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Europa und Indien – Vielfalt im regionalen Vergleich

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Eine erste kleine regionale Analyse in ausgewählten Themenfeldern versteht sich als Ansatzpunkt im Rahmen der bilateralen Urbanisierungspartnerschaften der Bundesregierung, der die Kooperation des BBR/BBSR und des NIUA in New Delhi vertieft. Ziel ist die Weiterentwicklung ihrer Stadt- und Raumbeobachtungssysteme im nationalen und supranationalen Kontext.

Fachbeitrag: Februar 2018


Bevölkerungsentwicklung:
In Europa stehen sich wachsende und schrumpfende Regionen gegenüber - in Indien sind es die wachsenden und die noch schneller wachsenden.

Wirtschaftliche Unterschiede:
Der Osten Europas ist in Indien der Norden.

Unternehmensbeteiligungen:
Europa investiert in Indien diversifiziert, Indien in Europa wirtschaftlich konzentriert.


Europa und Indien: Die zwei Subkontinente prägen eine staatliche und sprachliche Vielfalt. Auf der Halbinsel im Westen Eurasiens haben sich als Union 28 Mitgliedstaaten mit 24 Amts- und Arbeitssprachen zusammengeschlossen. Hinzu kommen fünf sogenannte halbamtlichen Sprachen, die für die Korrespondenz mit den Institutionen der Union genutzt werden können. Südlich des Himalayas in Südasien sind es wiederum 29 Staaten (zuzüglich sieben zentral verwalteter Territorien) mit zwei überregionalen und 21 regionalen Amtssprachen.

Auf der einen Seite Europa, seit 1993 ein gemeinsamer Wirtschaftsraum mit rund 517 Millionen Einwohnern. Auf der anderen Indien, auf dem Weg, mit der Steuerreform von 2017 bundesstaatliche Steuerunterschiede zu überwinden und durch den Wegfall der Zollkontrollen einen Binnenmarkt mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern zu schaffen. Gibt es Gemeinsamkeiten oder überwiegen die Unterschiede? Wie zeigen sich die Strukturen und Entwicklungen in ihren jeweils räumlichen Perspektiven und auch im regionalen Vergleich miteinander?


Demografie

Mit 1,3 Milliarden Einwohnern ist Indien, das nach Bevölkerung zweitgrößte Land weltweit. Nur in Indien und China zeigt sich weltweit eine solche nahezu über das gesamte Territorium gleichmäßig verteilte Zahl von Einwohnern auf den Quadratkilometer.

Die Weltkarte in 3D-Ansicht zeigt die Bevölkerungsverteilung 2015, wobei die bevölkerungsreichsten Metropolen durch Gebirge mit den entsprechenden "Gipfeln" deutlich werden. BevölkerungsverteilungQuelle: BBSR

Die wenigen, auf die großen Metropolen bezogenen "Bevölkerungsberge" der 512 Millionen Einwohner der Europäischen Union bzw. der rund 820 Millionen Menschen im Raum des Europarates zeigen ein deutlich anderes räumliches Muster.

Die Zahl der Einwohner stieg in den letzten 50 Jahren sowohl in Indien als auch in Europa. Mit 406,7 Millionen in Europa und 439,2 Millionen in Indien lag die Einwohnerzahl im Jahre 1961 noch auf, grob gesehen, vergleichbarem Niveau. Bis zum Jahre 2017 hat sich die Zahl in Indien verdreifacht. In Europa stieg sie um rund ein Viertel.

Getragen wird die Bevölkerungsentwicklung in Indien durch den hohen Geburtenüberschuss: Im Schnitt der letzten 25 Jahre lassen sich fast dreimal so viele Geburten wie Sterbefälle verzeichnen. Die Zahl der Einwohner stieg in diesem Zeitraum im natürlichen Saldo im Schnitt um 17 Millionen Einwohner pro Jahr. Der Wanderungssaldo Indiens ist allerdings negativ: pro Jahr verließen 460.000 Menschen das Land, in der Summe waren es in diesem Zeitraum 11,5 Millionen Einwohner.

