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Potenzialanalyse altersgerechte Wohnungsanpassung

Ergebnisse

Wohnsituation von älteren und pflegebedürftigen Menschen 

Wird die Wohnsituation der Haushalte mit pflegebedürftigen Personen (aller Altersgruppen) mit der Wohnsituation der "älteren" Bevölkerung (Haupteinkommensbezieher 65 Jahre und älter) verglichen, so sind die Unterschiede bis auf wenige Abweichungen gering. Die pflegebedürftigen Personen wohnen erwartungsgemäß etwas häufiger in Wohnheimen mit eigener Haushaltsführung. Zudem wohnen sie häufiger in Gebäuden mit sehr vielen Wohnungen (21 und mehr), sowie in jüngeren Gebäuden (Baujahr nach 1991), die möglicherweise eher altersgerechte Ausstattungsmerkmale aufweisen. Pflegebedürftige Personen bewohnen eher kleinere Wohnungen und verfügen demnach über eine geringere Wohnfläche pro Person. Zudem wohnen sie häufiger zur Miete und weisen eine geringere Mietbelastung auf. Alle genannten Aspekte zur Wohnsituation von älteren und pflegebedürftigen Menschen wirken sich auf die Möglichkeiten und Kosten eines altersgerechten Umbaus aus. 

Altersgerechter Wohnungsbestand 

Zur Anzahl an "altersgerechten" Wohnungen in Deutschland liegen bisher nur wenige Informationen vor. Dies gilt sowohl in Bezug auf die gesamte Bevölkerung als auch auf die Haushalte mit Pflegebedürftigen. Zwar haben sich mit der DIN 18040-2 für den Wohnungsneubau, den Technischen Mindestanforderungen des KfW Programms "Altersgerecht Umbauen" für den Wohnungsbestand und mit dem Standard der KfW "Altersgerechtes Haus/Wohnung" inzwischen technische Standards für Barrierefreiheit und Barriereabbau etabliert; eine differenzierte Erfassung der zugehörigen Merkmale schlägt sich jedoch in den einschlägigen Fachstatistiken noch nicht nieder. So finden sich in der amtlichen Statistik des Mikrozensus (MZ), des Zensus, der Pflegestatistik oder auch dem Sozioökonomischen Panel (SOEP), dem Alterssurvey (DEAS), der europaweiten SHARE-Erhebung (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe), sowie in den auf die Erfassung der Situation der pflegebedürftigen Personen zugeschnittenen Befragungen zu den "Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung" (MuG) lediglich rudimentäre Angaben zum Anteil von altersgerechten Wohnungen in Deutschland. 

Derzeit liefert die vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) durchgeführte Studie "Wohnen im Alter" aus dem Jahr 2011 die aktuellsten und differenziertesten Daten zu diesem Thema. Die Ergebnisse werden in der vorliegenden Studie insbesondere für den Anteil an bereits bestehenden altersgerechten Wohnungen verwendet. Insgesamt bewohnen nach den Ergebnissen der KDA-Studie 5,2 % der 2009 befragten Seniorenhaushalte (65 Jahre und älter) weitgehend altersgerechte Wohnungen, d.h. es sind kaum Barrieren beim Zugang zur Wohnung und keine Treppen in der Wohnung oder technische Hilfen sowie ausreichende Türbreiten und Bewegungsflächen im Sanitärbereich sowie eine bodengleiche Dusche vorhanden. Dies entspricht bei ca.11 Mio. Seniorenhaushalten ca. 570.000 barrierereduzierten Wohneinheiten in Deutschland. Aus der KDA-Studie lässt sich zudem ermitteln, dass gegenwärtig 7,7 % der Seniorenhaushalte mit pflegebedürftigem Mitglied in altersgerechten Wohnungen leben. 

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass in knapp 92 % der aktuell von Senioren bewohnten Wohnungen spätestens bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit bzw. bei rund 95 % der Seniorenhaushalte bei Auftreten von Mobilitätseinschränkungen Handlungsbedarf besteht. Die vorliegende Studie liefert keine abschließende Einschätzung zum Bedarf an altersgerechten Wohnungen. Es werden vielmehr die möglichen fiskalischen Effekte bei einem altersgerechten Umbau für die Zielgruppe der Pflegebedürftigen unter Verweis auf die verfügbaren Statistiken ermittelt. 

