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Kongress: Kleinstädte in Deutschland stärken

Rund 24 Millionen Menschen beziehungsweise 30 Prozent der Bevölkerung leben in den rund 2.100 Kleinstädten in Deutschland. Eine Tagung am 26. und 27. Juni in Berlin richtete den Blick auf die Herausforderungen, vor allem aber auf die Potenziale von Kleinstädten.

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hatten zur Veranstaltung eingeladen. Rund 220 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen sowie aus Verbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis nahmen teil.

Am ersten Veranstaltungstag standen die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen" im Mittelpunkt. Das Bundesbauministerium und das BBSR hatten es im Jahr 2015 als Projekt des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) initiiert. In acht Kommunen entwickelten Politik, Stadtverwaltungen und Bürgerschaft gemeinsame Zukunftskonzepte für ihre Stadt. Wohnen und Lebensqualität, Wirtschaft und Stadtentwicklung sowie Engagement und Jugendbeteiligung rücken ebenso in den Blick wie eine kooperative Planungskultur, an der die Stadtgesellschaft mitwirken muss.

Auf Zustimmung bei den Teilnehmenden stieß die These, dass sich der Begriff der Urbanität nicht allein Großstädten zuschreiben lässt. Demnach eignet er sich auch, um kleinstädtische Lebensweisen zu beschreiben – dann nämlich, wenn der Begriff auf das Besondere von Kleinstädten abzielt und damit auf die Merkmale, die sie attraktiv und lebenswert machen.

Vortragende vertieften am zweiten Veranstaltungstag die wirtschaftlichen Potenziale von Kleinstädten. Ein Blick in die Schweiz verdeutlichte, wie Kleinstädte in zentralen Lagen ihre Nähe zu den Großstädten strategisch nutzen, um über Netzwerke von deren Größe und Ausstattung zu profitieren. Dass Kleinstädte Orte der Innovation sind, unterstrich auch ein Vortrag zum neuen BBSR-Forschungsprojekt "Hidden Champions". Rund jeder fünfte der rund 1.700 "heimlichen" Weltmarktführer in Deutschland ist außerhalb der Verdichtungsräume beheimatet, viele von ihnen in peripher gelegenen Kleinstädten. Die Studie untersucht, inwieweit diese Nischenweltmarktführer die wirtschaftliche Entwicklung von peripher gelegenen Kleinstädten unterstützen und welche Beiträge sie dort für die Stadtentwicklung leisten.

Ein weiteres Schwerpunktthema des zweiten Kongresstages war die Bedeutung der Städtebauförderung für eine ausgeglichene Entwicklung von Stadt und Land. Dem Programm "Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Eine Besonderheit des Programms ist die interkommunale Zusammenarbeit. Kommunen vernetzen sich, um Angebote der Daseinsvorsorge wie Bildungs-, Begegnungs- und Kultureinrichtungen zu modernisieren und an künftige Bedarfe anzupassen. Die Mittel des Programms werden auch eingesetzt, um nachfragegerechte Wohnangebote zu schaffen und das Ortsbild attraktiver zu gestalten. Das Programm richtet sich vorrangig an kleinere Kommunen in dünn besiedelten, ländlich geprägten Räumen. Der Bund hat seit 2010 bisher rund 428 Millionen Euro für mehr als 600 Gesamtmaßnahmen bereitgestellt. Anlässlich des Kongresses präsentierte das BBSR den zweiten Statusbericht des Städtebauförderprogramms.

Neue BMI-Initiative Kleinstädte

Marco Wanderwitz Marco WanderwitzDer Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat Marco Wanderwitz präsentierte die neue BMI-Initiative Kleinstädte in Deutschland. Quelle: © Milena Schlösser

Die Städtebauförderung ist auch ein Eckpfeiler der BMI-Initiative Kleinstädte in Deutschland, die der Parlamentarische Staatssekretär Marco Wanderwitz auf dem Kongress vorstellte: Die Initiative soll die bestehenden Programme bündeln, koordinieren und weiterentwickeln, um Kleinstädte sowohl in ländlichen Räumen als auch Ballungszentren in ihrer Funktion zu stärken. Ein wichtiger Baustein der Initiative ist eine Kleinstadtakademie, die ab 2019 modellhaft erprobt werden soll. Sie beschäftigt sich mit übertragbaren Konzepten in den Bereichen Stadtentwicklung, Wohnen, Bildung, Wirtschaft oder Digitalisierung. Darüber hinaus planen BMI und BBSR einen Bericht zur Lage der Kleinstädte in Deutschland, um das Bewusstsein für die Belange und Chancen der Kommunen in Politik und Öffentlichkeit zu schärfen.

Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände sowie der Länder begrüßten die Initiative des Bundes. Sie betonten das gemeinsame Ziel, kleinere Städte auch in Zukunft als Ankerpunkte in ländlichen Räumen zu stärken. Wichtig sei dabei die interkommunale Zusammenarbeit, wie sie unter anderem die Teilnehmenden im Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" umsetzen. In der anschließenden Runde verdeutlichten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Kleinstädten, mit welch unterschiedlichen Herausforderungen sich Kommunen in Ballungsräumen sowie in peripheren Lagen auseinandersetzen müssen.

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