Navigation und Service

Energieeffizienter Neubau von Nichtwohngebäuden kommunaler und sozialer Einrichtungen

Ergebnisse

Das Forschungsvorhaben sollte Erkenntnisse darüber liefern, wie es gelingt, Neubauten der kommunalen und sozialen Infrastruktur auf Niedrigstenergiegebäude-Standard zu bringen. Dabei sollten die Ergebnisse in einem ganzheitlichen Sinne nachhaltig sein, nämlich: 

  • zur Einsparung von Energie und Treibhausgasen führen
  • zur Wirtschaftlichkeit von Bau und Betrieb des Gebäudes beitragen
  • eine hohe Nutzungsqualität ermöglichen
  • und die Akzeptanz energieeffizienten Bauens in der Öffentlichkeit stärken. 

Es sind Gebäude entstanden, die unter diesen Aspekten und in ihrer architektonischen Gestaltung insgesamt beachtliche Qualitäten haben. Die sehr unterschiedlichen Zweckbestimmungen, auch die vielen variierenden Rahmenbedingungen aus Grundstückssituation, städtebaulichem Zusammenhang, architektonischem Konzept und finanziellen Ressourcen führen zu einem breiten Spektrum an Lösungen, auch im technischen Bereich. Die tatsächlichen Energieverbräuche der Modellvorhaben (Strom und Wärme) liegen alle unter 100 kWh/m² a Endenergie bzw. 120 kWh/m² a Primärenergie, dies entspricht einem Niedrigstenergiegebäude-Standard. Die noch darüber hinausgehenden sehr ehrgeizigen Ziele, die sich Modellvorhaben am Anfang gestellt hatten, wurden allerdings noch nicht alle erreicht. Auch waren im Einzelfall viele Schwierigkeiten zu meistern sowie Kompromisse und Mehraufwand hinzunehmen – dies auch im Betrieb der Gebäude. 

Erkenntnisse für die Entwicklung und Planung von Niedrigstenergiegebäuden 

Die Planungsphase war bei den Modellvorhaben von hoher Motivation und Fachlichkeit geprägt. Um für ihre Projekte die außergewöhnlichen Standards umzusetzen, zeigte sich als besonders wichtig: 

Ziele und Konzepte ganzheitlich abwägen:

Den Projekten geht es auch um Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit insgesamt. Kommunalpolitische Vorgaben – zum Beispiel alle kommunale Infrastruktur in einem hohen Energieeffizienzstandard zu bauen – geben die Zielsetzung für mehr Ressourcen- und Energieeffizienz vor, die Standards sollten jedoch projektspezifisch flexibel gehalten werden. 

Mehr Klarheit beim Umgang mit den verschiedenen Energieeffizienz-Standards notwendig:

Für das Verständnis und die Akzeptanz hoher energetischer Standards würde es sich lohnen, die Berechnungen und Ergebnisse nach EnEV und nach Passivhaus-Standard vergleichbar zu machen. Es gilt nicht nur den in der EnEV im Vordergrund stehenden Primärenergiebedarf, sondern vor allem auch den Endenergiebedarf – den tatsächlichen Energieverbrauch – zu optimieren. 

Wirtschaftlichkeit und Lebenszykluskosten von Varianten betrachten:

Den Berechnungen und Investitionsentscheidungen werden Variantenvergleiche und Lebenszykluskosten zu Grunde gelegt. Gleichwohl ergeben sich bei sehr komplexen Vergleichen methodische Grenzen und die Unsicherheiten werden groß. 

Das komplette Planungsteam frühzeitig beauftragen:

Eine ganzheitliche Planung aller wichtigen Fachdisziplinen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine hohe Energieeffizienz. Schon ab dem Vorentwurf, zum Beispiel im Planungswettbewerb, ist ein integrierter Planungsansatz erforderlich. 

Weniger komplizierte Technik durch Ausschöpfen "passiver" Lösungen ermöglichen:

Im Einzelfall kann mit Hilfe des Entwurfs und der Konstruktionsweise der Gebäude der Bedarf an Technik und damit gegebenenfalls auch Folgekosten reduziert werden. 

Heizung, Lüftung, Kühlung für Nutzungsänderungen flexibel halten:

Auch bei anfänglich klar definierten Nutzungen und Einsparpotenzialen durch eine genaue Ausrichtung der Technik auf den Bedarf müssen die Anlagen so ausgelegt werden, dass sie Nutzungsänderungen in einem bestimmten Rahmen mittragen können. 

Die Nutzer frühzeitig einbinden:

Wenn die Nutzer von Anfang an in den Planungsprozess einbezogen werden, erhöht das ihre Akzeptanz und Mitwirkung. Es hilft, optimale Lösungen zu finden. Eine damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit ist auch ein geeigneter Ansatz, für das energetische Bauen insgesamt zu werben. 

Monitoring-Konzept schon in der Planungsphase aufstellen:

Das später im Betrieb wichtige Monitoring muss schon in der Planung vorbereitet werden, die entsprechenden Messeinrichtungen und Prozesse sind von Anfang an einzuplanen. 