Kosten und staatliche Förderinstrumente zum altersgerechten Umbau von Wohnungen 

Aus den Förderdaten des KfW-Förderprogramms "Altersgerecht Umbauen" lassen sich empirisch belastbare Angaben zu den Kosten eines altersgerechten Umbaus der Wohnung bzw. des Gebäudes ermitteln. Für die im Jahr 2011 rd. 43.000 in beiden Programmvarianten geförderten Wohnungen ergeben sich auf der Grundlage der Angaben der Antragsteller förderfähige Umbaukosten von durchschnittlich rund 13.990 Euro pro Wohnung (über alle Förderbausteine). Oftmals investieren die Antragsteller jedoch über den förderfähigen Umfang hinaus. Daher sind nach den Erfahrungen der KfW die zuschussfähigen Investitionen um etwa 20 % zu erhöhen, um zu den gesamten, mit der Förderung verbundenen Investitionen zu gelangen. Der Durchschnittsbetrag für den Umbau einer Wohnung erhöht sich damit auf 16.840 Euro. Nach der Art des Gebäudes (z.B. Ein- und Mehrfamilienhaus, Baualter) und der Wohnfläche differenzierte Kostenangaben sind aus den Statistiken der KfW nicht ableitbar. Auch zum Grad der durch die Umbaumaßnahmen erzielten Barrierereduzierung oder Barrierefreiheit sind keine Aussagen möglich. Zudem kann die mit dem Umbau erreichte Komfortverbesserung und Verbesserung der gesamten Lebenssituation nicht beziffert werden, ebenso wenig wie die mit dem Umbau verbundenen temporären Unbequemlichkeiten. 

Das KfW-Programm "Altersgerecht Umbauen" bestand bis zum Jahr 2011 mit Bundesbeteiligung aus zwei Fördermöglichkeiten. Zum einen konnte ein zinsverbilligter Kredit von maximal 50.000 Euro je Wohneinheit für alle Investoren in Anspruch genommen werden. Zum anderen konnte ein fünfprozentiger Zuschuss, bezogen auf die aufgewendeten Investitionskosten, für private Antragsteller mit bis zu zwei Wohneinheiten genutzt werden. Seit 1. Januar 2012 übernimmt die KfW die Darlehensvariante als Eigenmittelprogramm "Altersgerecht Umbauen". Die Förderung ist nicht auf eine bestimmte Zielgruppe beschränkt und lediglich durch die Einhaltung der Technischen Mindestanforderungen, die Förderbausteine sowie durch einen förderfähigen Höchstbetrag geprägt. 

Die Förderung im Rahmen des § 40 Abs. 4 SGB XI ist auf den Personenkreis der pflegebedürftigen Personen und auf einen Höchstbetrag von 2.557 Euro je Maßnahme und Pflegebedürftigen beschränkt. Bei einer Bedarfsprüfung wird für den konkreten Fall der sich ergebende Anpassungsbedarf der Wohnung festgelegt. Von den im Jahr 2010 in Privathaushalten lebenden Pflegebedürftigen haben 17 % entsprechende Zuschüsse zu baulich-technischen Maßnahmen in der Wohnung erhalten. Die Art der vorgenommenen Anpassungsmaßnahmen und ihre Gesamtkosten sind nicht bekannt. Ebenso ist nicht bekannt, aus welchen Gründen die komplementären 83 % der Pflegebedürftigen keine Leistungen erhielten oder beantragt haben. 

Beide Förderinstrumente erfordern ein aktives Handeln und in aller Regel eine finanzielle Eigenbeteiligung der Antragsteller. 

Effekte einer altersgerechten Wohnungsversorgung 

Die Analyse der verschiedenen Einflussfaktoren auf den längeren Verbleib in der häuslichen Umgebung macht deutlich, dass neben dem altersgerechten Umbau der Wohnung weitere wichtige Einflussfaktoren existieren. Der wohl wichtigste Aspekt besteht in dem Vorhandensein einer informellen Pflegeperson. Ferner ist der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen ein wichtiger Einzelfaktor für den Heimeintritt. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass ab einem bestimmten Pflegebedarf der häuslichen Pflege durch Angehörige sowie der Finanzierung von qualifiziertem Personal Grenzen gesetzt sind. 

