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Quartiersmanagement Soziale Stadt –
Ein Ansatz für integriertes Handeln

Ergebnisse

Rechtlicher Rahmen für den Einsatz von Quartiersmanagements

Den rechtlichen Rahmen für die Quartiersmanagements geben auf Bundesebene die Verwaltungsvereinbarung zur Städtebauförderung und auf Länderebene die entsprechenden Förderrichtlinien vor. Quartiersmanagements sind inzwischen in allen Bundesländern förderfähig, in Baden-Württemberg über ein gesondertes Programm für nicht-investive Maßnahmen. Die Bundesländer empfehlen den Kommunen, Quartiersmanagements einzuführen. In manchen Bundesländern ist das Instrument sogar verpflichtend. Inhaltlich sowie zu Umfang und Aufgaben des Quartiersmanagements bestehen kaum Vorgaben. Dadurch lässt sich das Instrument in den Kommunen an die Begebenheiten vor Ort anpassen.

Zielsetzung und Aufgabenspektrum der Quartiersmanagements in der Sozialen Stadt

Quartiersmanagements haben sowohl vertikal zwischen Verwaltung und Quartier als auch horizontal zwischen den Quartiersakteuren oder zwischen den Verwaltungsstellen eine vermittelnde Rolle. Durch die vertikale Vermittlung sichert das Quartiersmanagement die Bewohnerorientierung innerhalb der Sozialen Stadt. Durch die horizontale Vermittlungsrolle tragen sie zum stärkeren integrierten Handeln innerhalb der Verwaltung aber auch zwischen den Akteuren im Quartier bei.

Die Aufgaben, die das Quartiersmanagement innerhalb dieser Rollen übernimmt sind vielfältig. In fast allen Fördergebieten gehört zu den Aufgaben die Information, Aktivierung und Beteiligung der Bewohnerschaft, die Aktivierung von Engagement und die Zusammenarbeit mit Stadtteilakteuren. Ob das Quartiersmanagement die Erstellung und Fortschreibung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) und andere Organisations- und Steuerungsaufgaben übernimmt, hängt insbesondere von der Arbeitsteilung mit der Kommune zusammen. Darüber hinaus unterscheidet sich die Arbeit der Quartiersmanagements je nach Problemen und thematischen Schwerpunkten im Quartier.

Fallbeispiele

Die in der Studie untersuchten fünf Fallbeispiele haben jeweils individuelle Schwerpunkte und unterscheiden sich nicht nur in den behandelten Themen, sondern auch im Vorgehen und der Bedeutung der Aktivierung, Beteiligung und Zusammenarbeit mit den Stadtteilakteuren.

  • Im Gebiet Berlin - Schöneberger Norden arbeitet das Quartiersmanagement in mehreren Netzwerken und Arbeitsgruppen mit den Stadtteilakteuren zusammen. Je nach Bedarf werden neue Arbeitsgruppen einberufen.
  • In der Dortmunder Nordstadt setzt das Quartiersmanagement aufgrund der Größe des Gebietes kleinräumige Strategien zur Aktivierung und Beteiligung um. Unter anderem bildet es zum Beispiel ein Fokusquartier mit eigenem Quartiersmanager.
  • In Magdeburg-Südost unterstützt das Quartiersmanagement intensiv das Engagement von Bewohnergruppen und Stadtteilakteuren für das Quartier.
  • In Raunheim wurde ein eigener Verein als Träger des Quartiersmanagements gegründet. Den Vereinsvorsitz hat der Bürgermeister übernommen. Dadurch hatte das Quartiersmanagement viel Rückhalt in der Kommunalverwaltung.
  • In Elmshorn-Hainholz sorgte die enge Zusammenarbeit des Quartiersmanagements mit dem Stadtteilverein dafür, dass Aufgaben des Quartiersmanagements auch nach der Förderung fortgeführt werden.

