Navigation und Service

Innenentwicklung in kleineren Städten und Gemeinden – Strategien zur Sicherung lebendiger und nutzungsgemischter Wohn- und Versorgungsstandorte

Ergebnisse

Fallstudienkommunen

Im Forschungsprojekt "Innenentwicklung in kleineren Städten und Gemeinden" wurden zehn Fallbeispiele aus den Programmkommunen "Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" sowie weiteren Programmen der Städtebauförderung ausgewählt und näher untersucht. Der Schwerpunkt lag hier auf erfolgreichen Strategien zur Sicherung lebendiger und nutzungsgemischter Wohn- und Versorgungsstandorte. Während der Bereisungen der ausgewählten Städte fanden Gruppen- und Einzelinterviews mit unterschiedlichen, an Projekten der Innenentwicklung beteiligten Akteuren statt. Ziel war es, genauere Erkenntnisse zur Herangehensweise, aber auch zu Herausforderungen im Umgang mit Instrumenten und Verfahren zu gewinnen. Aus den Fallstudien sollen übertragbare Lösungsansätze abgeleitet werden, die weiteren kleineren Städten und Gemeinden bei der Innenentwicklung als Orientierung dienen können.

Neustadt in Holstein

In der über 750 Jahre alten Hafenstadt Neustadt in Holstein liegt der Schwerpunkt der Innenentwicklung auf der Entwicklung und Sanierung der Hafenwestseite sowie der Aufwertung der Altstadt. Um den innerstädtischen Raum zu beleben und die Attraktivität zu sichern, kooperieren kommunale Verwaltung und Politik der Stadt eng mit dem Stadtmarketing und einem Gewerbeverein. Den öffentlichen Raum besser zu erleben und aufzuwerten sowie die zentralen Lagen des Einzelhandels zu stärken sind wichtige Ziele der Innenentwicklung in Neustadt. Für übergeordnete Projekte wie dem Zukunftskonzept Daseinsvorsorge oder dem städtebaulichen Wettbewerb zur Entwicklung des Hafenareals wurde die Zivilgesellschaft unter anderem über einen Design-Thinking-Prozess eingebunden.


Wittstock/Dosse, Pritzwalk

Blick über die Dächer von Pritzwalk und im Hintergrund die Kirche St. Nikolai Bild WittstockStadt Pritzwalk Quelle: Urbanizers

Die beiden Städte Wittstock/Dosse und Pritzwalk bilden ein geteiltes Mittelzentrum. Beide Kommunen kooperieren eng bei der Industrie- und Gewerbeentwicklung und verfügen über ein baukulturell bedeutendes, als Flächendenkmal geschütztes Innenstadtensemble. Beide arbeiten interkommunal mit zum Teil ähnlichen Strategien und Instrumenten an der Innenentwicklung. Dabei profitiert man gegenseitig voneinander. Insbesondere Pritzwalk entwickelt derzeit Strategien zur Verringerung innerstädtischen Leerstands im Einzelhandel sowie zur Integration sozialer Dienstleistungen in Kombination mit betreutem Wohnen.


Flöha

Die Große Kreisstadt Flöha setzt sich aus vier ehemaligen Dörfern (Flöha, Gückelsberg, Plaue, Bernsdorf) zusammen, ohne ein gesamtstädtisches Zentrum zu besitzen. 2001 erwarb die Stadt das Gebäude der 1994 stillgelegten Baumwollspinnerei von der Treuhandanstalt. Es wurde die Idee vorangetrieben, den identitätsstiftenden Komplex als neues Stadtzentrum zu entwickeln. In interdisziplinären Teamworkshops erarbeiteten die Teilnehmenden Lösungsansätze und Entwürfe zur Nutzungsmischung. Die Ergebnisse flossen in ein städtebauliches Gesamtkonzept ein, das die Nachnutzung des Areals strukturiert. Zunächst wurden in der "Alten Baumwolle" öffentliche Nutzungen (KiTa, Stadtbibliothek, Stadtsaal etc.) zusammengezogen. Mittlerweile siedelt sich dort auch Einzelhandel an. Die Umsetzung wird über verschiedene Fördermittelprogramme und private Investitionen finanziert. Mit den Erfahrungen werden nun weitere ehemalige Industriegebäude in der Stadt entwickelt.