Etwas anders sieht die Entwicklung in Europa aus. Zwar überstieg auch hier bis auf die beiden letzten Jahre die Zahl der Geburten diejenige der Sterbefälle um rund 315.000 pro Jahr. Die Zuwanderung ist in Europa aber das bestimmende Element der Bevölkerungsentwicklung. Im Schnitt kamen jährlich etwas mehr als eine Million Menschen in die Union - in der Summe der Jahre waren es 25,5 Millionen.

Der Unterschied in der Entwicklung der Bevölkerung zwischen Indien und Europa zeigt sich in der regionalen Perspektive. Schrumpfende Regionen, wie es sie in einigen Ländern Europas gibt, finden sich in Indien bestenfalls punktuell – beiden gemeinsam ist allerdings das verstärkte Wachstum der Metropolen. Während es in Europa nur einige wenige Regionen sind, etwa im Umland von Madrid, die im Zeitraum von 2001 bis 2011 ein Bevölkerungswachstum von bis zu 4% pro Jahr aufweisen, ist dies in den indischen Metropolen und deren Umland durchaus die Regel.

Die Karte von Europa und Indien stellen die jährliche durchschnittliche Bevölkerungsentwicklung in den Jahren 2001 bis 2011 dar BevölkerungsentwicklungQuelle: BBSR

Dem Nebeneinander von Wachsen und Schrumpfen europäischer Regionen steht in Indien eher ein stärkeres Wachstum gegenüber, wobei die Bevölkerung in den südlichen und östlichen Teilen des Landes außerhalb der Metropolen eher weniger stark zugenommen hat.

Die Unterschiede zwischen Indien und Europa zeigen sich in der Struktur der Bevölkerung. Der "alte Kontinent" wird seinem Namen hier im demografischen Sinne gerecht. Das Medianalter der Bevölkerung liegt in Indien bei 26,7 Jahren, ein Bürger der Europäischen Union ist durchschnittlich hingegen 42,4 Jahre alt.

Der Anteil der Kinder bis zu 6 Jahren macht diesen "Altersunterschied" deutlich: Während er in der EU insgesamt bei rund 6% liegt, ist er in Indien mehr als doppelt so hoch – bei fast 14%. In Deutschland ist der Anteil besonders gering: Er liegt landesweit bei 5%. In Portugal und Spanien finden sich gar Regionen mit Anteilen um die 3%.

Regional lassen sich in Indien deutliche Unterschiede erkennen. Der Süden des Landes zeigt einen eher geringen Anteil von Kindern dieser Altersklasse. In Tamil Nadu liegt der Anteil zum Beispiel bei rund 8%, in Rajasthan ist ein Fünftel und in Meghalaya rund ein Viertel der Bevölkerung unter 6 Jahre alt.

Die beiden Karten von Europa und Indien stellen den Anteil der Kinder (unter 6 Jahren) an der Gesamtbevölkerung 2011 dar KinderanteilQuelle: BBSR

Der deutliche Männerüberschuss ist in Indien eine grundlegende demografische und soziale Frage. Im Landesschnitt kamen im Jahr 2011 auf 100 Männer 94 Frauen. Das unausgeglichenste Verhältnis zwischen den Geschlechtern fand sich mit unter 90 Frauen in den nordwestlichen Bundesstaaten Haryana und Punjab sowie in großen Teilen von Uttar Pradesh und Madhya Pradesh.

Eine unausgewogene Geschlechterproportion fand sich aber auch in einigen Regionen Europas, insbesondere in den skandinavischen Ländern oder dem Osten Spaniens. Die niedrigsten Werte dieser Regionen in Europa weisen in etwa die Geschlechterproportion des indischen Durchschnittswertes auf. Grundsätzlich gibt es in Europa allerdings einen deutlichen Frauenüberschuss: Hier kommen im Schnitt 105 Frauen auf 100 Männer.