Erfolgsfaktoren und Hemmnisse der Umsetzung

Die Schwerpunkte und die Vorgehensweisen der Quartiersmanagements müssen an die Situation im Quartier angepasst werden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Ansätze je nach Ort voneinander. Das Projektteam identifizierte dennoch übergeordnete Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung des Instruments. Da jedes Quartiersmanagement sehr individuell ist, kann jedoch auch die entstandene Arbeitshilfe kein Patentrezept bieten. Wesentliche Erfolgsfaktoren liegen zum einen in der Zusammenarbeit zwischen Quartiersmanagement und Kommune, die die Etablierung eines integrierten Handelns voraussetzt. Zudem braucht es ein partnerschaftliches Verhältnis zu einem Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung, das die Einbettung in den Gesamtprozess und eine gemeinsame Strategieentwicklung ermöglicht. Eine Stärke des Instruments ist, dass es flexibel auf die Situation vor Ort reagieren kann. Gleichzeitig lässt sich so das Potenzial des Quartiersmanagements ausschöpfen. Ein ausreichend konkretes ISEK ist eine wichtige Orientierung für die Arbeit.

Übertragbarkeit des Instruments

Quartiersmanagements finden nicht nur in der Sozialen Stadt Anwendung, sondern auch in den anderen Städtebauförderungsprogrammen. Trotz inhaltlich unterschiedlicher Ausrichtung lassen sich die grundlegenden Erkenntnisse aus der Sozialen Stadt auch auf die Stadtteil- oder Zentrenmanagements der anderen Programme übertragen. Außerhalb der Städtebauförderung gibt es andere sozial benachteiligte Quartiere, in denen ein Quartiersmanagement ebenfalls zur Stabilisierung beitragen kann. Einzelne Kommunen, aber auch Wohnungsunternehmen wenden das Instrument dort an. Gesellschaftliche Trends wie zum Beispiel Überalterung führen darüber hinaus dazu, dass der Ansatz auch in sozioökonomisch stabilen Stadtteilen sinnvoll zum Einsatz kommen kann. In anderen Politik- und Stadtentwicklungsthemen finden sich vergleichbare Ansätze.

Empfehlungen

Aus der Studie ergeben sich Empfehlungen auf Bundes- wie auch auf Länder- und kommunaler Ebene. Sie helfen dabei, das Instrument Quartiersmanagement umzusetzen und weiterzuentwickeln. Die Bundesebene sollte das Instrument stärken, indem sie die ressortübergreifende Strategie Soziale Stadt umsetzt und die Möglichkeiten zur Mittelbündelung verbessert. Zudem lässt sich das Instrument stärken, wenn es mit den Ansätzen aus den anderen betrachteten Politikbereichen verknüpft wird. Die Bundesebene sollte die Bedeutung des integrierten Handelns kommunizieren und hervorheben. Sinnvoll ist es darüber hinaus, den Austausch zwischen den Quartiersmanagements über die Bundestransferstelle zu verbessern, um so gute Beispiele zu verbreiten.

Auf Länderebene sollte ebenfalls der Austausch zwischen den Quartiersmanagements organisiert werden. Das Instrument wird zudem gestärkt, wenn sich die Arbeitsbedingungen (insbesondere Laufzeiten und Bezahlung) für die Quartiersmanager verbessern. Das verringert die Diskrepanz zu den Qualifikationsanforderungen an die Quartiersmanager zu verringern. Um die Rolle des ISEK als Grundlage für das Quartiersmanagement zu stärken, sollten die Länder eine bessere Verankerung des Instruments in den Konzepten einfordern. Ebenso können die Länder durch Anforderungen an die Verwaltungskooperation einen Impuls für das integrierte Handeln vor Ort setzen.

Die Kommunen müssen die Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Arbeit der Quartiersmanagements schaffen. Sie sollten das integrierte Handeln und das sozialräumliche Denken innerhalb der Verwaltung stärker etablieren und so die Grundlage dafür schaffen, dass das Quartiersmanagement mit unterschiedlichen Verwaltungsstellen zusammenarbeiten kann. Die Kommunen sollten auf dieser Basis bereit sein, das Quartiersmanagement als Experten für das Quartier anzunehmen und ihm die notwendige Flexibilität im Arbeiten zugestehen. Für die notwendige enge Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement sollten in der Verwaltung Ressourcen bereitgestellt werden – insbesondere in Form eines Ansprechpartners.

Zusatzinformationen

Kontakt

Juliane Wagner
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2335