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Wohneigentumsbildung und Stadterneuerung in den neuen Bundesländern

Forschungen, Heft 107, Hrsg.: BMVBS/BBR, Bonn 2002

Im Rahmen des wohnungswirtschaftlichen Strukturwandels in den neuen Ländern tritt zunehmend die Bildung von Wohneigentum als Mittel der Stadterneuerung in den Vordergrund. In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage nach selbstgenutztem Wohneigentum auf hohem Niveau bewegt. Auch künftig wird bei insgesamt deutlich abgeschwächter Wohnungsbautätigkeit dem Segment des selbstgenutzten Wohneigentums eine tragende Rolle in den neuen Ländern zukommen. Bisher fand die Wohneigentumsbildung vorwiegend durch Neubau an den Rändern der Städte und auf dem flachen Land statt. Die gravierenden Bevölkerungsverluste der Städte sind im erheblichen Umfang auf die Stadt-Umland-Wanderungen zurückzuführen. Eine maßgebliche Rolle spielt hierfür die Abwanderung von Eigentumserwerbern. Die Städte verlieren hierdurch nicht zuletzt finanzstärkere Haushalte, die sich den Traum vom Eigenheim im Umland erfüllen, mit der Folge, dass damit das Leerstandsproblem in den Kernstädten weiter verstärkt wird. Daher stellt sich die Frage, wie die Eigentumsbildung in die Städte umgelenkt werden kann und welcher Impulse es hierfür bedarf, wenn das Ziel erreicht werden soll, die Städte zu revitalisieren, sie aufzuwerten und die Abwanderung gerade auch der finanzstärkeren Haushalte zu bremsen.

Im Rahmen eines Ressortforschungsprojektes "Wohneigentumsbildung und Stadterneuerung" (Auftragnehmer: empirica Qualitative Marktforschung, Stadt- und Strukturforschung GmbH, Bonn) wurde eine flächendeckende Erfassung aller Städte mit einer Einwohnerzahl ab 30.000 durchgeführt. Zusätzlich wurden zwölf weitere kleinere Städte in die Untersuchung mit einbezogen. Insgesamt recherchierte empirica in 69 Städten 101 Vorhaben. 25 Eigentumsmaßnahmen wurden vertieft auf ihre Übertragbarkeit, Qualität der Umsetzung, Wirtschaftlichkeit und ihre Auswirkungen auf Innovation und Flexibilität, architektonische Qualität, Wirtschaftlichkeit, ökologische Konzepte, Nachfragerpotenziale hin untersucht. Die Erhebung dieser 25 Fallbeispiele erfolgte mittels telefonischer Experteninterviews, Vor-Ort-Erhebungen und Interviews mit Bewohnern.

In der Querschnittsanalyse stellt die Studie die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für den Erfolg für Eigenheimbildung als Mittel der Stadterneuerung dar. Im Ergebnis werden die wichtigsten Lösungsansätze für eine erfolgreiche Vermarktung vorgestellt:

  • Der Preisrahmen innerstädtischer Angebote muss sich an der Preisgestaltung des Umlandes orientieren.
  • Die Angebote müssen sich stärker an den Nachfragerpräferenzen orientieren, um eine zügige Vermarktung zu gewährleisten. Den Käufern müssen Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden; eine strenge Reglementierung behindert die Vermarktung. Dies betrifft sowohl die Ausstattung als auch die Grundrissgestaltung.
  • Bei unklaren oder geteilten Eigentumsverhältnissen bietet das Poolen von Grundstücken durch die Kommunen die Möglichkeit, Projekte zügiger zu realisieren.
  • Die Risikofaktoren bei Eigentumserwerb können durch die Initiierung und Begleitung von Bauherrengruppen durch die Kommunen vermindert werden. Dadurch wird die Eigentumsbildung im Bestand weiter gestärkt.
  • Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zur Verbesserung des Images der Innenstädte.


Foto der Neubrandenburger Altstadt: Wohnungsneubau auf innerstädtischer BrachflächeNeubrandenburger Altstadt: Wohnungsneubau auf innerstädtischer Brachfläche Quelle: NEUWOGES, Neubrandenburger Wohnungsbaugesellschaft

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Projektleitung BBR: Iris Ammann iris.ammann@bbr.bund.de

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