Erkenntnisse für den Bau von Niedrigstenergiegebäuden 

Die beim Bauen üblichen Schwierigkeiten traten auch bei den Modellvorhaben auf, sie konnten sich dort durch die anspruchsvolle Bauaufgabe, die Unerfahrenheit ausführender Firmen sowie die angespannte Marktsituation potenzieren. Besonders relevant ist dabei: 

Steuermöglichkeiten bei der Bieterauswahl sind begrenzt:

Es ist schwierig, mit einem vom EU-Recht beeinflussten GWB- , VgV- und Länder-Vergaberichtlinien-konformen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren für die anspruchsvollen Bauaufgaben qualifizierte Handwerker zu finden. Beschränkte Ausschreibungen werden als vorteilhafter angesehen. 

Qualifikation und Qualität in der Bauausführung priorisieren:

Der Bau von Niedrigstenergiegebäuden mit seinen hohen Anforderungen an Detailausführungen ist für viele Handwerksunternehmen noch keine Routine. Wichtig ist, dass die Firmen auf der Baustelle ihre Schnittstellen klären. 

Bauleitung muss auf der Baustelle sehr präsent sein:

Aufgrund der hohen Qualitätsanforderungen beim Bau von Niedrigstenergiegebäuden  ist eine laufende Überwachung der Arbeiten, gegebenenfalls auch Anleitung der Ausführenden erforderlich. Dieser erhöhte Aufwand sollte in der HOAI besser berücksichtigt werden. 

Die Planungen sind der Zulieferindustrie voraus:

Produkte, die bei den Modellvorhaben eingesetzt werden sollten, waren teilweise am Markt nicht ausreichend oder noch gar nicht verfügbar. In einigen Bereichen mangelte es an zugelassenen oder zertifizierten Systemen. Die weitere Förderung der Entwicklung zukunftsfähiger Materialien und Technik, dazu gehören insbesondere auch Speichertechnologien, kann diesen Markt voranbringen. 

Erkenntnisse für die Inbetriebnahme und den Betrieb von Niedrigstenergiegebäuden 

Die Phasen der Inbetriebnahme sowie das Controlling des Gebäudebetriebs werden oft unterschätzt und vernachlässigt. Nutzer werden häufig zu wenig und teilweise zu spät mit den Besonderheiten des Neubaus vertraut gemacht und nicht ausreichend in den Betrieb des Gebäudes eingeführt. Beim Monitoring und der daraus abzuleitenden Optimierung der Einstellung und Regelung der Anlagentechnik bestehen sowohl messtechnische als vor allem auch organisatorische Hürden. Zum Monitoring gehören eine funktionsfähige Messinfrastruktur, ihre regelmäßige Ablesung und eine qualifizierte Auswertung der Verbräuche, auf deren Grundlage eventuelle Fehler im Betrieb erkannt und behoben und Potenziale unverzüglich genutzt werden können. Auch die Einsicht in die Notwendigkeit all dessen fehlt häufig. Dies gefährdet die Zielerreichung der Niedrigstenergiegebäude erheblich. Von besonderer Bedeutung ist deshalb: 

Aufmerksamkeit und Zeit für die Inbetriebnahme der Anlagentechnik einplanen:

Die Inbetriebnahme der Anlagentechnik und ihrer Steuerung braucht meist deutlich mehr Zeit als dafür vorgesehen wird. Wichtig dabei ist, die Schnittstellen zwischen den beteiligten Gewerken zu definieren und organisatorisch abzustimmen. 

Ein kommunales Energiemanagement einrichten:

Mit einem kommunalen Energiemanagement können auf operativer Ebene Zuständigkeiten und Vorgehensweisen für die energetische Analyse und Optimierung des kommunalen Gebäudebestands geregelt werden. 

Monitoring konsequent durchführen:

Nur mit einer Überprüfungs- und Optimierungsphase, die als Leistungsphase 10 in der HOAI eingeführt werden könnte, lässt sich die Zielerreichung eines Niedrigstenergiegebäudes sicherstellen. Um die Kommunen dabei zu unterstützen, würde eine Förderung gerade dieser Leistungen helfen. 

Der Hausmeister hat eine zentrale Rolle:

Einem gebäudebezogen verantwortlichen Hausmeister wird eine zentrale Bedeutung für einen gut funktionierenden Betrieb der Niedrigstenergiegebäude beigemessen. Hausmeister-Teams mit wechselndem Personal werden teilweise sehr kritisch gesehen. 

Die Nutzer mit dem Gebäude vertraut machen:

Basisinformationen zur Funktionsweise des Niedrigstenergiegebäudes und zu einem adäquaten Nutzerverhalten müssen angepasst an die Nutzungsstruktur regelmäßig vermittelt werden. 

Energieeffizienz offensiv und breit kommunizieren:

Für die Akzeptanz und die weitere Etablierung von Niedrigstenergiegebäuden ist es wichtig, dass ihre Ziele und Erfolge bekannt gemacht werden. Dies gelingt am besten, wenn die Häuser geöffnet werden und die Ziele, Lösungen und Qualitäten erlebbar sind.

Zusatzinformationen

Kontakt

Ute Birk
Referat II 13 - Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
Tel.: +49 228 99401-1242