In diesem Zusammenhang belegen eine Reihe von Studien den Wirkungsgrad von altersgerechtem Umbau auf die Vermeidung eines Heimeintritts. Sie sind vor allem für die Berechnung der fiskalischen Effekte altersgerechter Wohnungsanpassung von Bedeutung. Niepel (1999) ermittelte auf Basis von Befragungsdaten der Wohnberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen die Wirkung des altersgerechten Umbaus auf die Vermeidung eines Heimeintritts und unterscheidet hierbei zwischen den Pflegestufen I bis III. Danach ließe sich im Mittel über den altersgerechten Umbau der Wohnung für 15 % der Pflegebedürftigen der Heimeintritt verhindern. 

Basierend auf diesen Ergebnissen werden in der vorliegenden Studie Berechnungen zu den fiskalischen Effekten einer altersgerechten Wohnungsversorgung durchgeführt. Ausgehend von einer fiktiven, mittels Umbau herbeizuführenden flächendeckenden Versorgung von ambulant gepflegten Pflegebedürftigen mit altersgerechten Wohnungen ließe sich die Zahl der stationär versorgten Pflegebedürftigen von 735.000 auf 473.000 Personen (im Jahr 2012) reduzieren. Daraus ergeben sich erhebliche fiskalische Einspareffekte bei den Pflege- und Unterbringungskosten, und zwar aus Sicht aller an den Pflegekosten beteiligten Träger - von der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) und den Sozialhilfeträgern bis hin zu den privaten Haushalten. 

Der durch die Umbaumaßnahmen und ihre Wirkungen induzierte mögliche Gesamteinspareffekt beträgt rund 5,2 Milliarden (Mrd.) Euro pro Jahr. Die größten Einsparungen (2,4 Mrd. Euro) sind bei der SPV zu verbuchen, während die privaten Haushalte eine nahezu gleich hohe Gesamtentlastung von 2,2 Mrd. Euro pro Jahr realisieren können. Darüber hinaus ergibt sich für die Sozialhilfeträger eine jährliche Gesamtentlastung von 0,6 Mrd. Euro. Für die staatlichen Sozialsysteme würde sich nach entsprechendem altersgerechten Umbau der Wohnungen in Summe eine Entlastungswirkung von etwa 3 Mrd. Euro pro Jahr einstellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich diese Einspareffekte ausschließlich durch Fallzahlenverschiebungen im Pflegesetting ergeben. Die Kosten für den altersgerechten Umbau der Wohnungen sind nicht inbegriffen. 

Um die Berechnungen auf Grundlage der aktuellen Forschungsliteratur abzusichern, werden darüber hinaus Sensitivitätsanalysen mit veränderten Annahmen zur Wirksamkeit von altersgerechtem Umbau auf den Heimeintritt und zum Bestand an altersgerechten Wohnungen in der Gruppe der häuslich Pflegebedürftigen durchgeführt. Diese führen zu einer Bandbreite von Entlastungswirkungen aufgrund von Wohnungsanpassungsmaßnahmen. Abweichend vom Basiswert von 5,2 Mrd. Euro pro Jahr beträgt die Entlastungswirkung im ungünstigsten Fall lediglich 3,3 Mrd. Euro pro Jahr (geringere Wirkung der Umbaumaßnahmen bei einem höheren bereits vorhandenen Bestand an altersgerechten Wohnungen), eine um 35 % geringere Entlastung als im Basisszenario. Im günstigsten Fall ergibt sich eine jährliche Entlastung von 7,2 Mrd. Euro (höhere Wirkung der Umbaumaßnahmen bei geringerem bereits vorhandenem Bestand an altersgerechten Wohnungen), eine um 40 % höhere Entlastung als im Basisszenario. 