Die Karten von Europa und Indien stellen die Geschlechterproportion von 2011 dar, d.h. die Anzahl der Frauen pro 100 Männer GeschlechterproportionQuelle: BBSR

Das Verhältnis verschlechtert sich sowohl in Indien als auch in Teilen Europas allerdings in der jüngsten Generation. Auf 100 Jungen im Alter bis zu 6 Jahren kamen 2011 in Indien 92 Mädchen, in Europa sind es 95. Die regionalen Unterschiede zeigen in Indien das zur Gesamtbevölkerung vergleichbare räumliche Bild. In Europa ist das Verhältnis von Mädchen zu Jungen aber überwiegend in deutschen Regionen am geringsten.

Die Karten von Europa und Indien stelle die Geschlechterproportion der Kinder 2011 dar, d.h. die Anzahl der Mädchen unter 6 Jahren pro 100 Jungen der gleichen Altersklasse Geschlechterproportion KinderQuelle: BBSR

Die Entwicklung der Städte

Die Entwicklung der Bevölkerung schlägt sich natürlich auch in der Entwicklung der städtischen Bevölkerung nieder. Das Wachstum der Städte konzentriert sich in Europa insbesondere auf die größeren Städte und Großstädte, in einigen Ländern in Osteuropa nahezu ausschließlich auf die Hauptstädte.

Die Karten von Europa und Indien stellen die Bevölkerungsentwicklung in den Städten über 20.000 Einwohner dar. Die Größe der Kreissymbole bestimmen die Anzahl der Einwohner 2016, die Farbe die durchschnittliche jährliche Veränderung 2011 bis 2016. Anzahl und Entwicklung der Bevölkerung der StädteQuelle: BBSR

Das Bild der Entwicklung unterscheidet sich in Europa allerdings national deutlich. Insgesamt stieg die Bevölkerungszahl in den Städten unter 50.000 Einwohner zwischen 2001 und 2016 insgesamt leicht an. Die Zahl der Einwohner in den großen Metropolen wuchs in diesem Zeitraum gar um knapp 14%. Im Vereinigten Königreich nahm die Zahl der Einwohner in den Metropolen dabei um rund 30% zu, in Portugal und Griechenland hingegen um über 15% ab. Insgesamt stieg die Bevölkerungszahl in den Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern um knapp 5%.

In Indien wuchs die Stadtbevölkerung in Städten über 20.000 insgesamt um knapp 28%. Die Zunahmen in den Großstädten liegen mit 31% deutlich über der Wachstumsrate der kleineren Städte, die bei rund 18% liegt. Ausgesprochene regionale Unterschiede finden sich in Indien nicht.

Die Bedeutung der Städte spiegelt sich auch in der Flächeninanspruchnahme der Städte und städtischen Gebiete wider. Die Flächenanteile der städtischen Gebiete zeichnen sowohl in Europa als auch in Indien deutlich urbane Siedlungsbänder ab: In Europa das Band der "blauen Banane" von England nach Norditalien, in Indien eine Art "urbane Harfe", die sich über die Ganges-Ebene entlang der Küsten bis zum Golf von Khambhat erstreckt. Der Anteil der Siedlungsflächen liegt in der EU im Durchschnitt bei 5%, in Indien bei 8%.

Die Karten von Europa und Indien stellen den Flächenanteil der Städte und städtischen Gebiete 2015 an der Gesamtfläche der Regionen dar Flächenanteile von städtischen GebietenQuelle: BBSR

In der Entwicklung der städtischen Flächen zeigt sich in Indien die Dynamik des städtischen Wachstums. In vielen Regionen liegen die Zuwachsraten der urbanen Siedlungsflächen in den Jahren von 2000 bis 2015 zum Teil deutlich über 50%. Im landesweiten Durchschnitt stiegen die städtischen Flächen um knapp 47%.
Das sieht in Europa ganz anders aus: Mit einer Zunahme um rund 6% wuchsen die städtischen Gebiete deutlich geringer als in Indien. Wieder zeigen sich ausgeprägte nationale und regionale Unterschiede. Zu nennen wären etwa die verstärkte Flächeninanspruchnahme im Umland der Zentren etwa in Polen und in Spanien und die größeren räumlichen Unterschiede in Spanien und in Frankreich.

