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So leben die Menschen in Europa

Ein neuer vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) herausgegebener Europaatlas zeigt, wie sich die Regionen in den vergangenen Jahren entwickelt haben – und auf welche Veränderungen sich Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung künftig einstellen müssen.

Karten, Infografiken und erläuternde Texte zeichnen ein Bild von Demografie, Arbeitsmarkt, Beschäftigung, Wirtschaft, Finanzen und weiterer Schlüsselthemen regionaler Entwicklung. Der Europaatlas knüpft an den Deutschlandatlas des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) an und lenkt den Blick auf die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union, die Deutschland Mitte 2020 übernehmen wird.

"Der Europaatlas zeigt, dass die Politik für sich annähernde Lebensbedingungen auch auf europäischer Ebene eine große Bedeutung haben muss", sagt Dr. Markus Eltges, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. "Die Regionen Europas kennzeichnen immer noch sichtbare Unterschiede. Wachsende Bevölkerungszahlen in den Städten und Metropolen Europas und sinkende Bevölkerungswerte in vielen ländlichen Regionen, insbesondere in Osteuropa, stellen an die Politik in Europa, aber vor allem aber an die jeweiligen Länderpolitiken hohe Anforderungen an eine wirksame Ausgleichspolitik. Es braucht deshalb auch in der kommenden Förderperiode der EU eine starke Kohäsionspolitik, die hilft, Unterschiede zwischen den Regionen in Europa zu verringern und somit die Länderpolitiken zielgerichtet flankiert."

Demografie: Wo Europa wächst und wo es schrumpft

Ein Fokus des Atlas liegt auf dem demografischen Wandel: Zwischen 2001 und 2017 stieg die Bevölkerungszahl in der EU um rund 4,8 Prozent, wobei es deutliche Unterschiede sowohl zwischen den Staaten als auch innerhalb der Staaten gibt. Deutlich abgenommen hat die Bevölkerungszahl in Kroatien, Ungarn und Estland. In Bulgarien und Rumänien schrumpfte die Bevölkerung stark um je 12 Prozent, in Litauen und Lettland gar um jeweils rund 18 Prozent. Die Konzentration des Wachstums auf die großen nationalen Metropolregionen kommt in den osteuropäischen Ländern einer Landflucht gleich. Irland, das Vereinigte Königreich und auch Frankreich verzeichneten dagegen zwischen 2001 und 2017 eine nahezu flächendeckende Zunahme der Einwohnerzahl auf Gemeindeebene. Anders dagegen in Deutschland, wo nur bestimmte Regionen wachsende Einwohnerzahlen aufwiesen, und Spanien und Portugal, wo weite Teile des Binnenlandes einen Rückgang zeigten. In Italien wuchsen in dem Zeitraum die Regionen im Norden einschließlich der Hauptstadtregion. Der Süden verlor dagegen an Bevölkerung.

Ein Drittel der Europäer lebt in Großstädten

Im Jahr 2017 lebten knapp 512 Mio. Menschen in der EU, davon circa jeweils ein Drittel in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern, in Städten mit einer Größe von 10.000 bis 100.000 Einwohnern sowie in Kleinstädten und ländlichen Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. Während die Bevölkerung in Deutschland eher gleichmäßig auf Groß-, Mittel- und Kleistädte verteilt ist, ist die Situation in Spanien und dem Vereinigten Königreich eine andere. Hier konzentriert sich ein vergleichsweise hoher Anteil der Bevölkerung auf die Großstädte – im Jahr 2017 war es rund die Hälfte der Einwohner. In der Schweiz und in Frankreich spielt sich das Leben der meisten Menschen abseits der großen Zentren dagegen überwiegend in Kleinstädten und Landgemeinden ab. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebte 2017 in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern.

Regionen erholten sich unterschiedlich rasch von der Finanz- und Wirtschaftskrise

Im Zuge der Eurokrise fiel die Wirtschaftsleistung in Spanien und Griechenland bis zum Jahr 2013 auf 85 Prozent und 75 Prozent des Vorkrisenniveaus. In Belgien, Deutschland, Irland, Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Slowakei erreichte die Wirtschaft dagegen bereits im Jahr 2011 wieder den Stand von 2008. Im Jahr 2017 hatten Griechenland, Kroatien, Italien, Zypern, Portugal und Finnland den Stand von 2008 noch nicht wieder erreicht. Griechenland verharrte 25 Prozent unter dem Ausgangswert. Italien lag noch rund 5 Prozent darunter. In Italien, Frankreich und Portugal vertiefen die unterschiedlichen regionalen Entwicklungslinien und Geschwindigkeiten der wirtschaftlichen Erholung die regionalen Unterschiede innerhalb des Landes.