Neben den fiskalischen Einsparungen ergeben sich durch den altersgerechten Umbau und die damit bewirkte Vermeidung bzw. Verzögerung eines Heimeintritts eine Reihe weiterer Effekte, die in dieser Studie nicht näher thematisiert werden. Die Pflege zu Hause entspricht den Präferenzen der Bürger und führt zu einer höheren Zufriedenheit und einer längeren Lebenserwartung der Pflegebedürftigen. Die Pflege zu Hause erfordert wegen ihrer im Vergleich zur stationären Pflege geringeren Personalintensität weniger professionelle Pflegefachkräfte, die vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels immer schwerer zu finden sein werden. Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Gefahr, dass die hohe Beanspruchung der Angehörigen durch informelle Pflege und Unterstützung bei der ambulanten Pflege zu einer Überbelastung sowie zu einem negativen Beschäftigungseffekt führt. 

Im Zuge des demografischen Wandels und der absehbaren deutlichen Zunahme der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahrzehnten werden die Entlastungspotenziale durch altersgerechten Umbau noch weiter ansteigen: Sie belaufen sich für die SPV im Jahr 2030 auf 3,5 Mrd. Euro. Die privaten Haushalte könnten dann 3 Mrd. Euro sparen, während der Staat durch die Hilfe zur Pflege (HzP)etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr einsparen könnte. Insgesamt würde sich auf Grundlage des Basisszenarios bei den Pflege- und Unterbringungskosten im Jahr 2030 ein Gesamteinsparpotenzial von nunmehr 7,5 Mrd. Euro ergeben. 

Fiskalischer Nettoeffekt der Förderinstrumente zum altersgerechten Umbau

Den Einspareffekten durch den längeren Verbleib in der Wohnung sind die Kosten des altersgerechten Umbaus gegenüberzustellen. Daraus lässt sich der fiskalische Nettoeffekt der Förderung von altersgerechtem Umbau ableiten. 

Auf Basis der Niepel-Studie (1999) zur Wirksamkeit von altersgerechtem Umbau ergeben sich Umbaukosten von 6.420 Euro (inflationiert auf das Jahr 2012) pro Wohnung. Das sind 38 % der durchschnittlichen Umbaukosten bei der KfW-Förderung. Für die Analyse der Nettoeffekte wird auf die niedrigeren Umbaukosten nach Niepel verwiesen, da nur für diesen Betrag entsprechende Angaben zum Wirkungsgrad (15 % vermiedene Heimeintritte) von altersgerechtem Umbau vorliegen. Es ist anzunehmen, dass der Wirkungsgrad sich zwar mit zunehmenden Umbaukosten erhöht, dass sich aber eine Erhöhung nicht proportional sondern eher unterproportional auswirkt. 

Den möglichen Einsparungen lassen sich die Ausgaben für den altersgerechten Umbau und der Förderung, einerseits gemäß den Leistungen für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen nach § 40 SGB XI sowie andererseits dem KfW-Förderprogramm "Altersgerecht Umbauen" entsprechend den Konditionen aus dem Jahr 2011 mit Bundesbeteiligung, gegenüberstellen. 

Bei der Förderung von Wohnungsanpassungsmaßnahmen nach dem SGB XI ergibt sich für die staatlichen Ausgabenträger unmittelbar eine Kostenentlastung, die über den Aufwand für die Förderung hinausgeht. Sie beträgt rd. 840 Euro bei einer pflegebedürftigen Person. Für die privaten Kostenträger besteht diese Kostenentlastung nicht unmittelbar. In finanzieller Hinsicht "rechnen sich" die von ihnen zu tragenden Kosten für Umbaumaßnahmen erst, wenn mindestens zwei Pflegebedürftige von der Umbaumaßnahme profitieren. 

Für das Förderprogramm "Altersgerecht Umbauen" der KfW gilt, dass es einer ausreichend langen Nutzungsdauer der mit der Förderung umgebauten Wohnungen durch pflegebedürftige Personen bedarf, bis Nettoeinsparungen bei den Pflegekosten entstehen. Die in diesem Sinne berechnete Rentabilität der eingesetzten Mittel wird für den staatlichen Träger bereits nach etwa drei Jahren, für die privaten Haushalte jedoch erst nach 28 Jahren erreicht. 