Die Karten von Europa und Indien stellen die Flächenentwicklung von Städten und städtischen Gebieten von 2000 bis 2016 in Prozent dar Flächenentwicklung von städtischen GebietenQuelle: BBSR

Wirtschaftliche Kohäsion

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu laufenden Preisen rangiert die EU als Ganzes mit einer Produktion von Waren und Dienstleistungen im Wert von 14,85 Billionen Euro hinter der stärksten globalen Wirtschaft, den USA mit einem BIP von 16,82 Billionen Euro auf Rang 2. Einzelstaatlich betrachtet folgen nach den USA jedoch China (10,14 Bio. Euro), Japan (4,45 Bio. Euro) und Deutschland (3,14 Bio. Euro).

Indien ist mit einem BIP von 2,05 Billionen Euro nach dem Vereinigten Königreich (2,37 Bio. Euro) und Frankreich (2,23 Bio. Euro) die siebtstärkste Wirtschaftsnation der Welt. In etwa vergleichbar mit Frankreich beträgt das BIP dort rund 14% der Wirtschaftsleistung der EU. Das BIP pro Kopf Indiens liegt gemessen in Euro bei 4,2% des EU28-Durchschnittwerts; gemessen in Kaufkraftstandards (KKS), die Preisniveaus berücksichtigen, erreicht das Pro-Kopf-BIP 17% des EU28-Wertes.

Die wirtschaftliche Leistung unterscheidet sich in den Mitgliedstaaten der EU deutlich. Das BIP pro Einwohner in KKS reicht von 49% in Bulgarien bis 258% in Luxemburg; Deutschland erreicht 123%, das EU-Durchschnittsland ist Italien. Die EU hat sich daher zum Ziel gesetzt, die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten und den Regionen abzubauen. Zur Umsetzung der europäischen Struktur- und Kohäsionspolitik stellt die Union mit den Strukturfonds Finanzmittel bereit, mit denen wirtschaftliche und soziale Nachteile überwunden werden sollen. Zurzeit gibt es drei Fonds: Den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Europäischen Kohäsionsfonds. Letzterer fördert unter anderem Investitionen in transeuropäische Transportnetze von gemeinschaftlichem Interesse und im Umweltbereich, etwa zur effizienteren Nutzung der Energie, zum Ausbau von erneuerbaren Energien und zur Stärkung von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Abgrenzung der Kohäsionsländer erfolgt über das Verhältnis des Bruttonationaleinkommens je Einwohner zum europäischen Durchschnitt. Liegt der Wert eines Mitgliedstaates unter 90%, gilt er als Kohäsionsland.

Die Karte von Europa zeigt die wirtschaftlichen Unterschiede in der Union deutlich: Die Kohäsionsländer Bulgarien, Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern zeichnen sich ab. Spanien reiht sich auf Basis aktueller Daten in den Reigen der Kohäsionsländer ein, erfüllte allerdings zum Zeitpunkt der Festlegung aufgrund der Datenlage nicht das notwendige Kriterium.

