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Soziale Absicherung des Wohnens

IzR 9.2011, Hrsg.: BBSR im BBR

Andrej Holm
Kosten der Unterkunft als Segregationsmotor. Befunde aus Berlin und Oldenburg

In dem Beitrag werden insbesondere die stadt- bzw. sozialräumlichen Effekte der Bemessungsgrenzen für die Kosten der Unterkunft diskutiert. Eine systematische Analyse dazu gibt es derzeit noch nicht, jedoch werden mit Beispielen aus Berlin und Oldenburg zwei Fallstudien vorgestellt, die jeweils auf der Basis von Wohnangeboten mögliche sozialräumliche Effekte analysieren.

Die Fallstudien verweisen darauf, dass sich das Angebot an angemessenen Wohnungen stadträumlich ungleich verteilt. Segregationstendenzen könnten zudem durch zu niedrige örtliche Versorgungsquoten mit angemessenen Wohnungen und die Wohnungskonkurrenz mit anderen Haushalten im Niedrigeinkommensbereich gefördert werden. Während in Berlin für die immerhin 18% SGB-II-Bedarfsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung auch nur 18% der angebotenen Wohnungen im Bemessungsbereich liegen, liegt dieser Anteil in Oldenburg mit 54,3% deutlich über dem Anteil transferempfangender Haushalte (6,7%). Gleichwohl zeigen sich gemeinsame Muster der sozialräumlichen Auswirkungen der Regelungen zu den Kosten der Unterkunft: In beiden Städten sind Teile der Innenstadt fast völlig frei von angemessenen Wohnungsangeboten. Und in beiden Städten werden vergleichsweise viele angemessene Wohnungen in den Siedlungsbereichen des sozialen Wohnungsbaus bzw. des Großsiedlungsbaus angeboten, so dass eine Konzentration von transferempfangenden Haushalten in diesen Beständen durch die Angebotsstruktur begünstigt wird. Der entscheidende Faktor für die Segregationsrelevanz der Regelungen zu den Kosten der Unterkunft liegt jedoch nicht in siedlungsspezifischen Unterschieden, sondern in eingeschränkten Wahlmöglichkeiten von Wohnungssuchenden durch die mit den Richtwerten für die Kosten der Unterkunft festgelegte Verknappung angemessener Wohnungen.