Eine umfassende Evaluation des KfW-Programms und der Förderung nach SBG XI steht noch aus. Insbesondere eine nähere Untersuchung des Grads an Barriereabbau oder Barrierefreiheit, der mit den Wohnungsanpassungsmaßnahmen nach KfW und nach § 40 Abs. 4 SGB XI erreicht wird − etwa im Vergleich zu dem Standard "Altersgerechte(s) Haus/ Wohnung" der KfW oder dem von der DIN 18040-2 "Barrierefreie Wohnungen" definierten Standard − ist wünschenswert. 

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie liefern eindeutige Argumente für eine Ausweitung der staatlichen Förderung sowohl in Form des KfW-Programms als auch nach SGB XI und dabei insbesondere für eine Reduktion des privat zu tragenden Anteils. Auch nach einer Anhebung der entsprechenden staatlichen Fördersätze würden sich die staatlichen Ausgaben für Pflege- und Unfallkosten über altersgerechte Umbaumaßnahmen reduzieren. Zugleich könnte das private Interesse am altersgerechten Umbau aus Wirtschaftlichkeitsüberlegungen erheblich gesteigert werden. Letztlich sind es die privaten Investoren, d.h. Eigentümer selbstgenutzten Wohneigentums und Vermieter, von denen der Impuls für eine Wohnungsanpassungsmaßnahme ausgehen muss. Somit sollten die Anreize zum altersgerechten Umbau für Investoren durch eine Erhöhung der öffentlichen Förderung gestärkt werden. Im Vergleich der beiden Förderinstrumente sollte die Ausweitung der KfW-Förderung an erster Stelle stehen, da in diesem Programm der altersgerechte Umbau vor Eintritt einer Pflegebedürftigkeit realisiert werden kann. Hierdurch wird der präventive Charakter der Förderung gestärkt und teilweise sogar das Entstehen von Pflegebedürftigkeit vermieden. Zugleich werden die Vorzüge des altersgerechten Wohnens während der gesamten Lebenszeit nutzbar gemacht. 

Rolle der Kommunen 

Aus der Sicht der Kommunen gibt es im Bereich der Versorgung von Pflegebedürftigen viele Gestaltungsoptionen und Koordinierungsaufgaben, jedoch kaum gesetzliche Kompetenzen. Die Aufgaben beziehen sich eher auf Quartiersansätze und weniger auf das Wohnen von Pflegebedürftigen. Ein unmittelbares materielles Interesse der Kommunen an den hier untersuchten Sachverhalten besteht im Bereich der Ausgaben für Hilfe zur Pflege (HzP). Allerdings variiert in dem dichten, nach Ländern und einzelnen Hilfeleistungen des SGB XII differenzierten Regelungsgeflecht der tatsächliche Träger der Kosten regional erheblich. 

Die Kommunen müssen grundsätzlich die Aufwendungen, die sich aus ihrer sachlichen Zuständigkeit bei der Sozialhilfe ergeben, selbst tragen. Das Land und ggf. auch der Bund erstatten ihnen jedoch Teile ihrer Aufwendungen. Im Falle der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung als Bestandteil der Sozialhilfe hat sich die Kostenträgerschaft grundlegend verändert. Als Ergebnis der Gemeindefinanzkommission wird der Bund den Kommunen die Ausgaben für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ab dem Jahr 2014 vollständig erstatten. Die Kostenträgerschaft der Ausgaben für Hilfe zur Pflege als weitere Sozialhilfeleistung ist davon unberührt. 