AG Bachtal

Wohngebiet in der Verbandsgemeinschaft Bachtal Bild BachtalVerwaltungsgemeinschaft Bachtal Quelle: Urbanizers

Die AG Bachtal, auf der Schwäbischen Alb gelegen, besteht aus den drei Gemeinden Syrgenstein, Bachhagel und Zöschingen. Sie bilden zusammen eine Verwaltungsgemeinschaft. Die dörflich geprägten Gemeinden setzen sich zudem ihrerseits aus mehreren Ortsteilen zusammen. Unter dem Leitgedanken "In allen Lebenslagen – Leben und Wohnen im Bachtal" kooperieren die Gemeinden eng miteinander. Die interkommunale Zusammenarbeit bleibt dabei nicht auf die Verwaltung beschränkt. Auch die Bewohner vernetzen sich gemeindeübergreifend, etwa mit einem Seniorenbeirat oder Bürgerservice. Baulich-räumlich konzentriert sich die Innenentwicklung auf die jeweiligen Ortsmitten. Weitere Ziele stellen die Aktivierung und der Umbau leerstehender Einzelobjekte oder die Stärkung der sozialen und kulturellen Infrastruktur. Alle Gemeinden bewerben ihr Baulandangebot "klassisch". Allerdings zeigt sich bei den Gemeinden ein "neues Denken" bezüglich generationengerechtem Wohnen im Siedlungsbestand. Für Kaufinteressierte steht über das interkommunale Immobilienportal ein innovatives Beratungsangebot für den "Bestandscheck" zu Verfügung.


llzer Land

Unter dem Motto "Hand in Hand im Ilzer Land" haben sich mittlerweile zwölf Städte und Gemeinden im bayerischen Wald zum Verein "Ilzer Land e.V." zusammengeschlossen. Ziel ist es, eine weitreichende überörtliche Kooperation zu verstetigen. Die landkreisübergreifende Kommunalallianz arbeitet nach den Prinzipien Eigeninitiative, Freiwilligkeit, Gleichberechtigung und Zukunftsorientierung zusammen. Das interkommunale Entwicklungskonzept definiert Ansätze zur Belebung, Bebauung und Konzeption der Ortskerne. Ein Impulsprojekt ist die Bauhütte, die in einem sanierten und identitätsstiftenden historischen Gebäude in Perlesreut Bauberatung, Öffentlichkeitsarbeit, Aus- und Weiterbildung sowie Gründerförderung anbietet. Die Belebung der Ortsmitte ist das Ziel des Projekts "Meierei" in Thurmansbang, mit dem Co-Housing, ein Bürger-Café sowie Betreuungsangebote umgesetzt werden. Auch in anderen Kommunen im Ilzer Land entstanden Leuchtturmprojekte, die weit über die Gemeindegrenzen hinaus wirken. Ein Beispiel ist der Technologiecampus Grafenau.


Eschwege

Blick in die Fußgängerzone von Eschwege Bild EschwegeInnenstadt Eschwege Quelle: Urbanizers

Die im Werra-Meißner-Kreis als Einkaufsstadt bekannte Stadt Eschwege vereint kreative Einzelhandelskonzepte mit modellhaften Umbaukonzepten der Altstadtquartiere und des öffentlichen Raums. Die Zunahme des Leerstands in der Innenstadt ließ sich durch verschiedene Maßnahmen nach Jahren aufhalten. Mit einer stadteigenen Projektentwicklungsgesellschaft und der Wirtschaftsförderung wurde das ehemalige Hertie-Kaufhaus (heute Schloss-Galerie) reaktiviert und vermarktet. Temporäre Nutzungen wie Pop-Up-Stores und ein Förderprogramm für Existenzgründer hatten das Ziel, weitere Impulse für die Einkaufsstadt zu setzen. Zudem wurden öffentliche Räume wie der Marktplatz zum Shared Space und die Innenstadt insgesamt barrierefrei umgestaltet. Teilnehmende eines Wettbewerbs entwickelten Vorschläge und Ideen zum Umbau einzelner "Innenstadtkarees". Ein Leerstandskataster konnte mithilfe des Modellvorhabens "Region schafft Zukunft – Handlungsfeld regionale Entwicklung" aufgebaut werden. Auf dieser Grundlage entstand ein kreisweites Online-Portal für Immobilienangebote.


