Navigation und Service

Gemeinwesenarbeit in der sozialen Stadt – Entwicklungspotenziale zwischen Daseinsvorsorge, Städtebauförderung und Sozialer Arbeit

Die Bewahrung und Stärkung des sozialen Zusammenhalts ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Städtebauförderprogramm "Soziale Stadt" unterstützt hier, ist aber auf komplementäre Förderstrategien anderer Ressorts, die Bündelung von Ressourcen und übergreifendes Handeln angewiesen. Auch Gemeinwesenarbeit kann hierzu Beiträge leisten. Auf Basis eines Methodenmix soll die Studie zeigen, wie Gemeinwesenarbeit in Quartieren der "Sozialen Stadt" strukturell verankert ist und was sie leisten kann.

Projektstart: April 2018

Ausgangslage

Mit dem Programm Soziale Stadt sollen Investitionen in städtebauliche Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung von Stadt- und Ortsteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf initiiert werden, die auf Grund der Zusammensetzung und wirtschaftlichen Situation der darin lebenden und arbeitenden Menschen erheblich benachteiligt sind. Damit soll ein Beitrag zur Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität und Nutzungsvielfalt, zur Verbesserung der Generationengerechtigkeit in den Quartieren und zur Integration aller Bevölkerungsgruppen geleistet werden. Ziel ist es vor allem, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und lebendige Nachbarschaften zu befördern. Fördervoraussetzung im Programm Soziale Stadt ist ein integriertes Entwicklungskonzept für ein von der Kommune anhand einschlägiger Indikatoren festzulegendes Fördergebiet sowie die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner und der im Quartier engagierten Akteure. Die Ziele der sozialen Quartiersentwicklung sind so gesteckt, dass zu ihrer Erreichung der gebietsbezogene Ansatz der Städtebauförderung mit individuenbezogenen Ansätzen anderer Fachpolitiken Hand in Hand gehen muss.

Vor Ort wird das integrierte, fachübergreifende Vorgehen durch ein Quartiersmanagement unterstützt, mit dem die Aktivitäten gebündelt und abgestimmt werden und das als Ansprechpartner für die Bewohnerschaft und Mittler zwischen Verwaltung und Quartier fungiert. Angesichts anhaltender Herausforderungen in benachteiligten Quartieren ist es erforderlich, dass alle föderalen Ebenen die Quartiere zukünftig noch effizienter und integrierter unterstützen. Für die Ebene des Bundes hat das Bundeskabinett am 31.08.2016 eine ressortübergreifende Strategie Soziale Stadt "Nachbarschaften stärken – Miteinander im Quartier" beschlossen. Damit verpflichten sich die Ressorts, zukünftig ein besonderes Augenmerk auf benachteiligte Stadtquartiere zu legen und ihre Programme und Ressourcen besonders in diesen Quartieren zu bündeln. Ähnliche Strategien und Ansätze gibt es auf Ebene der Länder und Kommunen.

Bisherige Erfahrungen und die Evaluation zeigen, dass das Programm Soziale Stadt bei der Beseitigung der wohnungs- und städtebaulichen Missstände sehr gute Arbeitet leistet, dies aber teilweise nicht ausreicht, um die Lebenssituation in den Soziale Stadt-Gebieten nachhaltig zu verbessern. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner wird die Lebensqualität nach wie vor durch soziale und ökonomische Ausgrenzung eingeschränkt. Zur Beseitigung von Ausgrenzung existieren zwar einzelfallbezogene Hilfesysteme, die teilweise sozialraumorientiert arbeiten und zielgruppenübergreifend handeln, eine vom Einzelfall unabhängige Gemeinwesenarbeit ist aber nicht zur Regelstruktur geworden.

Diese Studie zielt darauf, zu untersuchen, welche Möglichkeiten Kommunen und Quartiere haben, um Gemeinwesenarbeit – insbesondere in benachteiligten Nachbarschaften – strukturell zu verankern. Dabei soll die Gemeinwesenarbeit in ihrer gesamten Breite und Akteursvielfalt untersucht werden. Dem Forschungsverständnis nach werden sämtliche Strategien, die sich ganzheitlich auf den Stadtteil und nicht nur auf einzelne Individuen richten, als Gemeinwesenarbeit verstanden.

Ziel

Die Studie zielt darauf, die strukturelle Verankerung von Gemeinwesenarbeit und sozialraumorientiertem Handeln zur Sicherstellung von sozialer Teilhabe und Daseinsvorsorge und für die Stärkung nachbarschaftlicher Unterstützungsstrukturen, insbesondere in Fördergebieten der "Sozialen Stadt" zu untersuchen. Dabei kommt der Verbindung zur Städtebauförderung und sich daraus ergebenden Synergieeffekten besondere Beachtung zu. Zentrale Forschungsfragen sind:

  • Welche Ansätze von Gemeinwesenarbeit gibt es heute in Soziale Stadt Gebieten? Welche Aufgaben nehmen sie wahr? Welchen Mehrwert haben diese Ansätze für die Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier? Welchen Mehrwert haben Kommunen, die Gemeinwesenarbeit strukturell in den Nachbarschaften etablieren?
  • Wer sind die Akteure und Träger von Gemeinwesenarbeit in den Quartieren? Wie unterscheiden sie sich? Gibt es unterschiedliche Schwerpunkte, beispielsweise zwischen den klassischen Trägern sozialer Arbeit und Akteuren im Bereich Planung und Wohnungswesen?
  • Wie kann das Verhältnis von Quartiersmanagement und Gemeinwesenarbeit beschrieben werden? Wo sind die Aufgaben deckungsgleich, wo ergänzen sie sich?
  • Welchen Beitrag kann Gemeinwesenarbeit insbesondere zur Stabilisierung benachteiligter Quartiere und zur Integration aller Bevölkerungsgruppen leisten?
  • Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es auf unterschiedlichen föderalen Ebenen für die Gemeinwesenarbeit in ihrer ganzen Breite? Welche Bundesressorts bieten konkrete Unterstützungsangebote für kommunale Gemeinwesenarbeit? Wo können Schnittstellen im Sinne einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit für benachteiligte Quartiere verbessert werden?
  • Welche sozialraumorientierten Ansätze fallbezogener Hilfen (insb. nach SGB) gibt es? Wie können raumbezogene, planerische Ansätze vor Ort mit sozialraumorientierten Ansätzen der fallbezogenen Hilfe zusammengebracht werden? Wo liegen Potenziale und wo Grenzen?
  • Welche stadtentwicklungs- und wohnungspolitischen Instrumente können neben der Städtebauförderung genutzt werden (z.B. Wohnraumförderung, städtebauliche Verträge)?

Zusatzinformationen

Kontakt

Dr. Karin Veith
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2140