Im Rahmen der vorliegenden Studie wird für einzelne Regionen dargestellt, wie sich diese der Herausforderung prospektiv steigender Zahlen von Pflegebedürftigen sowie einer Zunahme der Armutsrisiken im Alter stellen. Diese Entwicklungen führen bei entsprechender Kostenträgerschaft der Kreise und kreisfreien Städte zu einer stark steigenden Belastung der kommunalen Haushalte durch HzP. Die Bandbreite der unterschiedlichen Entwicklungen lässt sich in den zehn untersuchten Kreisen und kreisfreien Städten ablesen. Die Ergebnisse der Befragung zeigen auf, dass die Datenlage bezüglich der altersgerechten Wohnsituation von Privathaushalten auch in den Regionen vergleichsweise schlecht ist. Von Seiten der Regionen besteht eine verhalten positive Einschätzung der Wirkung von Maßnahmen auf die Vermeidung von stationärer Pflege und der weiteren Ermöglichung von ambulanter Pflege, die in ihrem Handlungsrahmen liegen. Dazu gehören bauliche Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur und der informellen Pflege durch Angehörige und Nachbarn, Verbesserungen der Wohnberatung sowie Maßnahmen zur Kooperation und Vernetzung der beteiligten Akteure. Die Befragten rechnen mehrheitlich mit einer Zunahme des Anteils der Bezieherinnen und Bezieher von HzP an den Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2025, schätzen diese Zunahme jedoch sehr unterschiedlich ein. Die Regionen erwarten durch bereits von ihnen ergriffene Maßnahmen eine gewisse Abfederung der weiter ansteigenden Ausgabenentwicklung für sozial bedürftige Pflegefälle. 

Handlungsempfehlungen 

Die Studie hat gezeigt, dass durch die Versorgung von Pflegebedürftigen mit altersgerechten Wohnungen öffentliche und private Haushalte bei den Pflege- und Unterbringungskosten entlastet werden können. Aus den Analysen ergeben sich verschiedene Ansätze, diese Einsparungen tatsächlich zu realisieren bzw. die Entwicklung künftig zu beschleunigen. Die Finanzierbarkeit altersgerechter Umbaumaßnahmen ist entscheidend für die Investitionsbereitschaft von Vermietern und selbstnutzenden Eigentümern. Das private Interesse muss daher erheblich gesteigert werden. Zur Beschleunigung des Prozesses bedarf es verlässlicher staatlicher Förderanreize. Beim Vergleich der Förderinstrumente sollte die KfW-Förderung im Vordergrund stehen. Dabei sollte der präventive Charakter von altersgerechtem Umbau in Zukunft noch stärker herausgearbeitet werden, da insbesondere das Potenzial von Wohnungsanpassungen zur Vermeidung und Verzögerung einer kostenintensiven stationären Pflege in der Vorstufe zur Pflegestufe I liegt. Eine erneute Mittelausstattung des KfW-Programms "Altersgerecht Umbauen" sowohl in der Darlehens, als auch in der Zuschussvariante sollte umgesetzt werden. 

Auch die Kommunen als handlungsfähige Akteure vor Ort könnten auf vielfältige Weise Einfluss auf die gesamtwirtschaftlichen Entlastungen bei den Kosten der Unterbringung und Pflege nehmen. Die Kommunen sollten in ihren Handlungsoptionen deutlich gestärkt werden. Beispielsweise wäre eine Wirkungsanalyse des wohnungsbezogenen Regelwerks mit dem Ziel, die Hilfsangebote des Sozialrechts transparenter zu gestalten oder zu bündeln, erstrebenswert. 

Die Datenlage hinsichtlich des Bestands und des Bedarfs an altersgerechten Wohnungen ist deutlich zu verbessern. In diesem Zusammenhang sollte eine standardmäßige Übernahme eines entsprechenden Fragenkatalogs in bestehende Befragungen (wie MZ, SOEP) und Statistiken erfolgen. Eine Evaluation zur Effizienz der umgebauten Wohnungen sollte hierbei eine dezidierte Bewertung der Maßnahmen und deren Wirkungsgrad auf den längeren häuslichen Verbleib beinhalten. Voraussetzung wäre eine entsprechende Analyse der Kosten sowie eine Renditebetrachtung altersgerechter Umbaumaßnahmen. Bei der Betrachtung langfristiger Effekte sollte untersucht werden, welche dauerhaften Wertsteigerungen sich für den Investor ergeben und welche Personengruppen heute und zukünftig in welcher Weise von der altersgerecht umgebauten Immobilie profitieren. Zudem wäre es wünschenswert, die bestehende Wohnberatung sowie die durch die Beratung ausgelösten altersgerechten Umbauten einer umfassenden wissenschaftlich fundierten Evaluation zu unterziehen.

Zusatzinformationen

Kontakt

Verena Lihs
Referat II 12 - Wohnen und Gesellschaft
Tel.: +49 228 99401-2213

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