Hann. Münden

Am Zusammenfluss von Werra und Fulda befindet sich Hannoversch Münden, dessen Altstadt ein reiches baukulturelles Fachwerkerbe darstellt. Der Bestand weist jedoch teilweise einen hohen Leerstand und Sanierungsbedarf auf. Gleichzeitig soll er zeitgemäßen Wohnstandards und Anforderungen des Einzelhandels Rechnung tragen. Während Stadtverwaltung und Stadtpolitik nach einer Strategie für diese umfangreichen Aufgaben der Innenentwicklung suchten, ergriffen Bürger selbst die Initiative. Als Initiatoren des Festivals "DenkmalKunst" nutzten sie Kunst und Kultur als Impulsgeber für die Innenentwicklung. Sie setzten so neue Maßstäbe im Bereich der Revitalisierung historischer Altstädte. Mittlerweile wurden die Ideen mit dem "Fachwerk-Fünfeck" in einem Verbund von fünf Fachwerkstädten transferiert.


Vreden

Blick auf die Kirche St. Georg in Vreden Bild VredenStadt Vreden Quelle: Urbanizers

Entwicklungsziele der an der niederländischen Grenze gelegenen Stadt Vreden sind unter anderem die Verbesserung der Aufenthalts- und Erlebnisqualität im öffentlichen Raum und die Bewahrung des baukulturell bedeutenden Stadtbilds. Als Leitbild dient hierfür der räumliche Dreiklang aus Ortszentrum, KulturQuartier und Berkelaue. Im 2017 eröffneten KulturQuartier ist das kulturhistorische Zentrum "kult – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland" zentral. Es vereinigt bestehende Einrichtungen und schafft dadurch ein kulturelles Angebot für die gesamte Region. Die zentrale Innenstadt soll städtebaulich und freiraumplanerisch mit der Berkelaue verknüpft und durch fußläufige Verbindungen aufgewertet werden. Das im "kult" angesiedelte City-Management pflegt den aktiven Austausch mit Einzelhändlern. Mit einem Verfügungsfonds sowie ehrenamtlichen Initiativen wird die Innenstadt zudem attraktiv gehalten.


Altena

Die Stadt Altena im Sauerland verfolgt zielgerichtet Strategien zur Aufwertung der Innenstadt. Bereits umgesetzte Beispiele sind die Neugestaltung des Lenne-Ufers, die Verbindung zwischen Innenstadt und Bahnhof sowie der Bau des "Erlebnisaufzugs" zur Burg Altena. Die Aktivitäten konzentrieren sich vor allem auf die zentrale Lennestraße, um das "Gesicht" der Stadt zu bewahren und die zentrale Einkaufsstraße lebendig zu halten. In leerstehenden innerstädtischen Ladengeschäften wurden temporäre Pop-Up-Stores gefördert, in denen neue Nutzungen erprobt wurden. Ziel war es, die Aufmerksamkeit auf Potenzialflächen der Stadt zu lenken. Als Nothaushaltskommune (seit 2001) gestaltete es sich jedoch als schwierig, die kommunalen Eigenanteile für Fördermittel aufzubringen sowie Projektansätze zu verstetigen. Zahlreiche bürgerschaftliche Initiativen und Gruppen sind essenziell für die Gemeinwesenarbeit und werden durch einen Förderverein für bürgerschaftliches Engagement dabei unterstützt.


Kurstadtregion Elbe-Elster

Innerstädtische Struktur von Bad Liebenwerda Bild Elbe-ElsterBlick auf Bad Liebenwerda Quelle: Urbanizers

Bad Liebenwerda und Elsterwerda bilden gemeinsam ein geteiltes Mittelzentrum. Zudem bringen die Städte zusammen mit drei Nachbargemeinden die Kurstadtregion Elbe-Elster auf den Weg. Derzeit wird hierfür eine gemeinsame Verwaltungsstruktur vorbereitet. Parallel nutzt Bad Liebenwerda verschiedene Instrumentarien zur Innenentwicklung. Für Gewerbe und Einzelhandel wurde ein Innenstadtfonds und "Zentrumstraining" (Aktivierung von Gewerbetreibenden) eingeführt. Zudem zeigt die Stadt, wie sich auch zentrumsnah verträglich großflächiger Einzelhandel entwickeln lässt. Derzeit weist die schrumpfende Kommune kaum Wohnungsleerstand auf. Allerdings prognostiziert eine Wohnbedarfsanalyse jedoch erhebliche Leerstände innerhalb der nächsten zehn Jahre. Offen ist, wie mit dieser Prognose umgegangen wird und welche Konsequenzen für die Innenentwicklung gezogen werden. Es gibt erste Ideen, wie innerstädtisches Wohnen an Attraktivität gewinnen kann (Probewohnen).


Zusatzinformationen

Kontakt

Christoph Vennemann
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-1246