Industriebeschäftigung nimmt mit Ausnahme Deutschlands ab

Weite Teile Deutschlands bilden zusammen mit Tschechien, Westungarn, dem südlichen Polen und Teilen der Slowakei und Rumäniens mit mehr als 125 Industriebeschäftigten pro 1.000 Einwohnern das industrielle Herz Europas. In Deutschland hat die Industrie weiterhin eine stärkere Bedeutung für den Arbeitsmarkt als im EU-Durchschnitt. Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sank die Beschäftigung in der Industrie noch stärker als zuvor. In der EU verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen um rund 10 Prozent, Spanien und Griechenland zählten 2016 rund ein Viertel und ein Drittel weniger Erwerbstätige in der Industrie als zu Beginn der Krise im Jahr 2008. Einzig Deutschland zeigt ein leichtes Wachstum von rund einem Prozent. In einigen Regionen Deutschlands stieg die Beschäftigung sogar deutlich.

Jugendarbeitslosigkeit besonders in Südeuropa hoch

In vielen Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat sich die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren verringert. Deutschland sticht im EU-weiten Vergleich mit einer sehr niedrigen Quote heraus. In den Ländern mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit sind auch besonders viele junge Menschen ohne Job. In Sizilien, Andalusien und im französischen Übersee-Département Réunion war im Jahr 2017 fast jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit – ein Hemmnis für die Lebensperspektiven dieser Generation.

Starke Unternehmensverflechtungen mit dem Vereinigten Königreich

Der Atlas veranschaulicht auch die vielfältigen Bande zwischen dem Vereinigten Königreich und seinen europäischen Partnern: Die Unternehmen und somit auch die nationalen Wirtschaften der EU sind in ihren Besitz- und Produktionsstrukturen hochgradig vernetzt. In den EU-Mitgliedstaaten gab es 2018 rund 38.900 Unternehmen mit einer Konzernmutter oder mindestens einem Mehrheitseigner mit Sitz im Vereinigten Königreich. In der anderen Richtung gab es in Großbritannien im Jahr 2018 insgesamt 65.200 Unternehmen mit Besitzer oder mehrheitlichem Anteilseigner aus einem der EU-Länder.

Der Atlas des BBSR stützt sich auf regionale Statistiken – insbesondere vom Statistischen Amt der Europäischen Union und weitere Quellen. Er bezieht sich sowohl auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU 28) als auch auf die Staaten der EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) sowie Beitrittskandidaten der Europäischen Union. Die NUTS-Klassifikation der europäischen Statistik macht die administrativen Gebietseinheiten der Staaten miteinander vergleichbar. Der Atlas kann kostenfrei beim BBSR angefordert werden (beatrix.thul@bbr.bund.de).

Elektronische Version:

Kartenbeispiele (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Städte in Europa

Europakarte: Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer in Städten und Gemeinden über 1000 Einwohner Städte in EuropaQuelle: BBSR

Regionale Entwicklung der Bevölkerung

Europakarte: Durchschnittliche jährliche Entwicklung der Einwohnerzahl in % 2001-2017 Regionale Entwicklung der BevölkerungQuelle: BBSR

Bevölkerungsentwicklung in den Städten und Gemeinden

Durchschnittliche jährliche Bevölkerungsentwicklung von 2001 bis 2017 in % in den Gemeinden Aktuelle Bevölkerungsentwicklung auf lokaler EbeneQuelle: BBSR

Niveau der Arbeitslosigkeit

Arbeitslose je 100 Erwerbspersonen Niveau der ArbeitslosigkeitQuelle: BBSR

Bedeutung der Industrie

Erwerbstätige in der Industrie (15 Jahre und älter) je 1000 Einwohner, 2016 Bedeutung der IndustrieQuelle: BBSR

Nachwirkungen der Wirtschafs- und Finanzkrise

Jahr, in dem das BIP den Wert vor der Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht/überschritten hat Nachwirkungen der Wirtschafts- und FinanzkriseQuelle: BBSR

Kontakt

Volker Schmidt-Seiwert
Referat I 3 - Europäische (und internationale) Raum- und Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99 401-2246
volker.schmidt-seiwert@bbr.bund.de