Die Karten von Europa und Indien stellen das Bruttonationalprodukt je Einwohner in Euro bzw. Crore 2016 in Prozent des EU 28-Durchschnitt bzw. indischen Durchschnitts dar Wirtschaftliche KohäsionQuelle: BBSR

Die Übertragung der europäischen Idee zur Bestimmung der Kohäsionsländer auf Indien zeigt ein deutliches Süd-Nord-Gefälle der Wirtschaftskraft. Die Spanne reicht von 32% des nationalen Durchschnitts in Bihar bis zu 331,9% in Goa. Aus dieser Perspektive wären die Bundesstaaten Bihar, Uttar Pradesh, Manipur, Assam, Jharkhand, Madhya Pradesh, Meghalaya, Jammu & Kashmir, Odisha, Tripura, Rajasthan und Chhattisgarh Kohäsionsbundesstaaten.

Europa und Indien – wirtschaftliche Verflechtungen

Die EU ist für Indien einer der wichtigsten Handelspartner. Mit einem Anteil von 17,2% an den Exporten Indiens belegt sie vor den USA den ersten, bei den Importen mit einem Anteil von 10,2% nach China den zweiten Platz.

Umgekehrt gehört Indien für die EU zu den zehn wichtigsten Handelspartnern; mit Anteilen von jeweils rund 2,3% sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen belegt Indien den zehnten bzw. den neunten Platz. Eine wichtige Rolle spielen indische Unternehmen auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Rund 3.000 Tochterunternehmen und Mehrheitsbeteiligungen indischer Unternehmen stehen für fast 420.000 Arbeitsplätze in Europa. Die Tata Gruppe mit Tata Motors und Tata Steel hat hier rund 100.000 Beschäftigte. Mit Hinduja Automotive, Samvardhana Motherson zusammen mit der PKC Group, der Varroc Group und Apollo Tyres verfügen indische Unternehmen insbesondere im Automobilbau und in der Automobilzulieferindustrie in Europa über weitere wichtige Standbeine, die zusammen für um die 80.000 Arbeitsplätze stehen.

Das Sankeydiagramm (Flussdiagramm) stellt die Unternehmensbeteiligungen zwischen Europa und Indien dar. Unternehmensbeteiligungen in Europa und IndienQuelle: BBSR

Umgekehrt gibt es in Indien knapp 8.500 europäische Tochterunternehmen und mehrheitliche Beteiligungen. In der Zahl höher zeigen sich europäische Aktivitäten weniger konzentriert und in Einzelbeteiligungen, was die Zahl der Arbeitsplätze betrifft, in geringerem Umfang. Die größten Beschäftigungszahlen gibt es im Baustoffbereich, etwa mit LafargeHolcim (rund 13.000 Beschäftigte) und dem Anlagenbau mit Alsthom, AB Elektolux (zusammen rund 10.000 Arbeitsplätze) und dem Pharmabereich mit zum Beispiel GlaxoSmithKline mit 10.000 Mitarbeitern.

Europäische Unternehmensbeteiligungen werden dominiert von Beteiligungs- und Investmentgesellschaften, wie etwa SAS Rue la Boite, Ackermans & van Haaren oder Apax Partners.

Regionale Ebenen und Datengrundlagen

Die Grundlagen regionaler Vergleiche, insbesondere im internationalen Kontext, sind bestenfalls harmonisierte regionalstatistische Daten und regionale Gebietseinheiten.

In Europa dient das Europäische Statistische System der Angleichung und Harmonisierung der Daten. Das Statistische Amt der EU (Eurostat) widmet einen nicht unerheblichen Teil seiner Aktivitäten der Bereitstellung harmonisierter regionaler Daten. Auf internationaler Ebene tut dies zum Beispiel auch die OECD in einer breiteren geografischen Perspektive.

Die Angleichung und Harmonisierung von Definitionen der statistischen Erhebungen in einer eher globalen Sicht orientieren sich jedoch überwiegend an einem staatlichen Vergleich. Diesem Zweck dienen etwa die international vergleichbaren Definitionen der Arbeitslosigkeit durch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) oder im Bereich der Wirtschafts- und Finanzdaten die Harmonisierungen zum Beispiel durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds.

