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Vernetzter Verkehr in ländlichen Räumen

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) langfristig tragfähige, integrierte Mobilitätskonzepte für ländliche Räume entwickelt. Die innovativen Ansätze beziehen verschiedene Verkehrsträger ein und lassen sich dank Baukastensystem auf andere Regionen übertragen.

Bus OrtsbusQuelle: Hans Herbig

Das Forscherteam ermittelte in den dünn besiedelten Modellregionen Oderland (Brandenburg), Peenetal/Loitz (Mecklenburg-Vorpommern) und SPESSARTregional (Hessen) Verkehrsnachfrage und -angebote. Basierend auf einer Best-Practice-Recherche und gesammelten Ideen sowie Instrumenten entwickelten sie schließlich nachhaltige Ansätze unterschiedlicher Mobilitätsformen. Lokale Akteure mit ihrem Fach- und Ortswissen wurden in den gesamten Prozess der Konzepterstellung eingebunden. Das Ergebnis ist ein Baukasten mit 16 mobilitätsbezogenen Maßnahmen von Carsharing über das Anruf-Sammel-Taxi bis zum Rufbus − systematisch geordnet, beschrieben und mit Beispielen unterlegt.

"In ländlichen Räumen besteht die Herausforderung vor allem darin, Mobilitätsangebote auch für Menschen ohne Auto zu schaffen und vorhandene öffentliche Verkehrsangebote zu optimieren", erklärt BBSR-Verkehrsexperte Thomas Wehmeier. "Mit dem im Projekt geschaffenen Baukastensystem haben wir nun einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. An ihm können sich zukünftig alle Regionen bedienen, die an integrierten Mobilitätskonzepten arbeiten."

Für jede Modellregion schnürten die Forscher ein individuelles Paket aus unterschiedlichen Maßnahmen. Der Region Peenetal/Loitz empfahlen sie, die mobilen Beratungsangebote stärker aufeinander abzustimmen, zusätzliche Fahrtanbieter in das reguläre ÖPNV-Angebot zu integrieren und eine stärkere Mitnahmekultur sowie die Bereitschaft zum Carsharing zu fördern. Letzteres gilt auch für die Oderlandregion, wo die Schwerpunkte des Konzepts zudem auf der Umgestaltung des bisher erfolglosen Rufbusangebots und einem stärker bedarfsorientierten Schülerverkehr liegen. Für den Planungsraum SPESSARTregional steht an erster Stelle, die Angebote für das Anruf-Sammel-Taxi sowie die private und ehrenamtliche Fahrtenvermittlung auszuweiten. In allen drei Modellregionen sollen gezielte Maßnahmen zudem die Akzeptanz in der Bevölkerung für alternative Mobilitätsansätze erhöhen. Dazu zählen zum Beispiel verstärkte Marketingaktivitäten oder eine umfassende Informationspolitik der Verkehrsunternehmen – auch über Apps – sowie Kampagnen, die das Mobilitätsverhalten ändern.

Da die Forscher mit ihren Konzepten den klassischen Weg der ÖPNV-Planung verlassen, formulierten sie darüber hinaus rechtliche Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen. Ein Beispiel dafür ist der im Konzept enthaltene Hinweis, eine öffentliche Datenbank zu installieren, die alle Rechtsgutachten und -prüfungen zu Förderprojekten des Bundes enthält.

Der Ergebnisbericht ist als BMVI-Online-Publikation 4/2016 erschienen. Mit dem Forschungsprojekt betraut waren das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel und das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität.


Kontakt

Daniel Regnery
Stab Wissenschaftliche Dienste
Tel.: +49 228 99401-1594
daniel.regnery@bbr.bund.de

Thomas Wehmeier
Referat I 5 - Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr
Tel.: +49 228 99401-1235
thomas.wehmeier@bbr.bund.de