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Wissenschaftliche Begleitung der Arbeitsgruppe "Modul D" des Runden Tisches Nachhaltiges Bauen

Innerhalb der Arbeitsgruppe "Modul D" des Runden Tisches Nachhaltiges Bauen wurden Lösungsvorschläge für den zukünftigen Umgang mit End-of-Life-Prozessen für das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) diskutiert. Ein weiteres Ziel war die Verbesserung der Steuerungswirkungen von Mechanismen im Bewertungssystem zur Beförderung der Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit von Gebäuden bereits im Entwurf. Im Zusammenhang mit vorhandenen Konventionen im Bereich des End-of-Life von Gebäuden sowie der Wirkungen, die sich für kommende Lebenszyklen ergeben, wurde diskutiert, wie das BNB-Modul D interpretiert und bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden kann. Darüber hinaus wurde eruiert, an welchen Stellen im BNB-System die unterschiedlichen Effekte eines Recycling dargestellt werden können.

Projektlaufzeit: September 2016 – November 2017

Ausgangslage

Zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung im Bereich des Bauwesens steht mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) ein ganzheitliches, quantitatives Bewertungsverfahren für Bundesgebäude zur Verfügung. Es zeichnet sich durch die umfassende Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden unter Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualität sowie den technischen und prozessualen Aspekten aus. Das Modul D innerhalb des BNB beschreibt das Potenzial eines Bauproduktes oder Gebäudes für eine künftige Wiederverwendung, eine Rückgewinnung und/oder das Recycling. Abgebildet werden können hier ökobilanzielle Vorteile und Belastungen, die sich für ein Produkt außerhalb seines Lebenszyklus ergeben.

Der Umgang mit End-of-Life-Prozessen in der Ökobilanzierung und Nachhaltigkeitsbewertung wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Die Diskussionen fokussieren sich hierbei sowohl auf die Ebene von Baustoffen, Bauteilen als auch auf Gebäudeebene. Schwerpunkte der Debatte sind die Definition des Moduls D, seine Abgrenzung vom Modul C (Entsorgung) sowie die Verifizierung von Prognosen zu Wiederverwendungs-, Rückgewinnungs- oder auch Recyclingpotenzialen am Ende des Lebenszyklus. Eine Verrechnung des Moduls D mit den Modulen A bis C wird von Seiten der Normung auf Produktebene nicht zugelassen.

Eine Analyse ökobilanzieller Daten auf Baustoffebene, insbesondere von Umweltproduktdeklarationen (EPD) nach DIN EN 15804 (Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte), zeigt deutliche Datenlücken hinsichtlich der Bilanzierung des vollständigen Lebenszyklus. Unter anderem begründet durch die Beschränkung der Bilanzierungsverpflichtung von DIN EN 15804 auf die Module A1 bis A3 liegen für eine Vielzahl von Produkten nur eingeschränkt Daten zu den übrigen Modulen vor. Bei einer Kombination von produktspezifischen Daten zu den Modulen A und ggf. B mit generischen Datensätzen zu C oder auch D ist der Aussagegehalt in Bezug auf die tatsächlichen Umweltwirkungen eines Produktes im Lebenszyklus zumindest fraglich.

Die hieraus resultierende Unschärfe wird insbesondere auf Gebäudeebene, dem Fokus des BNB-Bewertungssystems, deutlich. Im Rahmen der Ökobilanz erfolgt hier eine Kombination von Baustoffen zu Bauteilen bis hin zum fertigen Bauwerk. Der ganzheitliche Bewertungsansatz des Systems steht hierbei einer eingeschränkten Datenqualität gegenüber.

Ziel

Das Forschungsvorhaben sollte einen konsensfähigen Weg für die Berücksichtigung des Themenkomplexes End-of-Life im BNB-System aufzeigen. Ziel dabei war es, die Diskussion um End-of-Life-Prozesse zu versachlichen und die Motivation der Bauprodukthersteller zu erhöhen, Daten produktspezifisch und vor allem vollständig bereitzustellen.

Neben dem derzeit bereits vorhandenen Ansatz des BNB-Systems zur Berücksichtigung von End-of-Life in der Ökobilanz von Gebäuden sollten mit Blick auf die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes Möglichkeiten einer quantitativen Erfassung im BNB-System hinsichtlich der systemkonformen und sinnvollen Berücksichtigung des Themas End-of-Life (Stichwort Design for Deconstruction) überprüft werden.

Auftragnehmer des Projektes war die Bietergemeinschaft LCEE/BEU Weimar bestehend aus der Life Cycle Engineering Experts GmbH, Darmstadt sowie der Bau-, Energie- und Umweltberatung Weimar.

Zusatzinformationen

Logo der Forschunsinitiative Zukunft Bau

Kontakt

Nicolas Kerz
Referat II 5 - Nachhaltiges Bauen
Tel.: +49 30 18401-3402