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Wo Europa wächst und wo es schrumpft

Wie hat sich die Bevölkerung in Europa zwischen 2011 und 2017 entwickelt? Und zieht es die meisten Menschen in große und zentral gelegene Städte und Gemeinden? Eine neue BBSR-Analyse beschäftigt sich mit diesen Fragen.

Der erste Blick auf die Zahlen zeigt, dass sich die Entwicklung in einigen Regionen – verglichen mit dem Zeitraum von 2001 bis 2011 – deutlich verändert hat. In Deutschland beispielsweise wuchsen zahlreiche, zuvor noch schrumpfende Städte und Gemeinden wieder. In vielen ostdeutschen Regionen nahm die Bevölkerung zwischen 2011 und 2017 weniger stark ab als zuvor, wovon auch viele Gemeinden im Umland profitierten. In Spanien wiederum schrumpfte die Bevölkerung teilweise auch dort stark, wo sie zwischen 2001 und 2011 noch gewachsen war. Selbst das Wachstum der städtischen Regionen kam hier nahezu zum Erliegen.

In anderen europäischen Ländern kam es ebenfalls zu Veränderungen, wenn auch meist weniger deutlich: Während die Zahl der Gemeinden mit abnehmender Bevölkerung in Frankreich insbesondere in ländlichen Regionen immer weiter zunahm, verringerte sie sich in Skandinavien. Die Küstenregionen und südlichen Landesteile in Norwegen und Schweden gewannen gar an Einwohnern. In Finnland konzentrierte sich die Zunahme auf die Städte. In den osteuropäischen Ländern setzte sich der Entwicklungspfad der Gemeinden fort, abgesehen von wenigen Ausnahmen: Das suburbane Bevölkerungswachstum in Polen verlangsamte sich und in einigen Städten und Gemeinden von Rumänien stieg die Zahl der Einwohner wieder an.

Wachstum in Abhängigkeit von Größe und Lage

Wie aber entwickelt sich die Bevölkerung in den Städten und Gemeinden, gemessen an deren Größe und Lage? In Deutschland wich die insgesamt nur leichte positive Entwicklung der Großstädte von 2001 bis 2011 einem nunmehr durchschnittlichen jährlichen Wachstum von knapp einem Prozent. Das Wachstum der Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern war hierbei mit einer jährlichen Zuwachsrate von 1,2 Prozent etwas stärker. Auch die ostdeutschen Großstädte dieser Kategorie wuchsen deutlich: Leipzig war mit einer Zuwachsrate von über zwei Prozent die im Zeitraum von 2011 bis 2017 am stärksten wachsende deutsche Großstadt.

Bei den kleineren Großstädten mit 100.000 bis zu 500.000 Einwohnern kehrte sich die Entwicklung um: Nach insgesamt leichten Verlusten zwischen 2001 und 2011 stieg die Zahl der Einwohner in dieser Kategorie um knapp 0,7 Prozent pro Jahr. Während Städte wie Darmstadt mit 1,9 Prozent oder Münster mit 1,8 Prozent deutlich stärker wuchsen, zeigten viele Städte im Osten, aber auch im Ruhrgebiet eine Trendumkehr. Beispiele dafür sind Magdeburg und Rostock mit einer Zunahme um 0,7 Prozent sowie Wuppertal und Solingen mit 0,4 Prozent. In Großbritannien, Österreich und auch in der Schweiz wuchs die großstädtische Bevölkerung von 2011 bis 2017 noch stärker als zuvor. Dagegen hat sich die positive Dynamik in Belgien, Frankreich und auch in Italien abgeschwächt. Eine negative Entwicklung zeigen die Großstädte in Spanien, Portugal und Polen. In Ungarn verstärkte sich der leicht negative Trend.

Die Mittelstädte gehören in Deutschland zu den Gewinnern: Den Verlusten von insgesamt 0,2 Prozent pro Jahr von 2001 bis 2011 steht zwischen 2011 und 2017 ein Bevölkerungswachstum von jährlich 0,4 Prozent gegenüber. Die Entwicklung ist allerdings durchaus uneinheitlich. In einigen Städten nahm die Bevölkerung von 2001 bis 2011 zu, schrumpfte zwischen 2011 und 2017 aber wieder. Während die Mittelstädte in Großbritannien, Belgien, Frankreich und der Schweiz ähnlich wie zuvor weiterwuchsen, stagnierten die Einwohnerzahlen dieser Städte in Spanien. Portugiesische Mittelstädte verloren gar an Einwohnern, auch in den meisten osteuropäischen Ländern schrumpfte die Bevölkerung weiter.

Die Bevölkerung in den ländlichen Gemeinden entwickelte sich in Europa zweigeteilt. In den westlichen Regionen des Kontinents gewannen die Städte und Gemeinden insgesamt an Einwohnern, in den östlichen Regionen überwiegen die Gemeinden mit schrumpfendenden Einwohnerzahlen. In Deutschland entwickelte sich die Bevölkerung ländlicher Gemeinden weiterhin negativ, wenn auch insgesamt nur mit einer geringen Abnahme von 0,04 Prozent pro Jahr. Von 2001 bis 2011 hatten die Städte und Gemeinden in den ländlichen Regionen Deutschlands jährlich noch 0,5 Prozent ihrer Einwohner verloren.

Europäische Raumbeobachtung im BBSR

Das BBSR berichtet mit seiner Europäischen Raumbeobachtung regelmäßig über die Strukturen und die Entwicklungen der europäischen Regionen. Für die Analyse wurden die Angaben der Städte und Gemeinden der Bevölkerungsfortschreibungen für die Jahre 2001, 2011 und 2017 aus insgesamt 44 europäischen Ländern zusammengetragen. Die Einteilung der Städte nach ihrer Größe orientiert sich an den Städte- und Gemeindetypen für Deutschland. Die Zuordnung nach städtischen und ländlichen Regionen erfolgt auf Grundlage der BBSR-Siedlungsstrukturtypen für die NUTS-3-Regionen Europas. Das regionale Basisgerüst der Berichterstattung sind die regionalen statistischen Gebietseinheiten (NUTS). In Deutschland sind dies auf der untersten Ebene NUTS 3 die Kreise und kreisfreien Städte. In größeren zeitlichen Abständen richtet sich das Augenmerk aber auch auf die lokalen Gebietseinheiten (LAU), insbesondere um sich ein Bild der Entwicklung der Bevölkerung in den rund 140.000 L AU-Gebieten der Europäischen Union, der EFTA-Staaten und der fünf Kandidatenländer zu verschaffen.

Bild zeigt die durchschnittliche jährliche Bevölkerungsentwicklung von 2011-2017 auf einer Europakarte Aktuelle Entwicklung der Bevölkerung in lokalen Gebietseinheiten EuropasQuelle: BBSR

Bild zeigt die durchschnittliche jährliche Bevölkerungsentwicklung von 2011-2017 auf einer Europakarte Entwicklung der Bevölkerung in lokalen GebietseinheitenQuelle: BBSR

Kontakt

Volker Schmidt-Seiwert
Regine Binot
Referat I 3 "Europäische (und internationale) Raum- und Stadtentwicklung"
volker.schmidt-seiwert@bbr.bund.de
regine.binot@bbr.bund.de