ein großer Stellenwert zu. Angesichts der feststellbaren geringen personellen und finanziellen Ressourcen der kleinstädtischen Verwaltungen kommt es darauf an, dass die Ergebnisse anwendungsorientiert und anschaulich aufbereitet werden. Das Projektteam erstellt eine Arbeitshilfe, die sich in erster Linie an lokale Akteure richtet. Mögliche Zielgruppen sind Verwaltung und Politik auf kommunaler Ebene, Planer, Akteure aus Einzelhandel, Online-Handel und Immobilienwirtschaft sowie zivilgesellschaftliche Akteure, die sich für die Entwicklung ihrer Stadt engagieren. Hier sollen Wege für eine aktive Innenentwicklung zur Sicherung lebendiger und nutzungsgemischter Kleinstädte aufgezeigt werden.

Zusatzinformationen

Kontakt

Christoph Vennemann
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-1246