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Einheit und Differenz

IzR 5.2015

Was eint Deutschland? Oder: Wie einig ist Deutschland? Und: Wie nehmen Menschen heute die geeinte Republik wahr? Welches gegenseitige Lernen hat stattgefunden? Wo ist Differenz ernst zu nehmen und wo sollten vereinfachende Zuschreibungen ad acta gelegt werden?

Diesen Fragen geht das IzR-Heft auf den Grund. Bewusst veröffentlichen wir dieses Heft mit Abstand zu den Jubiläumsfeiern des vergangenen Jahres, die vor allem den Glücksmoment der gelungenen friedlichen Revolution in Erinnerung holten. In diesem Jahr erinnern wir an den Einigungsvertrag, der vor 25 Jahren die Weichen für eine gemeinsame Zukunft des Landes stellte. Dieses Jubiläum ist bei aller Bedeutung für das vereinte Deutschland und unsere Gesellschaft nüchterner und von weniger bunten Bildern begleitet. Vor diesem Hintergrund begeben wir uns mit unseren Autoren verschiedener Disziplinen auf die Spurensuche – zurück in die Zukunft. Dabei geht es nicht nur darum, wie sich unser Land und unsere Gesellschaft seit 1990 verändert hat, ob "zusammengewachsen ist was zusammengehört", wo die Landschaften blühen und was vielleicht auch auf der Strecke blieb.

Auch nach 25 Jahren gibt es noch deutliche Unterschiede im West- und Ostteil der heutigen Republik. Das gilt für Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssalden, Kinderbetreuung und Kinderarmut, aktuelle Bildungsabschlüsse und Altersarmut oder für Arbeitslosigkeit/Unterbeschäftigung und Verdienste. Sind aber alle heute zu konstatierenden Ost-West-Unterschiede ausschließliche Folge von gut 40 Jahren Teilung des Landes? Welchen Einfluss haben die beiden deutschen Entwicklungswege mit ihren divergierenden Moderne-Vorstellungen und ihrem zugehörigen Menschenbild heute noch? Oder waren die deutschen Länder und Regionen nicht auch schon zuvor sehr unterschiedlich geprägt, sodass sich heute verschiedenste regionale Besonderheiten und historische Erfahrungen überlagern, von denen Ost-West nur eine Ebene ist?


Wissenschaftliche Redaktion:
Gabriele Sturm