Die Statistik der Vereinten Nationen orientiert sich abgesehen von den Aktivitäten zur Harmonisierung der Indikatoren der Ziele für nachhaltige Entwicklung eher an den Beiträgen der einzelnen Mitgliedstaaten. Vorhandene Systeme für regionalstatistische Gebietseinheiten dienen ebenfalls den regionalen Vergleichen innerhalb multinationaler Vereinigungen und Organisationen wie der EU oder der OECD

Für die EU wurde zu Zwecken der Statistik und der regionalen Förderung mit der Systematik der Gebietseinheiten für die Statistik (NUTS - Klassifikation) ein hierarchisches System geschaffen, dass die Regionen untergliedert. Auch die OECD definiert hierfür unterschiedliche territoriale Ebenen.

Der vorliegende erste regionale Vergleich von Indien und der EU erfolgte auf Basis von nationalen Angaben und für Europa zusätzlich auf der Grundlage von Eurostat-Daten. Der Analyse von Struktur und Entwicklung der Bevölkerung dienten die Zensusergebnisse der Jahre 2001 und 2011, um eine Nähe in der Definition und auch des Zeitvergleich zu gewährleisten. Flächennutzung und Flächenentwicklungen lassen sich schon auf europäischer Ebene nur auf Basis von Daten analysieren, die in gemeinschaftlichen Aktivitäten wie dem CORINE Land Cover entstehen. Solche Angaben sind im weltweiten Vergleich nicht direkt verfügbar. Um einen ersten Eindruck der Stadtentwicklung zu bekommen, wurden die Ergebnisse der Human Planet Initiative genutzt.

Der regionale Vergleich erfolgt über die vorhandenen administrativen Einteilungen auf Basis von NUTS 0, den Mitgliedstaaten der EU und der Bundesstaaten Indiens – in der tieferen regionalen Betrachtung auf Ebene NUTS 3, in Indien repräsentiert durch die Distrikte. Eine eher funktionale großräumigere Betrachtung ist in Indien nicht möglich, da eine mit NUTS 2 vergleichbare regionale Ebene nicht existiert. Diese Ebene wurde in der EU in einigen Ländern zwar erstrangig zu Zwecken der EU-Regionalpolitik eingeführt, ist aber in der europäischen Perspektive die wichtigste regionale Ebene und in den meisten Ländern auch funktional von Bedeutung.

Gemeinsam zur Verbesserung wissensbasierter Politikberatung

In diesem Sinne werden BBR/BBSR und NIUA daran arbeiten, räumliche Abgrenzungen zeitgemäß zu definieren und Datenstrukturen und -standards aktuell zu formulieren. Die Beobachtungssysteme beider Länder dienen der Evaluierung von städtischen Förderprogrammen auf der jeweils nationalen Ebene. Sie tragen dazu bei, wissenschaftliche Standards und Instrumente der Berichterstattung und Politikberatung weiterzuentwickeln.

Das BBSR bringt in die Kooperation seine langjährige Erfahrung in der Arbeit im europäischen Stadt- und Raumbeobachtungsnetzwerk ESPON und seine fundierte Kompetenz in der Analyse und der Visualisierung räumlicher Strukturen und Prozesse ein. Es wird in der Weiterentwicklung seiner laufenden Stadt- und Raumbeobachtung von den Erfahrungen des NIUA profitieren, insbesondere in der Nutzung von Satellitendaten und Open Data. In gleichem Maße lernt das NIUA in Aufbau, Management und Evaluierung nationaler städtischer Förderprogramme von den Erfahrungen des BBSR. Zukunftsorientierte Förderprogramme und moderne Stadt- und Raumbeobachtungssysteme sollten dazu eng miteinander verknüpft sein.

>> Diese Internetseite ist zusätzlich in englischer Sprache verfügbar.

Zusatzinformationen

Kontakt

Volker Schmidt-Seiwert
Referat I 3 - Europäische Raum- und Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2246
Dr. André Müller
Referat I 3 - Europäische Raum- und Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2341

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